Die größten Flops des TV-Jahres 2015

    Tiefpunkte im Rückblick – von Glenn Riedmeier

    34 Flops des deutschen Fernsehens, deren Quote oder Qualität zu wünschen übrig ließ

    Nach dem traditionellen Jahresrückblick wollen wir nun tiefer ins Detail gehen. Auf welche Flops hätte so mancher Fernsehmacher am liebsten verzichtet, und welche Formate haben die meisten Zuschauer schon wieder verdrängt? TV-Wunschliste präsentiert eine persönliche Auswahl der nennenswertesten Flops des nationalen TV-Jahres 2015.

    Newtopia

    „Newtopia“: Gute Quoten waren eine Utopie

    Selten hat ein Fernsehsender derart hartnäckig an einem Format festgehalten wie Sat.1 an „Newtopia“. Ursprünglich als neue Hoffnung am Realityshow-Himmel gestartet, wurden Sender und Zuschauer bald unaufhaltsam von der Realität eingeholt. Einige Wochen nach dem Start kommen dank des Livestreams Manipulationsversuche, heimliche Meetings und redaktionelle Einflussnahme ans Tageslicht, obwohl im Vorfeld behauptet wurde, dass die sogenannten „Pioniere“ völlig auf sich gestellt seien. Die Folge waren kontinuierlich sinkende Einschaltquoten und unaufhörliche Negativschlagzeilen. Da halfen auch kontroverse Kandidaten wie Freigeist Candy nicht mehr. Das ursprünglich auf ein Jahr ausgelegte „Faketopia“ (wie das Format zeitweise hämisch bezeichnet wurde) endet nach rund fünf Monaten. Von den anfangs neugierigen 2,8 Millionen Zuschauern bleiben am Ende nur unter einer Million übrig.

    Mila

    Susan Sideropoulos kehrte als „Mila“ zur deutsche Daily-Soap zurück

    Nur knapp ein halbes Jahr später wiederholte sich das Vorabend-Pech von Sat.1: Zu den größten Serienflops des Jahres zählt die einstige Daily-Soap-Hoffnung „Mila“. Nur zwei Wochen nach dem Start wurde die glücklose Seifenoper mit Susan Sideropoulos abgesetzt und auf dem Frauensender sixx zu einem verfrühten Ende geführt. Die sogenannte „Daily Romantic Comedy“ holte gleich zu Beginn nur die schlechten Werte, die der Reality-Flop „Newtopia“ in der Endphase erreichte. Gegen die etablierte Konkurrenz aus „Alles was zählt“ und „Berlin – Tag & Nacht“ fiel „Mila“ komplett durch.

    Unser Tag

    Mara Bergmann präsentierte „Unser Tag“ nur zwei Wochen

    Sat.1-Vorabendflop Nummer 3: Zusammen mit der Daily-Soap „Mila“ wollte Sat.1 auch mit einem neuen täglichen Magazin seinen maroden Vorabend aufpeppeln. Mara Bergmann moderierte „Unser Tag“ um 19.30 Uhr – allerdings nur zwei Wochen lang, bevor das Magazin gemeinsam mit der Daily-Soap abgesetzt wurde. Sat.1 wollte in der Sendung eine Art „Frühstücksfernsehen am Abend“ etablieren. Neben Information und Entertainment wurden in der halbstündigen Sendung auch aktuelle, serviceorientierte Themen behandelt. Doch die Rechnung ging nicht auf und so gesellte sich „Unser Tag“ in die Reihe der Sat.1-Vorabendmagazinflops „push – das Sat.1-Magazin“ und „Pin – Das Peoplemagazin“ (beide 2012), die ebenso schnell wieder vom Bildschirm verschwanden.

    Stadlshow

    Ungeliebte Modernisierung: Aus dem „Musikantenstadl“ wird die „Stadlshow“

    Einen Supergau landete die ARD mit der unnötigen Umwandlung des „Musikantenstadls“ in die „Stadlshow“, nachdem die ehemals von Andy Borg moderierte Sendung einen Quotenrückgang zu verzeichnen hatte. Fortan sollte eine verjüngte, modernisierte Fassung des langjährigen Formats neue und alte Zuschauer begeistern, doch das Gegenteil trat ein: Es blieben nicht nur die erhofften jungen Zuschauer fern, es wurden auch viele Ältere von der neuen Version mit dem Moderatoren-Duo Alexander Mazza und Francine Jordi vergrault. Die erste neue Ausgabe erzielte die schlechteste Reichweite in der Geschichte des Formats. Kurz darauf machten Gerüchte die Runde, dass die Sendung bereits vor dem endgültigen Aus stehen würde. Der Bayerische Rundfunk dementierte die bevorstehende Einstellung. Man werde nach der Silvesterausgabe erneut beraten und dann über die Zukunft entscheiden.

    Popstars

    Bella Garcia, Stefanie Heinzmann und Miss Platnum bildeten die „Popstars“-Jury

    „’Popstars’ is coming home!“ – Mit dieser euphorischen Ankündigung feierte RTL II die Rückkehr von „Popstars“ nach dreijähriger Abstinenz vom deutschen Fernsehbildschirm. „Die Mutter der deutschen Castingshows“ wechselte nach jahrelanger Pause von ProSieben zurück zu ihrem ersten Heimatsender RTL II. Umso ernüchternder war dann die Erkenntnis, dass die lange Pause bei den Zuschauern nicht unbedingt Sehnsucht nach einer Neuauflage geweckt hat. Nach einem ohnehin schon durchwachsenen Start brachen die Quoten im Verlauf der Staffel drastisch ein, so dass die letzten Episoden auf einen Sendeplatz am Samstagvorabend verbannt wurden. Eine weitere Staffel erscheint genauso ausgeschlossen wie ein Charterfolg der Gewinnerband Leandah.

    Die Band

    Samu Haber und „Die Band“

    Auch ProSieben hatte 2015 einen Castingshow-Flop zu verbuchen. „Die Band“ setzte ähnlich wie „The Voice of Germany“ auf eine ernsthafte Herangehensweise fernab des Fremdschämens. Gesucht wurde eine richtige Musikband, deren Mitglieder ein Instrument beherrschen. Nach dem Motto „Echte Musiker für ehrliche Musik“ sollte eine Band aus Gitarrist, Bassist, Keyboarder, Schlagzeuger und Frontmann/-frau zusammengestellt werden. Dabei bestimmten die teilnehmenden Musiker selbst, wer sich durchsetzt und wer gehen muss. Keine Jury und kein Zuschauervoting entschieden. Sunrise-Aventue-Sänger Samu Haber stand als Berater zur Seite. Die Zuschauer zeigten ProSieben und „Die Band“ allerdings die rote Karte und blieben der neuen Sendung fern, weshalb sie auf den Samstagmorgen verbannt und dort unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu Ende gezeigt wurde.

    Berlin Models

    „Berlin Models“: Sarah, Agenturchefin Liz und Frederik

    Fast schon in Vergessenheit geraten ist „Berlin Models“. Die Flop-Geschichte des RTL-Formats kann als beispielloser Fehltritt bezeichnet werden. Urprünglich für die TV-Saison 2013/14 angekündigt, wurde die Serie länger als ein Jahr im Schrank gelassen. Im November 2014 war es dann soweit, doch bereits die erste Folge der Laiendarsteller-Soap legte um 17.00 Uhr eine Bauchlandung hin. Da die Serie auch die Quoten von „Unter uns“ und „Explosiv – Das Magazin“ in die Tiefe riss, wurde sie im Januar 2015 schließlich auf den Samstagvormittag verbannt und wenig später komplett abgesetzt. Die verbliebenen Folgen wurden dem kleinen Zuschauerkreis nur noch online bei RTL Now und Clipfish zugänglich gemacht.

    Stepping Out

    Neuer Name, bekannte Gesichter: Die „Stepping Out“-Jury

    „Let’s Dance“ ist seit Jahren ein Dauerbrenner im RTL-Programm. Was liegt da näher, als eine ähnliche Show unter anderem Namen zu starten, um erneut auf Quotenfang zu gehen? – Das dachte sich zumindest der Kölner Sender, als er das Format „Stepping Out“ auf Sendung schickte. Einziger Unterschied zum langjährigen Vorbild: Die prominenten Amateur-Tänzer wagten sich nicht mit einem professionellen Turniertänzer aufs Parkett, sondern mit ihrem eigenen Lebenspartner. Ansonsten gab es ein Wiedersehen mit altbekannten Gesichtern. Daniel Hartwich und Sylvie Meis moderierten, Joachim Llambi, Motsi Mabuse und Jorge González saßen in der Jury. Das war selbst RTL-Zuschauern zu fad und so landete die Show deutlich unter dem Senderschnitt.

    Frauenherzen

    Die Hauptdarstellerinnen aus „Frauenherzen“

    Nach dem Ende der langjährigen Erfolgsserien „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“ war das Angebot an fiktionalen Eigenproduktionen bei Sat.1 zuletzt sehr dünn gesät. Abhilfe sollte „Frauenherzen“ schaffen, doch die neue Serienhoffnung startete katastrophal. Das Format um verschiedene Berliner Frauentypen mit Muriel Baumeister-Noel, Nadeshda Brennicke, Julia Hartmann und Christina Petersen wurde sogar nach nur einer ausgestrahlten Folge mit schlechten Quoten sofort wieder abgesetzt. Der zugehörige Fernsehfilm, der seinerseits bereits eine Antwort auf den Kinoerfolg „Männerherzen“ war, erzielte im Vorjahr noch überdurchschnittliche Werte. Bislang wurden die restlichen fünf Folgen der Serienfortsetzung nur im Pay-TV ausgestrahlt.

    Verbotene Liebe

    Wolfram Grandezka und Miriam Lahnstein

    Nach über 20 Jahren hat sich Das Erste von der „Verbotenen Liebe“ getrennt. Die Einschaltquoten waren in den vergangenen Jahren erheblich gesunken. Im Februar 2015 wurde ein letzter Rettungsversuch unternommen, indem die Daily-Soap zu einer wöchentlichen Serie umgestaltet wurde. Doch der erhoffte Quotenaufschwung durch das neue Konzept und die damit verbundenen Castneuzugänge und inhaltlichen Veränderungen traf nicht ein. Kurz darauf gab die ARD das endgültige Aus bekannt.

    Die Kuhflüsterin

    Cordula Stratmann ist „Die Kuhflüsterin“

    Zugegeben: Einen besonders aussichtsreichen Sendeplatz hat „Die Kuhflüsterin“ nicht erhalten. Die Serie mit Cordula Stratmann wurde im Sommerprogramm am ARD-Vorabend – besser bekannt als Todeszone – gezeigt, wo zuvor die zur wöchentlichen Serie umgestaltete Soap „Verbotene Liebe“ mit äußerst schwachen Einschaltquoten zu Ende ging. Und so überrascht es kaum, dass die achtteilige Degeto-Produktion weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich hin lief und nach einem noch erbaulichen Start in den Folgewochen weiter unter den Senderschnitt rutschte. Cordula Stratmann verkörperte die selbstbewusste Tierheilpraktikerin Belinda Mommsen, die in der Lage ist, das Leiden ihrer tierischen Patienten zu erspüren, indem sie ihnen nur die Hände auflegt.

    Der Klügere kippt nach

    Hella von Sinnen, Hugo Egon Balder, Wigald Boning und Désirée Nick

    Auch ein innovationsfreudiger, mutiger Sender wie Tele 5 stößt hin und wieder an seine Grenzen. Im Frühjahr wurde der von Hugo Egon Balder schon lange gehegte Wunsch nach der Kneipenshow „Der Klügere kippt nach“ realisiert. Wigald Boning fungierte als Gastgeber und begrüßte neben Stammgast Hella von Sinnen weitere Prominente, um über alle Themen zu diskutieren, „die Deutschland bewegten“. Doch während der zweiten Staffel der feuchtfröhlichen Kneipenshow im Herbst brachen die Quoten ein – vielleicht auf Grund der Verpflichtung von Désirée Nick? Die Quoten der neuen Folgen blieben hinter den Erwartungen zurück, weshalb der Sender die Notbremse zog und das Format kurzerhand aus dem Programm nahm.

    Josephine Klick – Allein unter Cops

    Bei den Zuschauern von „Josephine Klick“ hat es nicht Klick gemacht

    Zu Zeiten von „Doctor’s Diary – Männer sind die beste Medizin“ war Diana Amft ein Erfolgsgarant für gute Quoten. Doch für ihre Sat.1-Serie „Josephine Klick – Allein unter Cops“ gab es nur wenig Zuspruch. Als gewohnt charmant-chaotisch-liebenswürdige Titelfigur muss sich Josephine Klick bei ihren männlichen Kollegen von der Berliner Mordkommission Respekt verschaffen und wendet eigenwillige Ermittlungsmethoden an, um ihre Fälle zu lösen. Die zweite Staffel verhaarte im Quotentief, angesichts dessen erscheint eine Fortsetzung derzeit unwahrscheinlich.

    Das große Schlüpfen

    Johannes B. Kerner scheitert als tierischer Geburtshelfer

    Aprilscherz oder völlige Verzweiflung? Diese Frage stellte sich, als das ZDF bekannt gab, am 1. April eine Live-Show namens „Das große Schlüpfen“ auszustrahlen. Es entpuppte sich jedoch als voller Ernst des Mainzer Senders. Vier Tage vor Ostern sollten die Zuschauer Zeugen davon werden, „wie bei zahlreichen Tierarten, darunter Reptilien und Insekten, neues Leben beginnt und Eier live ausgebrütet werden.“ Im Studio wurde eine Brutstation aufgebaut, in der die Eier von einheimischen Tieren wie der Ente und exotischen Tieren wie Chamäleon oder Katzenhai ausgebrütet werden sollten. Es ging also um nichts anderes, als Tieren beim Schlüpfen zuzusehen. Als vorösterlicher Geburtshelfer des zum Pseudo-Event aufgezogenen Spektakels wurde die ZDF-Allzweckwaffe Johannes B. Kerner verpflichtet. Letztlich schlüpfte in der Show allerdings nur ein Straußenküken und die Sendung lockte nicht allzu viele Zuschauer hinter dem Osterbraten hervor.

    Empire

    Der Cast von „Empire“

    „Empire“ war der Überraschungshit der vergangenen US-Saison. Das soapige Hiphop-Drama weckt Erinnerungen an erfolgreiche Klassiker wie „Der Denver-Clan“ und „Dallas“ und konnte sich in den Vereinigten Staaten von Woche zu Woche steigern. Dementsprechend enttäuscht war ProSieben beim Blick auf die hiesigen Einschaltquoten. Denn im Gegensatz zum Heimatland stieß „Empire“ hierzulande auf wenig Interesse. Eventuell ahnte der Münchner Sender das schwierige Unterfangen bereits, denn er strahlte ab 20.15 Uhr jeweils drei Folgen am Stück aus – innerhalb eines Monats war man also mit der ersten Staffel durch. Trotz der schlechten Quoten will ProSieben an der Serie festhalten und im kommenden Jahr die zweite Staffel ausstrahlen.

    Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.


    Nicht nur ProSieben setzte mit „Gotham“ und „The Flash“ auf Comicverfilmungen, auch RTL II versuchte mit der Marvel-Serie „Agents of S.H.I.E.L.D.“ sein Glück. Die deutsche Free-TV-Premiere der „Superheldenserie ohne Superhelden“ verlief allerdings bestenfalls nur durchwachsen. Nach einem noch vielversprechenden Staffelauftakt sanken die Zuschauerzahlen in den Folgewochen rapide ab. Ein ähnliches Bild zeichnete sich übrigens auch im Heimatland ab. Dennoch bestellte das US-Network ABC eine zweite und dritte Staffel, die zuletzt aber nur noch unter vier Millionen Zuschauer zum Einschalten bewegen konnte.

    Block B – Unter Arrest

    Der Frauenknast blieb nur eine Staffel lang geöffnet

    Im Vorfeld mit großen Erwartungen versehen, trennte sich RTL von seiner eigenproduzierten Frauenknast-Serie „Block B – Unter Arrest“ nach nur einer ausgestrahlten Staffel wieder. Die Premierenfolge der deutschen Adaption der australischen Serie „Wentworth“ sahen noch knapp zweieinhalb Millionen Zuschauer, zwischenzeitlich rutschten die weiteren Folgen aber auf unter eine Million herab. Vor dem Start hatte sich der Sender noch damit gerühmt, die neue Frauengefängnis-Serie mti Katrin Sass und Nina Hoger sei viel moderner und düsterer erzählt und inszeniert als der langjährige RTL-Erfolg „Hinter Gittern – Der Frauenknast“. Tatsächlich spielte das Ensemble einfach die Drehbücher der australischen Vorlage fast eins zu eins nach.

    The Blacklist

    James Spader in „The Blacklist“

    Als „The Blacklist“ im Jahr 2013 mit sehr guten Einschaltquoten begann, galt die Serie in den Vereinigten Staaten als neuer Hit. Doch seit der zweiten Staffel kann die Serie mit James Spader nicht mehr an frühere Quotenerfolge anknüpfen. In Deutschland landete „The Blacklist“ in diesem Jahr in der Nische. Nach drei Wochen mit durchwachsenen Quoten und schwachen Marktanteilen zog RTL Konsequenzen und verlegte die Ausstrahlung der zweiten Staffel auf einen Sendeplatz nach 23 Uhr. Der Pay-TV-Ableger RTL Crime zeigt Anfang 2016 die dritte Staffel, ein Termin im Free-TV ist noch nicht bekannt.

    Secret Dancer

    Ausgetanzt: Dennis Jauch (m.) und sein „Secret Dancer“-Team

    VOX konnte in diesem Jahr unter anderem mit „Die Höhle der Löwen“ und „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ große Erfolge für sich verbuchen. Doch es gab auch den einen oder anderen Flop, wie zum Beispiel „Secret Dancer“. In der Tanz-Doku-Soap wollten sich „verschrobene Kegelbrüder“ oder auch eine „knallharte Frauen-Football-Mannschaft“ von einer anderen Seite zeigen und ihre Liebsten mit einer Tanz-Choreographie überraschen. Auch eine Formation aus Feuerwehrmännern setzte sich das Ziel, einer Braut auf ihrer Hochzeit einen ganz besonderen Auftritt zu schenken. Das Interesse der Zuschauer hielt sich allerdings in Grenzen und so landete das Format nach drei von sechs produzierten Ausgaben auf dem Fernsehfriedhof.

    Die große Revanche

    Jochen Schropp (m.) und sein Lockvögel

    Aus unerfindlichen Gründen setzten 2015 gleich mehrere Sender auf das althergebrachte Konzept der Versteckten Kamera und versahen es mit dem Modewort „Prank“. Neben „Prankenstein“, das mit durchwachsenen Quoten bei ProSieben lief, versuchte Sat.1 sein Glück mit „Die große Revanche“. Das Konzept der von Jochen Schropp moderierten Show entspricht jenem der Sendung „Rache ist süß“, die von 1998 bis 2001 mit Kai Pflaume bei Sat.1 lief. Die prominenten „Pranker“ sind im Auftrag jener Menschen unterwegs, die von ihren Mitmenschen reingelegt, gedemütigt oder verladen wurden. Sie stehen den Kandidaten zur Seite, die sich an ihren Peinigern mal so richtig rächen wollen. Jede Revanche wird zum Vergnügen des Auftraggebers und der Zuschauer mit versteckten Kameras durchgeführt. Allzu viele Zuschauer konnten sich für das aufgewärmte Konzept allerdings nicht erwärmen, so dass die Quoten unter Senderschnitt blieben.

    Defiance

    Grant Bowler und Julie Benz

    Über allzu viele moderne Serien verfügt Tele 5 nicht in seinem Portfolio. Umso ärgerlicher, wenn die wenigen neuen Produktionen vom Publikum nicht angenommen werden. Zwei Wochen nach dem Start der zweiten Staffel warf der Münchner Privatsender die Science-Fiction-Serie „Defiance“ von „Farscape“-Schöpfer Rockne S. O’Bannon mit sofortiger Wirkung aus dem Programm. Ein paar Monate später wurde die Free-TV-Premiere dann immerhin im Nachmittagsprogramm fortgesetzt. Der US-Kabelsender Syfy entschied zudem, das dystopische Drama mit Grant Bowler und Julie Benz wegen rückläufiger Einschaltquoten nach drei Staffeln zu beenden.

    Undateable

    „Undateable“ entpuppte sich bei ProSieben als unzeigbar

    Einen Abgang auf Raten hat ProSieben der US-Sitcom „Undateable“ verabreicht. Ursprünglich hatte der Münchner Sender ins Auge gefasst, die Serie am Montagabend in Doppelfolgen zu zeigen und dabei anvisiert, die ersten beiden Staffeln der Sitcom bis Weihnachten auszustrahlen. Doch die Einschaltquoten waren schon zu Beginn mäßig und gaben dann auch noch deutlich nach. So wurde die wöchentliche Episodendosis auf eine Folge verkürzt, bevor das auch in den USA enttäuschende „Undateable“ schließlich vollständig abgesetzt und durch die Allzweckwaffe „The Big Bang Theory“ ersetzt wurde. Wann und auf welchem Sender die restlichen Folgen zu sehen sein werden, steht noch nicht fest.

    Germany’s Next Topmodel

    Thomas Hayo (l.), Heidi Klum (m.) und Wolfgang Joop (r.)

    Die diesjährige Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ war rückblickend für ProSieben mit diversen Belastungen verbunden. Zum einen waren die Einschaltquoten so niedrig wie nie zuvor. Von früheren Marktanteilen von über 25 Prozent ist man inzwischen weit entfernt, das Finale der Jubiläumsstaffel wurde lediglich von 2,30 Millionen Zuschauern gesehen, was für durchwachsene 13,3 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe reichte. Überschattet wurde die Staffel außerdem dadurch, dass die Live-Finalshow wegen einer Bombendrohung mittendrin abgebrochen werden musste und zwei Wochen später als Aufzeichnung nachgeholt wurde. Dennoch wird es auch 2016 eine neue Staffel geben, die konzeptionell neu ausgerichtet und noch stärker im Stil einer Doku-Soap erzählt werden soll.

    Bates Motel


    Bei den Fans von „Bates Motel“ hat sich VOX in diesem Jahr nicht gerade beliebt gemacht. Während die Horrorserie im Heimatland für zwei weitere Staffeln verlängert wurde, liefen die Geschäfte für Norma und Norman Bates hierzulande weniger gut. VOX verbannte die Ausstrahlung des „Psycho“-Prequels während der zweiten Staffel ins Nachtprogramm. Ärgerlicherweise wurde auch die nächtliche Ausstrahlung kurz darauf vorzeitig eingestellt, obwohl nur noch zwei Episoden ausstanden. Der Sender plant generell, die beiden ausstehenden Folgen noch zu zeigen, bislang ist jedoch kein Termin bekannt.

    Teen Wolf


    Der Name „Teen Wolf“ dürfte bei RTL II in diesem Jahr für viel Kopfzerbrechen gesorgt haben. Der Sender nahm die MTV-Serie nach zweijähriger Pause wieder in sein Programm auf. Zunächst wurden die ersten beiden Staffeln noch einmal wiederholt, bevor die Deutschlandpremiere der neuen Folgen begann. Doch nach nur zwei ausgestrahlten Episoden am Mittwochabend mit schlechten Quoten packte RTL II die Panik und verlegte die Serie kurzerhand auf den Samstagabend – wo sie ebenfalls nicht überzeugen konnte und bei viel zu schlechten zwei Prozent Marktanteil in der jungen Zielgruppe hängen blieb. Schließlich wurde die Ausstrahlung der dritten Staffel nach kurzer Zeit erneut abgebrochen und bis heute nicht fortgesetzt.

    Twisted


    Ein ähnliches Schicksal wie „Teen Wolf“ ereilte auch „Twisted“. Die beiden Teenie-Dramaserien sollten ursprünglich als Doppelpack am Mittwochabend auf Zuschauerfang gehen. Doch auch die ABC-Family-Produktion „Twisted“ blieb hinter den Erwartungen zurück und wurde zusammen mit „Teen Wolf“ nach nur einem Ausstrahlungstermin auf den späten Samstagabend verlegt. Auch dort fuhr die kurzlebige Teenie-Mysteryserie keine zufriedenstellenden Quoten ein. Während „Teen Wolf“ dauraufhin komplett aus dem Programm genommen wurde, strahlte RTL II die erste und einzige Staffel von „Twisted“ immerhin am Samstagvormittag zu Ende aus.

    Game of Chefs

    Christian Lohse (l.), Christian Jürgens (m.) und Holger Bodendorf (r.)

    „You win or you die“: Das gilt nicht nur für das „Game of Thrones“, sondern auch für das Fernsehgeschäft. Der Koch-Wettbewerb „Game of Chefs“ kam in der Zuschauergunst nicht sonderlich an. Sechs Wochen hielt VOX an der Ausstrahlung in der Primetime fest. Die ursprünglich auf zwölf Folgen ausgelegte Staffel wurde um zwei Ausgaben gekürzt, darüber hinaus wurden die letzten vier Folgen aus der Primetime verbannt und nur noch auf dem bisherigen Sendeplatz der Wiederholungen ausgestrahlt, jeweils kurz nach Mitternacht. Im Mittelpunkt standen drei Profi-Köche, die gemeinsam nach dem besten Nachwuchs-Koch suchen. Ähnlich wie bei „The Voice of Germany“ oder „The Taste“ fungierten sie als Mentoren. In „Blind Auditions“ versuchten die Kandidaten die Jury mit Blindverkostungen zu überzeugen.

    Tiere wie wir

    Jürgen von der Lippe mit einem Otter

    Im Sommerprogramm kehrte Jürgen von der Lippe überraschend mit einem neuen Comedy-Quiz zu Sat.1 zurück. In „Tiere wie wir“ sollte ein Panel aus prominenten Kandidaten kuriose Fragen rund um die Tierwelt beantworten. Zwei Teams traten pro Woche gegeneinander an, die anhand von Videos, Bildern und Toneinspielungen improvisierte Lösungsansätze präsentieren sollten. Die Umsetzung entpuppte sich allerdings als dilettantisch und schlecht durchdacht. Lustig wurde es selten, weshalb kontinuierlich falsche, eingespielte Lacher unterlegt wurden. Dies wirkte sich auch auf die Quoten aus, denn nach einem noch erbaulichen Start rutschten die weiteren Folgen rasant in den roten Bereich.

    The Strain

    Eines der weniger hübschen Monster aus „The Strain“

    ProSieben wurde mit „The Strain“ nicht glücklich. Ursprünglich auf dem Mittwochssendeplatz um 22.05 Uhr gestartet, wurde die FX-Horrorserie nach kurzer Zeit auf eine Ausstrahlung um Mitternacht verschoben. Doch auch hier konnte die Serie keine besseren Quoten und Marktanteile erzielen. Dies veranlasste den Sender zu einer erneuten Verschiebung noch weiter in die Nacht hinein. Die verbleibenden Folgen der ersten Staffel waren fortan immer erst gegen 1.40 Uhr in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zu sehen. In den USA wurde die Serie hingegen bereits um eine dritte Staffel verlängert.

    Die Bachelorette

    Alisa ist die Bachelorette 2015

    Anfang des Jahres konnte der fünfte Aufguss der Datingshow „Der Bachelor“ erneut gute Quoten erzielen. Das weibliche Pendant „Die Bachelorette“ kommt im Sommerprogramm längst nicht an die Werte des Originals heran. Eventuell liegt es daran, dass männliche Kandidaten nicht so viel Lästerpotential bieten, worauf die kontroverse Kuppelshow gründet. Mit nur 2,30 Millionen Zuschauern fuhr das diesjährige „Bachelorette“-Finale jedenfalls die bislang schlechtesten Zahlen in der Geschichte des Formats ein.

    Chicago PD

    Das Team vom „Chicago PD“

    Mit „Chicago Fire“ fuhr VOX auch in diesem Jahr noch zufriedenstellende Quoten ein, der Ableger „Chicago PD“ hatte dagegen mit ernsthaften Problemen zu kämpfen. Lediglich 640.000 Menschen blieben etwa bei der Polizeiserie noch dran, nachdem zuvor noch 2,46 Millionen Zuschauer die Premiere des neuen Serienhits „Club der roten Bänder“ verfolgt hatten. Aus diesem Grund zog der Kölner Sender die Konsequenzen und nahm die Free-TV-Premiere vorzeitig aus dem Programm. Etwas überraschend gab VOX stattdessen einer anderen US-Produktion eine neue Chance: Die Anwaltsserie „Suits“, die im Frühjahr 2014 ebenfalls mit schlechten Quoten enttäuschte, kommt allerdings immer noch auf keinen grünen Zweig.

    Call the Midwife – Ruf des Lebens


    Auch kleine Sender wie ZDFneo schielen zum Leidwesen der Zuschauer viel zu häufig auf die Quoten. Die britische Serie „Call the Midwife – Ruf des Lebens“ ist nach Senderangaben hinter den Zuschauererwartungen zurückgeblieben. Daher verlor die Hebammenserie ihren prominenten Sendeplatz am Freitagabend und wanderte auf den Samstagmorgen. Immerhin lässt sie der Spartensender weiterhin im Programm und strahlte die dritte Staffel als Deutschlandpremiere aus. In Großbritannien erfreut sich die Serie um eine Gruppe von Hebammen in den ausgehenden 1950er Jahren weiterhin großer Beliebtheit und wurde schon für eine sechste Staffel verlängert.

    Liebe und andere Dramen


    Gleich zu Beginn des Jahres enttäuschte bei VOX die sogenannte „Promi-Interview-Doku“ namens „Liebe und andere Dramen“. In der ABM-Maßnahme für mitteilungsbedürftige Promis sprachen unter anderem Star-Designer Guido Maria Kretschmer, die Schauspielerinnen Anna Thalbach, Meret Becker, Andrea Sawatzki und Uschi Glas, die Moderatorinnen Ruth Moschner, Enie van de Meiklokjes und Fernanda Brandao, Schauspieler Steffen Groth, Model Natascha Ochsenknecht, TV-Koch Horst Lichter, Althippie Rainer Langhans, Fußballfunktionär Reiner Calmund, die Moderatoren Jörg Wontorra und Amiaz Habtu, Ex-Boxer Axel Schulz und taz-Chefredakteurin Ines Pohl über die erste große Liebe und den ersten Kuss. Die Zuschauer zeigten allerdings die rote Karte und so verschwand das Format nach zwei von vier geplanten Ausgaben wieder von den Fernsehbildschirmen.

    The Royals

    Die königliche Familie in „The Royals“

    Zum Jahresausklang musste ProSieben mit „The Royals“ einen weiteren Serienflop in Kauf nehmen. Die Serie mit Elizabeth Hurley um eine fiktive Version einer britischen Königsfamilie kam bereits zum Auftakt nur auf schwache Quoten und rutschte in den Folgewochen noch weiter auf Marktanteile deutlich unter dem Senderschnitt herab. ProSieben dürfte froh gewesen sein, dass die erste Staffel nur zehn Folgen umfasst, so dass die Ausstrahlung in Doppelfolgen nach nur fünf Wochen überstanden war. Für weitere Staffeln bietet sich eine Abschiebung der stark frauenaffinen Serie auf den Schwestersender sixx an. In den Vereinigten Staaten erfreut sich „The Royals“ bei den Zuschauern des kleinen US-Kabelkanals E! Beliebtheit, während die adlige Trash-Soap von Kritikern verrissen wird.

    27.12.2015, 10:00 Uhr – Glenn Riedmeier/fernsehserien.de

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