Die Details zu Paramount+

    Streaming-Dienst zeigt „Younger“, „Star Trek: Prodigy“, „Halo“

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 25.02.2021, 16:09 Uhr

    Erstes Vorschaubild zu „Star Trek: Prodigy“ – Bild: Paramount+/Nickelodeon
    Erstes Vorschaubild zu „Star Trek: Prodigy“

    Am 4. März wird aus dem bisherigen amerikanischen Streaming-Dienst CBS All Access offiziell Paramount+. Damit will ViacomCBS im Streaming-Zeitalter bestehen. Hier peilt man 65 bis 75 Millionen Abonnenten bis zum Jahr 2024 an, die meisten bei Paramount+. Dafür will der Konzern die Ausgaben für Streaming-Content von zuletzt einer Milliarde (für 2020) auf fünf Milliarden US-Dollar jährlich erhöhen.

    Vorausgegangen war eine Wiedervereinigung der beiden erst 2006 auseinanderdividierten Firmen CBS Corp und Viacom zu ViacomCBS: Damit wollte der Mehrheitseigner beider Firmen (National Amusements) insbesondere das zuletzt schwächelnde Viacom (Marken: Comedy Central, MTV, Nickelodeon, Paramount) stärken, das wegen mehrfachen Umbaus auch den Start in die Streaming-Zeit verschlafen und zudem einen Mangel an fiktionalen Serien für Erwachsene hatte – da die entsprechenden Konzernspalten damals halt an CBS Corp gegangen waren. Nach eigenen Angaben hat ViacomCBS im vergangenen Jahr insgesamt 15 Milliarden US-Dollar für Content ausgegeben.

    Mischstrategie

    Wie die meisten anderen amerikanischen Streaming-Dienste will ViacomCBS bei Paramount+ Einnahmen sowohl über Werbung wie über Abonnements erzielen. So bietet man in den USA zwei Preisstufen an.

    Einerseits ein Angebot für fünf US-Dollar monatlich. Es bietet mit reduzierter Werbung die Paramount+-Originals, ausgewählten Sport, Nachrichten von CBSN und „einen Großteil der Wiederholungsrechte an CBS-Serien sowie den alten Serien“ von CBS und Viacom.

    Für zehn US-Dollar im Monat gibt es das Angebot ganz ohne Werbung und zudem das Live-CBS-Programm ohne Werbung. Unspezifizierte Zusatzangebote umfassen „mehr Sport“ und zusätzlich News-Feeds (sowohl aus lokalen Quellen wie mit landesweiter Ausrichtung).

    Da der mit CBS zu ViacomCBS gekommene Pay-TV-Sender Showtime in den USA nicht bei Paramount+ mit eingeordnet ist, wird es auch Bundleangebote für Paramount+ und Showtime-Streaming geben.

    The Price is right…?

    The Price is right!, verkündete Tom Ryan (Präsident und CEO von ViacomCBS Streaming) bei der Vorstellung vollmundig und unter Bezug auf die populäre CBS-Gameshow – letztendlich müssen da natürlich die Kunden entscheiden. Wie die meisten Medienkonglomerate versucht auch ViacomCBS, nun die Priorität schnell auf seinen Streaming-Dienst umzuleiten, wo zuvor eher die Fernsehsender und Sendermarken im Zentrum der Überlegungen standen. Das bedeutet neben einer ausdrücklichen Content-Offensive auch, dass sich der neue Anbieter gierig diverse zuvor angekündigte Projekte aus der Unternehmensfamilie einverleibt.

    Dazu gehört etwa die siebte und finale Staffel von „Younger“ (bisher beim kleinen Viacom-Sender TV Land; fernsehserien.de berichtete). Auch die schon lange Zeit für Showtime angekündigte Serie zum Computerspiel „Halo“ wird ihre Premiere nun bei Paramount+ haben. Die ursprünglich für Nickelodeon beauftragte „Star Trek“-Serie „Star Trek: Prodigy“ wird zuerst beim Streaming-Dienst kommen – erst danach noch im TV. Zahlreiche High-Budget-Filme von ViacomCBS sollen nach einer Auswertung von nur 45 Tagen im Kino zu Paramount+ kommen: Traditionell ist ein Exklusiv-Fenster von 70 Tagen in den Lichtspielhäusern für Kinofilme üblich, ohne das – wie die Kino-Ketten zuletzt und insbesondere in Zeiten von Corona-Schließungen – sie ihren Bestand bedroht sehen. Auch die Produzenten profitieren natürlich davon, wenn mehr Zuschauer eine teure Kinokarte lösen. Angekündigt ist das zunächst für die Filme „Mission: Impossible 7“ und „A Quiet Place 2“ sowie eine Filmumsetzung zu „Paw Patrol“.

    Generell hatte der Unternehmensteil Viacom die Streaming-Zeit wie erwähnt ein wenig verschlafen. So wurden kürzlich noch die Rechte an „South Park“ Richtung HBO Max lizenziert, auch „Yellowstone“ und der Kinderhit „iCarly“ stehen nicht zur eigenen Auswertung zur Verfügung.

    Angekündigte Programmhighlights

    Man kann es nur nochmal wiederholen: In Sachen Streaming ist ViacomCBS hinten dran, auch wegen der erst vor 15 Monaten erfolgten erneuten Zusammenlegung. Daher wurden den Investoren nun Programmhighlights für gleich die kommenden beiden Jahre vorgestellt.

    Fortsetzungen: Die Formate von CBS All Access

    Das Rückgrat des Serienangebots besteht aus den Formaten, die bereits beim Vorgänger CBS All Access gelaufen waren: „Star Trek: Discovery“, „Star Trek: Picard“, „Star Trek: Lower Decks“, „The Good Fight“, „No Activity“ und „Why Women Kill“.

    Im Zuge der jetzigen Ankündigungen wurde allerdings das Ende von „The Twilight Zone“ nach zwei Staffeln bestätigt (fernsehserien.de berichtete).

    Fiktionale Dramen

    Neben der nächsten Trek-Serie „Star Trek: Strange New Worlds“ und den zuvor bestellten „The Man Who Fell to Earth“ und „The Offer“ (fernsehserien.de berichtete) wurde auch eine Fortsetzung für „Criminal Minds“ angekündigt (fernsehserien.de berichtete).

    Daneben holt sich Paramount+ die „Halo“-Serie von Showtime. Vom „Yellowstone“-Schöpfer Taylor Sheridan kommen die Serien „Land Man“, „Mayor of Kingstown“, „Y:1883“ und „6666“ (fernsehserien.de berichtete).

    Aus der Filmbibliothek von Viacom stammen Vorlagen für Serien mit den Titeln „Flashdance“, „Love Story“, „The Italian Job“ und „The Parallax View“ (fernsehserien.de berichtete) .

    Comedy

    Aus Anlass dieser Ankündigung wurde bestätigt, dass an einer „Frasier“-Fortsetzung bei Paramount+ gearbeitet wird. Die Fortsetzung der Football-Comedy „The Game“, die einst bei The CW im Gespräch war, wandert nun zu Paramount+. Gleiches gilt für die bereits abgedrehte siebte und letzte Staffel von „Younger“. Trevor Noah macht nun zusätzlich zur „Daily Show“ auch „The Weekly Show with Trevor Noah“ (AT). „Inside Amy Schumer“ wird nicht mit einer bereits vor Jahren bei Comedy Central bestellten, fünften Staffel fortgesetzt, sondern stattdessen nun mit fünf Specials bei Paramount+. „Reno 911!“, zuletzt bei Quibi fortgesetzt, landet mit „Reno 911! The Hunt For QAnon“ bei Paramount+. Zur früher angekündigten „Beavis und Butt-Head“-Serienfortsetzung (fernsehserien.de berichtete) wird es zudem noch einen Film als Auftakt geben. Ebenfalls mit einem Film wieder aufleben sollen die Abenteuer der „Workaholics“.

    Weitere zuvor angekündigte Formate, die demnächst zur Veröffentlichung kommen sollen, sind die Animationsserie „The Harper House“ und das schwarzhumorige „Guilty Party“ mit Kate Beckinsale (fernsehserien.de berichtete).

    Kinder und Familien

    Zu Paramount+ kommen hier die Fortsetzung zu „iCarly“ (fernsehserien.de berichtete), das schon angesprochene „Star Trek: Prodigy“, neue Versionen von „Rugrats“, „Avatar: The Last Airbender“, „Cosmo und Wanda“ (OT: „The Fairly OddParents“) und „Dora“ (fernsehserien.de berichtete). Dazu gesellt sich die Prequel-Serie „Kamp Koral: SpongeBob’s Under Years“.

    Reality

    Mit „Big Brother Live Feeds“ und „Love Island on Paramount+“ erhalten zahlende Fans der Reality-Franchisen zusätzliche Einblicke abseits der Fernsehbilder. Zudem gibt es „The Real World: Homecoming: New York“ (eine Reunion-Staffel zur ersten „MTV’s The Real World“-Staffel; fernsehserien.de berichtete), eine Fortsetzung von „Road Rules“ sowie die Fortsetzung von „The Challenge“ als „The Challenge: All Stars“ (mit Teilnehmern der früheren Staffeln von „Road Rules“ und „Real World“). „Ink Master“, „Dating Naked“, „RuPaul’s Drag Race All Stars“ und die Drag-Queen-Gesangscompetition „Queen of the Universe“ wurden ebenfalls angekündigt.

    Musik

    ViacomCBS zählt auch MTV zu seinen Kernmarken, da darf ein Musik-Schwerpunkt bei Paramount+ nicht fehlen. Dazu gehört die Fortsetzung der in den USA beliebten Doku-Reihe „Behind the Music“ ebenso wie die von „Yo! MTV Raps“, auch „MTV Unplugged“ wird mit neuen Konzerten fortgesetzt.

    Inspiriert von Foo-Fighters-Frontmann Dave Grohl und seiner Mutter, Lehrerin Virginia Hanlon Grohl, ist „From Cradle to Stage“, eine sechsteilige Doku, die die Beziehung zwischen Rockstars und ihren Müttern ins Zentrum stellen wird – wobei Dave und Virginia in allen Folgen auftreten.

    Sport

    • „THE NFL on CBS“
    • „Inside the NFL“
    • „The Masters“ (Golf)
    • „NCAA Division I Men’s Basketball Championship“ (aka „March Madness“, Basketball-Turnier)
    • „PGA Tour“ (Golf)
    • „SEC on CBS“ (College-Football)
    • „The PGA Championship“ (Golf)
    • „National Women’s Soccer League“ (Fußball)
    • „UEFA Champions League“, „UEFA Europa League“ und „UEFA Europa Conference League“ (europäischer Spitzenfußball)
    • „Concacaf“ (Fußballländerspiele in Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik)
    • „Liga Profesional de Fútbol“ (300+ Spiele aus Argentinien)
    • „Campeonato Brasileiro Série A“ (Brasilianischer Spitzenfußball)

    Dokumentationen

    • „76 Days“ – die ersten 76 Tage der COVID-19-Pandemie
    • „Black Gold“ – Doku über Wirtschafts- und Umweltkriminalität
    • „For Heaven’s Sake“ Mischung aus Comedy, und Crime-Doku um den 1934 in Ontario verschollenen Harold Heaven
    • „The Real Criminal Minds“ – Begleit-Doku zu „Ciminal Minds“, in der ein echter FBI-Profiler anhand Szene aus der Serie Verbrechen und die Tatmuster von Serientätern erklärt
    • „Watergate“ – die damaligen Geschehnisse und Vertuschungsversuche als Vorläufer der aktuellen Geschehnisse;
    • „Sir Alex Ferguson: Never Give In“ – Doku über den legendären Manager von Manchester United
    • „Stories from the Beautiful Game“ – Reihe von Dokumentationen über Fußball
    • „Insta Docs“ – Kurzdokumentationen, die binnen weniger Tage nach aufsehenerregenden Ereignissen veröffentlicht werden sollen.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      @ midadi

      Genau das haben viele Star Trek Fans gestern auch wegen Star Trek Prodigy bei Twitter und Co geschrieben.
      • am

        Noch ein Streaminganbieter mehr. Noch ein Abo mehr was man abschließen soll.
        Kurz und knapp: Nein danke!
        • am

          Leslie Mooves war doch gegen die Fusion und plötzlich tauchten die Gerüchte um die sexuelle Belästigung auf und er wird entlassen. 
          Merkwürdiger Zufall jedenfalls, zeigt jedenfalls auch wie sehr man die Fusion von Viacom und CBS wollte...

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