Folge 116

  • 116. Vermisst – wie lange bleibt die Hoffnung?

    Folge 116 (45 Min.)
    Psychologe Leon Windscheid (M.) spricht mit Teilnehmenden des Sozial-Experiments über ihre Vermissten-Geschichten. – Bild: ZDF und Marius Fuchtmann
    Psychologe Leon Windscheid (M.) spricht mit Teilnehmenden des Sozial-Experiments über ihre Vermissten-Geschichten.
    Spurlos verschwunden, kein Abschied, keine Antworten. Psychologe Leon Windscheid trifft Ralf Salice. Seit 2020 sucht er seine vermisste Tochter. Aufzugeben ist für ihn keine Option. Täglich werden in Deutschland rund 250 Menschen als vermisst gemeldet. Aktuell sind es etwa 10.000 Vermisste. Leon Windscheid fragt: Was macht diese Ungewissheit mit unserer Psyche? Wie leben Angehörige weiter – zwischen Angst und Hoffnung? Im September 2020 verschwindet Scarlett Salice während einer Wanderung im Schwarzwald. Auch nachdem die offiziellen Suchmaßnahmen der Polizei eingestellt wurden, sucht Scarletts Vater Ralf weiter. Er sammelt Hinweise, spricht mit Zeugen, gibt nicht auf. Die Suche nach seiner Tochter Scarlett ist für ihn zum Mittelpunkt seines Lebens geworden. Er sagt: „Ich muss das tun, was nötig ist, um sie wiederzufinden. Und da gibt es in dem Moment auch keine Grenzen.“ Hoffnung bedeutet für ihn Handeln. Der Fall Salice zeigt, was ein Verschwinden für Angehörige bedeutet: ein Leben im permanenten Alarmzustand. Um die psychischen Folgen dieser Ungewissheit zu verstehen, trifft Leon Windscheid die Psychologin Prof. Rita Rosner von der Katholischen
    Universität Eichstätt-Ingolstadt. Sie erklärt, warum das menschliche Gehirn Unsicherheit kaum aushält und welche emotionalen Mechanismen dabei aktiviert werden. Hoffnung spielt eine doppelte Rolle: Sie kann stabilisieren, Sinn stiften und Handlungskraft erhalten. Gleichzeitig kann sie verhindern, dass Schmerz verarbeitet wird. Die Forschung zeigt: Hoffnung ist weder gut noch schlecht – entscheidend ist, ob sie beweglich bleibt oder sich starr an ein einziges mögliches Ergebnis klammert. Der Fall von Nathalie Schöffmann zeigt die andere Seite des vermisst seins – die des Opfers. Die österreichische Radrennfahrerin und Triathletin wird 2019 während einer Radtour entführt und ist stundenlang in der Gewalt ihres Täters. Trotz extremer Angst bleibt sie ruhig, spricht mit dem Entführer – und kommt frei. Ihre Geschichte macht deutlich: Während Betroffene selbst auf Rettung hoffen können, bleibt für Angehörige oft nur die quälende Ungewissheit. „Terra Xplore“ zeigt: Beim Hoffen oder Loslassen gibt es kein richtig oder falsch. Fehlende Klarheit kann lähmen – doch manchmal ist es gerade eine bewusste Entscheidung, die es ermöglicht, weiterzuleben. (Text: ZDF)
    Deutsche TV-Premiere So. 05.07.2026 ZDF

Cast & Crew

Sendetermine

So. 05.07.2026
17:15–18:00
17:15–
NEU
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