Terra Xplore Folge 119: Was tun mit psychisch kranken Tätern?
Folge 119
119. Was tun mit psychisch kranken Tätern?
Folge 119 (45 Min.)
Psychologe Leon Windscheid (r.) befragt Passanten bei einer Straßenumfrage über ihren Standpunkt zum Thema Forensik.
Bild: ZDF und Marius Fuchtmann
Ein geliebter Mensch wird brutal ermordet. Vielleicht die beste Freundin oder sogar das eigene Kind. Der Täter kommt nicht ins Gefängnis, sondern in die Forensische Psychiatrie. Warum? Psychologe Leon Windscheid trifft eine Frau, die unter anderem eine Dame mit dem Messer bedrohte und seit 16 Jahren in der Forensischen Psychiatrie einsitzt. Sie leidet unter Impulskontrollstörungen, hat ihre Emotionen nicht im Griff und ist immer wieder aggressiv. Der Psychiater Prof. Dieter Seifert ist forensischer Sachverständiger. Er erklärt Leon, auf welchen Grundlagen man die Schuldunfähigkeit von straffälligen Menschen feststellt.
Anders als im Gefängnis, gibt es in der Forensischen Psychiatrie kein zeitlich festgelegtes Strafmaß. Entlassen werden Insassen erst, wenn das Risiko weiterer Straftaten für die Allgemeinheit möglichst gering bleibt. Und sie werden auch anschließend noch weiter psychologisch betreut. Ganz anders verhält es sich im Fall des Serienmörders Niels Högel, der für eine der größten Mordserien der Bundesrepublik verantwortlich ist. Der ehemalige Krankenpfleger ermordete in zwei Kliniken Patienten, indem er ihnen Überdosen an Medikamenten verabreicht. In 332 Fällen werden Ermittlungsverfahren eingeleitet, Högel wird schließlich
wegen über 80 Morden angeklagt.
Warum aber wird er nicht in eine forensische Psychiatrie eingewiesen? 2019 wird Högel zu lebenslanger Gefängnishaft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt. Da er seine Taten kühl geplant und sich dem, was er getan hat, bewusst war, wird Högel als voll schuldfähig eingestuft. Eine Unterbringung in einer Forensische Psychiatrie kommt für diesen Täter daher nicht in Frage. Doch der andere Umgang mit psychisch kranken Straftätern polarisiert. Für „Terra Xplore“ bringt Leon Windscheid in einem Studioexperiment Täter und Opfer zusammen. Da ist Gerhard, dessen Bruder von einem psychisch kranken Menschen brutal ins Koma geschlagen wird.
Oder Petra, die in ihrem Juweliergeschäft überfallen und gefesselt zurückgelassen wird. Leon will wissen, wie sie auf den forensischen Strafvollzug und das Thema Strafe blicken. Dabei wird auch deutlich, dass sich die Opfer von Gewaltverbrechen mehr Hilfsangebote und auch Betreuung wünschen, um das Geschehen zu verarbeiten. Und so zeigt der Film, wie komplex das Thema „Schuldunfähigkeit und Umgang mit psychisch kranken Straftätern“ ist. Es prallen theoretische, psychologische Sichtweisen auf emotionale Lebenserfahrungen von Tätern, Opfern und deren Angehörigen. (Text: ZDF)