Internationale TV-Flops 2018: Von Moonves und Roseanne bis „Shadowhunters“ und „Westworld“

    Internationale Fernseh-Tiefpunkte im Rückblick

    Internationale TV-Flops 2018: Von Moonves und Roseanne bis "Shadowhunters" und "Westworld" – Internationale Fernseh-Tiefpunkte im Rückblick

    Nach unserem Rückblick über das Fernsehjahr in den USA und dessen wichtigste Ereignisse sowie die bemerkenswertesten Erfolge folgt nun als dritter und abschließender Teil des Jahresrückblicks auf die USA der Blick auf die Fehlschläge und Fehlgriffe.

    Was hat im Jahr 2018 für Negativschlagzeilen gesorgt, was waren die Skandale und mit welchen Entscheidungen haben die Industriebosse die Serienfans und Fernsehzuschauer verärgert oder vor den Kopf gestoßen?

    Die Flops der amerikanischen TV-Industrie 2018
    Keine Betrachtung von negativen Ereignissen in der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie im Jahr 2018 kann darum herumkommen, mit Leslie Moonves zu beginnen. Mehr als 30 Jahre war er enorm einflussreich – zunächst beim Studio Warner Bros, dann beim Sender CBS und dessen Mutterfirma CBS Corp. In der Zeit hat er nach Zeuginnenaussagen immer wieder Frauen sexuell belästigt und mit seiner Machtposition dafür gesorgt, dass diese sich nicht an die Öffentlichkeit wandten.
    Mehr noch, im Zuge der Ermittlungen über Moonves Verhalten kam an mehreren Stellen bei CBS ans Licht, dass er andere Männer gedeckt und vor Konsequenzen geschützt hatte, die ebenfalls sexuelle Belästigungen begangen hatten – darunter „Bull“-Star Michael Weatherly, dessen Verhalten seine Arbeitgeber schließlich 9,5 Millionen US-Dollar kostete (auch wenn die nicht wegen Belästigungsvorwürfen gezahlt wurden, sondern für eine „Rache-Kündigung“ gegenüber Eliza Dushku).
    Auch in Sachen Gehalt kam mal wieder Sexismus ans Licht, als bekannt wurde, dass „The Crown“-Star Claire Foy für ihre zwei Staffeln der Netflix-Serie ein geringeres Salär erhalten hatte als der in einer inhaltlich untergeordneten Rolle spielende Matt Smith. Eklatante Gehalts-Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist seit den Veröffentlichungen aus dem Sony-Hack von Ende 2014 ein anhaltendes Thema. Immerhin: Bei HBO hat man sich auf die Fahnen geschrieben, (Darsteller-)Gehälter zwischen den Geschlechtern in Zukunft anzugleichen.
    Der nächstgroße, konkrete Skandal war der Rauswurf von Roseanne Barr und die Einstellung der erfolgreichsten Sendung des Jahres 2018 – „Roseanne“ – durch ABC. Barr hatte eine unliebsame, schwarze Politikerin mit einem Affen verglichen. Während Barr sich darauf berief, unter Schlafmitteln gestanden und daher nicht klaren Verstandes gewesen zu sein und daneben auch die Politikern „nur“ als hässlich bezeichnen zu wollen (anstatt ihre Menschlichkeit abzusprechen), kannte ABC keine Gnade und griff durch. Zuvor hatten sich zügig auch Kollegen bereits von Barrs Äußerung distanziert.
    Generell sind die sozialen Netzwerke ein Minenfeld für Celebrities. Gerade, da diese mittlerweile schon über zehn Jahre existieren, finden sich dort immer wieder alte Aussagen, die Personen angreifbar machen. Der designierte Oscar-Moderator für das Jahr 2019, Comedian Kevin Hart, stolperte etwa über knapp ein Jahrzehnt alte, homophobe Aussagen – die er selbst schon früher öffentlich bereut und widerrufen hatte und wo große Interessenverbände seine Sühne und Entschuldigungen schon lange akzeptiert hatten. Hart weigerte sich jedoch, seine alten Aussagen zu löschen, wollte sie sozusagen als „historisches Artefakt“ bestehen lassen – und gab den Moderatorenjob wieder auf. Zahlreiche Künstler sehen sich wegen alter Witze und Aussagen in der Schusslinie, wenn ihre aktuellen politischen Ansichten einer organisierten Gruppe unliebsam sind.
    „Die Simpsons“ wurden ebenfalls in eine Kontroverse verwickelt: Asiatische Amerikaner mit Wurzeln auf dem indischen Subkontinent beschwerten sich darüber, dass die stereotype Darstellung von Apu Nahasapeemapetilon in der Animationsserie seit Jahrzehnten als Vorlage für rassistische Angriffe und Spott ihnen gegenüber diene. Figuren-Sprecher Hank Azaria erklärte sich reumütig und geschockt bereit, an einer Änderung der Figur mitzuhelfen.“Simpsons“-Schöpfer Matt Groening hingegen war eher unbeeindruckt über einzelne Beschwerden. Letztendlich scheint die Figur in der Serie jetzt in den Hintergrund zu treten und keine Sprechrolle mehr zu haben – Azaria leiht weiterhin zahllosen Nebenfiguren die Stimme.
    Mit einer Serienadaption der düsteren Film-Comedy „Lethal Attraction – Heathers“ um Bullying und Schulgewalt wollte man bei Viacom kreativ punkten. Das Unterfangen endete im Desaster, als der Sender Angst vor dem eigenen Mut bekam und die Serie „Heathers“ wegen allgegenwärtiger echter Schulgewalt und Amokläufen vorab verschoben und schließlich viel später und nur in stark geschnittener Fassung in den USA ausgestrahlt wurde.
    Mit der elften Staffel setzte FOX „Akte X“ Anfang des Jahres fort. Hardcore-Fans der Serie fanden daran wenigstens die „Monster-der-Woche“-Folgen gut. Doch Serienschöpfer Chris Carter drehte auch an der großen Mythologie und ließ erklären: Die Aliens wollen die Erde nun nicht mehr kolonisieren, weil die Menschen sie zu sehr kaputt gemacht haben. Aktuell sieht alles danach aus, dass „Akte X“ dadurch mit beschädigtem Ruf enden wird, zumal auch Gillian Anderson ihren Ausstieg erklärt hat.
    Nichts weiter als schlechte Neuigkeiten hat die Prestigeserie „American Gods“ im Jahr 2018 hervorbringen können. Aus dem Ruder laufende Produktionskosten, Ärger am Set mit zwei gefeuerten Showrunnern und eine lange Wartezeit zwischen den Staffeln sind alles, was hier zu Buche steht. Vorlagengeber, Produzent und Strippenzieher Neil Gaiman hat unterdessen auch noch den Arbeitgeber gewechselt (immerhin zum „Gods“-Ko-Produzent Amazon), so dass eine Fortsetzung mit einer dritten Staffel wegen der wirtschaftlichen Konstellationen infrage steht.
    Im Jahr 2018 war für die Zuschauer mal wieder deutlich zu spüren, dass Fernsehserien eben aus einer Industrie hervorgehen, wo es fast ausschließlich um Geld geht. Sender FOX etwa machte im Mai einen gewaltigen Schnitt und setzte „Lucifer“, „Brooklyn Nine-Nine“ und „The Last Man on Earth“ ab, bei CBS wurden „Kevin Can Wait“ und „Scorpion“ mangels wirtschaftlicher Perspektive eingestampft. Die Fans hatten immerhin mehrfach das Glück, dass Serien in einer neuen Heimat Aufnahme fanden.
    Eine weitere Serie, bei der die Fans Leidtragende von wirtschaftlichen Veränderungen werden, ist „Shadowhunters: Chroniken der Unterwelt“. Die Fantasyserie lebte vom Geld sowohl des US-Sender Freeform wie auch der internationalen Einnahmen durch Netflix. Als beide Geldgeber – wegen ihrer jeweiligen wirtschaftlichen Rahmenbedingung – auf unterschiedlichen Vorstellungen über die Episodenanzahl pro Staffel/Jahr beharrten, war das Schicksal von „Shadowhunters“ besiegelt. Immerhin wurde noch ein bewusster Abschluss produziert.
    Ebenfalls ein Zeichen für die unbarmherzige Industrie: Nachdem Josh Friedman („Terminator: Sarah Connor Chronicles“) weit über ein Jahr in die Vorbereitung einer Adaption des Films „Snowpiercer“ gesteckt und viel Lob und schließlich eine Serienbestellung für den fertiggestellten Serienpiloten erhalten hatte, wurde er gefeuert. Der Serienpilot soll teils neu gedreht werden – der bisherige Regisseur lehnte unter Hinweis auf ein schwaches Drehbuch gegenüber dem sehr gelungenen ersten Anlauf eine weitere Beteiligung ab.
    Deutlich öffentlicher durch die Schlagzeilen ging die Tatsache, dass „Grey’s Anatomy“ im Frühjahr die beiden langjährigen Darstellerinnen Jessica Capshaw und Sarah Drew aus der Serie verabschieden würde. Während die Macher der Meinung waren, dass man halt immer wieder neue Figuren für neue Geschichten bräuchte und das ein recht normaler Vorgang sei, waren weder die Fans noch die Darstellerinnen über den verordneten Abschied erfreut.
    Von zahllosen schlechten Schlagzeilen überschattet war „Lethal Weapon“, wo sich die anfänglichen Hauptdarsteller Damon Wayans und Clayne Crawford komplett überworfen hatten und Crawford schließlich am Ende der zweiten Staffel entlassen wurde. Während der dritten Staffel machte Wayans mit seiner überraschenden Kündigungsabsicht Schlagzeilen – allerdings scheint der Darsteller davon nach Anpassungen seiner Arbeitsbedingungen Abstand genommen zu haben.
    Wayans Sohn, Damon Wayans jr. („Happy Endings“), konnte für seine Rückkehr ins Network-TV von CBS übrigens einen Riesen-Deal herausschlagen, dem Vernehmen nach den lukrativsten der Upfronts. Die daraus entstandene Serie „Happy Together“ wird allerdings nach 13 Folgen sang- und klanglos enden.
    Als sehr schlechte Idee erwies sich der Plan der Macher der US-Serie „The Looming Tower“, die deutsche Synchronisation gleich selbst mitzuliefern. Man griff dabei teils auf amerikanische Sprecher mit minimalen Deutschkenntnissen zurück. Der deutsche Lizenznehmer Prime Video entschied nach erbosten Zuschauerprotesten, eine neue Synchronisation anzufertigen.
    Die erfolgreichste Kabelserie der USA schafft es in die Flops des Jahres?! Hätte man ja auch nicht gedacht. Einerseits sind die Quoten der vergangenen Staffeln massiv gesunken. Dann konnten und wollten sich die Produzenten mit Darstellerin Lauren Cohan nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen – man kann als gegeben ansehen, dass es am Geld lag. Über Monate wurden die Zuschauer schließlich mit sprachlichen Spitzfindigkeiten über den Status von Andrew Lincolns Mitarbeit getäuscht. Und der Sender AMC befindet sich seit Jahren in einem Rechtsstreit über ausgebliebene Gewinnauszahlungen an zahlreiche Produzenten – wobei die Behauptung im Raum steht, man habe ja noch nicht wirklich „abrechnungstechnisch“ Gewinne gemacht.
    Womit wir zu einem Blick auf die Streaming-Dienste kommen. Bei seinem Kampf um internationale Marktherrschaft setzt Netflix weiterhin auf massive Investitionen, um sich von den allgemeinen Content-Lieferanten unabhängig zu machen. Während mittlerweile deutlich wird, dass das inhaltlich ein richtiger Schritt ist – die Content-Lieferanten gehen selbst ins Streaminggeschäft und werden ihre Formate selbst nutzen -, nimmt Netflix dafür immer mehr Schulden auf. 6,5 Milliarden US-Dollar hat der Dienst als Kredite laufen, Verträge über 18 Milliarden in Lizenzsummen (über die „kommenden Jahre“ fest vereinbart; im Kalenderjahr 2018 wurden zum Beispiel Content-Ausgaben von 8 Milliarden angepeilt) bei zuletzt 4 Milliarden US-Dollar Umsatz im Quartal. Die Rechnung ist eng und wird vor allem mit Investorengeldern gezahlt.
    Inhaltlich eines der schwächsten Prestigeprojekte des Kalenderjahres 2018 bei Netflix war sicherlich die Neuauflage von „Lost in Space“. Das einzige, was hier deutlich in Erinnerung blieb, war die unverhohlene Schleichwerbung für Kekse von Oreo.
    Auch von „Disenchantment“ aus der Schmiede von „Simpsons“-Schöpfer Matt Groening haben sich viele Fans vermutlich deutlich mehr erwartet. Die Serie um eine Prinzessin, die lieber ihr eigenes Leben mit Zechgelagen und Abenteuern führen will, als aus politischen Gründen verheiratet zu werden, nimmt einen für die aktuellen Sehgewohnheiten zu langen Anlauf von sechs Folgen, bevor sie kurz vor Schluss zumindest erzählerisch zu überzeugen beginnt.
    Komplett überflüssig finden viele Beobachter die zweite Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“, die demnach mutmaßlich nur gemacht wurde, um mit schockierenden Themen prahlen zu können. Dafür wurden die Figuren aus der ersten Staffel nachhaltig verdreht. Ende ohne Schrecken: Auch eine dritte Staffel wurde bestellt.
    Ähnliches gilt für „Tom Clancy’s Jack Ryan“. Der Ansatz, die Geschichte eines Terroristen und einer großen Terrorbedrohung weiträumig zu erzählen, war sicherlich interessant und bildete – für eine Unterhaltungsserie – komplexe Themen auch komplex ab. Allein, es mangelte an Spannung, und die verästelten Erzählungen nahmen enorm Tempo aus der Geschichte. Amazon bestellte frühzeitig eine zweite Staffel.
    Ein weiterer kreativer Fehlschlag der Streaming-Welt ist die für das Portal Stargatecommand.co hergestellte Mini- und Prequelserie „Stargate Origins“. Während Fans des Franchises ihre Hoffnung auf eine ansprechende, neue Serie gesetzt hatten, wurden daraus schließlich zehn günstig produzierte „Minisoden“, mit denen man niemandem einen Gefallen getan hat.
    Qualität braucht Zeit, dem kann man sich nicht verschließen. Trotzdem nerven uns lange Wartezeiten bei Serien wie „Game of Thrones“ und „Stranger Things“ von weit über einem Jahr.
    Bei „Westworld“ hingegen wären viele Zuschauer durchaus bereit, auf neue Folgen noch etwas länger zu warten. Bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag zum Beispiel. Staffel zwei präsentierte sich überproduziert und warf für billige Überraschungseffekte oder einfach, um die Figuren weiter zu bewegen, immer wieder die Charakterentwicklungen über Bord. Dazu kann man sich des Eindrucks nur schwer erwehren, dass die komplexe Erzählstruktur vor allem inhaltliche Schwächen übertüncht.
    Gespanntes bis genervtes Warten herrscht aktuell auch auf die Zukunft zahlreicher Streamingangebote. Wird Disney+ auch nach Deutschland kommen? …
    … wann startet der Dienst von Apple, und werden die Serien dort es wert sein, dass man dafür zahlt, oder weichgespülte Familienunterhaltung – wie manch Branchenbeobachter aufgrund Vorabinfos befürchtet …
    … und jetzt, gerade nachdem YouTube mit „Cobra Kai“ und „Impulse“ erste kreative Achtungserfolge erzielt hat, wird sich der Streaming-Riese von seinen fiktionalen Bestrebungen verabschieden, um sich auf seine Kernmarke zu besinnen und „Reality-Formate“ zu präsentieren?
    Derweil ist Facebook im Jahr 2018 wegen unsicheren Umgangs mit Nutzerdaten so sehr in die Negativschlagzeilen gekommen, dass das unauffällige Abschneiden des Streaming-Angebots Facebook Watch gar nicht weiter ins Gewicht fällt.

    30.12.2018, 19:30 Uhr – Bernd Krannich/fernsehserien.de

    Über den Autor

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich ist Jahrgang 1974 und erhielt die Liebe zu Fernsehserien quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war Fan früher Actionserien und technikbegeistert, Bernd verfiel den Serien spätestens mit Akte X, Das nächste Jahrhundert und Buffy. Mittlerweile verfolgt er das ganzes Serienspektrum von "The Americans" über "Arrow" bis "The Big Bang Theory". Seit 2007 schreibt Bernd beruflich über vornehmlich amerikanische Fernsehserien, seit 2014 in der Newsredaktion von fernsehserien.de.

    Lieblingsserien: Buffy – Im Bann der Dämonen, Frasier, Star Trek – Deep Space Nine

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Vritra am 01.01.2019 14:06

      @BMK
      Na da wurden aber doch ein paar "Flops" sehr aufgebauscht. Besonders was den Teil über die Qualität einiger der erwähnten Serien angeht. Insbesondere bei "Disenchantment" und "Jack Ryan" bin ich absolut nicht Deiner Meinung. Lediglich bei "Westworld" S2 stimme ich Dir absolut zu. Was die Drehbuchautoren hier abgeliefert haben, gehört zum größten Mist, durch den ich mich jemals durchgequält habe. Staffel 3 findet daher auch ohne mich statt.
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