Das internationale Fernsehjahr 2018 im Rückblick: Quotenkönige, Köpferollen und jede Menge Wiederbelebungen

    TV-Ereignisse und Strömungen aus den USA

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    Das internationale Fernsehjahr 2018 im Rückblick: Quotenkönige, Köpferollen und jede Menge Wiederbelebungen – TV-Ereignisse und Strömungen aus den USA

    Das Kalenderjahr 2018 nähert sich seinem Ende, die jüngste Broadcast-Season zeigt die ersten Ergebnisse. Zeit für den traditionellen Jahresrückblick auf die wichtigsten Ereignisse und Themen, die die Unterhaltungsmedien in den vergangenen Monaten geprägt haben. Welche Ereignisse hatten Einfluss auf die US-Fernsehlandschaft und welche Strömungen dürften auch im nächsten Jahr für Bewegung sorgen? Ein Blick zurück auf das US-Fernsehjahr 2018:

    #MeToo

    Weiterhin steht die US-amerikanische Unterhaltungsindustrie im Zeichen von Enthüllungen über das, was über Jahrzehnte unter den Teppich gekehrt wurde. Immer wieder werden neue Untaten und ihre Verursacher enthüllt, was aber auch immer wieder einen Schatten über ihre jüngsten Projekte wirft.Der düsterste Fall des Jahres 2018 war sicherlich der des CBS-Managers Leslie Moonves, über den ein Zeitungsbericht enthüllte, dass er über Jahrzehnte Frauen sexuell bedrängt haben soll und der demnach seine Machtposition in der Industrie dazu ausgenutzt hat, um seine Untaten zu vertuschen. Dabei scheint er auch zahlreiche andere Männer gedeckt zu haben, die sich Fehlverhalten zu Schulden haben kommen lassen – entsprechende Berichte gibt es etwa aus der Nachrichtenabteilung von CBS um den nach einer Untersuchung entlassenen Charlie Rose und durch den Fall von Eliza Dushku, die nach ihrer Entlassung bei „Bull“ mehrere Jahresgehälter als Entschädigung erhielt. Die interne Untersuchung von CBS läuft noch.Nach Vorwürfen sexueller Übergriffe bis hin zum Vergewaltigungsvorwurf distanzierte sich die BBC von Ed Westwick und Netflix von Danny Masterson.Derweil diskutiert die Medienwelt über das schleichende Comeback von Louis C.K. Der Comedian hatte Berichte mehrerer Frauen aus dem Entertainmentbusiness bestätigt, vor ihnen masturbiert zu haben. Nachdem Louis C.K. daraufhin zunächst aus der Öffentlichkeit verschwand, unternahm er nun wieder vereinzelte Stand-up-Auftritte in Clubs. In der Folge diskutiert die Medienwelt, wie man mit jemandem umgehen soll, der einer staatlichen Strafverfolgung entgangen ist und bei dem somit auch kein Richter festlegt, wann er seine Sühne gegenüber der Gesellschaft abgeleistet hat.

    Wiederbelebungen

    2018 war ein Jahr, das wieder erstaunlich viele „Serienrettungen“ und Wiederbelebungen vorweisen konnte. Nachdem zwischenzeitlich Netflix als Retter jedes abgesetzten Formats herbeigesehnt wurde, war es in den vergangenen beiden Jahren zunehmend seltener geworden, dass eine abgesetzte Serie noch einen Retter fand. Nicht so in 2018.

    Sicherlich gibt es bei jeder abgesetzten und anschließend wiederbelebten Serie ganz spezifische Gründe, die sie für einen Sender unwirtschaftlich gemacht hatten und für einen anderen oder einen Streamingdienst attraktiv erscheinen lassen. Aber in der Summe sind die Rettungen schon eine bemerkenswerte Strömung.

    Netflix alleine übernahm von FOX die von Warner produzierte Serie „Lucifer“ und führte daneben die bisherigen Ko-Produktionen „Designated Survivor“, „Travelers – Die Reisenden“ und „You – Du wirst mich lieben“ nach dem Ausstieg der Partner alleine fort. Daneben sicherte man sich den bei FOX durchgefallenen Serienpiloten „Mixtape“ als Serie und ließ das von The CW zu den Akten gelegte „Insatiable“ als Serie starten. Nach der Absetzung durch FOX schnappte sich NBC „Brooklyn Nine-Nine“, während FOX nach der letztjährigen Absetzung durch ABC „Last Man Standing“ ein neues Leben gab. NBC wählte bei der Serie „Timeless“ den enorm seltenen Schritt, nach der Absetzung doch noch Geld für einen runden Abschluss locker zu machen. Kabelanbieter Charter Comunications sicherte sich für sein eigenes kleines Streamingangebot den bei NBC durchgefallenen Serienpiloten „L.A.’s Finest“ (ein Spin-Off der „Bad Boys“-Filme). Und Amazon rettete schließlich das bei Syfy abgesetzte „The Expanse“ zur Freude einer weltweiten Fangemeinde.

    The Walking Dead

    Zu einer Zeit, wo massiv gesunkene Einschaltquoten eigentlich ein Ende der enorm erfolgreichen Zombie-Serie „The Walking Dead“ ankündigen, setzt Sender AMC (mit seinen AMC Studios) auf eine Ausweitung des Franchise: Nach nebulösen Ankündigungen wurden im Herbst drei Fernsehfilme mit einem Blick auf das Geschehen in der „weiteren Welt“ angekündigt. Mit dem Finale der achten Staffel der Hauptserie wurde mit Angela Kang eine neue Showrunnerin bestellt. Sie musste nicht nur mit den sinkenden Quoten umgehen, sondern auch mit den „geerbten“ Darstellerabschieden von Andrew Lincoln und Lauren Cohan und weiteren äußeren Vorgaben. Bisher sind die ausgemachten Fans der Serie durchaus zufrieden mit Kangs ersten acht Episoden, allerdings verliert die Serie weiterhin massiv Zuschauer.

    Ebenfalls einen Umbruch erlebte das Spin-Off „Fear the Walking Dead“, das gleichfalls neue Showrunner, einen neuen Handlungsort und neue Hauptdarsteller erhielt. Die Tatsache, dass vom ursprünglichen Cast nur noch eine einzige Darstellerin mit an Bord ist, verstärkt die Vermutung, dass man bei AMC nie so richtig wusste, was man mit der Serie wollte – außer eben, den Erfolg von „TWD“ zu noch mehr Geld zu machen.

    Da „The Walking Dead“ bei AMC Studios weiterhin das Erfolgsformat ist, kann man sich darauf verlassen, dass diese goldene Gans noch lange Eier legen muss.

    Deutschland verkauft sich gut

    Auch das gehört zum Blick über die Grenzen: Deutsche Serien verkaufen sich gut! Zwar dürften die Serien in der englischsprachigen Welt auch weiterhin „Nische“ sein, aber Netflix hat etwa die Prestigeproduktion „Babylon Berlin“ sowie „Parfum“ gekauft. Als Internationale Ko-Produktion, die mehrsprachig gedreht wurde, gelangte „Das Boot“ unter anderem zu Hulu in den USA. Wie schon bei „Deutschland 83“ kam auch die Fortsetzung „Deutschland 86“ in den USA beim Cineasten-Kanal SundanceTV zur Ausstrahlung. Auch „Der Pass“ von Sky wurde als „Pagan Peak“ schon auf Serienmessen vorgestellt – bisher hat der Sender das Verkaufsergebnis noch nicht verkündet.

    28.12.2018, 10:15 Uhr – Bernd Krannich/fernsehserien.de

    Über den Autor

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich ist Jahrgang 1974 und erhielt die Liebe zu Fernsehserien quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war Fan früher Actionserien und technikbegeistert, Bernd verfiel den Serien spätestens mit Akte X, Das nächste Jahrhundert und Buffy. Mittlerweile verfolgt er das ganzes Serienspektrum von "The Americans" über "Arrow" bis "The Big Bang Theory". Seit 2007 schreibt Bernd beruflich über vornehmlich amerikanische Fernsehserien, seit 2014 in der Newsredaktion von fernsehserien.de.

    Lieblingsserien: Buffy – Im Bann der Dämonen, Frasier, Star Trek – Deep Space Nine

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