Matthew McConaughey (l.) und Woody Harrelson als gebrochene Ermittler in Staffel 1 von „True Detective“
Bild: HBO
Bastian Pastewka liebt sie, genauso wie das deutsche Publikum: Murder Mysterys, Kriminalgeschichten, die aus rätselhaften Todesfällen kurzweilige, spannende, manchmal auch lustige Verwirrspiele machen. Zum Start der Genre-Hommage „Fabian und die mörderische Hochzeit“ mit dem Ex–„Wochenshow“-Darsteller in der Hauptrolle möchten wir euch die – für uns – 10 besten Filme und Serien aus dem Whodunit-Kosmos vorstellen.
Was kommt dabei heraus, wenn „Footloose“-Regisseur Herbert Ross ein Drehbuch von Musical-Experte Stephen Sondheim und „Psycho“-Star Anthony Perkins inszeniert? Eine Film wie „Sheila“, der im Panorama der Murder Mysterys sicherlich zu den weniger bekannten Werken gehört. Dabei hat die unterschätzte Perle um einen exzentrischen Filmproduzenten, der nach dem Unfalltod seiner Frau den Schuldigen während eines Rollenspiels auf seiner Yacht entlarven will, einiges zu bieten: Etwa einen gut aufgelegten Cast (unter anderem James Coburn) und ein fieses, raffiniertes Drehbuch. Der englische Filmkritiker Kim Newman wies zudem völlig zu Recht daraufhin, dass „Sheila“ ein originärer Stoff sei, anders als die meisten Whodunits nicht auf einer (oft bekannten) Romanvorlage basiere. Für sein „Knives Out“-Universum ließ sich übrigens Rian Johnson von Herbert Ross’ 1970er-Jahre-Krimi inspirieren.
Eine Liste der besten Murder Mysterys ohne einen „echten“ Agatha-Christie-Stoff geht natürlich gar nicht! Mit „Mord im Orient-Express“ legte Sidney Lumet Mitte der 1970er-Jahre einen ironisch gefärbten Krimi vor, in dem Albert Finney den Meisterdetektiv Hercule Poirot verkörpert. Seine Aufgabe: Den Mord an einem Reisenden des im Schnee feststeckenden Orient-Expresses entlarven. Das opulent bebilderte, mit internationalen Stars (darunter Lauren Bacall, Ingrid Bergman, Sean Connery und Anthony Perkins) besetzte Kammerspiel wurde sechs Mal für den Oscar nominiert. Gewinnen konnte die begehrte Trophäe einzig Ingrid Bergman. Vorlagengeberin Agatha Christie, die rund ein Jahr nach Veröffentlichung der Adaption verstarb, äußerte sich positiv über die Umsetzung, was bei den meisten Verfilmungen ihrer Bücher nicht der Fall war. Überlegen ist Lumets „Mord im Orient-Express“ auf jeden Fall der Version von Kenneth Branagh, die 2017 in die Kinos kam.
Die mittlerweile fünf Staffeln umfassende Hulu-Serie ist schon deshalb ein willkommener Zeitvertreib, weil sie den allgegenwärtigen True-Crime-Boom gewitzt auf die Schippe nimmt. Noch schöner: Die drei Protagonisten, die als Hobbydetektive in einem exklusiven New Yorker Wohnhaus verdächtige Todesfälle sezieren, sind mit Selena Gomez, Steve Martin und Martin Short klug besetzt. Die Chemie zwischen der Jungschauspielerin und den beiden Comedy-Veteranen könnte nicht besser sein. Und auch ihre so unterschiedlich gezeichneten Figuren ergänzen sich prima. Clevere Alltagsbeobachtungen, lässig eingebaute Popkulturverweise und prominente Gaststars runden das positive Gesamtbild ab.
Agatha Christie zum Zweiten! Auch dieser BBC-Dreiteiler basiert auf einem mehrfach verfilmten Buch der „Queen of Crime“. Der Plot: Zehn Menschen, die sich nicht kennen, werden im Jahr 1939 auf eine Insel vor der englischen Küste eingeladen und kommen dort, da sie früher große Schuld auf sich geladen haben, ums Leben. In einem Krimisetting, das klassischer nicht sein könnte, entwirft der Cast um Douglas Booth, Charles Dance, Sam Neill und Miranda Richardson vielschichtige Charakterporträts. Überzeugend auch, wie die von Sarah Phelps adaptierte Miniserie den düsteren Tonfall der Romanvorlage zu rekonstruieren weiß und nebenbei den historischen Hintergrund in die Erzählung einbindet. Ein Muss für alle Wir-sitzen-auf-einer-einsamen-Insel-fest-und-suchen-einen-Mörder-Fans.
Die von Richard Levinson und William Link erdachte Kriminalfilmreihe „Columbo“ fällt in unserer Bestenliste etwas aus dem Rahmen. Immerhin folgt sie nicht dem Whodunit-Prinzip. Spannung entsteht hier vielmehr aus der Frage, wie genau der titelgebende Ermittler den dem Publikum in jeder Episode von Anfang an bekannten Mörder überführt. Als leicht tollpatschiger, Knitter-Trenchcoat tragender, mit scharfem Verstand gesegneter LAPD-Inspektor (im englischen Original: Lieutenant) tauchte Peter Falk häufig in die Welt der Schönen und Reichen ein – und schrieb in der Paraderolle Fernsehgeschichte. Auch beim hundertsten Mal kann man sich noch über Columbus’ verschusselt vorgetragene Hartnäckigkeit („Ich hätte da noch eine Frage!“) amüsieren. Dass zahlreiche prominente Gaststars (etwa Vincent Price, Johnny Cash, Faye Dunaway und William Shatner), oft als Täter, mitwirkten, spricht für sich.