Das internationale Fernsehjahr 2018 im Rückblick: Quotenkönige, Köpferollen und jede Menge Wiederbelebungen

    TV-Ereignisse und Strömungen aus den USA

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 28.12.2018, 10:15 Uhr

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    Emmy-Ehren

    HBO
    HBO

    Im Jahr 2017 bei den 69. Emmy-Awards war „Game of Thrones“ wegen einer längeren Ausstrahlungspause nicht teilnahmeberechtigt gewesen. Damals hatte „The Handmaid’s Tale“ die Chance genutzt und sich satte acht Emmys geholt.

    Bei den 70. Emmy Awards nun meldete sich das Fantasy-Epos aus Westeros mit Macht zurück und konnte mit neun Emmys die meisten Auszeichnungen erringen. Das ließ für die zweite Staffel von „The Handmaid’s Tale“ nur drei Auszeichnungen übrig. Die weiteren Spitzenreiter bei der Verleihung waren Neuling „The Marvelous Mrs. Maisel“ und Veteran „Saturday Night Live“ (mit je acht Auszeichnungen) sowie die zweite Staffel von „American Crime Story“ („The Assassination Of Gianni Versace“) mit sieben Emmys. Abgeschlagen endete erneut „Westworld“ mit durchwachsenen vier Trophäen bei starken 21 Nominierungen (zum Vergleich: „GoT“ hatte 23 Nominierungen).

    Bei den Sendern konnte Netflix in Sachen Nominierungen erstmalig HBO als Primus ablösen – bei der Endabrechung der gewonnenen Trophäen lagen dann beide mit 23 gleichauf. NBC (dank „Saturday Night Live“ und dem Musical-Special „Jesus Christ Superstar Live In Concert“), FX Networks (dank „American Crime Story“) und Amazon (dank „The Marvelous Mrs. Maisel“) lagen auf den Plätzen.

    Streaming

    The Walt Disney Company
    The Walt Disney Company

    Als Netflix seinen internationalen Siegeszug antrat, war die Hoffnung vieler Zuschauer, dass damit bald „alle Serien“ irgendwann in einer Hand vereint und streambar werden würden – und in der Finanzbrache kam die Frage auf, ob sich damit nicht die TV-Sender selbst torpedieren würden, wenn die Zuschauer ihre Serien dann halt ohne Werbung und für einen verhältnismäßig geringen Preis und auch ohne den „Stress“, Ausstrahlungsdaten verfolgen zu müssen, verfügbar hätten.

    Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet und es zeichnet sich ab, dass die bisherige Vielfalt im amerikanischen TV bald ihren Spiegel in Streaming-Angeboten finden wird. Disney bereitet mit Disney+ seinen eigenen Dienst vor, NBCs Mutterfirma Comcast ist in den USA zwar bisher nicht mit einem eigenen Streaming-Angebot gestartet, hat sich aber als internationales Standbein in Europa Sky gekauft.

    WarnerMedia bereitet ausgehend vom HBO-Now-Angebot seines Pay-TV-Senders HBO ein eigenes Streamingangebot vor. Apple hat durchblicken lassen, dass der Techgigant weltweit mit seinem Streamingangebot an den Start gehen will – hat aber wohl noch Schwierigkeiten bei der eigenen Ausrichtung. Lionsgate hat sein auf dem amerikanischen Pay-TV-Anbieter Starz fußendes Streaming-Angebot STARZPLAY als Amazon Channel in die Welt gebracht. Auch der zur BBC gehörende Vertrieb BBC Worldwide ist hierzulande mit BBC Player bei Amazon angetreten, in den USA und Kanada machen BBC Worldwide und ITV für den Dienst BritBox gemeinsame Sache. YouTube hat sein ehemaliges Abo-Angebot YouTube Red als YouTube Premium in weiteren Ländern starten lassen, überdenkt aktuell aber auch seine Strategie in Sachen Eigenproduktionen und ob man dort weiter auf teure Fiction setzen soll. Facebook versucht mit WATCH den Medienkonsum zum sozialen Faktor hochzuspielen und lässt die Nutzer wissen, was ihr Freundeskreis denn so alles bei WATCH gesehen hat – damit man im Idealfall dann auf der Seite darüber diskutieren kann.

    Alle Zeichen stehen also darauf, dass die (vornehmlich amerikanischen) Medienkonglomerate und Tech-Unternehmen demnächst weltweit versuchen werden, das Gros ihrer neuen – und vor allem alten – Film- und Serienrechte über eigene Streamingangebote direkt an den zahlenden Kunden zu bringen.

    Derweil stehen Dutzende Serienprojekte in den Startlöchern, die für den Start der Dienste Disney+ und den von Apple bereits bestellt wurden sowie bei Netflix und Amazon geordert wurden, um die kommenden Nachschublücken zu füllen.

    Umbau

    The Walt Disney Company/21st Century Fox
    The Walt Disney Company/21st Century Fox

    Wenn der allmähliche Wandel der US-Fernsehsender und Mediengiganten der Plattentektonik der Erde gleicht, dann entladen sich immer wieder Spannungen in kleineren und größeren Erdbeben. Eines davon war sicherlich der Abschied des aus Australien stammenden Medienclans Murdoch von einem Großteil des von ihm über Jahrzehnte aufgebauten und zusammengekauften 21st Century Fox in den USA und Sky in Europa. Das hatte auch für Serienfans Folgen, da er einen Umbau des Senders FOX nach sich zog: Dort setzt man mittlerweile sehr stark auf Sport (Football am Donnerstag und ab kommender Season Wrestling am Freitag), wozu man ein „leichtverdauliches“ Serienprogramm bieten will: Single-Camera-Comedys sind Trumpf, komplexere Formate mit fortlaufenden Geschichten wie „Lucifer“, „The Last Man on Earth“ und „Brooklyn Nine-Nine“ wurden im Mai rigoros abgesägt.

    Ebenfalls ein Erdbeben ist das Auslaufen eines Lizenz-Deals zwischen Netflix und Disney in den USA – Disney hatte langfristig geplant, nach Ende des aktuellen Vertrags seine Marken sowie die Film- und Serienbibliothek beim eigenen Dienst Disney+ auszuwerten. Vielleicht etwas überraschend scheinen darunter aber auch bisherige direkte Zusammenarbeiten zu leiden, wie die Marvel-Serien um die „Defenders“, bei denen drei von fünf fortlaufenden Serien in den vergangenen Monaten eingestellt wurden.

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