„The Masked Singer“ beweist: Das lineare Fernsehen ist nicht tot

    Das TV-Lagerfeuer brennt wieder

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 01.08.2019, 14:20 Uhr (erstmals veröffentlicht am 17.07.2019)

    „The Masked Singer“ ist der Show-Erfolg des Sommers – Bild: ProSieben/Willi Weber
    „The Masked Singer“ ist der Show-Erfolg des Sommers

    In jüngster Zeit hört und liest man immer häufiger Phrasen wie „Ich gucke schon lange kein Fernsehen mehr“ oder „Lineares Fernsehen ist tot“. Gerade die Jugend habe dem „altmodischen“ TV mittlerweile den Rücken gekehrt und würde sich stattdessen bei YouTube, Netflix, Instagram und Co. aufhalten. Doch ist das Schicksal des klassischen Fernsehens wirklich so besiegelt, wie gerne behauptet wird?

    ProSieben hat seit sechs Wochen einen Mega-Erfolg im Programm, der auf das Gegenteil schließen lässt: Mit dem Show-Neustart „The Masked Singer“ holt der Sender phänomenale Einschaltquoten. Nachdem die Musikrateshow den erfolgreichsten Start seit „The Voice of Germany“ vor acht Jahren hinlegte, konnte sie sich kontinuierlich steigern. Die Demaskierung von Stefanie Hertel (fernsehserien.de berichtete) verfolgten vergangene Woche 3,16 Millionen Zuschauer – in der jungen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen wurden phänomenale 29,0 Prozent Marktanteil erreicht – weit überdurchschnittliche Zahlen für ProSieben. Das simple Konzept geht auf: Prominente jeder Couleur treten in Ganzkörperkostümen auf und geben eine aufwendige Gesangsperformance zum Besten. Für die Zuschauer und das Rateteam gilt es, die Identität der Kandidaten anhand der Stimme zu erkennen. Das gemeinsame Rätseln, Kombinieren und Stochern im Nebel ist ein großer Spaß für alle Beteiligten, der sich am nächsten Tag auf dem Schulhof und im Büro fortsetzt (zur ausführlichen Show-Kritik).

    Ein enormer Erfolg war im Frühjahr auch „Let’s Dance“. Es handelte sich um die erfolgreichste Staffel bei RTL seit Jahren. Durchschnittlich sahen die insgesamt 13 Ausgaben 4,21 Millionen Menschen. In der jungen Zielgruppe wurden im Schnitt richtig tolle 19,6 Prozent erreicht. „The Masked Singer“ und „Let’s Dance“ haben eines gemeinsam: Es sind Live-Eventshows, die auch live geguckt werden wollen. Diesen Formaten gelingt es noch, ein Lagerfeuer-Gemeinschaftsgefühl „wie früher“ zu erzeugen. Man guckt zusammen und will gleichzeitig mit anderen den Live-Moment erleben, wenn die Maske fällt bzw. der Dancing Star gekürt wird. Diesen Zauber hat das Fernsehen heute immer noch – sofern es leidenschaftlich umgesetzt wird. Genau daran haperte es in den vergangenen Jahren zu oft. Mit mittelmäßigen Formaten war im besten Fall eben nur ein mittelmäßiger Erfolg drin. Doch es scheint ein Umdenken zu geben: Sowohl RTL als auch ProSieben haben offensichtlich erkannt, dass im Live-Faktor der große Vorteil gegenüber On-Demand-Diensten liegt. Die Live-Ausgaben von „Denn sie wissen nicht, was passiert – Die Jauch-Gottschalk-Schöneberger-Show“ waren beispielsweise große Highlights.

    Joko und Klaas nutzen den Live-Faktor perfekt aus ProSieben/Screenshot
    Joko und Klaas nutzen den Live-Faktor perfekt aus ProSieben/Screenshot

    Joko und Klaas: „Ich liebe Fernsehen!“

    Das Entertainerduo Joko und Klaas bewies vor einigen Wochen mit zwei unterschiedlichen Aktionen ebenfalls, welche Kraft Live-Fernsehen haben kann – sofern man kreative Ideen hat und diese auch umsetzen darf (!). Einmal nutzten sie ihre gewonnenen 15 Minuten aus ihrer neuen Show „Joko & Klaas gegen ProSieben“ dazu, um sozial engagierten Menschen Sendezeit zu schenken, die auf ihre Projekte aufmerksam machen konnten. Das zweite Mal gab es eine Live-Gewinnaktion in den Großstädten Köln, München, Berlin und Hamburg, bei der innerhalb von einer Viertelstunde 40.000 Euro unter glückliche Gewinner gebracht wurden (fernsehserien.de berichtete). Die Ungewissheit im Vorfeld darüber, was Joko & Klaas mit ihrer Sendezeit anstellen werden, hat zahlreiche Zuschauer dazu bewogen, pünktlich um 20.15 Uhr einzuschalten, um live dabei zu sein, wenn die Überraschung aufgelöst wird.

    Veränderte Sehgewohnheiten durch Netflix und Co.

    Unbestritten ist, dass sich die Sehgewohnheiten in den vergangenen Jahren verändert haben. Dabei ist bemerkenswert, wie schnell in vielen Haushalten Streamingdienste Einzug gehalten haben – immerhin gingen Netflix und Prime Video in Deutschland vor gerade mal fünf Jahren an den Start. Insbesondere Fans fiktionaler Serien werden bei den kostenpflichtigen Angeboten fündig und erhalten dort eine große Auswahl an internationalen Produktionen, für die im herkömmlichen Fernsehen kein Platz (mehr) ist. Serien wie „House of Cards“, „Orange is the New Black“, „The Man in the High Castle“ oder „The Marvelous Mrs. Maisel“ brachten den Anbietern großes Lob ein. Dennoch ist auch bei Netflix und Prime Video nicht alles Gold, was glänzt. Aus ihrem Dasein als Nische für Qualitätsserien treten sie immer mehr heraus und wollen nachvollziehbarerweise so viele Zielgruppen wie möglich erreichen. Eine Entwicklung von Klasse zu Masse zeichnet sich bereits ab.

    „Babylon Berlin“ war auch linear ein Erfolg X Filme
    „Babylon Berlin“ war auch linear ein Erfolg X Filme

    Dass vor allem Serienfans zu Streamingdiensten abgewandert sind, haben die klassischen Fernsehsender inzwischen erkannt und mittlerweile auch reagiert. Hochwertige Produktionen wie „Babylon Berlin“, „Club der roten Bänder“, „Charité“, „Parfum“ oder „Ku’damm 56“ wären ohne den neuen Konkurrenzdruck vielleicht nie realisiert worden. Jahrelang herrschte bei deutschen Sendern eine eher abwertende Einstellung à la „Der Großteil der Zuschauer versteht komplizierte Serien nicht und will diese auch nicht.“ Der positive Einfluss auf die Produktion von komplexeren und anspruchsvolleren Serien ist den Streamingdiensten zugutezuhalten. Auch die Tatsache, heutzutage nicht mehr pünktlich zu einer bestimmten Uhrzeit vor dem Fernseher sitzen zu müssen, um die nächste Folge nicht zu verpassen, hatte einen massiven Einfluss auf das Sehverhalten. Die heranwachsende Generation kennt es gar nicht anders und wächst in der komfortablen Situation auf, Serien dann gucken zu können, wann und wo sie will. Dies hat allerdings auch zur Folge, dass man sich kaum noch spoilerfrei über eine Serie austauschen kann, weil nicht alle auf dem aktuellsten Stand sind, wie es früher beim linearen Konsum der Fall war. Immer mehr Nutzer fühlen sich zudem überfordert, sich aus dem immer größer werdenden Angebot „das Richtige“ herauszusuchen und verbringen daher mehr Zeit im Auswahlmenü als mit einer Serie.

    Können Streamingdienste das Fernsehen ersetzen?

    Trotz dieser Entwicklung können SVoD-Angebote mitnichten das klassische Fernsehen in seiner Gänze „ersetzen“. Zumindest gegenwärtig ist dies nicht der Fall. Streamingdienste haben eher den Besuch einer Videothek ersetzt. Zwar werden zunehmend auch in Deutschland Serien für Netflix, Prime Video und Co. produziert, doch Serien oder Filme alleine machen eben noch kein Vollprogramm aus. Im nonfiktionalen Bereich ist das lokale Angebot noch äußerst überschaubar. Anders gesagt: Es gibt keine eigenproduzierten Nachrichtensendungen, Samstagabendshows, Polit-Talkshows, Satiresendungen, Musikformate, Reportagen, Magazine, Vorabendquizshows – und auch kein Frühstücksfernsehen.

    Die zunehmende Fragmentierung des TV-Markts hatte zur Folge, dass nur noch selten die ganze Familie versammelt vor dem Fernseher sitzt, um sich eine bestimmte Sendung gemeinsam anzusehen. „Bei mir saßen Michael Schumacher, die Spice Girls, Placido Domingo und Günter Netzer zusammen auf dem Sofa. Und jeder Zuschauer hat gewusst, wer das ist. Der Opa daheim vor dem Schirm hat gewusst, wer die Spice Girls sind, und die Tochter hatte vom Domingo auch schon gehört“, schwelgte Thomas Gottschalk jüngst in Erinnerungen an seine „Wetten, dass..?“-Vergangenheit. Derart generationenverbindende Sendungen, in denen etwa YouTuber auf Operntenöre treffen, existieren nicht mehr.

    Sehnsucht nach „Gemeinsamgucken“

    Dass es trotzdem nach wie vor ein Bedürfnis nach Fernsehen als Gemeinschaftserlebnis gibt, zeigt der Blick auf Twitter. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine TV-Sendung auf Platz 1 der deutschen Twittertrends landet – ob nun „Der Bachelor“, „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“, „Anne Will“, „Germany’s Next Topmodel“, „Tatort“ oder der „ZDF-Fernsehgarten“ – alles wird intensiv konsumiert und kommentiert.

    Der „ZDF-Fernsehgarten“ – jeden Sonntagmittag bei Twitter heiß diskutiert ZDF
    Der „ZDF-Fernsehgarten“ – jeden Sonntagmittag bei Twitter heiß diskutiert ZDF

    Selbst die schon oft für tot erklärte Samstagabendshow erfreut sich bester Gesundheit. 5,14 Millionen Menschen sahen am 6. Juli „Klein gegen Groß“ mit Kai Pflaume bei satten 24,6 Prozent Marktanteil. In der jungen Zielgruppe der Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren sprang mit 16,5 Prozent ebenfalls ein starkes Ergebnis heraus – die Zielgruppe, die angeblich nicht mehr fernsieht, schaute also eine klassische Samstagabendshow, die es angeblich nicht mehr gibt. Weitere 4,67 Millionen Zuschauer sahen währenddessen die Krimiserie „Ein starkes Team“ im ZDF. Anders gesagt: Fast 10 Millionen Zuschauer alleine für Das Erste und das ZDF an einem Samstag mitten im Sommer sprechen nicht unbedingt für das baldige Ableben der alten Tante Fernsehen.

    Es kommt auf den Inhalt an

    Es scheint tatsächlich recht simpel zu sein: Wenn die Inhalte stimmen, kommen die Zuschauer. Dabei spielt es eine zweitrangige Rolle, ob ihnen diese auf klassischen oder moderneren Wegen zugänglich gemacht werden. Die Grenzen verschwimmen immer mehr und es ist Ansichtssache, was der Begriff „Fernsehen“ im Jahr 2019 eigentlich alles beinhaltet. So manch junger Mensch ist der Überzeugung, er würde nicht fernsehen, wenn er sich den Livestream eines Senders im Internet ansieht. Dabei ist letztendlich nicht entscheidend, ob Bewegtbildinhalte auf dem HD-Fernseher, dem Smartphone, Tablet oder Computer konsumiert werden. Wichtig ist für die Sender lediglich, auf den unterschiedlichen Ausspielwegen präsent zu sein – und dies möglichst nutzerfreundlich und mit geringstem technischen Aufwand.

    Im Jahr 2018 lag die durchschnittliche tägliche Fernsehdauer der Deutschen laut AGF Videoforschung bei 217 Minuten. Damit ist sie im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig, aber längst nicht so dramatisch wie gerne behauptet wird. Dabei ist nicht zu verschweigen, dass Senioren über 65 Jahre mit 335 Minuten pro Tag Spitzenreiter sind, doch selbst die klassische Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen ist noch mit 153 Minuten täglich vertreten. Ex-Late-Night-Talker Harald Schmidt blickt der Zukunft des Fernsehens daher äußerst gelassen entgegen. „Jeder zweite Deutsche ist älter als 45. Das Durchschnittsalter des ZDF-Zuschauers liegt bei 60.“ Dieser demografische Faktor sei nicht von der Hand zu weisen. „Ich gebe dem Fernsehen noch mindestens 20 Jahre. Ich lebe jedenfalls wahnsinnig gut davon, permanent im Fernsehen zu verkünden, dass das Fernsehen am Ende ist“, so Schmidt im Interview mit der Stuttgarter Zeitung.

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • viebrix am 20.07.2019 14:01melden

      Radon hat sicher recht mit den Argumenten, aber man sollte auch erwähnen, dass Streamingdienste von einem Tag auf den anderen Serien einfach aus dem Programm nehmen.
      Streaming Dienste vor allem Netflix spüren momentan nicht so die Konkurrenz. Schon alleine das Argument keine Werbung und schauen wann ich will, lässt die Leute hinströmen.

      Nun meldet sich wie im Artikel beschrieben das lineare TV zurück (wobei ein Schlag den Raab, auch früher schon ähnliche Erfolge geliefert hat - und auch die tägliche Sendung mit Stefan Raab besonders bei jungen ein rießiger Erfolg waren)

      Das gleichzeitige gemeinsam sehen von Sendungen, ist nicht nur Nachteil sondern auch Vorteil, wie es im Artikel gut erklärt wird. Ich denke mit mehr Konkurrenzdruck auf die Streamingdienste und fortschreitender Entwicklung in der Technologie, wird es zukünftig künstliche Assistenten geben, welche auch in Streamingdiensten ein wirklich passendes Programm zusammenstellen, für jene die nicht lieber suchen statt schauen.
      Ich glaube auch, dass Community ähnliche Vernetzung mit diesen Assistenten sogar Menschen dazu bringen wird, gleichzeitig zu schauen und sich auszutauschen - egal wo auf der Welt. Dann wirds nochmal schwieriger für die klassischen TV Stationen...
        hier antworten
      • hazev am 20.07.2019 09:41melden

        Radon8472
        Korrekt, genau meine Meinung.
          hier antworten
        • Radon8472 (geb. 1982) am 18.07.2019 15:46melden

          Das immer mehr Leute zu Streaming Diensten wandern ist kaum verwunderlich.
          Allein wenn ich daran denke, dass in den letzten Monaten fast alle beliebten Serien zu unmöglichen Uhrzeiten gezeigt wurden.
          Teilweise wurden Serien auch mitten in der Staffel plötzlich abgesetzt, so dass der Zuschauer mitten in der Handlung sitzen gelassen wird...

          Und wenn man versucht die Sender darauf hinzuweisen heist es "die Sendungen haben schlechte Einschaltquoten"...

          Also mal ehrlich... Wenn TV Premieren neuer Serien Wochentags in der Nacht gegen 23:xx oder später gezeigt werden, dann ist es irgendwie verständlich dass der arbeitstätige Normalbürger kaum noch die Möglichkeit hat diese Serien zu verfolgen.
            hier antworten
          • User 1014669 am 18.07.2019 11:37melden

            @ tomgilles: Leider sehr viel Halbwissen! Ich habe leider gar nicht die Zeit so viel zu schreiben um alles zu widerlegen, aber ein, zwei Punkte:

            Der „Umrechnungsschlüssel“ (in absolute Zuschauerzahlen) sei veraltet. Was ein „Umrechnungsschlüssel“ ist kann ich nur vermuten, denke aber, dass Sie jenseits aller gängigen Fachbegriffe die Hochrechnung und Gewichtung der Panelisten meinen.

            Die ist definitiv NICHT falsch. Die Quotenmessung der AGF (nicht der „GfK-Studie“!) unterliegt strengen Qualitätskriterien und wird auch von der Werbewirtschaft mit kontrolliert, die in der AGF mit im Boot sitzen. Es ist auch keine „Studie“ sondern eine sekundengenaue Messung.

            „Mit bombastischen Zuschauerzahlen kann man ordentlich Eindruck schinden“. Leider auch nicht korrekt, denn würde man in Analogie der Online-Abrufzahlen diese Größe bei Fernsehsendungen veröffentlichen (sog. Nettoreichweiten) statt den üblichen Sehbeteiligungen, dann wären diese wesentlich höher als jene Zahlen, die heute publiziert werden.

            Also, bitte nochmal etwas einlesen…
              hier antworten
            • Helmprobst am 18.07.2019 09:45 via tvforen.demelden

              Eine sehr treffende Beobachtung zum Thema Live-Fernsehen, der ich absolut zustimme! Viele Leute gucken durchaus nach wie vor gerne Shows live, wenn der Inhalt ansprechend ist.

              Erstaunlich, dass da gerade Pro7 und RTL - deren Programm sonst eher auf schnell und billig ausgerichtet scheint - Vorreiter sind und mit neuen Ideen um die Ecke kommen. Gerade auch die Schätz-Show mit Elton fand ich gelungen, weil sie das interaktive Element gut eingebunden hat und bis zum Schluss spannend blieb.

              Sehr schade, dass die ARD-Samstagabendshows trotz guter Inhalte hier immer mehr abfallen. Beispiel "Verstehen Sie Spass?": manchmal live, manchmal vorproduziert. Die Live-Shows sind in der Regel unterhaltsamer, weil sich die Gespräche auf der Couch chaotischer entwickeln und aktueller sind und eben auch Zuschauer mitmachen können, da auf Fragen bei FB/ Twitter reagiert wird. Nicht nachvollziehbar, warum diese Stärke nicht bei jeder Ausgabe ausgespielt wird (vermutlich werden aus Kostengründen immer 2 Shows am Stück produziert und eine dann erst Monate später ausgestrahlt?!).

              Ich verstehe, dass Kai Pflaumes "Klein gegen Gross" nachmittags aufgezeichnet werden muss, aber "Wer weiss denn sowas?" oder "Ich weiss alles!" könnte man durchaus mal live versuchen. Deswegen fand ich "Spiel für dein Land" auch unterhaltsamer und bin überrascht, dass das "Quizduell" am Vorabend live gut funktioniert, aber als einzige Vorabendspielshow kein XXL-Prime Time-Special bekommt, obwohl sich das besser als alle anderen Formate für eine grosse Liveshow anbieten würde.

              Schön zu lesen, dass ich mit meiner Meinung wohl nicht alleine dastehe. Danke für den wunschliste-Beitrag, den hoffentlich auch mal ein Fernsehproduzent liest...
              • tomgilles am 18.07.2019 03:15 via tvforen.demelden

                Erstens hat ein hoher Marktanteil innerhalb der Zielgruppe nichts mit einer großen Reichweite / Fernsehbegeisterung innerhalb der jüngeren Bevölkerungsteile zu tun, andererseits ist der Umrechnungsschlüssel (in absolute Zuschauerzahlen) veraltet und nicht mehr aussagekräftig. Das wissen natürlich auch die Werbetreibenden und Marketingfachleute - die haben aber ihre eigenen Studien zur Hand und sehen die GfK-Analyse nur als Gradmesser für den Erfolg bestimmter Formate an und keineswegs als brauchbare Reichweitenerhebung. Deswegen fließt ja auch immer mehr Geld ins Internet, aber da, wo sich die jungen Zuschauer ihre Zeit vertreiben kann man als redlicher Unternehmer oft keine Werbung schalten: Denn entweder ist die Seite illegal oder abo-finanziert und werbefrei (z.B. Netflix oder Maxdome). Bleiben zumindest im deutschen Sprachraum de facto nur noch die Streaming-Werbemagneten Youtube und Spotify übrig, ein bisschen naschen natürlich auch noch die Videoabrufseiten von RTL und Pro7Sat1 mit.

                Warum man den Umrechnungsschlüssel nicht längst korrigiert hat? Ganz einfach, weil die Fernsehsender als Auftraggeber der GfK-Studie lieber alles beim Alten lassen wollen. Mit bombastischen Zuschauerzahlen kann man ordentlich Eindruck schinden, egal ob sie stimmen oder nicht.
                • faxe61 am 18.07.2019 03:23 via tvforen.demelden

                  Danke, aus vollem Herzen, tomgilles.

                  tomgilles schrieb:
                  -------------------------------------------------------
                  > Erstens hat ein hoher Marktanteil innerhalb der
                  > Zielgruppe nichts mit einer großen Reichweite /
                  > Fernsehbegeisterung innerhalb der jüngeren
                  > Bevölkerungsteile zu tun, andererseits ist der
                  > Umrechnungsschlüssel (in absolute
                  > Zuschauerzahlen) veraltet und nicht mehr
                  > aussagekräftig. Das wissen natürlich auch die
                  > Werbetreibenden und Marketingfachleute - die haben
                  > aber ihre eigenen Studien zur Hand und sehen die
                  > GfK-Analyse nur als Gradmesser für den Erfolg
                  > bestimmter Formate an und keineswegs als
                  > brauchbare Reichweitenerhebung. Deswegen fließt
                  > ja auch immer mehr Geld ins Internet, aber da, wo
                  > sich die jungen Zuschauer ihre Zeit vertreiben
                  > kann man als redlicher Unternehmer oft keine
                  > Werbung schalten: Denn entweder ist die Seite
                  > illegal oder abo-finanziert und werbefrei (z.B.
                  > Netflix oder Maxdome). Bleiben zumindest im
                  > deutschen Sprachraum de facto nur noch die
                  > Streaming-Werbemagneten Youtube und Spotify
                  > übrig, ein bisschen naschen natürlich auch noch
                  > die Videoabrufseiten von RTL und Pro7Sat1 mit.
                  >
                  > Warum man den Umrechnungsschlüssel nicht längst
                  > korrigiert hat? Ganz einfach, weil die
                  > Fernsehsender als Auftraggeber der GfK-Studie
                  > lieber alles beim Alten lassen wollen. Mit
                  > bombastischen Zuschauerzahlen kann man ordentlich
                  > Eindruck schinden, egal ob sie stimmen oder nicht.

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