Grimme-Preis-Nominierungen 2022: „LOL“, Sträter, Krömer, Donskoy und „Wer stiehlt mir die Show?“

    „Princess Charming“, „Sendung mit der Maus“ und drei Sky-Serien im Rennen

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 24.02.2022, 11:00 Uhr

    „LOL: Last One Laughing“: Ist das Amazon-Comedyformat Grimme-Preis-würdig? – Bild: (c) 2020 Amazon.com, Inc. or its affiliates
    „LOL: Last One Laughing“: Ist das Amazon-Comedyformat Grimme-Preis-würdig?

    Die Nominierungen des 58. Grimme-Preises wurden verkündet. Die Kommissionen nominerten in vier Kategorien aus mehr als 760 Einreichungen insgesamt 74 Produktionen und Einzelleistungen für die renommierte Auszeichnung.

    Dr. Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme-Instituts: Die Nominierungen zeigen, dass in den herausragenden Produktionen des Jahres drängende gesellschaftliche und politische Probleme wie Antisemitismus, Rassismus, Krieg und Flucht oder die Klimakrise aufgegriffen wurden. Allerdings finden sich unter den Nominierungen auch neue, kreative Unterhaltungsformate, die durch innovative Showelemente einen Moment der Leichtigkeit vermitteln und gleichzeitig einen genauen Blick auf gesellschaftliche Missstände werfen. Ein Fernsehprogramm ohne inhaltsstarke Unterhaltung und ambitioniertem Blödsinn würde wohl kaum den Verstand und die Herzen der Menschen erreichen und zugleich für ersehnte Momente der Entspannung sorgen, so Gerlach.

    So finden sich im Unterhaltungsbereich unter anderem die Wissenschaftscomedy „MaiThink X – Die Show“ von Mai Thi Nguyen-Kim und die vielbeachtete Pflegedoku „#NichtSelbstverständlich“, die im Rahmen von „Joko & Klaas Live“ ausgestrahlt wurde. Aber auch reine Spaßformate wie „Wer stiehlt mir die Show?“ von ProSieben sowie die deutsche Adaption des Amazon-Erfolgs „LOL: Last One Laughing“ sind im Nominierungsfeld. Ernste Themen werden wiederum in der Sendung „Freitagnacht Jews“ mit Daniel Donskoy besprochen, darüber hinaus ist die viral gegangene Folge von „Chez Krömer“ mit Torsten Sträter nominiert, in der sich die beiden Komiker über ihre Erfahrungen mit Depressionen austauschten. Sträter ist zudem mit seiner eigenen Show „Sträter“ vertreten. Nachdem RTL 2020 einen Grimme-Preis für „Prince Charming“ erhielt, darf nun der lesbische Ableger „Princess Charming“ darauf hoffen. Mit dem Musical „Der Eierwurf von Halle“ wurde auch die offenbar unvermeidliche Nominierung von Jan Böhmermann für einen Grimme-Preis wieder erfüllt.

    Im Wettbewerb Fiktion sticht vor allem Sky Deutschland heraus: Der Pay-TV-Anbieter ist mit gleich drei deutschen Serien-Eigenproduktionen im Rennen: „Die Ibiza Affäre“, „Die Wespe“ und „Ich und die Anderen“. Darüber hinaus darf unter anderem die ARD mit der Miniserie „Tina mobil“ und der Gay-Dramedy „All You Need“ auf Auszeichnungen hoffen, während das ZDF mit „Auf dünnem Eis“ und „WIR“ vertreten ist. Etwas überraschend finden sich mit „Deadlines“, „Die Discounter“ und „Kranitz“ auch drei fiktionale Comedyserien in der Kategorie Unterhaltung wieder.

    Die Eigenproduktion „Para – Wir sind King“ von Warner TV Serie ist wiederum im Wettbewerb Kinder & Jugend zu finden, wo unter anderem mit „Schloss Einstein“ und „Die Sendung mit der Maus“ anlässlich runder Jubiläen auch zwei echte Dauerbrenner berücksichtigt wurden. Ebenfalls bemerkenswert: Die Enthüllungsdoku von „STRG_F“ über die Falschdarstellungen in der Doku „Lovemobil“ ist auch nominiert – im Vorjahr noch war jene Doku für einen Grimme-Preis im Rennen gewesen, aber nach Bekanntwerden der gefaketen Szenen nachträglich aus der Liste gestrichen worden.

    Positiv hervor hebt Frau Dr. Gerlach die Tatsache, dass es im Nominierungszeitraum einige Sendungen gab, die sich mit den Themen Diversität und queeres Leben auseinandergesetzt haben: In diesem Wettbewerbsjahr haben wir vermehrt Serien und Filme sehen können, welche die Diversität von Lebensentwürfen und Lebensrealitäten aufnehmen und Perspektivwechsel ermöglichen. Wir wünschen uns sehr, dass sich diese Entwicklung fortsetzt und so zum gesellschaftlichen Wandel beitragen kann.

    Die nominierten Produktionen stellen sich ab dem 5. März der Beurteilung der Jurys, die insgesamt bis zu 16 Grimme-Preise vergeben können. Am 31. Mai werden dann die Gewinner bekannt gegeben, die ihre Auszeichnungen in einer feierlichen Verleihung am 26. August im Theater der Stadt Marl entgegennehmen dürfen.

    Kategorie Fiktion

    Spezial

    Kategorie Unterhaltung

    Kategorie Information & Kultur

    Spezial

    Besondere Journalistische Leistung

    • Katrin Eigendorf für ihre empathischen und mutigen Reportagen zur Lage der Frauen und Mädchen in Afghanistan (ZDF)
    • Shafagh Laghai, Jack Sappoch, Klaas van Dijken und Nicole Vögele für ihre im Rahmen eines internationalen Rechercheprojekts entstandene „Monitor“-Reportage „Europas Schattenarmee: Pushbacks an der kroatisch-bosnischen Grenze“ (WDR)
    • Der Meteorologe Özden Terli für seine anschaulichen und schonungslosen Darstellungen der Klimawandelfolgen in verschiedenen Sendungen des ZDF (ZDF)

    Kategorie Kinder & Jugend

    Nominierungen Kinder

    Nominierungen Jugend

    Spezial

    • Spezial für „Die Frage“ für die Kombination von empathischem Umgang mit Protagonist:innen mit sensibler Moderation (BR/​funk)
    • Spezial für 1000 Folgen „Schloss Einstein“ (Saxonia Media für MDR/​KiKA)
    • Spezial für 50 Jahre „Die Sendung mit der Maus“ (WDR)
    • Spezial für die originelle Mischung aus Information und Comedy in „Game Two“ (Rocket Beans Entertainment im Auftrag des ZDF in Zusammenarbeit mit funk)
    • Spezial für das Moderationsteam von „offen un’ ehrlich“ (SR/​funk)
    • Spezial für „reporter – Snapchat Shows“ für die Vermittlung substantieller Inhalte in den herausragend gestalteten Hochformatvideos (WDR/​funk)

    In einer früheren Version des Artikels waren fälschlicherweise zwei Produktionen aus der Nominierungsliste des Vorjahres enthalten. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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