VIVA Forever – ein Sender, der mehr als nur Musikfernsehen war

    Ausführlicher Rückblick auf die Geschichte von VIVA

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    VIVA Forever - ein Sender, der mehr als nur Musikfernsehen war – Ausführlicher Rückblick auf die Geschichte von VIVA

    Am 31. Dezember 2018 verabschiedet sich mit dem Ende von VIVA nicht nur ein Musiksender vom Bildschirm – es ist nach mehr als 25 Jahren gleichzeitig das endgültige Ende einer bestimmten Form, Fernsehen zu machen. Wer mit dem Sender in seiner Jugend aufgewachsen ist, verbindet mit ihm weit mehr als nur die Musik der damaligen Zeit. fernsehserien.de-Redakteur Glenn Riedmeier blickt in diesem Special zurück auf die außergewöhnliche Geschichte des Senders.

    Start in ein neues Zeitalter – VJs als Identifikationsfiguren

    Vor der Ära der Musiksender kannten deutsche TV-Zuschauer Musikshows wie „Die ZDF-Hitparade“, „disco“ oder „Formel Eins“. Als MTV Europe nach Deutschland kam, gab es zum ersten Mal die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag Musik zu sehen. Doch am 1. Dezember 1993 fiel der Startschuss für VIVA, den zweiten deutschen Musiksender nach musicbox, der einen klaren Gegenentwurf zum auf englischsprachige Künstler fokussierten MTV darstellen sollte. Zunächst in Köln-Ossendorf und später im Kölner MediaPark wollte man vor allem nationalen Interpreten eine Bühne bieten. Das erste gespielte Musikvideo war deshalb auch der Song „Zu geil für diese Welt“ von den Fantastischen Vier.

    Legendär sind die ersten Bewegtbilder, als Heike Makatsch, Nilz Bokelberg, Mola Adebisi, Aleksandra Bechtel, Matthias Opdenhövel und Phil Daub auf dem Dachboden des Studiokomplexes das erste Mal die jungen Zuschauer begrüßten. Endlich bekamen Teenies ein Sprachrohr und Heike Makatsch versprach: „Ab heute bleiben wir für immer zusammen.“ Die lockere, unperfekte, aber genau deshalb für Jugendliche so ansprechende Art zu moderieren sollte zum Markenzeichen des Senders werden. Jahrzehnte bevor jemand den Begriff YouTuber kannte, stellten VJs (Video-Jockeys) Identifikationsfiguren für die jungen Zuschauer dar. Sie waren wie gute Freunde, die man täglich bei sich auf der Mattscheibe begrüßte, und zudem Idole – denn die VJs waren ganz nah dran den Stars, über die man sonst nur in der BRAVO lesen konnte.

    VIVA als Talentschmiede

    Die Liste der TV-Persönlichkeiten, die bei VIVA ihre ersten Gehversuche machten, ist lang und beeindruckend. Allen voran natürlich Entertainer und Mastermind Stefan Raab, aber auch der heutige „Sportschau“-Moderator Matthias Opdenhövel und die renommierte Schauspielerin Heike Makatsch („Margarete Steiff“, „Hilde“) fingen bei dem Musiksender an. Aleksandra Bechtel („Big Brother“), Minh-Khai Phan-Thi („Hugo“, „Nachtschicht“), Nadine Krüger („Volle Kanne – Service täglich“), Tobi Schlegl („extra-3“), Nova Meierhenrich („Prominent!“), Phil Daub (heute die „Big Brother“-Stimme), Daisy Dee („Club Rotation“) und Podcaster Nils Bokelberg zählten ebenfalls zur ersten VIVA-Generation.

    Am längsten blieb Urgestein Mola Adebisi an Bord, nämlich von 1993 bis 2004. Um die Jahrtausendwende kamen einige neue Gesichter hinzu, die ebenfalls zum illustren Kreis derer gehören, die bei VIVA ihre Karrieren starten konnten. So war Comedian Oliver Pocher von 1999 bis 2005 bei VIVA tätig und Buchautorin Charlotte Roche („Feuchtgebiete“) baute sich im VIVA Zwei-Format „Fast Forward“ eine Fangemeinde auf. Sehr prägend für VIVA war auch die Schauspielerin und Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes, die von 2003 bis 2015 zahlreiche Formate präsentiert hat. Und die sympathische Quasselstrippe Gülcan Kamps erlangte derart große Popularität, dass sie auf ProSieben sogar ihre eigene Doku-Soap samt live übertragener „Traumhochzeit“ erhielt.

    Jessica Schwarz („Romy“), Sarah Kuttner („Bambule“), Enie van de Meiklokjes („Das große Backen“), Janin Ullmann („Das Ding des Jahres“), Johanna Klum („Got to Dance“), Milka Loff Fernandes („Naked Attraction“), Nela Lee („taff“) sowie TV-Rüpel Niels Ruf („Kamikaze“) sind ebenfalls zur zweiten VIVA-Generation zu zählen. Klaas Heufer-Umlauf („Late Night Berlin“), Palina Rojinski („Willkommen bei den Hartmanns“) und Jan Köppen („Ninja Warrior Germany“) gehören zur letzten Riege an Moderatoren, die VIVA als Sprungbrett nutzen konnten, bevor der Sender endgültig an Relevanz verlor. Dennoch führte VIVA im Jahr 2017 noch ein neues Moderatorencasting namens „VIVA sucht dich“ durch. Hanna Scholz setzte sich als Siegerin gegen rund 300 Bewerber durch und wurde somit zur letzten offiziellen VJane des Senders. Zum Vergleich: Bei den VIVA-Castings der 90er und 00er Jahre bewarben sich noch mehrere Tausend Menschen, denn damals war VJ noch ein echter Traumjob.

    30.12.2018, 09:00 Uhr – Glenn Riedmeier/fernsehserien.de

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier ist Jahrgang '85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. "Bim Bam Bino", "Vampy" und der "Li-La-Launebär" waren ständige Begleiter zwischen den "Schlümpfen", "Familie Feuerstein" und "Bugs Bunny". Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. "Ruck Zuck" oder "Kaum zu glauben!". Auch für Realityshows wie den Klassiker "Big Brother" hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie "Die Harald Schmidt Show" und "PussyTerror TV", hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie "Eine schrecklich nette Familie" und "Roseanne", aber auch schräge Mysteryserien wie "Twin Peaks" und "Orphan Black". Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Stefan_G (geb. 1963) am 02.01.2019 22:37

      War für mioch eh ein Kindersender gewesen (so ähnlich wie im Audio-Bereich "NJoy"-Radio. Also kategorischer Schrott!!). Endlich ist dieser Sender weg...
      "MTV" war bins ins Jahr 2000 noch die bessere Alternative gewesen!!!
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      • A.J. am 31.12.2018 10:56 via tvforen.de

        Ein Highlight war für mich als Hape Kerkeling als R.I.P.Uli bei Interaktiv war und Milka verarscht hatte. Milka ist aber echt zu süss, ein bißchen tat sie mir ja leid.

        • Don (1977) am 03.01.2019 23:51 via tvforen.de

          Hihi, das mit Milka und RIPuli hab ich damals live im Fernsehen miterlebt.
      • Tom_Cat am 30.12.2018 23:54

        VIVA war für mich immer das billige MTV. Ab 2004 wurde auch MTV richtig mies.
        Ich gönnte mir um 2000 lieber VIVA 2 und war eher traurig als man diesen Sender den Stecker zog.
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        • Bobby1602 (geb. 1965) am 30.12.2018 18:42

          Ein richtig guter Artikel über Viva Forever!
          Ich weiss noch, wie ich jeden Tag auf den Beginn von Viva gewartet habe. Es gab eine Uhr die herunter zählte! Ich hatte an manchen Tagen nur Viva an! Coole Musik, tolle Videos und zig Sendungen fernab von RTL und Co.
          Ich finde es schade, dass bei Viva die Lichter ausgehen!
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          • pumpkins (geb. 1980) am 30.12.2018 14:11

            Das beste was ich jemals bei VIVA gesehen habe war das mit Hape Kerkeling als R.I.P. Uli...
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            • DerLanghaarige am 30.12.2018 12:32

              Toller Artikel. Die Jugend von Heute (Ach, ist das schön, endlich alt genug zu sein um das sagen zu dürfen.) hat keine Ahnung, wie wichtig Musikvideos und vor allem Viva für einen Jugendlichen in den 90ern und frühen 00ern waren.

              Natürlich ist es mit rationalen Erwachsenenaugen etwas lächerlich, so ein Trara um das Ende eines Fernsehsenders, zudem auch noch eines ultra-kommerziellen Jugendsenders, zu machen, aber wer es nicht versteht, war einfach nicht dabei.
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              • Blue7 (geb. 1984) am 30.12.2018 12:28

                Richtig guter Artikel. Danke!
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