VIVA Forever – ein Sender, der mehr als nur Musikfernsehen war

    Ausführlicher Rückblick auf die Geschichte von VIVA

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 30.12.2018, 09:00 Uhr (erstmals veröffentlicht am 22.12.2018)

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    VIVA Forever - ein Sender, der mehr als nur Musikfernsehen war – Ausführlicher Rückblick auf die Geschichte von VIVA

    Übernahme durch Viacom – Das Ende der Freiheit

    Von der Gründung des Senders Ende 1993 bis Anfang 2005 war Popkomm-Manager Dieter Gorny Geschäftsführer von VIVA. Doch dann sollte sich alles ändern: Im Januar 2005 wurden alle VIVA-Sender in Europa vom amerikanischen Medienkonzern Viacom gekauft, zu dem auch MTV gehört. Der Kaufpreis lag bei rund 310 Millionen Euro. Die einstigen Konkurrenzsender wurden fortan unter einem Dach geführt. Viacom wurde alleiniger Anteilseigner und die VIVA Media AG fiel unter die vollständige und uneingeschränkte Kontrolle von Viacom. Dies hatte verheerende Konsequenzen: 240 von 300 VIVA-Mitarbeitern wurden entlassen. Darüber hinaus zog VIVA von Köln nach Berlin zu MTV um.

    Parallel wurde radikal ein Großteil der Eigenproduktionen eingestellt. Die Sendeplätze wurden fortan mit eingekaufter Lizenzware, vornehmlich Realityshows wie „Abschlussklasse“ und japanische Animeserien, bestückt. Fans von „Detektiv Conan“ konnten sich über die ungeschnittene Fassung freuen, die erstmals bei VIVA zu sehen war. Doch währenddessen griff eine andere Seuche um sich: Die Werbepausen bestanden inzwischen aus äußerst aufdringlichen Klingeltonspots für das Jamba-Sparpaket, den Crazy Frog und weitere gruselige Auswüchsen. So mancher unbeholfene Jugendliche schloss dadurch Klingelton-Jahresabos ab und verschuldete sich unabsichtlich. Ein Großteil ehemaliger VIVA-Zuschauer wurde durch die Klingelton-Werbepest vergrault. Als letztes Glanzstück im Programm blieb die Sendung „VIVA Live!“ übrig. Der Nachfolger von „Interaktiv“ atmete den Geist des Vorgängers, war allerdings spürbar kostengünstiger.

    2011 verschwand schließlich auch „VIVA Live!“ als letzte regelmäßige Live-Sendung vom Bildschirm. Im gleichen Jahr gönnte sich VIVA ein neues Design und ein überarbeitetes Logo. Gleichzeitig wurde der Sender ein Gemischtwarenladen mit Formaten der Schwestersender Nickelodeon, Comedy Central und des zwischenzeitlich ins Pay-TV gewechselten MTV. Ab September 2014 verlor VIVA weiter an Relevanz, als sich der Sender fortan die Frequenz mit Comedy Central teilen musste und nur noch elf Stunden am Tag (von 6 bis 17 Uhr) zu sehen war. Im Oktober 2015 wurde die Sendezeit von VIVA auf nun zwischen 2 und 14 Uhr angepasst. Zu diesem Zeitpunkt war aus dem einstigen Jugend-Kultsender längst eine seelenlose Abspielstation ohne jegliches Identifikationspotenzial geworden.

    Das Vermächtnis von VIVA

    Am 31. Dezember 2018 gehen bei VIVA endgültig die Lichter aus. Was bleibt sind schöne Erinnerungen an ein TV-Zeitalter, das für zahlreiche Persönlichkeiten im Entertainment- und Schauspielbereich ein wichtiges Karriere-Sprungbrett war. Collien Ulmen-Fernandes ist eine davon. Die Moderatorin war von 2003 bis 2015 für den Sender tätig und präsentierte zusammen mit Jan Köppen auch die allerletzte Abschiedssendung „VIVA Forever – Die Show“. „VIVA war für mich eine unglaublich prägende Zeit, weil das für mich auch die Zeit des Erwachsenwerdens war. Es war nicht nur eine Arbeitsstelle, sondern viel mehr“, sagte Ulmen-Fernandes kürzlich im fernsehserien.de-Interview. „Es war vor allem pures, ungeprobtes Fernsehen – etwas, das ich heute oft vermisse. Heutzutage ist das Fernsehen enorm durchgetaktet und durchgeplant. Moderationstexte müssen mit Produktionsfirma und Sender geklärt und mit zig Leuten abgestimmt werden. Ich mochte die VIVAeske ‚Wir gucken einfach mal, was passiert‘-Haltung. Ich wünsche mir wieder mehr echtes Gaga-Fernsehen!“ Ihre Worte fassen perfekt zusammen, was VIVA in seiner Hochphase war – mehr als nur Musikfernsehen.

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1985) am melden

      VIVA war von 1993-2002 ein supersender doch ab 2003 änderten sie ihr Konzept 


      solche trends kann man leider nicht aufhalten oder das beklagen. Das ist halt einfach so 
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      • am melden

        MTV konnte ich früher nur in Multimedia-Geschäften sehen (wir hatten lange Zeiten keinen Empfang für diesen Sender). Mit dem Kabelanschluß lief später neben MTV auch VIVA. Beide Sender habe ich jedoch nicht oft gesehen. Ende der 1990er und Anfang der 2000er habe ich mir allerdings häufig die Musik-Videos angesehen, überwiegend lag mein Interesse an den "Charts". Einige Jahre hatten wir Empfang von weiteren Musik-Sendern (DELUXE MUSIC, Gute Laune TV, Classica u. a.). Leider sind inzwischen von Unitymedia alle (oder einige?) nicht mehr zu empfangen, doch durch youtube und andere Video-Kanäle kommt man heutzutage in den "Genuss" von - auch älteren - Videos. @ A.J.: Diesen Auftritt von Hape Kerkeling kannte ich bis heute nicht - danke für das Video! VIVA war ein cooler und witziger Sender! Mit VIVA2 verbinde ich nur später den Comedy-Sender, habe dort nie geschaut, weiß daher nicht, was dort an Musik, Interviews und Sonstigem gezeigt wurde.
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        • (geb. 1963) am melden

          War für mioch eh ein Kindersender gewesen (so ähnlich wie im Audio-Bereich "NJoy"-Radio. Also kategorischer Schrott!!). Endlich ist dieser Sender weg...
          "MTV" war bins ins Jahr 2000 noch die bessere Alternative gewesen!!!
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          • am via tvforen.demelden

            Ein Highlight war für mich als Hape Kerkeling als R.I.P.Uli bei Interaktiv war und Milka verarscht hatte. Milka ist aber echt zu süss, ein bißchen tat sie mir ja leid.

            • am via tvforen.demelden

              Hihi, das mit Milka und RIPuli hab ich damals live im Fernsehen miterlebt.
          • am melden

            VIVA war für mich immer das billige MTV. Ab 2004 wurde auch MTV richtig mies.
            Ich gönnte mir um 2000 lieber VIVA 2 und war eher traurig als man diesen Sender den Stecker zog.
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            • (geb. 1965) am melden

              Ein richtig guter Artikel über Viva Forever!
              Ich weiss noch, wie ich jeden Tag auf den Beginn von Viva gewartet habe. Es gab eine Uhr die herunter zählte! Ich hatte an manchen Tagen nur Viva an! Coole Musik, tolle Videos und zig Sendungen fernab von RTL und Co.
              Ich finde es schade, dass bei Viva die Lichter ausgehen!
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              • (geb. 1980) am melden

                Das beste was ich jemals bei VIVA gesehen habe war das mit Hape Kerkeling als R.I.P. Uli...
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                • am melden

                  Toller Artikel. Die Jugend von Heute (Ach, ist das schön, endlich alt genug zu sein um das sagen zu dürfen.) hat keine Ahnung, wie wichtig Musikvideos und vor allem Viva für einen Jugendlichen in den 90ern und frühen 00ern waren.

                  Natürlich ist es mit rationalen Erwachsenenaugen etwas lächerlich, so ein Trara um das Ende eines Fernsehsenders, zudem auch noch eines ultra-kommerziellen Jugendsenders, zu machen, aber wer es nicht versteht, war einfach nicht dabei.
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                  • (geb. 1984) am melden

                    Richtig guter Artikel. Danke!
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