ESC-Vorentscheid 2026: Das will der SWR anders machen

„Optische Opulenz“ für ikonische Momente schon im „Deutschen Finale“

Glenn Riedmeier
Glenn Riedmeier – 09.02.2026, 15:03 Uhr

Eurovision Song Contest – Das Deutsche Finale 2026 – Bild: ARD/SWR/Claudius Pflug
Eurovision Song Contest – Das Deutsche Finale 2026

Mitte Januar gab die ARD die neun Acts bekannt, die in diesem Jahr beim deutschen ESC-Vorentscheid antreten werden und darum kämpfen, Deutschland beim Finale des Eurovision Song Contest in Wien zu vertreten. Nachdem in den vergangenen 30 Jahren der NDR für die Inszenierung und Vorauswahl verantwortlich zeichnete, übernimmt nun der SWR die Verantwortung – und der hat einige Veränderungen im Sinn. Gegenüber DWDL teilte SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler mit, was man in diesem Jahr beim Deutschen Finale 2026 anders machen möchte.

Seiner Ansicht nach brauche man als verantwortlicher Sender für den ESC in Deutschland Leidenschaft und Leidensfähigkeit. Es sei wichtig, das Bestmögliche zu machen und schon beim Vorentscheid eine tolle Show auf die Beine zu stellen, die die Menschen verbindet und an der sie Freude haben. Bratzler erläutert, dass der ESC längst kein reiner Musikwettbewerb mehr, sondern ein Show-Wettbewerb sei.

Das Gesamtpaket aus Song, Artist und Inszenierung sei am Ende entscheidend – also schlichtweg, wie die Artists auf der Bühne performen. Daher lege man bereits beim deutschen Vorentscheid einen großen Wert auf die Inszenierung – etwas, das in den vergangen Jahren zumeist vernachlässigt wurde und deshalb bei vielen ESC-Fans auf Kritik stieß. In Berlin wird daher schon eine Idee erkennbar sein, mit der der Sieger oder die Siegerin nach Wien gehen wird, so Bratzler gegenüber DWDL. Anschließend bleibe noch genug Zeit, um am endgültigen Auftritt zu arbeiten.

Man wolle eines der größten Deutschen Finals auf die Beine stellen mit mehr als 1.300 Menschen vor Ort im Studio Berlin-Adlershof. Das Bühnenbild soll optische Opulenz versprechen und wird von Florian Wieder kreiert, der bereits mehrfach dafür beim internationalen ESC-Finale verantwortlich zeichnete. Unser Anspruch ist es, die Acts visuell und dramaturgisch in einer möglichst exzellenten Form zu inszenieren, um schon im ‚Deutschen Finale‘ für ikonische Momente zu sorgen.

Publikum darf nur aus den besten Drei abstimmen

Die neun Acts für das Deutsche Finale 2026 ARD/​SWR

Für Kritik in der ESC-Community sorgt die Tatsache, dass im deutschen Vorentscheid zunächst eine internationale Jury aus den insgesamt neun Acts die besten Drei wählt. Erst danach kommen die Zuschauer zum Zuge und können aus den verbliebenen drei Kandidaten ihren Favoriten wählen. Bratzler erklärt dies so: Das Publikum ist der Königsmacher und wählt am Schluss ganz allein den deutschen Beitrag aus den Top 3. Wir haben uns aber ganz bewusst gegen eine Parallelabstimmung von Jury und Publikum entschieden, weil wir in der ersten Stufe ein aussagekräftiges Stimmungsbild internationaler Experinnen und Experten aus 20 Ländern aus der Musikbranche haben wollten.

Diese Experten sollen die Songs danach bewerten, ob sie eine Chance beim europäischen Publikum und den europäischen Jurys haben. Die Analyse der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass wir immer dann erfolgreich waren, wenn die beiden Votings nicht stark auseinander gingen. Durch den zweistufigen Modus müssen die Acts nacheinander zwei Hürden überspringen. So sorge man außerdem dafür, dass Prominenz oder Social-Media-Reichweite weniger Einfluss haben, sondern wirklich der stärkste Song und der stärkste Auftritt entscheidend sind. Zudem ist Bratzler davon überzeugt, dass diese Zweistufigkeit auch ein zusätzliches Spannungsmoment darstellt.

Bei der Auswahl der neun Acts für den deutschen Vorentscheid habe man nach klaren Kriterien entschieden und nicht nach dem persönlichen Geschmack einzelner Verantwortlicher. Man wollte authentische Künstlerinnen und Künstler, die sehr persönliche Songs, aber auch eine gewisse Erfahrung, Resilienz und ein professionelles Umfeld mitbringen. Die Songs sollen Experten, Jurys und Publikum gleichermaßen überzeugen. Dafür haben wir erstmals mit Kantar, einem europäischen Meinungsforschungsunternehmen, ein Verfahren aufgesetzt, um die Songs kriterienbasiert zu testen. Von etwa 400 eingereichten Titeln haben wir mit Unterstützung eines unabhängigen, hochkarätigen Expertenteams aus der Musikbranche zunächst auf 60 reduziert, die dann in einem europaweiten Testing bewertet wurden. Die neun finalen Songs haben sich alle in diesem Verfahren durchgesetzt.

„Das Deutsche Finale“ wird am Samstag, den 28. Februar um 20:15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek live übertragen. Die Moderation übernimmt wieder Barbara Schöneberger, erstmals gemeinsam mit Hazel Brugger. Unter den neun Acts befinden sich unter anderem Popsängerin Sarah Engels mit ihrem Song „Fire“ sowie „The Voice of Germany“-Gewinnerin Malou Lovis mit dem Song „When I’m With You“ (fernsehserien.de berichtete). Bestätigt wurde von Clemens Bratzler zudem, dass Thorsten Schorn im ESC-Finale wieder als Kommentator fungieren und auch schon beim Deutschen Vorentscheid zu Gast sein wird.

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