Eurovision Song Contest – Das Deutsche Finale 2026
Bild: ARD/SWR/Claudius Pflug
Mitte Januar gab die ARD die neun Acts bekannt, die in diesem Jahr beim deutschen ESC-Vorentscheid antreten werden und darum kämpfen, Deutschland beim Finale des Eurovision Song Contest in Wien zu vertreten. Nachdem in den vergangenen 30 Jahren der NDR für die Inszenierung und Vorauswahl verantwortlich zeichnete, übernimmt nun der SWR die Verantwortung – und der hat einige Veränderungen im Sinn. Gegenüber DWDL teilte SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler mit, was man in diesem Jahr beim Deutschen Finale 2026 anders machen möchte.
Seiner Ansicht nach brauche man als verantwortlicher Sender für den ESC in Deutschland Leidenschaft und Leidensfähigkeit. Es sei wichtig, das Bestmögliche zu machen und schon beim Vorentscheid eine tolle Show auf die Beine zu stellen, die die Menschen verbindet und an der sie Freude haben. Bratzler erläutert, dass der ESC längst kein reiner Musikwettbewerb mehr, sondern ein Show-Wettbewerb sei.
Das Gesamtpaket aus Song, Artist und Inszenierung sei am Ende entscheidend – also schlichtweg, wie die Artists auf der Bühne performen. Daher lege man bereits beim deutschen Vorentscheid einen großen Wert auf die Inszenierung – etwas, das in den vergangen Jahren zumeist vernachlässigt wurde und deshalb bei vielen ESC-Fans auf Kritik stieß. In Berlin wird daher schon eine Idee erkennbar sein, mit der der Sieger oder die Siegerin nach Wien gehen wird, so Bratzler gegenüber DWDL. Anschließend bleibe noch genug Zeit, um am endgültigen Auftritt zu arbeiten.
Man wolle eines der größten Deutschen Finals auf die Beine stellen mit mehr als 1.300 Menschen vor Ort im Studio Berlin-Adlershof. Das Bühnenbild soll optische Opulenz versprechen und wird von Florian Wieder kreiert, der bereits mehrfach dafür beim internationalen ESC-Finale verantwortlich zeichnete. Unser Anspruch ist es, die Acts visuell und dramaturgisch in einer möglichst exzellenten Form zu inszenieren, um schon im ‚Deutschen Finale‘ für ikonische Momente zu sorgen.
Publikum darf nur aus den besten Drei abstimmen
Die neun Acts für das Deutsche Finale 2026 ARD/SWR
Für Kritik in der ESC-Community sorgt die Tatsache, dass im deutschen Vorentscheid zunächst eine internationale Jury aus den insgesamt neun Acts die besten Drei wählt. Erst danach kommen die Zuschauer zum Zuge und können aus den verbliebenen drei Kandidaten ihren Favoriten wählen. Bratzler erklärt dies so: Das Publikum ist der Königsmacher und wählt am Schluss ganz allein den deutschen Beitrag aus den Top 3. Wir haben uns aber ganz bewusst gegen eine Parallelabstimmung von Jury und Publikum entschieden, weil wir in der ersten Stufe ein aussagekräftiges Stimmungsbild internationaler Experinnen und Experten aus 20 Ländern aus der Musikbranche haben wollten.
Diese Experten sollen die Songs danach bewerten, ob sie eine Chance beim europäischen Publikum und den europäischen Jurys haben. Die Analyse der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass wir immer dann erfolgreich waren, wenn die beiden Votings nicht stark auseinander gingen. Durch den zweistufigen Modus müssen die Acts nacheinander zwei Hürden überspringen. So sorge man außerdem dafür, dass Prominenz oder Social-Media-Reichweite weniger Einfluss haben, sondern wirklich der stärkste Song und der stärkste Auftritt entscheidend sind. Zudem ist Bratzler davon überzeugt, dass diese Zweistufigkeit auch ein zusätzliches Spannungsmoment darstellt.
Bei der Auswahl der neun Acts für den deutschen Vorentscheid habe man nach klaren Kriterien entschieden und nicht nach dem persönlichen Geschmack einzelner Verantwortlicher. Man wollte authentische Künstlerinnen und Künstler, die sehr persönliche Songs, aber auch eine gewisse Erfahrung, Resilienz und ein professionelles Umfeld mitbringen. Die Songs sollen Experten, Jurys und Publikum gleichermaßen überzeugen. Dafür haben wir erstmals mit Kantar, einem europäischen Meinungsforschungsunternehmen, ein Verfahren aufgesetzt, um die Songs kriterienbasiert zu testen. Von etwa 400 eingereichten Titeln haben wir mit Unterstützung eines unabhängigen, hochkarätigen Expertenteams aus der Musikbranche zunächst auf 60 reduziert, die dann in einem europaweiten Testing bewertet wurden. Die neun finalen Songs haben sich alle in diesem Verfahren durchgesetzt.
„Das Deutsche Finale“ wird am Samstag, den 28. Februar um 20:15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek live übertragen. Die Moderation übernimmt wieder Barbara Schöneberger, erstmals gemeinsam mit Hazel Brugger. Unter den neun Acts befinden sich unter anderem Popsängerin Sarah Engels mit ihrem Song „Fire“ sowie „The Voice of Germany“-Gewinnerin Malou Lovis mit dem Song „When I’m With You“ (fernsehserien.de berichtete). Bestätigt wurde von Clemens Bratzler zudem, dass Thorsten Schorn im ESC-Finale wieder als Kommentator fungieren und auch schon beim Deutschen Vorentscheid zu Gast sein wird.
Kommentare zu dieser Newsmeldung
User 1444810 am
Mir reicht, wenn ich die Zusammenfassung und die meist politisch motivierte Abstimmung verfolge. Zu laut, zu viel Geflacker, Feuer, Gehupfe, usw Früher ging es noch um die Musik und die Teilnehmerlieder von vor Jahrzehnten sind immer noch gut, während man die aus den letzten Jahren schon nach wenigen Tagen nicht mehr in Erinnerung hat. Oft geht es ja nur um die queere Botschaft.
User 001 am
Wie auf jeden anderen ESC freue ich mich auf diesen auch, aber schöner wäre es mal einen nur für und von Frauen zu sehen. Also nur Sängerinnen und ohne die ganze pornofizierende Darstellung. ESC war immer ein Spektakel aber irgendwie hat sich leider nie gebessert, wie mit Frauen dort umgegangen wird. An denen geht Feminismus auch komplett vorbei und wird mit Playboyparolen und Transkultismus ersetzt. Hauptsache die Männer kommen voran und haben ihren Spaß nicht wahr.
User 1444810 am
Wenn nur Frauen teilnehmen - warum eigentlich? - werden sie sich doch mit Dekolletees und aufgespritzen Lippengeschwülsten präsentieren. Die Männer sollen ja wohl mitstimmen!
BeklopptesTV am
...schnarch... als sich "Electric Callboy" vor paar Jahren für den ESC beworben hatten... hieß es das sie nicht Radio-tauglich sind... heute international bekannt auf Festivals... aber der ÖRR weiss es sowieso immer besser... wie immer halt^^
Blue_Jazzmann am
Ersetze nicht Radio tauglich durch nicht Ü70 tauglich. Wird Zeit, dass die ÖR mal im 21. Jahrhundert ankommen.
User 630968 am
Auch dieser Modus wird wieder für enttäuschte Gesichter sorgen, wenn der eigene Favorit nicht unter den von "Expert*innen" ausgewählten drei zu finden sein wird. Damit wird die ganze Show zur Farce. Warum sortieren die "Expert*innen" nicht im stillen Kämmerlein, die sechs anderen aus? Ach ja, dann fehlt die große Show. Die findet aber auf jeden Fall ohne mich statt.
wuensch_dir_was (geb. 1999) am
Das ganze Tralala und dann kamen die 9 dabei heraus? Nimmt mich schon Wunder, dass das am Ende etwas wird. So richtig überzeugend fand ich jetzt keinen dieser Titel.
User 001 am
Ich vermute es wird der A-Okay Typ, der sieht mit am normalsten, hübschesten aus. Das wirkt meistens sehr sympathisch, da würden bestimmt einige Länder für stimmen. Aber der Song ist zum Vergleich mit Nemo (der eher nicht so hübsch ist 🫢😉) ein so langweiliger Song. A-Okay hat aus dem Leid einer Frau auch wieder einfach ein Song drauß gemacht, die wird dafür kein Geld kriegen.
User 1444810 am
Leider geht es seit langem nicht mehr um Songs und Musik. Wer das meiste Gezappel und Geblinke usw an den Tag legt gewinnt, dazu gehört noch Unübliches, wie das Quietschbubi letztes Jahr.
User 1653680 am
so lang es nicht Raab wieder verbockt...!
User 124123 (geb. 1955) am
Dieses Mal verbockt es der SWR a la Raab, in den man das Publikum wieder nur aus einem Torso der 9 Titel wählen lässt. Lernen die nie aus ihren Fehlern 🤦 Wie oft hat das Publikum beim Finale völlig anders abgestimmt, als die Jurys! Dieses blablabla von Herrn Bratzler ist nichts als arrogantes schön reden!
User_929455 (geb. 1978) am
Publikum wählt nur aus 3 aus.
User 1444810 am
In den letzten Jahren konnte das Publikum in Österreich nie mitbestimmen, da hat immer ein ORFler den Teilnehmersong bestimmt. Mit Ausnahme letztes Jahr lag er immer daneben, aber alles was queer ist, hat die meisten Chancen, denn die einschlägige Community ruft gern an. Ein Unding, daß man 20x anrufen konnte, heuer immer noch 10x!