Eurovision Song Contest
    Alternativtitel: Grand Prix Eurovision de la Chanson

    Seit 1956 findet jährlich der „Eurovision Song Contest“ (zuvor frz.: „Grand Prix de la Chanson“) statt. Dieser internationale Musikwettbewerb wird traditionell im Land des Vorjahressiegers ausgetragen, startberechtigt sind Teilnehmer aller Staaten der Europäischen Rundfunkunion (EBU).

    Seit 2004 werden neben der Finalsendung auch Halbfinalrunden ausgetragen, die Teilnehmer der einzelnen Länder werden meist in nationalen Vorentscheiden ausgewählt. Die Vergabe in der Finalrunde erfolgt nach einem Punkteprinzip, dessen höchste Einzelwertung 12 Punkte beträgt. Zuschauer können dabei nicht für die Stars aus ihrem eigenen Land stimmen – ein Prinzip, das aus Gründen der Chancengleichheit eingeführt wurde. Als Gewinner des ESC wird derjenige Künstler oder die Band gewertet, der am Ende der Vergabe aus allen Ländern die meisten Punkte einfahren konnte. Seit 2009 wird die Vergabe der Punkte jedes einzelnen Landes zu 50% durch ein Televoting-System und zu 50% durch eine Jury bestimmt.

    Eurovision Song Contest auf DVD

    Eurovision Song Contest – Community

    Leonard (geb. 1974) am 25.05.2017 16:00: Nach all den Misserfolgen der letzten Jahre muss die Frage erlaubt sein, wann der NDR endlich die Reißleine zieht und Konsequenzen einleitet. Ich bin auch dafür, dass wir ein paar Jahre aussetzen sollten, um eine vernünftige Lösung für Sänger- und die Liedauswahl zu finden. Wenn die ARD nicht vorhat, jemals wieder zu gewinnen, sollten sie es einfach zugeben und sich vom ESC-Rummel verabschieden. In der Tat scheinen wir keine deutschen Gesangsstars zu haben, die wenigstens annähernd internationalen Fanstatus erreichen könnten. Bei jedem Vorentscheid zucke ich bei den Teilnehmern zusammen. Blasse unbekannte Möchtegern-Sänger, die vielleicht in einer Kneipe in der Innenstadt oder an der Ecke trällern könnten. Aber eine CD würde ich mir niemals von denen kaufen. Traurig, denn in den 70er und 80er Jahren war deutsche Musik durchaus klangvoll und schnitt immer gut ab. Viele haben recht, wenn sie sagen, dass die deutsche Politik uns keine Charmepunkte im Ausland einbringt. Dennoch müsste ein echt toller Song mit entsprechendem Bühnenauftritt einen viel besseren Endplatz bescheren. Da spielt Politik letztendlich auch keine Rolle mehr. Störend finde ich, dass unsere Punktewertung von der Reeperbahn kommt. Ein Rotlichtviertel, wo jeder weiß, was da für Dienstleistungen geboten werden. Und wenn dann Frau Schöneberger ins Mikro ihren deutschen Gruß brüllt, dann ist das im Auftrittsvergleich anderer Länder eher peinlich als professionell. Berlin wäre doch wohl eher als Aushängeschild für die Eurovision geeignet.
    HolgerHeidt (geb. 1981) am 14.05.2017 10:51: Falsche Angaben in Profilen gehören auch verboten!!!
    HolgerHeidt (geb. 1981) am 14.05.2017 10:51: Und wenn man dann auch noch einen mittelmäßig bis schlechten Song hinschickt (ausgewählt von den Zuschauern), darf man sich auch nicht wundern. Im Ausland wurde "Perfect Life" direkt als Kopie von "Titanium" angesehen.
    HolgerHeidt (geb. 1981) am 14.05.2017 10:49: Schlimm, was er sich gestern zusammen gestammelt hat. Mein "Highlight": "Zwölf Punkte für Bulgerien."
    User 1238915 am 14.05.2017 00:37: Deutsche Sozialsysteme sind in der Welt eben beliebter als Deutsche und deren Musik. In den Bewertungen spiegelt sich doch die Politik unserer EU Alleingang Kanzlerin wider. Keiner in der EU mag seit der Invasorenkrise noch die Deutschen.

    Eurovision Song Contest – News

    Cast & Crew

    Dies und das

    Aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier (Stand 2005):

    Europäischer Schlagerwettbewerb, der jedes Jahr im Frühling im Land des Vorjahressiegers ausgetragen wird und eine der merkwürdigsten Veranstaltungen darstellt, die das Fernsehen hervorgebracht hat.

    Jedes teilnehmende Land entsendet einen Interpreten mit seinem Titel. Jurys oder die Zuschauer wählen daraus den Gewinner, der daraufhin entweder ganz groß herauskommt oder von dem man nie wieder etwas hört. Letzteres ist die Regel.

    Den ersten Grand Prix Eurovision de la Chanson veranstaltete die Eurovision, zu der sich sechs Jahre zuvor 23 öffentlich-rechtliche oder staatliche Fernsehsender Westeuropas zusammengeschlossen hatten, am 24. Mai 1956 im Teatro Kursaal in Lugano. Damals nahmen sieben Länder mit jeweils zwei Titeln teil. Deutschland war mit Walter Andreas Schwarz und Freddy Quinn vertreten, die beim Vorentscheid am 1. Mai 1956 im Großen Sendesaal des Kölner Funkhauses von einer Jury ausgewählt worden waren. Von den Jurys der vertretenen Länder wurde Lys Assia mit dem Titel „Refrain“ zur Siegerin gewählt. In den kommenden Jahren stieg die Zahl der Teilnehmerländer, die ab 1957 nur noch je einen Titel ins Rennen schicken durften. Nach dem Ende des Kalten Krieges nahmen auch die Länder Osteuropas teil, wodurch die Zahl der Teilnehmer bis auf 26 (2003) stieg. Die Zahl der Interessenten überstieg die Möglichkeiten einer dreistündigen Live-Sendung, weshalb ab 1994 einige Länder aussetzen mussten – im Jahr 1996 traf dies den deutschen Vertreter Leon mit „Blauer Planet“, weil eine internationale Jury den Titel (nicht ohne Grund) für zu schlecht hielt. 2004 wurde ein Modus mit einem Halbfinale eingeführt, in dem sich Länder, die neu dabei waren oder im Vorjahr nicht gut abgeschnitten hatten, einige Tage vor dem eigentlichen Wettbewerb erst qualifizieren müssen.

    Abgesehen von den ersten Jahren galt die Regel, dass das Gewinnerland im nächsten Jahr den Song Contest ausrichten würde. Das war mit außergewöhnlich hohen Kosten verbunden, von denen die Eurovision nur einen Teil übernahm, weshalb Israel, als es 1979 zum zweiten Mal in Folge gewann, auf die Veranstaltung der Show verzichten musste und die Niederlande einsprangen. Andererseits bietet die Ausrichtung des Song Contest vor allem kleineren Ländern oder Staaten im Umbruch eine einzigartige Möglichkeit, sich vor zig Millionen Zuschauern in aller Welt als modern und weltoffen zu präsentieren. Am häufigsten gewann Irland: siebenmal.

    Interessanter als die Lieder, die schon in den ersten Jahren wenig mit aktuellen Musiktrends zu tun hatten, war die Punktevergabe, die fast jedes Jahr zu Diskussionen über Mauscheleien und Freundschaften oder Abneigungen zwischen Ländern führten. Während sich etwa die skandinavischen Länder untereinander meist reich mit Punkten beschenkten, demütigten sich die Jurys aus Deutschland und Österreich jahrelang mit einem Punkt – wenn überhaupt.

    Der Modus der Punktevergabe variierte anfangs. Erst 1975 etablierte sich das System, wonach jedes Land für das liebste Lied zwölf Punkte gibt, für das zweitliebste zehn, dann acht, sieben, sechs und so weiter bis zu einem Punkt. Das Ritual, die Punkte eines Landes durch einen Vertreter per Telefon oder Live-Schaltung bekannt zu geben, die dann in englisch oder französisch wiederholt und von einer mehrköpfigen Jury überwacht wurden, wurde im Laufe der Zeit für viele Zuschauer zum eigentlichen Grund einzuschalten – neben den abenteuerlichen Kostümen, den unfassbaren Choreografien, den unterirdischen Titeln und dem regelmäßigen Scheitern an der Pflicht, live zu singen. 1997 verteilten fünf Länder ihre Punkte erstmals nicht nach dem Votum einer Jury, sondern dem des Publikums, das per TED abstimmte. Ab 1998 wurde das zur Regel, 1999 zur Pflicht. Mit der Abschaffung der Jurys war auch der Versuch verbunden, die Veranstaltung zu modernisieren. Ebenfalls 1999 fiel die Pflicht, in der Landessprache zu singen, und statt mit Orchester sangen die Künstler zum Halbplayback.

    Auch die deutsche Vorentscheidung wandelte sich. Viele Jahre hieß sie „Ein Lied für … „mit dem Namen der Stadt, in dem der Grand Prix stattfand, im Titel. 1998 wurde die Show in Countdown Grand Prix umgetauft, 2004 in „Germany 12 Points“. Die Veranstaltung wurde von wechselnden Moderatoren präsentiert. Axel Bulthaupt moderierte sechsmal (1998–2003), Carolin Reiber viermal (1979 und 1980 mit Thomas Gottschalk, 1982 und 1983 mit Rudolf Rohlinger), Hape Kerkeling dreimal (1989–1991). Mal wählte eine Jury, mal ein Programmdirektor, mal stand der Interpret vorher fest und stellte mehrere Titel zur Auswahl. 1961 nahm übrigens ein junger Mann namens Carl Dieter Heckscher mit dem Titel „Was tut man nicht alles aus Liebe“ am Vorentscheid teil. Unter seinem Künstlernamen Dieter Thomas Heck hörte man später mehr von ihm. 1976 durfte erstmals das Publikum abstimmen: Per Postkarte wählte es Tony Marshall. Allerdings war sein Titel schon vier Jahre vorher veröffentlicht worden, was Disqualifikation bedeutete – nur ein Skandal von vielen. Statt Marshall fuhren die zweitplatzierten Les Humphries Singers zum Finale. Nach verschiedenen Umfragesystemen kam 1987 zum ersten Mal der TED zum Einsatz.

    In den 90er Jahren geriet der Wettbewerb fast völlig aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. 1998 wurde er von Guildo Horn scheinbar zerstört, tatsächlich aber wiederbelebt: Mit dem Titel „Guildo hat Euch lieb“ von Stefan Raab (unter dem Pseudonym Alf Igel) und großem PR-Geschick schaffte er die nötige Polarisierung („Bild“ fragte scheinheilig: „Darf dieser Mann für Deutschland singen?“ – eine Idee von Horns Manager Johannes Kram). In den folgenden Jahren wurde auch die Musik vielfältiger und relevanter, vor allem beim jungen Publikum war die Sendung außerordentlich erfolgreich.

    Den größten Erfolg nach einem Grand-Prix-Sieg schafften Abba, die 1974 mit „Waterloo“ gewannen. Aber auch für andere Künstler brachte der Grand Prix den weltweiten Durchbruch, darunter Udo Jürgens (1966), Vicky Leandros (1972) und Céline Dion (1988). Deutschland gewann 1982 zum ersten und bislang einzigen Mal mit Nicole und dem Lied „Ein bisschen Frieden“ von Ralph Siegel (Musik) und Bernd Meinunger (Text). Im Jahr darauf moderierte Marlène Charell den Grand Prix Eurovision aus München. Als Einziger konnte Johnny Logan zweimal gewinnen: Er siegte für Irland 1980 und 1987.

    Seit 2001 wird der Grand Prix in Deutschland offiziell nicht mehr mit dem französischen, sondern dem englischen Titel benannt: Eurovision Song Contest, was sich aber nur zögerlich durchsetzte.

    Die Veranstaltung löste bei Komponisten wie Ralph Siegel und Stefan Raab eine anscheinend unheilbare Besessenheit aus. Aus schwer zu erklärenden Gründen hat sie außerdem eine beunruhigende Anziehungskraft insbesondere auf homosexuelle Männer, die in teils rivalisierenden Fanclubs das Ereignis mit quasi-religiöser Anteilnahme verfolgen. Die Mainstream-Presse dagegen stellt Jahr für Jahr auf breitem Raum die Frage, welchem Zweck der Eurovision Song Contest überhaupt diene, was möglicherweise zugleich eine Antwort auf die Frage ist.

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