Das internationale Fernsehjahr 2020 im Rückblick

    Gewinner und Verlierer der Corona-Krise, neue Streamingdienste und mehr

    Vera Tidona – 28.12.2020, 10:00 Uhr

    Wegen Corona: Serien werden verschoben oder eingestellt

    Wegen der COVID-19-Pandemie wurden im Frühjahr während des Lockdowns sämtliche Produktionen der TV-Sender kurzerhand eingestellt. Die Studios mussten Hygienekonzepte entwerfen, um nach einer ersten Lockerung des Lockdowns wenigstens die Dreharbeiten der bereits in Produktion befindlichen Serien und Filme unter besonderen Maßnahmen wieder aufnehmen zu können.

    Hinzu kam, dass eine nicht unerhebliche Zahl an Darstellern und Mitwirkenden vor und hinter der Kamera persönlich von dem Virus betroffen waren und weiterhin sind. Zum Beispiel Tom Hanks, der zu Beginn der Pandemie bei den Dreharbeiten seines neuen Films von dem Virus angesteckt wurde und zunächst einmal in Quarantäne musste. Ein ähnliches Schicksal traf auch viele seiner Kollegen in Hollywood und darüber hinaus, woraufhin die nach einer Lockerung der von den Regierungen und Gesundheitsämtern erlassenen Maßnahmen gerade erst wieder angelaufenen Produktionen wieder auf unbestimmte Zeit unterbrochen werden mussten. Das kostete die Studios nicht nur eine Menge Geld und Zeit, vor allem stand die Gesundheit der Mitarbeiter auf dem Spiel.

    Das hatte zur Folge, dass die Corona-Krise den sonst recht eng gesteckten Zeitplan der Studios komplett durcheinanderwarf. Während normalerweise im Laufe des Jahres neue Serien für die TV-Saison 2020/​2021 entwickelt und gedreht werden, die dann pünktlich im Herbst des gleichen Jahres an den Start gehen, sah es in diesem Jahr anders aus (fernsehserien.de berichtete). Neue Serien wurden zurückgestellt und auf mindestens ein Jahr nach hinten verschoben. Teilweise verabschiedete sich das ein oder andere Studio aber auch komplett von dem Serienentwurf und stellte die Produktion kurzfristig wieder ein. Dazu gehört etwa die Serienadaption von „The Lincoln Lawyer“ oder ein Spin-Off der gerade zu Ende gegangenen Serie „Empire“, dessen Pläne nun auf Eis gelegt wurden (fernsehserien.de berichtete).

    „GLOW“ Netflix

    Zu den Serien-Verlierern gehören auch bereits bestehende Serien wie „GLOW“, „I Am Not Okay with This“ und „Stumptown“ von Netflix und Prime Video, die trotz guter Kritiken und einer bereits bestätigten Verlängerung um eine weitere Staffel dann doch kurzerhand wegen Corona eingestellt wurden (fernsehserien.de berichtete).
    Die Sitcom „One Day at a Time“ wurde sogar gleich zweimal abgesetzt: Zunächst gab Netflix nach drei Staffeln das Ende der US-Serie bekannt (fernsehserien.de berichtete). Dann konnte das Format von dem kleineren Pay-TV-Sender Pop gerettet werden, nur um nach einer nur halb produzierten und ausgestrahlten vierten Staffel in diesem Jahr wegen Corona wieder eingestellt zu werden (fernsehserien.de berichtete). Die letzte Folge erschien sogar in animierter Form ohne Darsteller – man entschied sich zu dem Schritt, weil man unbedingt die Präsidentschaftswahl thematisieren wollte, aber nicht vor die Kamera treten konnte. Die Chancen für eine erneute Rettung der Serie stehen derzeit eher schlecht.

    Weitere Tops & Flops des internationalen TV-Jahres 2020 gibt es hier.

    Wegen Corona: Verkürzte Staffel, verschobener Serienstart

    „Navy CIS“ CBS

    Während die großen US-Fernsehstudios wie ABC, CBS und NBC ihre Serienproduktionen für die neue TV-Saison 2020/​2021 nach hinten verschieben mussten oder gleich ganz eingestellt haben, wurden die aktuellen Staffeln von langjährigen und erfolgreichen Serien wegen Corona teilweise massiv gekürzt.

    Für diejenigen Serien, die gerade erst die Produktion der neuen Staffeln begonnen hatten, erfolgte aufgrund des Lockdowns im Frühjahr zunächst der Drehstopp. Da zunächst nicht absehbar war, wann diese wieder aufgenommen werden konnten, entschieden sich die Studios, die betroffenen Staffeln zu kürzen, um sie mit weniger Episoden als geplant doch noch im Herbst ausstrahlen zu können. Betroffen davon ist eine Vielzahl an bekannten Serien, von „Navy CIS“ und den Ablegern „Navy CIS: L.A.“ und „Navy CIS: New Orleans“, „Law & Order: Special Victims Unit“, „This Is Us“, „Riverdale“ über Sitcoms wie „Mom“, „Young Sheldon“ und „Superstore“ bis hin zu „Grey’s Anatomy“ und „The Walking Dead“.

    Die Serie „Empire“ mit Taraji P. Henson und Terrence Howard über die Hip-Hop-Musikszene etwa, die in diesem Jahr nach sechs Staffeln zu Ende ging, musste gar das große Finale der Serie vorziehen. Ursprünglich war ein völlig anderes Ende geplant, bestätigten unlängst die Autoren. Gezeigt wird es aber wohl nie (fernsehserien.de berichtete).

    Darüber hinaus mussten sich die Networks völlig neuen Herausforderungen stellen: Beliebte und erfolgreiche TV-Shows wie die US-Ausgaben von „The Masked Singer“ und „Dancing with the Stars“, die Talentshows „America’s Got Talent“, „The Voice USA“, „American Idol“ und viele weitere fanden in modifizierter Fassung ohne Studiopublikum statt – ähnlich wie auch in Deutschland. Realityshows und Dating-Formate wie „The Bachelor“ wurden verschoben, um sie zu einem späteren Zeitpunkt mit einem Hygienekonzept drehen zu können. Dafür fanden die Late-Night-Shows mit Jimmy Kimmel oder Stephen Colbert entweder in leeren Studios oder aus der heimischen Garage (wie bei der „The Late Late Show“ mit James Corden) heraus statt – mit einem klatschenden Publikum vom Band. Mit der Rückkehr in die Studios nach dem Lockdown stehen seitdem Plexiglas-Scheiben zwischen Gastgeber und ihren prominenten Gästen, wenn sie nicht weiterhin von zu Hause aus per Videokonferenz zugeschaltet werden.

    Corona-Programme

    „Social Distance“ Netflix

    Als Ersatzprogramm entwickelte sich während des Lockdowns ein völlig neues Genre: Improvisierte Corona-Formate als Serie oder Show. Da die Menschen weitgehend gezwungen waren, zu Hause zu bleiben, begleitete die Kamera einfach prominente Menschen in deren eigenen vier Wänden. Vor allem legte so mancher Sender eine bemerkenswerte und ungewohnte Kreativität an den Tag.

    Ob per Videokonferenz oder mit eigener Handykamera aufgenommen, entstanden so eine Reihe neuer Produktionen: „Celebrity Show-Off“ zeigte Prominente ganz privat zu Hause. Mit „Homemade“ oder „Social Distance“ auf Netflix begleiteten Filmemacher in Kurzgeschichten die Menschen während des Lockdowns oder der Quarantäne. Hinzu kam die Konzertreihe „One World: Zusammen zuhause“ als Zusammenschluss der großen US-Networks ABC, NBC und CBS mit den Moderatoren Jimmy Fallon, Jimmy Kimmel und Stephen Colbert. Darin traten bekannte Künstler und Musiker per Videokonferenz auf, um gemeinsam Musik zu machen und den Menschen in der schweren Zeit Hoffnung zu geben.

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