Grimme-Preis-Nominierungen 2021: „MaPa“, „Männerwelten“, Mai Thi und Senf

    Auch drei Netflix-Serien nominiert, RTL-Gruppe geht leer aus

    Lukas Respondek
    Lukas Respondek – 02.03.2021, 11:00 Uhr

    Nominiert für den Grimme-Preis 2021: „MaPa“, „Männerwelten“ mit Sophie Passmann und Mai Thi Nguyen-Kim – Bild: Carolin Weinkopf/JOYN/ProSieben/WDR/Linda Meiers
    Nominiert für den Grimme-Preis 2021: „MaPa“, „Männerwelten“ mit Sophie Passmann und Mai Thi Nguyen-Kim

    Die Nominierungen des 57. „Grimme-Preises“ wurden bekanntgegeben. In vier Kategorien nominierten die Kommissionen aus mehr als 850 Einreichungen insgesamt 69 Produktionen und Spezialleistungen für die renommierte Auszeichnung. Auch die Nachnominierungen der Jurys sind bereits bekannt.

    Das Grimme-Institut betont die Vielzahl an nominierten Produktionen, die durch das Brechen von Konventionen, durch das Aufgreifen aktueller gesellschaftspolitischer Themen und die Herausforderung des Publikums „zukunftsweisend für das Fernsehen sind“. Die Bandbreite an Sendungen erstreckt sich dabei von der aufsehenerregenden „Männerwelten“-Ausstellung aus der Reihe „Joko & Klaas LIVE“ (ProSieben) bis hin zur Webserie „Kuntergrau“, die sich mit Homophobie auseinandersetzt. Auch die Corona-Pandemie macht sich inhaltlich und gestalterisch in einer Vielzahl an Produktionen wie „Drinnen – Im Internet sind alle gleich“ (ZDF) oder „Social Distancing“ bemerkbar.

    Auch wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk das Feld der Nominierten dominiert, dürfen sich auch Privatsender und Streamingdienste über Nominierungen freuen. Für Netflix entstanden die drei nominierten Serien „Das letzte Wort“, „Unorthodox“ und „Rohwedder“. Mit letzterer ist erstmals eine Produktion eines Streaminganbieters in der Kategorie Information & Kultur nominiert. Joyn ist mit „MaPa“ (zusammen mit dem rbb) und mit „Dignity“ vertreten. Der Online-Sender Rocket Beans TV konnte die Nominierungskommission mit der Senfverkostung aus der Reihe „Löffel. Messer. Gäbel“ überzeugen, während neben „Männerwelten“ auch die ProSieben-Produktionen „Teddy gönnt dir!“ und „ProSieben Spezial: Rechts. Deutsch. Radikal.“ auf eine Auszeichnung hoffen können. Der selbsternannte „Local Hero“ TVNOW dagegen ist leer ausgegangen – wie im Übrigen die gesamte Mediengruppe RTL.

    Dr. Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme-Instituts, erklärt:

    „Bei der Bekanntgabe der Nominierungen im Januar 2020 sprach ich von 2019 als einem Jahr, das uns als Gesellschaft gefordert hat – nicht ahnend, welche Herausforderungen uns noch erwarten würden. Die Kultur-, Film- und Fernsehbranche blickt auf ein schwieriges Jahr voller Einschränkungen zurück. Aktuell wissen wir nicht, wann das kulturelle Leben wieder starten kann, wann große Produktionen wieder möglich sein werden. Die Nominierungen dieses Jahres zeigen uns aber auch, dass durch den kreativen Umgang mit der Situation, durch großes Engagement und Flexibilität auf allen Seiten anrührende, fesselnde und einmalige Fernsehmomente geschaffen wurden.“

    Noch im März werden die Jurys über die nominierten Beiträge beraten. Welche bis zu 16 Produktionen und Spezialleistungen in diesem Jahr ausgezeichnet werden, wird am 11. Mai 2021 bekanntgegeben. Eine Preisverleihung ist für den 27. August 2021 geplant, nachdem die Preisträger im vergangenen Jahr Pandemie-bedingt in einer 3sat-Reportage geehrt wurden.

    Kategorie Fiktion

    Spezial

    Daniel Kehlmann für die Drehbuchadaption seines Theaterstücks „Das Verhör in der Nacht“ (Network Movie Film- und Fernsehproduktion für ZDF/​arte)

    Kategorie Information & Kultur

    Spezial

    Anne Ruprecht für ihre berührende Langzeit-Beobachtung zweier Senioren-Paare – am Beispiel der Reportage „Trennung am Lebensende: Corona und Seniorenheime“ („Panorama“) (NDR)

    Besondere Journalistische Leistung

    • Xenia Böttcher, ARD-Korrespondentin (für Mittelamerika) für ihre immersive Corona-Berichterstattung aus Mexiko und verschiedenen latein- und mittelamerikanischen Ländern (SWR)
    • Mai Thi Nguyen-Kim für ihre sowohl wissenschaftlich hochkompetente als auch breitenwirksame Informationsvermittlung zum Thema Corona in ihrem funk-Format „maiLab“ (funk/​SWR) sowie bei ihren Moderationen von „Quarks – Corona in 5 Minuten“ (WDR/​funk)
    • Isabel Schayani für ihre kompetente, empathische und im deutschen Journalismus singuläre Berichterstattung aus Moria in verschiedenen journalistischen Formaten (WDR)

    Kategorie Kinder & Jugend

    Spezial

    • „@Kalinka08 – Melde dich bitte“ für das schnelle wie gelungene Aufgreifen des Themas „Häusliche Gewalt“ im Zuge der Corona-Krise (Studio Zentral für ZDF)
    • ARD-Reihe „Sechs auf einen Streich“ 2020 für die überzeugenden Frauenfiguren (Der starke Hans/​Helene, die wahre Braut/​Das Märchen vom goldenen Taler) (Der starke Hans: TV60Filmproduktion für BR/​ Helene, die wahre Braut: Zieglerfilm Köln für WDR/​ Das Märchen vom goldenen Taler: NFP neue film produktion/​Rights Film Productions für rbb/​Radio Bremen)
    • „Die Erben der Nacht“ (Staffel 1) als gelungenes „Brückenprogramm“ zwischen Kinder und Jugend (Lemming Film /​ Hamster Film /​ Maze Pictures /​ Maipo Film für NDR)
    • Mina-Giselle Rüffer für ihre herausragende Darstellung der „Nora“ („Druck“ Staffel 5) (Bantry Bay Productions für funk/​ZDF)

    Kategorie Unterhaltung

    Der Autor dieses Artikels ist seit 2020 als Juror an der Entscheidungsfindung des Grimme-Preises beteiligt.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1976) am

      Das wundert mich nicht. Das RTL Programm ist ja auch nicht gut. Besteht nur aus Trash-Formaten.
      • am

        Naja.

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