78. Primetime Emmy Awards: „The Pitt“ fällt auf die Nase, „Hacks“ schreibt Geschichte, „Widow’s Bay“ domminiert

Neuer Streaming-Primus gekürt

Bernd Krannich
Bernd Krannich – 15.09.2026, 07:45 Uhr

„Widow’s Bay“ hat mit insgesamt 14 Emmys einen neuen Rekord für eine Comedyserie aufgestellt – Bild: Apple TV
„Widow’s Bay“ hat mit insgesamt 14 Emmys einen neuen Rekord für eine Comedyserie aufgestellt

In der Nacht zum Dienstag wurden in Los Angeles die 78. Primetime Emmy Awards in einer weltweit übertragenen Galaveranstaltung verliehen – in Deutschland übernahm einmal mehr MagentaTV die Ehre. Durch die Show führte „Law & Order: Special Victims Unit“-Hauptdarstellerin Mariska Hargitay.

Hintergründe

Hargitay ist seit Jane Lynch (2011) die erste weibliche Gastgeberin in mehr als zehn Jahren. Vor etwas mehr als einer Woche konnte Hargitay selbst bereits zwei Emmys in Empfang nehmen: Für die Dokumentation „My Mom Jayne“ (dt: „Meine Mutter Jayne Mansfield“; über ihre Mutter Jayne Mansfield; 1933⁠–⁠1967) von HBO wurde sie als Regisseurin und mit den Produzenten ausgezeichnet.

Über der Emmy-Verleihung hing und hängt als Schatten, dass nach der diesjährigen Zeremonie unklar ist, wo die 79. Primetime Emmy Awards ausgestrahlt werden: Der jüngste Vertrag mit dem (Free-TV-)Sender-Quartett ABC, CBS, FOX und NBC wurde bisher nicht verlängert. Für die Sender ist es in den letzten Jahren zunehmend unvorteilhaft gewesen, dass ihre Formate selten ausgezeichnet werden und man unbezahlte Werbung fürs Streaming/​Pay-TV wie Netflix, HBO und nun Apple TV macht. Andere Preisverleihungen wandern ins Streaming: Die Oscars werden zu YouTube gehen (fernsehserien.de berichtete), die von der Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA ausgelobten „The Actor Awards“ laufen bei Netflix.

Kurzfassung: Die Gewinner und Rekorde des Abends

Mit 12 offenen Nominierungen war „The Pitt“ aussichtsreich in den Abend gegangen, an dem 19 Emmys zu vergeben waren, gefolgt von den Comedys „Hacks“ und „Widow’s Bay“ (je 7) und dem Drama „Pluribus“ (6). Vorab war klar, dass es für „The Pitt“ jedoch ein schweres Rennen würde, da man in den Schauspielerkategorien oft mehrfach vertreten war. Am Ende blieben zwei Emmys (Dramaserie und Hauptdarsteller Noah Wyle) übrig.

Gewinner des Abends war deutlich „Widow’s Bay“ mit sechs Emmys, was die Ernte dieses Jahr auf insgesamt 14 brachte: Ein neuer Rekord für eine Comedyserie, womit man „The Studio“ (13 Emmys) aus dem letzten Jahr um eine Auszeichnung geschlagen hat. Emmys gab es als Comedyserie, für Hauptdarsteller Matthew Rhys, für beide Nebendarsteller-Kategorien, Drehbuch und Regie (jeweils für den Serienauftakt). Doppelte Freude für Matthew Rhys: Er wurde in der Nacht Doppelgewinner, denn auch für die Netflix-Miniserie „The Beast in Me“ wurde er als Hauptdarsteller geehrt.

„Hacks“ konnte gegen diese Übermacht im Comedy-Bereich nur einen Emmy holen: Jean Smart wurde für die fünfte Staffel zum fünften Mal als Comedy-Hauptdarstellerin ausgezeichnet und stellte dabei einen ewigen Bestenrekord ein: Es war ihr achter Emmy als Comedydarstellerin, womit sie zu Julia Louis-Dreyfus und Cloris Leachman aufgeschlossen hat; neben „Hacks“ hatten Gastauftritte beim kurzlebigen „Samantha Who?“ sowie zwei Ehrungen für „Frasier“-Gastauftritte ihr Auszeichnungen eingebracht. Ein Nebendarstellerinnen-Emmy für „Diplomatische Beziehungen“ brachte Allison Janney ebenfalls ihren achten Emmy ein (nach zwei Nebendarsteller- und zwei Hauptdarsteller-Emmys für „The West Wing“, zwei Nebendarsteller-Emmys für „Mom“ und einem Gastdarsteller-Emmy für „Masters of Sex“).

„Pluribus“ holte zwei Emmys und brachte damit den zuvor verschmähten „Better Call Saul“-Kollegen Rhea Seehorn (Hauptdarstellerin) und Vince Gilligan (Drehbuch) Emmys.

Zum Abschluss der Emmys konnte sich „The Late Show with Stephen Colbert“ als Beste Variety-Show auch den letzten „Late-Night-Emmy“ sichern.

Insgesamt hatte Apple TV mit 28 Emmys in diesem Jahr die Nase deutlich vor HBO/​HBO Max mit 19 Emmys und Netflix mit 16 Emmys vorne. Erster Free-TV-Anbieter auf Platz 4 ist NBC, aber die kommen allesamt (!) durch die „Apple Music Super Bowl LX Halftime Show Starring Bad Bunny“.

Pech und Snubs

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Regisseurin Salli Richardson-Whitfield (deutschen Fernsehzuschauern durch die SciFi-Comedy „EUReKA – Die geheime Stadt“ bekannt) war mit zwei Nominierungen in den Abend gegangen (für ihre Arbeit bei „The Gilded Age“ und „Task“), ging aber im Gegensatz zu Schauspieler Matthew Rhys leer aus. Mehr eine Fun-Fact-Beobachtung als ein Snub: Auch Rhys Ehefrau Keri Russell war als „Diplomatische Beziehungen“-Hauptdarstellerin und Produzentin der Serie doppelt im Rennen, ging aber ohne Emmy nach Hause – für sie waren es insgesamt die siebte und achte unerfüllte Emmy-Nominierung (drei für „The Americans“ und nun fünf für „Diplomatiche Beziehungen“).

Erwähnt wurden bereits die Mehrfachnominierungen in einzelnen Kategorien für „The Pitt“ – trotzdem gingen die Emmys für bestes Drehbuch (2 parallele Nominierungen), Nebendarsteller (3) und Nebendarstellerin (4) an andere Serien. Insbesondere bei den Nebendarstellerinnen war Vorjahressiegerin Katherine LaNasa als Favoritin gehandelt worden. Generell: Bei den Emmys bewerben sich Personen und Sendungen selbst (mit zu entrichtender „Bearbeitungsgebühr“ und einzureichender Arbeitsproben). Häufiger wurde das Thema diskutiert, dass Mehrfachnominierungen in einer Kategorie dazu führen könnten, dass Fans der Serie unter den Wählenden dadurch ihre Abstimmung eventuell „verwässern“ („splitting the vote“). In diesem Jahr hatte die Produktion von „The Pitt“ etwa nicht vorgesehen, Brittany Allen als Gastdarstellerin ins Rennen zu schicken, die das daraufhin selbst in die Hand nahm und eine Nominierung erhielt – neben zwei weiteren „The Pitt“-Darstellerinnen (der Emmy ging dann an Shailene Woodley für „Paradise“).

Wer nochmal tiefer in die Nominierungen eintauchen möchte und sich fragt, warum manche Top-Serie gar nicht antreten durfte, kann das nochmal im Artikel zu den Nominierungen nachvolziehen (fernsehserien.de berichtete).

Die Nominierten und Gewinner der 78. Primetime Emmy Awards

Beste Comedyserie

Beste Dramaserie

Beste Mini- oder Anthologieserie

Beste Reality-Competition

Beste Variety-Show (Anmerkung: Dieses Jahr zusammengelegt aus den bisherigen, teilnehmerschwachen Kategorien „Talkshow“ und „Scripted-Variety-Show“)

Bester Hauptdarsteller in einer Comedyserie

Beste Hauptdarstellerin in einer Comedyserie

Bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie

Beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie

Bester Hauptdarsteller in Miniserie /​ Film

Beste Hauptdarstellerin in Miniserie /​ Film

Bester Nebendarsteller in einer Comedyserie

Beste Nebendarstellerin in einer Comedyserie

Bester Nebendarsteller in einer Dramaserie

Beste Nebendarstellerin in einer Dramaserie

Beste Regie in einer Comedyserie

Beste Regie in einer Dramaserie

  • „The Gilded Age“: „My Mind Is Made Up“ – Salli Richardson-Whitfield (HBO)
  • „Paradise“ für Folge: „Exodus“ – Hanelle Culpepper (Hulu)
  • „The Pitt“ für Folge: „12:00 P.M.“ – Noah Wyle (HBO Max)
  • „Pluribus“ für Folge: „We Is Us“ – Vince Gilligan (Apple TV)
  • GEWINNER: „Slow Horses“ für Folge: „Scars“ – Saul Metzstein (Apple TV)
  • „Task“ für Folge: „Out beyond ideas of wrongdoing and rightdoing, there is a river.“ – Salli Richardson-Whitfield (HBO)

Bestes Drehbuch für eine Comedyserie

  • „Abbott Elementary“ für Folge: „Team Building“ – Quinta Brunson (ABC)
  • „The Chair Company“ für Folge: „Life goes by too f**king fast, it really does.“ – Tim Robinson and Zach Kanin (HBO)
  • „The Comeback“ für Folge: „Valerie Does It All“ – Michael Patrick King and Lisa Kudrow (HBO)
  • „Hacks“ für Folge: „Hacks“ – Lucia Aniello, Paul W. Downs, and Jen Statsky (HBO Max)
  • „Jury Duty Presents: Company Retreat“ für Folge: „Mergers and Acquisitions“ – Anthony King (Prime Video)
  • GEWINNER: „Widow’s Bay“ für Folge: „Welcome to Widow’s Bay!“ – Katie Dippold (Apple TV)

Bestes Drehbuch für eine Dramaserie

  • „The Diplomat“ für Folge: „Amagansett“ – Peter Akerman and Debora Cahn (Netflix)
  • „The Pitt“ für Folge: „1:00 P.M.“ – Kirsten Pierre-Geyfman and R. Scott Gemmill (HBO)
  • „The Pitt“ für Folge: „12:00 P.M.“ – Valerie Chu (HBO)
  • GEWINNER: „Pluribus“ für Folge: „We Is Us“ – Vince Gilligan (Apple TV)
  • „Slow Horses“ für Folge: „Scars“ – Will Smith (Apple TV)
  • „Task“ für Folge: „A Still Small Voice“ – Brad Ingelsby (HBO)

Übersichtslisten

Die folgenden Übersichtslisten fasst die Gewinner aller Emmy-Zeremonien zusammen, also die Galaveranstaltung und die Creative Arts Emmy (Gewinnerliste) von vor etwas mehr als einer Woche.

Programme mit mindestens zwei Emmy-Auszeichnungen

  • „Widow’s Bay“ 14
  • „The Apple Music Super Bowl LX Halftime Show Starring Bad Bunny“ 7
  • „DTF St. Louis“ 7
  • „The Traitors“ 7
  • „The Late Show With Stephen Colbert“ 6
  • „The Pitt“ 6
  • „Pluribus“ 6
  • „Spider-Noir“ 5
  • „The Muppet Show“ 4
  • „Beef“ 3
  • „Love On The Spectrum“ 3
  • „Margo’s Got Money Troubles“ 3
  • „Palm Royale“ 3
  • „The Beast In Me“ 2
  • „Bridgerton“ 2
  • „Fallout“ 2
  • „Genndy Tartakovsky’s Primal“ 2
  • „Hacks“ 2
  • „My Mom Jayne: A Film By Mariska Hargitay“ 2
  • „Ocean With David Attenborough“ 2
  • „Remarkably Bright Creatures“ 2

Plattformen mit mindestens zwei Emmy-Auszeichnungen

  • Apple TV – 28
  • HBO Max – 19
  • Netflix – 16
  • NBC – 7
  • Peacock – 7
  • CBS – 6
  • MGM+/​Prime Video – 5
  • Prime Video – 5
  • Disney+ – 4
  • FX/​Hulu – 3
  • National Geographic – 3
  • Adult Swim – 2
  • Comedy Central – 2
  • PBS – 2
  • YouTube – 2

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