• 50 Jahre „Die Biene Maja“ im ZDF: Zwischen Kindheitserinnerung und 3D-Zukunft

    Wie eine kleine Biene Generationen verbindet und den Glauben an das Gute wachhält

    Florian Gessner
    Florian Gessner – 05.09.2026, 11:00 Uhr

    „Die Biene Maja“ feiert ihr 50-jähriges Jubiläum im deutschen Fernsehen. Die vertrauten Szenen des legendären Intros (links) im direkten Bildvergleich mit der modernen 3D-Variante (rechts). – Bild: ZDF/ORF/Apollo-Film/Studio 100/Collage by FG
    „Die Biene Maja“ feiert ihr 50-jähriges Jubiläum im deutschen Fernsehen. Die vertrauten Szenen des legendären Intros (links) im direkten Bildvergleich mit der modernen 3D-Variante (rechts).

    Eine der wohl bekanntesten und beliebtesten Zeichentrickserien der 1970er Jahre feiert in diesen Tagen ihr 50-jähriges Fernsehjubiläum im deutschen Fernsehen. Am 9. September 1976 um 17:10 Uhr flog sie zum allerersten Mal im ZDF über die Bildschirme: „Die Biene Maja“, die uns in die zauberhafte Welt der Insekten entführen sollte und anschließend noch etliche Male auf mehreren Sendern wiederholt wurde. Mit diesem Beitrag möchte ich die wichtigsten Fakten rund um diesen Klassiker des Kinderfernsehens zusammentragen und zurückblicken auf die Zeit, in der die Zeichentrick-Maja die Herzen vieler Kinder eroberte bis hin zu ihrer Modernisierung als 3D-Maja in den 2010er Jahren.

    Mein erstes TV-Erlebnis mit der Biene Maja

    Als Kind war mir die Biene Maja als Figur durch verschiedene Merchandising-Artikel selbstverständlich schon in jungen Jahren ein Begriff. Aber mein erstes echtes TV-Erlebnis mit dieser märchenhaften Zeichentrickserie hatte ich tatsächlich erst im Alter von sieben Jahren am 21. Mai 1991. Das ZDF zeigte an diesem Nachmittag um 16:03 Uhr die sechste Folge „Maja und die Spinne Thekla“ – eine Episode, welche das gesamte Flair und die zauberhafte Atmosphäre der Serie perfekt einfängt. Die erste Hälfte ist eine regelrecht poetische Darstellung, die das Leben aus der Perspektive der Insekten emotional greifbar macht. Gemeinsam mit Maja staunt man über Pusteblumen, Ameisenstraßen und skurrile Charaktere wie den Rosenkäfer, der eigentlich ein Mistkäfer ist. Mit von der Partie ist selbstverständlich auch der stets hungrige und phlegmatische Willi.

    Anschließend begibt sich die abenteuerlustige und hilfsbereite Maja als Geisel in die Fänge der Spinne Thekla, um eine gefangene Rüsselkäferfrau zu retten. Grashüpfer Flip kritisiert diese Gutgläubigkeit zurecht als naiv und rettet sie schließlich in letzter Sekunde. Für mich war diese Folge der perfekte Einstieg, weil sie die Kernbotschaft der Serie auf den Punkt bringt: Die Welt außerhalb der vertrauten vier Wände ist voller Wunder, birgt jedoch auch große Gefahren. Doch mit Mut, Zusammenhalt und Freundschaft kann man seinen Feinden den Wind aus den Segeln nehmen und fast jede noch so große Herausforderung bewältigen.

    Der Tenor von Zeichentrickserie und Buchvorlage im Vergleich

    Meine Begeisterung nach dem Anschauen dieser Folge war so groß, dass ich beschloss, die weiteren Folgen aufzuzeichnen – und dies mit großer Sammelleidenschaft, wie bereits in meinem Special zum 40-jährigen 3sat-Jubiläum ausführlich beschrieben. Die bereits verpassten Folgen konnte ich zumindest akustisch – wenn auch nur in gekürzter Form – nachholen, da die Hörspielkassetten inzwischen wieder im Handel erhältlich waren. Erst dabei wurde mir klar, dass Maja in gewisser Hinsicht auch eine Rebellin ist: Schon kurz nach ihrer Geburt konfrontiert sie ihre Lehrerin Fräulein Kassandra mit Fragen, welche die Sinnhaftigkeit des traditionellen Bienenlebens anzweifeln und bricht eines Tages heimlich aus dem Stock aus. Ihre Neugier und ihr Wunsch, als freies, selbstbestimmtes Individuum die Welt außerhalb des Stocks zu erkunden, werden dabei im weiteren Handlungsverlauf meistens positiv bewertet.

    Ein Direktvergleich mit der Buchvorlage „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ von Waldemar Bonsels aus dem Jahr 1912 offenbart in diesem Zusammenhang, wie stark die Macher die ursprüngliche Botschaft für das Fernsehen umgedeutet haben. Während die Zeichentrickserie für Werte wie individuelle Freiheit, Pazifismus, Toleranz und Freundschaft steht, verherrlicht das Buch Vaterlandsliebe, Krieg und die Pflicht des Einzelnen, sich bedingungslos dem Kollektiv unterzuordnen. Majas Flucht aus dem Bienenstock wird infolgedessen im Buch als schwere Verfehlung dargestellt, die einer Wiedergutmachung bedarf. Bonsels, der bekennender Antisemit war, glorifiziert in seinem Werk zudem den Heldentod für das Vaterland und bezeichnet die Hornissen und Wespen, die Feinde der Bienen, als „unnützes Räubergeschlecht ohne Heimat und Glauben“. Weil dieser militärische Ton nicht mehr dem Zeitgeist der 1970er Jahre entsprach, wurde er in der Serie auf humorvolle Art parodiert, so zum Beispiel in Gestalt der Ameisenarmee.

    Wie Maja für das Fernsehen entdeckt wurde

    Dass die Serie überhaupt entstehen konnte, ist Josef Göhlen, dem damaligen Leiter des ZDF-Kinder- und Jugendprogramms zu verdanken. Nachdem er zuvor die auf Runer Jonssons Kinderbuchreihe basierende Zeichentrickserie „Wickie und die starken Männer“ initiiert hatte, sollte nun ein Stoff mit einer weiblichen Titelfigur verfilmt werden. Fündig wurde er bei Waldemar Bonsels’ Kinderbüchern „Die Biene Maja“ und „Himmelsvolk“. Gemeinsam mit Marty Murphy, einem US-amerikanischen Trickfilmzeichner der Hanna-Barbera-Studios, gestaltete er die Figuren und die Drehbücher für zunächst 52 Folgen. Die zeichnerische Umsetzung dieser japanisch-deutsch-österreichischen Koproduktion erfolgte im Studio Zuiyo Enterprise (das auch „Wickie“ und „Heidi“ realisiert hatte) im Auftrag von ZDF und ORF, während die Apollo-Film Wien (Kirch-Gruppe) als Hauptproduzent das finanzielle Risiko und die internationale Vermarktung übernahm.

    Um die Serie gegenüber der Buchvorlage kindgerechter zu gestalten und Maja nicht als Einzelgängerin durch die Natur fliegen zu lassen, entwickelten Göhlen und Murphy für die Serie die bereits eingangs genannten Charaktere Willi und den Grashüpfer Flip, Majas beste Freunde. Während Willi als ängstlicher, stets hungriger und schläfriger Bienenjunge das exakte Gegenteil der neugierigen und abenteuerlustigen Maja ist, verkörpert Flip eine Art väterlichen Freund, der Fragen über die Welt der Insekten beantwortet und bei Gefahren eingreift. Zu den weiteren Hauptcharakteren der Serie zählen:

    • • Fräulein Kassandra: Majas und Willis Lehrerin im Bienenstock, die zwar ein offenes Ohr für Majas Fragen hat, aber manchmal auch hart durchgreifen muss
    • • Stubenfliege Puck: eine kurzsichtige Fliege, die Maja viel über die Welt der Menschen erzählt
    • • Spinne Thekla: eine Kreuzspinne, die Insekten in ihrem Netz fangen will und mit ihrem kratzigen und ohrenbetäubenden Violinspiel regelmäßig für Unmut sorgt
    • • Regenwurm Max: der einsame sensible Regenwurm, dem Maja hilft, Freunde zu finden und der stets bereit ist, anderen in der Not zu helfen
    • • Ameisenoberst: der disziplinierte Anführer der Ameisensoldaten, die mit dem Ausruf „Links, zwo, drei, vier!“ stets im Gleichschritt marschieren
    Die Hauptcharaktere der ersten 52 „Biene Maja“-Folgen. Oben (v. l. n. r.): Maja, Willi, Flip, Fräulein Kassandra. Unten (v. l. n. r.): Puck, Thekla, Max, Ameisenoberst und Ameisenarmee ZDF/​ORF/​Apollo-Film/​Studio 100

    Der „Biene Maja“-Titelsong und der unverwechselbare Soundtrack von Karel Svoboda

    Wer den Namen „Biene Maja“ liest oder hört, denkt auch unmittelbar an den weltbekannten Titelsong, der in der deutschen Fassung (In einem unbekannten Land …) von Karel Gott gesungen wurde. Der Liedtext hierzu wurde von Florian Cusano verfasst. Die Musik für das Titellied und die Melodien in der Serie komponierte der tschechische Komponist Karel Svoboda, aus dessen Feder auch die Soundtracks zu den Anime-Klassikern „Wickie und die starken Männer“, „Pinocchio“, „Nils Holgersson“ und „Tao Tao“ sowie zum Kult-Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und den Barrandov-Serien „Die Besucher“ und „Der fliegende Ferdinand“ stammen.

    Einer Anekdote zufolge, die Karel Gott im Jahr 2012 gegenüber der Nachrichtenagentur dpa zum Besten gab, war er 1975 eigentlich nur für einen Kaffee verabredet, als er auf den befreundeten Komponisten Karel Svoboda traf. Svoboda hatte demnach die Titelmelodie bereits fertig komponiert und Karel Gott hatte spontan Zeit, mit ihm ins Studio zu gehen, sodass das Lied innerhalb von nur einer halben Stunde im Kasten war.

    Zur Untermalung der Szenen komponierte Svoboda einen Pool aus thematischen Instrumentalstücken, wobei feste Motive für bestimmte Stimmungen und Charaktere entstanden, die sich innerhalb der Serie wiederholten. Meinem Empfinden nach haben all diese Szenen-Melodien eine sehr tiefe emotionale Wirkung und unterstreichen die jeweiligen Stimmungen nahezu perfekt, auch wenn etliche Musikstücke mehrfach zum Einsatz kommen. Doch gerade das wiederholte Hören von so manchen eingängigen Melodien wie beispielsweise „Schlafe mein Kind“ in der Fassung ‚als Walzer‘ führte in meinem Fall dazu, dass mich noch heute ein geradezu berauschender Gefühls-Cocktail aus Geborgenheit, Wärme und Erleichterung erfasst, wenn ich diesen Titel höre und dabei vor meinem geistigen Auge die Bilder eines rührseligen Happy Ends sehe.

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