Upfronts 2017: TNT setzt auf Dokus und SciFi-Block, TBS auf „Miracle Workers“

    Turner-Sender verkünden Programmpläne

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 18.05.2017, 13:26 Uhr

    Sarah Jessica Parker produziert feministische Doku bei TNT – Bild: HBO Films
    Sarah Jessica Parker produziert feministische Doku bei TNT

    In den Reigen der großen Broadcast-Networks bei den New York Upfronts hat sich die zu Time-Warner gehörende Turner-Sendergruppe mit ihren Kabelsendern eingereiht, allem voran TNT und TBS. Die beiden Sender werden vom selben Manager geführt, Ex-FOX-Chef Kevin Reilly (der davor bei NBC war). In all seinen Stationen ist ihm gemein gewesen, dass er als Reformer antrat und dann nach einer Weile scheiterte.

    Ausgangslage

    Bei TNT und TBS wollte Reilly alte Zöpfe abschneiden und neues beginnen, wozu auch wieder ungewöhnliche Programmstrategien gehörten. TNT sollte nicht mehr die Heimat von Krimis sein, sondern anspruchsvolle serielle Formate bieten, wobei durch eingeschränkte Werbezeiten den Zuschauern das lineare Fernsehen schmackhaft gemacht werden sollte – bei FOX hatte er seinerzeit mit der ersten Staffel von „Fringe – Grenzfälle des FBI“ schon etwas Ähnliches versucht, was aber dann nach einer Staffel aufgegeben wurde. Unterdessen sollte TBS deutlich verjüngt werden, wobei die „altbackenen“ Multi-Kamera-Comedys aus dem Programm flogen. Daneben wurden mehrere Serien in Eventprogrammierungen gestartet, etwa das neue Aushängeschild „Angie Tribeca: Sonst nichts!“ und „Search Party“. Zur neuen Ausrichtung gehört eine engere Verzahnung mit den internationalen Turner-Sendern, so dass mittlerweile zahlreiche Serienproduktionen von TNT und TBS von den internationalen Sendern ko-finanziert und zeitnah zur US- und Weltpremiere international gezeigt werden (etwa „Good Behavior“, „The Detour“).

    TNT

    So ganz hat die Strategie nicht gezogen. Mittlerweile ist klar, dass der Sender sich nicht von seinem „Brot und Butter“ verabschieden kann, den Krimis. Unter den neuen, anspruchsvolleren Formaten war bisher kein durchschlagender Quotenhit – weder wie die vorherigen TNT-Serien „The Closer“ oder „Rizzoli & Isles“ noch wie „American Crime Story“, „American Horror Story“ oder „Sons of Anarchy“ vom erfolgreichen Konkurrenten FX.

    Im Rahmen der Upfronts 2017 hat der Sender nun folgende Großprojekte verkündet:

    Ein Vorstoß in Sachen Dokumentationen; Michael Moore („Bowling For Columbine“) steht hinter „Michael Moore – Live from the Apocalypse“, einem scharfzüngigere Blick auf die Politik in Washington, die Wall Street und die „1%“; Sarah Jessica Parker („Sex and the City“) und Morgan Spurlock („Supesize Me“, „Morgan Spurlocks 30 Days“) produzieren „Who Run The World?“, eine Doku-Reihe über die Themen, die das Leben von Frauen beeinflussen: Politische Vorgaben, die die Selbstbestimmung über ihren Körper einschränken, die Verurteilung ihrer Entscheidung bezüglich ihrer Familienplanung sowie die kleinen aber alltäglichen Aggressionen, die ihnen in den Medien, im Job und im Alltag entgegenschlagen.

    Produzent Ridley Scott entwickelt einen Science-Fiction-Block für TNT. Als Anker sollen dort dann einstündige Sci-Fi-Serien laufen, umgeben von Kurzfilmen und anderen Formaten, die in Zusammenarbeit mit Scott entwickelt werden sollen; Scott Free Productions setzt das Projekt in Zusammenarbeit mit Turners Studio T um.

    Daneben wurde bei TNT eine Pilotfolge zu einem autobiographischen Drama von Margaret Cho bestellt (abweichende Angaben verlässlicher Branchendienste nennen die Serie „Highlander“ beziehungsweise „Highland“). In dem Projekt geht es nicht um Schwertkämpfe von Unsterblichen, sondern um Chos Erfahrungen mit Marihuana. Die Serie soll von zwei koreanischen Familien handeln, die über einen gemeinsamen Patriarchen verbunden sind und die nach einer Tragödie zusammenhalten müssen – und die verlässlichste Person in dem Familienbund ist die Protagonistin, die gerade aus dem Drogenentzug gekommen ist.

    „Snowpiercer“: Ein halbes Jahr ist bei dem Projekt von Josh Friedman („Terminator: Sarah Connor Chronicles“) nun schon seit der Bestellung eines Serienpiloten vergangen. Jetzt wurde der Hauptdarsteller für die Adaption des Films verkündet: Daveed Diggs der in den USA vor allem als Castmitglied des Erfolgsmusicals „Hamilton“ bekannt ist, hatte bereits in der dritten Staffel von „Black-ish“ eine längere TV-Rolle als Bos Bruder.

    TBS

    Die Strategie bei TBS hat wohl ein bisschen besser funktioniert, auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick vielleicht nicht so gut aussehen: Die Ausstrahlungsstrategien beziehen auch On-Demand-Verfügbarkeit mit ein. Unter Verlusten beim Gesamtpublikum wurde das Ziel erreicht, die Zahlen bezüglich des jüngeren Publikums zu verbessern.

    TBS verkündete die Bestellung der Comedy-Serie „Miracle Workers“ mit dem früheren „Harry Potter“-Darsteller Daniel Radcliffe und Owen Wilson und von Lorne Michaels („Saturday Night Live“); der animierten Comedy „Close Enough“ sowie einer neuen, noch namenlosen Comedy vom Trio „The Dress Up Gang“. Daneben wurde eine Vertragsverlängerung mit Late-Night-Talker Conan O’Brien um vier Jahre (bis 2022) verkündet.

    Hinter „Miracle Workers“ steht als Autor Simon Rich („Man Seeking Woman“). Filmstar Owen Wilson wird in der auf einer Buchvorlage basierenden Serie Gott porträtieren, der sich weitestgehend vom Alltag auf der Erde zurückgezogen hat, um mehr Zeit für seine Hobbys zu haben. So kommt es, dass der in der Hierarchie der Engel recht weit unten stehende Craig (Radcliffe) die Aufgabe bekommen hat, sich alleine um alle Gebete der Menscheit zu kümmern. Um die Zerstörung der Erde zu verhindern, muss Craig über sich hinauswachsen. Die Serie wird als Anthologie-Format angekündigt, vermutlich geht es also in jeder Folge um ein neues Gebet, dem Craig nachgehen muss.

    „Close Enough“ handelt von einem Ehepaar in seinen Zwanzigern, das an der Grenze zu den Dreißigern steht und sich damit deutlich erwachseneren Verantwortungen gegenüber sieht: von „Elternschaft über Freundschaften, Schinken-Diebstahl, strippenden Clowns bis zur Auswahl einer passenden Kindertagesstätte“. Das Projekt entsteht bei Studio T in Zusammenarbeit mit Schwesterkanal Cartoon Network.

    Die Serie der Dress Up Gang ist in einer surrealen Version von Los Angeles angesiedelt. Donny Divanian und Cory Loykasek spielen zwei Mitbewohner. Dabei ist Donny eigentlich der Verantwortungsvolle von den beiden, neigt aber zu kindlicher Naivität und emotionalen Ausbrüchen, während Cory über väterliche Weisheit verfügt, aber sein Leben nicht auf die Reihe kriegt. Daher muss er auf Donnys Couch übernachten.

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