75 Jahre DEFA: Zahlreiche Filmklassiker im MDR, im rbb und in der ARD Mediathek

    Großes Jubiläum wird linear und online zelebriert

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 06.05.2021, 14:43 Uhr

    75 Jahre DEFA: Zahlreiche Filmklassiker im MDR, im rbb und in der ARD Mediathek – Großes Jubiläum wird linear und online zelebriert – Bild: MDR

    Vor 75 Jahren, genauer gesagt am 17. Mai 1946, wurde in Potsdam-Babelsberg die Deutsche Film AG (DEFA) gegründet. Auch wenn die DEFA mittlerweile nicht mehr existiert, sind zahlreiche Produktionen, die zwischen 1946 und 1992 entstanden sind, zu Klassikern geworden. Anlässlich des Jubiläums kommen nun einige DEFA-Schätze in die ARD Mediathek und werden auch im linearen Fernsehen gezeigt.

    Ob Komödie oder Drama, ob Propagandafilm oder Verbotsfilm, ob Durchschnittsware oder Meisterwerk – wer sich ein Bild vom Leben in der DDR mit all seinen Schattierungen machen möchte, der kommt an der DEFA nicht vorbei. Insgesamt sind zwischen 1946 und 1992 etwa 700 Spielfilme, rund 2.500 Dokumentar- und Kurzfilme sowie 950 Animationsfilme enstanden. Eine Werkschau mit über 50 DEFA-Filmen wird in der ARD Mediathek bereitgestellt. Darüber hinaus zeigt der MDR am Jubiläumstag, 17. Mai 2021, die Free-TV-Premiere des Kinofilms „Traumfabrik“ aus dem Jahr 2019 – eine Hommage an die DEFA und die Filmstudios in Potsdam-Babelsberg.

    DEFA-Tag zu Christi Himmelfahrt

    Am 13. Mai widmet das MDR Fernsehen der DEFA eine Auswahl an beliebten Filmen und eine Kurzfilmnacht. Los geht es um 8:30 Uhr mit „Die Reise nach Sundevit“ aus dem Jahr 1966, gefolgt von „Die Söhne der großen Bärin“ (10:15 Uhr) und „Chingachgook, die Große Schlange“ (12:20 Uhr), jeweils mit Gojko Mitić. Am Nachmittag und am Abend gibt es Kultkomödien mit Rolf Herricht zu sehen: „Hände hoch oder ich schieße“ (16:40 Uhr), „Der Baulöwe“ (20:15 Uhr) und „Der Mann, der nach der Oma kam“ (21:45 Uhr).

    Winfried Glatzeder (l.) und Rolf Herrich (r.) in „Der Mann, der nach der Oma kam“MDR/​DEFA-Stiftung/​Rudolf Meister

    Nachts werden dann elf verschiedene animierte Kurzfilme für Erwachsene des DEFA-Studios für Trickfilme Dresden gezeigt, darunter humorvolle („Nur ein Märchen“, „Krawall im Stall“) und kritische Produktionen („Monument“, „Zwei Lieder“) aus den Jahren 1954 bis 1989. Den Abschluss des Thementags bildet der Spielfilm „Jahrgang 45“, der 1966 nach Vorführung des Rohschnitts verboten wurde und erst 1990 seine Uraufführung erlebte.

    DEFA-Jubiläumsprogramm im MDR

    Zur Einstimmung auf den Jahrestag der DEFA-Gründung blickt das MDR Fernsehen am Sonntag, 16. Mai, um 22 Uhr in „MDR Zeitreise“ zurück auf knapp fünf Jahrzehnte Filmgeschichte und fragt, was vom großen DEFA-Kino bleibt. Im Anschluss geht um 23:30 Uhr die Dokumentation „Sachsens Glanz und Preußens Gloria – Macht und Mythos“ dem größten, teuersten und ehrgeizigsten Projekt des DDR-Fernsehens nach. Es folgen drei DEFA-Dokumentarfilme: „Einmal in der Woche schrein“ von Günter Jordan aus dem Jahr 1982 über das Leben von Jugendlichen im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg; im Schwarz-Weiß-Dokumentarfilm „Heim“ aus dem Jahr 1978, der bis 1989 verboten war, sprechen Jugendliche aus einem Kinderheim über ihre Probleme und Sorgen; in „Drei von vielen“ aus dem Jahr 1961 stellt Jürgen Böttcher drei junge Arbeiter vor, die bei ihm Kunstunterricht nehmen und über ihre Malereien, Eindrücke und Gedanken diskutieren.

    „Traumfabrik“ mit Emilia Schüle und Dennis Mojen MDR/​TOBIS/​Jens Koch

    Am Geburtstag selbst (17. Mai) strahlt das MDR Fernsehen den Kinofilm „Traumfabrik“ als Free-TV-Premiere aus, der 2019 in die deutschen Kinos kam. Es handelt sich um eine Hommage an die DEFA und das traditionsreiche Studiogelände in Potsdam-Babelsberg. Im Sommer 1961 kommt Emil (Dennis Mojen) als Komparse ins DEFA-Studio Babelsberg und verliebt sich dort Hals über Kopf in die französische Tänzerin Milou (Emilia Schüle). Die beiden sind wie füreinander bestimmt, doch dann werden sie durch die Grenzschließung am 13. August 1961 getrennt. Ein Wiedersehen scheint unmöglich, bis Emil einen waghalsigen Plan schmiedet…

    DEFA-Jubiläumsprogramm im rbb

    Auch der rbb beteiligt sich am Jubiläumsreigen und zeigt am 11. und 12. Mai insgesamt vier Dokumentationen zur Geschichte der DEFA. Lutz Pehnert zeichnet in seinem Film „Jutta Hoffmann – Die Fahrradfahrerin von Sanssouci“ (11. Mai, 20:15 Uhr) das Porträt von einer der bekanntesten Schauspielerinnen ihrer Generation. rbb-Kinoexperte und DEFA-Kenner Knut Elstermann beschäftigt sich mit Science-Fiction aus der DDR („Utopia in Babelsberg“, 11. Mai, 21:00 Uhr), Berliner Drehorten in der DEFA-Zeit („Hier dreht die DEFA!“, 12. Mai, 22:15 Uhr) und der Filmmusik aus Babelsberg („So klang die DEFA“, 12. Mai, 23:00 Uhr).

    „Die Geschichte vom kleinen Muck“ rbb/​Progress Film-Verleih/​Eduard

    Vom 13. bis zum 17. Mai präsentiert das rbb Fernsehen insgesamt fünfzehn DEFA-Spielfilme sowie vier Märchen- und Kinderfilmklassiker. Dabei ist jedes Jahrzehnt mit einem oder mehreren Filmen vertreten. Mit dabei sind populäre Filme wie „Die Geschichte vom kleinen Muck“ (15. Mai, 15:40 Uhr) aus dem Jahr 1953, Heiner Carows „Die Legende von Paul und Paula“ (15. Mai, 22:00 Uhr) und „Der schweigende Stern“ von Kurt Maetzig (16. Mai, 14:45 Uhr). Es sind aber auch weniger bekannte Produktionen dabei, wie Iris Gusners Film „Die Taube auf dem Dach“ (17. Mai, 01:05 Uhr), der nach der Fertigstellung 1973 verboten wurde. „Sterne“ (15. Mai, 23:40 Uhr) von Konrad Wolf aus dem Jahr 1959 gilt außerdem als einer der ersten deutschen Filme, der die Verantwortung der Deutschen für den Holocaust thematisierte.

    Große Werkschau in der ARD Mediathek

    Auch in der ARD Mediathek wird anlässlich des Jubiläums eine Auswahl aus über 50 Produktionen – von Spielfilmen, Märchen, Dokumentarfilmen bis Kurzfilmen – bereitgestellt. Die Werkschau des Filmerbes der DEFA wird unter dem Titel DEFA75 von MDR und rbb gebündelt. Zur Orientierung wird das Angebot thematisch aufbereitet: In der Rubrik „Filme aus dem Panzerschrank“ findet sich unter anderem der Klassiker „Spur der Steine“ mit Manfred Krug, der 1966 nur drei Tage im Kino lief, bevor er bis 1989 im Giftschrank verschwand. Im Bereich „Komödien“ gibt es unter anderem dem Musikfilm „Heißer Sommer“ mit Frank Schöbel aus dem Jahr 1968, in der Rubrik „Drama“ wird „Coming out“, der erste DEFA-Film zum Thema Homosexualität in der DDR, abrufbar sein.

    „Coming out“ mit Dirk Kummer (l.) und Matthias Freihof (r.) rbb/​Progress Film-Verleih/​Wolfgang Fritsche

    Zahlreiche DEFA-Streifen wie „Ulzana“, „Apachen“ und „Chingachgook, die Große Schlange“ mit Gojko Mitić sind in der Rubrik „Abenteuer“ zu finden. Die Kategorie „Jugend in der DDR“ bündelt Produktionen zum Thema Umweltschutz und -zerstörung wie „Biologie“, das Kinodebüt von Stefanie Stappenbeck aus dem Jahr 1989, sowie „Abschiedsdisco“ aus dem Jahr 1990. Natürlich sind auch die beliebten Märchenfilme wie „Dornröschen“ oder „Die Geschichte vom kleinen Muck“ in der Rubrik „Kinder und Familie“ vertreten. Schließlich gibt es noch eine Sparte „Kurzfilm“ mit Trickfilmen für Erwachsene aus dem DEFA-Studio für Trickfilme Dresden. Auch alle DEFA-Dokumentationen, die anlässlich des Jubiläums im linearen Fernsehen gezeigt werden, kommen in die ARD Mediathek.

    Abgerundet wird das DEFA-Jubiläum mit der Podcast-Reihe „75 Jahre DEFA“. In der zehnteiligen Interviewreihe spricht Filmexperte Knut Elstermann mit den DEFA-Größen Peter Kahane, Alice Agneskirchner, Wolfgang Kohlhaase, Winfried Glatzeder, Jutta Wachowiak, Carmen-Maja Antoni, Jaecki Schwarz, Jutta Hoffmann, Christa Kozik und Andreas Dresen. Und am 14. Mai widmet der Radiosender MDR Kultur eine einstündige Spezial-Sendung ab 18 Uhr dem Jubiläum.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am via tvforen.de

      Hier ist eine Übersicht der Sendetermine:

      https://programm.ard.de/TV/Programm/Suche?suche=DEFA
      • am via tvforen.de

        Danke für den link. Habe einige Gemeinschaftsproduktionen gefunden, die mich neugierig gemacht haben.
      • am via tvforen.de

        kornelson schrieb:
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        > Danke für den link. Habe einige
        > Gemeinschaftsproduktionen gefunden, die mich
        > neugierig gemacht haben.

        Welche Titel sind es?

        Ich habe mir nach einer ersten kurzen Durchsicht zunächst nur notiert:

        Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow Fernsehfilm DDR 1975 | rbb Fernsehen

        läuft am 17. Mai

        Völlig unerwartet kommt der Fortschritt über den Eisenbahner Platow. Seit Jahr und Tag schiebt er Dienst auf dem Bahnhof Luege, jetzt soll sein Schrankenwärterplatz der neuen Technik zum Opfer fallen. Poetisch-subversive Gesellschaftssatire von DEFA-Regisseur Siegfried Kühn.

        Hört sich sehr interessant sein, Filme um die Auswirkungen des technischen Fortschritts haben immer ihren Reiz.
      • am via tvforen.de

        Goya von 1971 Fakt, ddr/Russland
        Der teufel vom Mühlenberg von 1955 Märchen
        Der schweigende Stern Sciencefictionfilm 1959 Polen/ddr

        Dein genannter Film sagt mir leider nichts.
        Historische Filme finde ich eigentlich schon interessant.
    • (geb. 1961) am

      absolut nix für mich dabei...
      • (geb. 1976) am

        Schade, dass die ARD einmal mehr die DDR-Kultur nur bis in die Mediathek, aber nicht in das Hauptprogramm lässt. Bis heute wird nicht verstanden, dass DDR-Geschichte und Kultur nicht freakiges für einen Nebensatz sind, sondern integraler Bestandteil der deutschen Geschichte, wie auch die Adenauer-Republik. Und gerade viele der DEFA-Filme kann man durchaus zeigen und sicher eher, als so manchen billigen Komödienschrott aus westdeutscher Produktion, die noch bis vor kurzem hoch und runter gespielt wurden, bis sich die ARD entschloss, generell fast vollständig auf Kinoproduktionen zu verzichten und nur mäßige Eigenproduktionen zu zeigen.

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