bisher 2 Folgen (MDR)
1. Das Völkerschlachtdenkmal – Monument und Mythos
Folge 1 (45 Min.)Das Leipziger Völkerschlachtdenkmal ist mit seinen 91 Metern eines der höchsten Monumentalbauten Europas. Wie ein steinerner Wächter aus einer anderen Zeit beherrscht es die Silhouette der Stadt und erinnert an die blutigste Schlacht des 19. Jahrhundert. Rund 90.000 Menschen verlieren damals ihr Leben. Der Völkerschlacht 1813 war Anfang vom Ende der Vorherrschaft Napoleons in Europa. Sie führte zur Neuordnung der deutschen Staaten. Seit Dezember 2025 gestaltet der britische Kurator Crawford Matthews die Zukunft des Denkmals.Der Mittdreißiger löst einen Kurator ab, der vier Jahrzehnte lang die Inhalte bestimmte. „Ich glaube, als Historiker kann man kaum eine bessere Stelle finden“, sagt er und außerdem habe er sich auch ein bisschen in Leipzig verliebt. Die Dokumentation begleitet ihn bei seinen ersten Schritten und fragt: Welche Geschichte kann dieses Denkmal künftig erzählen? Das Völkerschlachtdenkmal wird 1913 eingeweiht. Es ist vom nationalistischen Denken seiner Entstehungszeit geprägt. Im Laufe seiner Geschichte wird der Monumentalbau immer wieder als gigantische Kulisse für Propaganda missbraucht. Von den Nationalsozialisten als Sinnbild für die Unbezwingbarkeit der deutschen Volksgemeinschaft – in der DDR als Mahnmal für die Deutsch-Sowjetische Freundschaft und gegen Militarismus. Doch trotz der ihm zugeschriebenen Bedeutung zerfällt der Bau im Laufe der Zeit. Nach der Wiedervereinigung zeigt sich das volle Ausmaß der Schäden. Für Michael Jänisch, der als Ingenieur die gesamte Restaurierung betreute, war es eine der anspruchsvollsten Aufgaben seines Lebens. Er hatte weder genaue Baupläne noch entsprechende Vorgaben, stattdessen stößt er mit seinen Kollegen in den Katakomben auf ein Tunnelsystem. Sind das die geheimen Tunnel der Nazis, um die sich bis heute Gerüchte ranken? Die Dokumentation taucht ein in die Geheimnisse und Mythen rund um dieses außergewöhnliche Bauwerk und beantwortet wichtige Zukunftsfragen: Wie kann dieser Denkmal-Koloss für künftige Generationen erlebbar werden und für welche Themen steht das „Völki“ eigentlich in der heutigen Zeit? (Text: MDR) Deutsche TV-Premiere Di. 29.09.2026 MDR 2. Palast der Republik – Honeckers Traum aus Marmor und Asbest
Folge 2 (45 Min.)Er war immer mehr als nur ein Gebäude: Der Palast der Republik sollte die DDR in neuem Glanz zeigen. Kaum etwas erinnert heute mehr an ihn – nur die Erinnerungen seiner Besucher an ein leuchtendes Traumhaus und den schmerzhaften Akt der Schließung. Seit seiner Eröffnung am 23. April 1976 war der Palast der Republik immer mehr als nur ein Gebäude: Sein Bau war das Symbol für eine DDR in neuem Glanz, modern und weltoffen. Ein sozialistischer Tempel der Pop und Politik, Propaganda und Spektakel in einem Haus versammelte.Mit „Brot und Spiele““ buhlte der Staat um Anerkennung bei der Bevölkerung, die das Angebot auskostete und den leuchtenden Glaspalast dennoch als „Honeckers Lampenladen“ verspottete. Trotzdem zog dieses Traumhaus als einzigartige Mischung aus Parlamentsgebäude, Gemäldegalerie und Kulturhaus mit Disco und Bowlingbahn die Massen an wie kaum eine andere Einrichtung. Im Schnitt besuchten fast zehntausend Besucher pro Tag das Haus. Hier gab es, was es sonst nicht gab: Radeberger Bier, Weine aus Meißen und sogar Cocktail „Manhattan“ für 3,55 Mark der DDR. 1990 wurde der Palast der Republik wegen Asbestbelastung geschlossen und später saniert, bis von ihm nur noch ein Stahlgerippe übrigblieb. Im wiedervereinten Deutschland begann eine Debatte um Erhalt oder Abriss des Gebäudes. 2002 beschloss der Bundestag, dass der von Asbest befreite Rohbau des Palastes dem Nachbau des Berliner Schlosses als Humboldt Forum weichen soll. Für nicht wenige ehemalige DDR-Bürger war der Abriss des Republikpalastes der offensichtliche und schmerzhafte Beweis für den Umgang der Bundesrepublik mit dem DDR-Erbe. Die Dokumentation erzählt nicht nur vom Aufstieg und Fall eines symbolträchtigen Gebäudes, sie widmet sich einem einmaligen historischen Ort, der wie kaum ein anderer die wechselvolle Geschichte des geteilten und wiedervereinten Deutschlands spiegelt. An Zeiten im „Volkspalast“ erinnern sich neben vielen anderen der Sänger Frank Schöbel, die Journalistin Elke Bitterhof und der Politiker Gregor Gysi. (Text: MDR) Deutsche TV-Premiere Di. 06.10.2026 MDR
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