„Gnomes – Angriff der Killerzwerge“ bündelt soliden Horror mit schräger Comedy – Review

Asa Butterfield aus „Sex Education“ erstaunt als gutmütiger Polizist in ZDFneo-Serie

Stefan Genrich
Rezension von Stefan Genrich – 11.10.2026, 11:00 Uhr

In „Gnomes – Angriff der Killerzwerge“ verwenden Ellie McKay (Megan Smart) und Arnold Kipps (Asa Butterfield) einen glühenden Brennofen, eine geheimnisvolle Streitaxt und ein gewöhnliches Gewehr. – Bild: ZDF / Narelle Portanier
In „Gnomes – Angriff der Killerzwerge“ verwenden Ellie McKay (Megan Smart) und Arnold Kipps (Asa Butterfield) einen glühenden Brennofen, eine geheimnisvolle Streitaxt und ein gewöhnliches Gewehr.

Kobolde und kleine Ungeheuer aller Art haben bereits „Doctor Who“ beschäftigt. Aber gegen randalierende Gartenzwerge hat der berühmte Zeitreisende noch nicht gekämpft. Die dekorativen Winzlinge terrorisieren hingegen das australische Städtchen Nompton – auf diese Weise kann ein germanischer Fluch in weiter Ferne wirken. Die mörderischen Gestalten treffen auf Senior Sergeant Arnold Kipps (Asa Butterfield) und seine Kollegin sowie Ex-Freundin Ellie McKay (Megan Smart). Mit dieser Geschichte überrascht das ZDF Streamingportal ab dem 11. Oktober in „Gnomes – Angriff der Killerzwerge“. Zudem sind alle sechs Teile am 20. Oktober auf ZDFneo zu sehen.

Jetzt entscheiden Zuschauerinnen und Zuschauer, ob sie Tess Haubrich als eindrucksvolles Oberhaupt der Gartenzwerge begrüßen wollen. Die schräge und spannende Horror-Comedy verdient eine Chance. Begegnen wir also störrischen Polizisten, unartigen Teenagern und dem übereifrigen Bürgermeister Lachlan Morrison (Darren Gilshenan): Diese zufälligen Bündnispartner müssen eingreifen, als Arnold Kipps irrtümlich die Gartenzwerge entfesselt.

Mit Hilfe von Senior Constable Ellie McKay (Megan Smart) will ihr Chef Harvey Poll (Brett Tucker) die Revierleiterin Susan Fields (Alison Whyte, r.) unter Druck setzen. ZDF /​ Narelle Portanier

Germanische Königin sät Unheil mit erwachender Armee

Zum Auftakt erinnert der seltsame Rückblick an „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“. Ein einsames Schloss, flackernde Kerzen und künstliches Wolfsgeheul verweisen auf klassische Gruselfilme. Ein Nazi-Offizier mit Augenklappe bewundert die Gartenzwerg-Königin, die eine Armee aus Stein erweckt. Nach seinen Wünschen soll die finstere Regentin ein blutiges Chaos unter Männern und Frauen und klitzekleinen Kindern anrichten. Der durchgeknallte Anführer schmiert das Blut einer Jungfrau auf die Streitaxt der gewaltigen Figur. Daraufhin lässt die lebenslustige Gartenzwerg-Königin einige Köpfe rollen. Ein sterbender Bursche namens Kurt (Joseph Baldwin) nimmt seiner halbwüchsigen Begleiterin Lydia (Hani Green) ein ewiges Versprechen ab – das nach vielen Jahren wohl platzen wird.

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In der Gegenwart beginnt der Ärger mit Arnold Kipps: Der liebenswerte Polizist fährt durch eine idyllische Landschaft zum windigen Bürgermeister Lachlan Morrison, der ein Festival rund um Gartenzwerge organisiert. Diese keramischen Erzeugnisse entstehen nämlich haufenweise in Nompton. Die Megaparty soll Besuchermassen anlocken, die endlich Geld in den unscheinbaren Ort spülen. Als Attraktion dient eine antike Riesenstatue aus Deutschland – die sogenannte Gartenzwerg-Königin. Oh-oh! Die Macher der Serie haben in wenigen Aufnahmen den Rahmen für das künftige Unheil abgesteckt.

Arnold (Asa Butterfield) zeigt vollen Körpereinsatz im kleinlichen Kampf auf Leben und Tod. ZDF /​ Narelle Portanier

Fiese Gartenzwerge erlegen erstes Opfer

Treffsichere Gags und Sprüche führen etwa zu den jungen Rowdies, die gerne Gartenzwerge klauen und eher sparsam rebellieren. Arnolds Wiedersehen mit seiner alten Flamme Ellie geht daneben, zumal diese Ex-Freundin sowie Superintendent Harvey Poll (Brett Tucker) beinahe alle Polizisten abkommandieren wollen. Betrunken vergeigt Arnold den Kontakt mit der Gartenzwerg-Königin. Somit endet die Episode „Nompton in Aufruhr“ lustig und unheimlich, um Erwartungen beim TV-Publikum anzustoßen. Derweil erlegen die fiesen Gnome ihr erstes Opfer.

Unverdrossen liebt (v. l.) Tobias Black (Syd Brisbane) jeden Gartenzwerg – vom sadomasochistischen Gnom über Prinz Harry bis hin zur verstorbenen Queen. ZDF /​ Narelle Portanier

Spott über Geschlechter führt zur Schlacht nach Art der „Gremlins“

In der zweiten Folge „Wo ist die Königin?“ steigt das Tempo. Angst ist besonders in Dämmerung und Dunkelheit zu spüren. Nach Lachlans Meinung muss die vermisste Gartenzwerg-Königin zurückkehren, deren Schicksal wir schon besser kennen. Absurde Dialoge erfreuen beispielsweise bei einem Blick ins Polizeirevier, wo Bürgerinnen und Bürger üble Vorfälle melden. Zwischendurch wird es schön eklig. Geschickt inszeniert entschwinden Nachbarn und sogar Haustiere ins Jenseits.

„Armee der Zwerge“ gefällt allgemein durch komische Pannen vom Gauner Lachlan Morrison. Spott über Gendering und Geschlechter passt zum Zeitgeist. Die Kritik an sexuellem Fehlverhalten funktioniert mühelos. Amüsant gerät Ellies und Arnolds Schlacht nach Art der „Gremlins – Kleine Monster“, bei der ein menschliches Scheusal durch zwergenhafte Attacken krepiert. Ferner schockieren Effekte mit Blut und Leichen. Auf dem Bildschirm ahnt niemand, wie nahe die tödliche Gefahr rückt. Die Story nimmt bizarre Wendungen. Das Team von „Gnomes“ zieht die Daumenschrauben des Entsetzens an.

Die Ruhe des Provinznests käme jetzt (v. l.) Zayn (Oliver Edis), Jenny (Leigh Lule) und Rosie (Mila Hourmouzis) gerade recht. ZDF /​ Narelle Portanier

Störrische Helden lichten Reihen aufgebrachter Winzlinge

Dem Genre angemessen erhält ein Widerling seine gerechte Strafe – im vierten Teil „Anschlag bei Nacht“. In größter Not will Polizistin Beverly Hills (Nicole Gulasekharam) eine tolle Idee aus „CSI“ einbringen. Ihre überspannte Kollegin Josie (Tegan Higginbotham) verblüfft als „Der unglaubliche Hulk“ sowohl ihre Mitstreiter als auch das TV-Publikum.

In der nächsten Folge „Bluttrinker“ läuft Arnolds Darsteller Asa Butterfield zur Hochform auf, als grauenvolle Wahrheiten hervortreten. Ohnehin bereichert dieser Schauspieler sämtliche Folgen mit seinem Talent. Er parodiert sein Image aus „Sex Education“. Nun vereint er bissigen Humor mit beachtlicher Präsenz. Im dramatischen Finale „Helden sterben nie“ lichtet Arnold die Reihen der aufgebrachten Gartenzwerge – unterstützt von einstigen Gegnern und gerüstet mit eigentümlichem Kriegsgerät.

Langsam verschieben die Drehbuchautoren ihre Grenzen von Comedy hin zum Horror. Der deutsche Regisseur Matthias Hoene nutzt seinen Freiraum, obgleich er den Schrecken fürs Fernsehen drosselt – denn wer hofft hier auf Blutströme und Zerstückelungen aus „Cockneys vs. Zombies“ und „Little Bone Lodge“? Das ZDF hat jedenfalls richtig entschieden, bei dieser originellen Serie als Koproduzent einzusteigen. „Gnomes“ überzeugt noch deutlicher als unterhaltsame Vorgänger wie „Kohlrabenschwarz“.

Meine Wertung: 4,5/​5

„Gnomes – Angriff der Killerzwerge“ landet im ZDF Streamingportal: Ab Sonntag, dem 11. Oktober, stehen alle sechs Episoden für ein Jahr bereit. Am Dienstag, dem 20. Oktober, zeigt ZDFneo diese halbstündigen Folgen hintereinander ab 22:30 Uhr.

Über den Autor

Seit 2016 hat Stefan Genrich Websites entwickelt und an einer Hochschule unterrichtet. Vor einer siebenjährigen Pause bei fernsehserien.de würdigte er das weihnachtliche TV-Programm im United Kingdom: Sein Herz schlägt für britisches Fernsehen. Daher verfolgt er jeden Cliffhanger von „Doctor Who“. Der Journalist kritisiert nebenberuflich Serien. Ihn ärgern Mängel bei ARD und ZDF – oder er genießt „Tagesthemen“ sowie „Nord bei Nordwest“. Frühe Begegnungen mit „Disco“ und „Raumschiff Enterprise“ haben Spuren hinterlassen. Später scheiterte Stefan beim Versuch, die Frisur von „MacGyver“ zu kopieren. Wegen „Star Trek: Strange New Worlds“ und „1923“ mag er Paramount+.

Lieblingsserien: Frasier, Raumpatrouille, Star Trek – Deep Space Nine

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