Staffel 1, Folge 1–9

    • Staffel 1, Folge 1 (16 Min.)
      Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva (l.) und Medina Yilmaz – Bild: MDR/​DRIVE beta GmbH Berlin
      Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva (l.) und Medina Yilmaz
      Medina wird in den 1980er-Jahren im Berliner Wedding als einzige Tochter einer erzkonservativen türkischen Familie geboren. Ihr Vater war Imam, ihre Mutter Hausfrau und Medinas Leben seit ihrer Geburt fremdbestimmt: Jeder Schritt, jedes Wort, ihr Aussehen – alles wurde von ihrem Vater und der muslimischen Gemeinde kontrolliert. Sie war gefangen in einer Parallelgesellschaft. Als junge Frau mit 17 Jahren willigt sie in eine arrangierte Ehe mit ihrem Cousin ein. Sechs Jahre später folgt die Scheidung und damit der Bruch mit allem, was ihr bisher im Leben vertraut war, mit ihrer Familie und ihrem Zuhause. Sie geht in ein Frauenhaus, holt ihr Abitur nach und zieht später nach Erfurt, um dort Staatswissenschaften zu studieren: Der lang ersehnte Neuanfang. Wenn Medina nicht für die Uni lernt, steht sie im Imbiss und hilft ihrem neuen Mann.
      Mittlerweile betreibt er das einzige türkische Restaurant in Erfurt. Nach 10 Jahren in Erfurt ist sie eine in der Kultur und Politik gut vernetzte Frau, hat mit anderen Erfurterinnen einen Verein gegründet, der soziale und zivilgesellschaftliche Projekte von, für und mit Frauen im Nahen Osten fördert. Emanzipation ist Medinas größtes Anliegen und sie kämpft gegen Stigmatisierung und Rassismus. Den erlebt sie in der Stadt, die sie eigentlich so sehr liebt, noch viel zu oft. (Text: MDR)
      Deutsche TV-PremiereSa 05.02.2022MDRDeutsche Online-PremiereDo 03.02.2022ARD Mediathek
    • Staffel 1, Folge 2 (16 Min.)
      Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva (l.) und Lisa Zocher
      Die 23-jährige Leipzigerin sitzt seit ihrer Kindheit im Rollstuhl. Mit sechs Jahren beginnt Lisa ihre Sportkarriere. Sie tobt mit Freunden durch die Turnhalle, tanzt alleine im Rollstuhl zu Musikvideos und wird Teil einer talentierten Tanzgruppe. Durch das Tanzen knüpft sie Freundschaften und lernt die Möglichkeiten und Grenzen ihres Körpers kennen. Doch in ihrem Alltag stößt Lisa mit ihrem Rollstuhl immer wieder auf Barrieren – Stufen statt Rampen, vollgestellte Behindertentoiletten und kaputte Aufzüge. Nicht selten schieben Menschen Lisas Rollstuhl ohne zu fragen und streicheln ihr übergriffig über die Wange. Wenn Lisa erzählt, dass sie Tänzerin ist, erntet sie häufig fragende Blicke. Sie lässt sich davon nicht abbringen, überzeugt bei einem Casting des Lofft Theaters in Leipzig und erhält ein festes Engagement in der professionellen Tanzkompanie.
      Zunächst plagen Lisa Selbstzweifel. Sie vergleicht sich mit den anderen großartigen Tänzerinnen und Tänzern und stellt ihr Talent in Frage. Erst durch die intensiven Proben gewinnt sie Selbstvertrauen und merkt, wie gut sie mit der Tanzgruppe harmoniert. Bei ihrer ersten Aufführung spürt Lisa Glücksgefühle in ihrem ganzen Körper, endlich die Bestätigung für ihre harte Arbeit. Doch sie hat durch die Pandemie auch gemerkt, wie fragil und anfällig die Kulturlandschaft geworden ist und wie schnell ihr Traum vom Tanzen auch wieder vorbei sein kann. (Text: MDR)
      Deutsche TV-PremiereSa 12.02.2022MDRDeutsche Online-PremiereDo 03.02.2022ARD Mediathek
    • Staffel 1, Folge 3 (14 Min.)
      Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva (l.) und Mahmoud Aljawabra
      Das Donnern der Bomben reißt Mahmoud nachts aus dem Schlaf, er hört die Explosionen, er sieht sie. Mahmoud kann nur hoffen, dass es nicht seine Wohnung trifft. In seiner Heimatstadt Daraa beginnt der Bürgerkrieg, der sich in kurzer Zeit über ganz Syrien ausbreitet. Mahmoud verliert Freunde, einen Onkel. Zusammen mit seiner Familie flieht er heimlich nach Jordanien. Sieben Stunden zu Fuß, immer mit der Angst, von Soldaten entdeckt zu werden. In Jordanien hält er sich mit Mini-Jobs über Wasser und bekommt dann plötzlich die Chance seines Lebens: Seine Schwester kann ihn im Zuge des Familiennachzugs nach Deutschland holen. Kurze Zeit später landet er am Leipziger Flughafen. Mahmoud hat ein großes Ziel, er will Zahntechniker werden, wie sein Onkel. Sofort beginnt er mit Deutschkursen und bewirbt sich für ein Praktikum in einem Zahnlabor.
      Das Märchen beginnt. Er darf in der Firma eine Ausbildung machen, glänzt mit Ehrgeiz und präziser Handarbeit. Am Wochenende lernt er. Er schließt die Prüfung mit der Bestnote 1,0 ab. Doch Mahmouds Zukunft bleibt unklar. (Text: MDR)
      Deutsche TV-PremiereSa 19.02.2022MDRDeutsche Online-PremiereDo 03.02.2022ARD Mediathek
    • Staffel 1, Folge 4 (16 Min.)
      Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva und Van Pham (l.)
      Die 26-jährige Viet-Deutsche Van Pham ist in Chemnitz geboren und aufgewachsen. Im Sommer 2018, nachdem ein Mann auf dem Stadtfest in Chemnitz erstochen wird, marschieren Tausende Rechte durch die Innenstadt, vorbei an Vans Haustür. Sie hört die fremdenfeindlichen Parolen deutlich durch ihr Fenster, als der Mob an ihrer Wohnung vorbeizieht. Sie fühlt sich unsicher in ihrer Heimatstadt. Vor allem hat sie Angst um ihre Eltern, die ganzen vietnamesischen Restaurants und Läden in der Innenstadt. Die Ausschreitungen in Chemnitz wecken bei ihr Erinnerungen an Bilder in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen. Schon während ihrer Kindheit ist sie rassistischen Kommentaren ausgesetzt. Sogar die Lehrkräfte behandeln sie wie eine Fremde. Es passiert so beiläufig, dass es schon normal erscheint.
      Erst durch ihr Studium und ihre künstlerisch-investigative Arbeit hat sie die Möglichkeit, ihre Identität zu reflektieren und erlebten Rassismus zu kritisieren. Sie geht auf Spurensuche, führt Interviews mit ihren Eltern und vietnamesischen Vertragsarbeitenden der ersten Generation. Van sammelt Geschichten von harter Arbeit, Abschiebungen und Abtreibungen. Durch die Erzählungen kann sie langsam verstehen, woher die Separierung, der Rassismus und auch die Sprachbarrieren stammen, die sie heute erlebt. Van verlässt Chemnitz. Mit dem Aufkommen der Corona-Pandemie kocht der anti-asiatische Rassismus wieder auf. Menschen wechseln die Straßenseite, husten sie an. Sie und andere Viet-Deutsche der zweiten Generation werden weiterhin als Fremde gelesen, auch wenn sie hier geboren sind. In der Community wächst der Wunsch nach Repräsentation und Vorbildern.
      Van versucht genau das mit der Sammlung und Veröffentlichung der Familiengeschichten zu erreichen. (Text: MDR)
      Deutsche TV-PremiereSa 26.02.2022MDRDeutsche Online-PremiereDo 03.02.2022ARD Mediathek
    • Staffel 1, Folge 5 (15 Min.)
      Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva und Marcus Urban (l.)
      Marcus Urban wächst in der tristen Plattenbausiedlung Weimar-West auf. Um seinem alkoholabhängigen und gewalttätigen Stiefvater zu entgehen, jongliert er tagsüber mit seinem Fußball zwischen den grauen Blöcken. Früh erlebt er Missbrauch in der Familie, mit neun Jahren hat er erstmals Suizidgedanken. Sein Fußballtalent ermöglicht Marcus die Flucht aus der Familie. In Erfurt wird er im Sportinternat aufgenommen und beginnt eine erfolgreiche Laufbahn als Jugendfußballer. Er durchläuft diverse Jugendnationalmannschaften und landet im Kader von Rot-Weiß-Erfurt in der Zweiten Bundesliga. Doch auf dem Platz und in der Umkleidekabine muss er sich verstecken. Er spielt extra hart, grätscht und lacht über Schwulen-Witze – auf keinen Fall darf er weich wirken, niemand soll erfahren, dass er Männer liebt.
      Marcus spürt jeden Tag die gesellschaftliche Ablehnung gegenüber Homosexualität. Das Versteckspiel frisst ihn auf, mit 20 Jahren kann er nicht mehr und beendet seine Karriere. Marcus beginnt ein Studium in Neapel. In Italien lernt er Emotionen zu zeigen, schöpft Mut und kehrt nach Weimar zurück. Er schleicht sich nachts ins Schwimmbad und lernt den Bademeister kennen. Marcus verbringt dort seine erste Nacht mit einem Mann. Von hier an beginnt Marcus offen mit seiner Sexualität umzugehen. Nach der Weltmeisterschaft 2006 kommt es dann zum öffentlich-medialen Coming-Out. Marcus Urban ist der erste geoutete, homosexuelle Ex-Profifußballer in Deutschland. (Text: MDR)
      Deutsche TV-PremiereSa 30.04.2022MDRDeutsche Online-PremiereDo 03.02.2022ARD Mediathek
    • Staffel 1, Folge 6 (15 Min.)
      Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva und John Sauter (l.)
      John Sauter Freiberg im Erzgebirge in den 1980er Jahren: Hier wächst John Sauter als einziges schwarzes Kind weit und breit auf. Sein Vater war Gastarbeiter aus Mosambik, musste die DDR nach ihrem Zusammenbruch verlassen. Die DDR hat John eigentlich in ganz guter Erinnerung. Zum Zeitpunkt ihres Niedergangs spürte er zunächst eine Aufbruchsstimmung, aber alles was blieb, so seine Wahrnehmung, waren Risse in der Gesellschaft und ein Machtvakuum, in dem es sich Rechte bequem machten. Vor den Neonazis lief er manchmal davon, manchmal suchte er aber auch die körperliche Konfrontation. Unter den Linken fand er Subkulturen, die ihm zu dem Künstler gemacht haben, der er heute ist. In einem Kulturzentrum in Freiberg, seinem „Safe Space“, ging John regelmäßig auf Konzerte. So fand er zur Musik. Ein Wendepunkt.
      Er zog nach Leipzig und brachte bis heute als Rapper „Johnny Katharsis“ mehrere Alben heraus. Entgegen aller Erwartungen ist John heute noch immer gerne in seiner Heimat in Freiberg. Er liebt das Erzgebirge für seine Landschaften. Aus der Natur zieht er die Inspiration für seine Gedichte, beschreibt auf melancholische Art und Weise das, was er dort sieht und schon sein Leben lang kennt. John spricht über strukturelle rassistische Probleme, zeigt sie in seinen Texten auf. Seine Jugend und die Sozialisation im Erzgebirge brachten ihm diesen Mut, Probleme aufzuzeigen und nicht vor ihnen zurück zu schrecken. (Text: MDR)
      Deutsche TV-PremiereSa 07.05.2022MDRDeutsche Online-PremiereDo 03.02.2022ARD Mediathek
    • Staffel 1, Folge 7 (15 Min.)
      Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva (l.) und Mascha Schubert
      Mascha ist Jüdin. Als sie Anfang der 1990er Jahre als Kontingentflüchtling aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kommt, steht sie in einem Land, das sie aus Schuld aufgenommen hat. Infrastruktur zur Integration der ehemaligen UdSSR-Bürger gibt es nicht. Sie erlebt Ausgrenzung, Rassismus und hat das Gefühl, einfach nicht dazu zu gehören. Sie besucht die Schule, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Sie wird dort ausgelacht und verspottet. Es dauert viele Jahre, bis sie erste Freundschaften mit deutschen Kindern aufbauen kann. Einer der wenigen Orte, den sie anlaufen kann und an dem sie sich wohl und aufgenommen fühlt, ist für Mascha von Anfang an die jüdische Gemeinde in Magdeburg. Hier lernt sie ihre Kultur, das Judentum, besser kennen.
      Sie findet Freunde, fährt auf Ferienreisen und plötzlich füllt das „jüdisch sein“ einen Platz in ihrem Leben aus, der vorher unbesetzt war. So gelingt es ihr, in Deutschland anzukommen. Das offene Bekenntnis zu ihrem Glauben ist aber immer auch mit Gefahr und Bedrohung verbunden: Antisemitismus hat es in diesem Land immer gegeben und ist bis heute ein großes gesellschaftliches Problem. Das hält Mascha nicht davon ab, auch heute noch das jüdische Zusammenleben in Magdeburg aktiv zu gestalten. Sie arbeitet für die Gemeinde und steckt all ihr Herzblut in die Arbeit mit der jungen Generation von Juden und Jüdinnen, um sie an ihren Glauben, die Bräuche und die Kultur heranzuführen. (Text: MDR)
      Deutsche TV-PremiereSa 14.05.2022MDRDeutsche Online-PremiereDo 03.02.2022ARD Mediathek
    • Staffel 1, Folge 8 (14 Min.)
      Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva und Erik Leuthäuser (l.)
      Erik Leuthäuser Das erste Konzert im Jazzclub Blue Note in Dresden war eine Offenbarung. Erik Leuthäuser singt frei, freier als je zuvor im Unterricht und plötzlich weiß er, hier gehört er hin. Die Scheinwerfer, das Publikum, der Applaus – nach Jahren der Ausgrenzung in Freital, der Stadt in der er geboren und aufgewachsen ist, findet er hier zum ersten Mal Anerkennung. Ein alles überströmendes Gefühl, das süchtig macht. Erik nimmt an Wettbewerben teil und gewinnt: Montreux, Riga, Washington. Er veröffentlicht vier Alben, tourt um die Welt, zieht um nach Berlin, studiert Jazzkomposition. Es sind rauschende Jahre. Auch wenn er heute selbstbewusst mit Perlenkette und bauchfreiem Top auf der Bühne steht und seine Queerness auf Social Media in Szene setzt – in der eher konservativen Jazzszene eckt er damit an.
      Ablehnung, dieser Dämon der Vergangenheit, holt ihn immer wieder ein. Dazu die Leere, die sich in der Pandemie breitgemacht hat – die fehlenden Auftritte und die mangelnde Bestätigung. Sein einziger Halt bleibt die Musik. (Text: MDR)
      Deutsche TV-PremiereSa 21.05.2022MDRDeutsche Online-PremiereDo 03.02.2022ARD Mediathek
    • Staffel 1, Folge 9 (14 Min.)
      Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva (l.) und Konrad Erben
      Konrad Erben wird 1989 in Jena geboren. Einen Steinwurf von Konrads Zuhause entfernt entsteht der Nationalsozialistische Untergrund (NSU). Beate Zschäpe und Uwe Mundlos lernen sich in einem Jugendclub in den Platten Jenas kennen. Wenig später stößt Uwe Böhnhardt zu ihnen. Alle Drei sind, wie Konrad, in Jena geboren. Der „Winzerclub“ unweit von Konrads Zuhause ist ein Treffpunkt von Neonazis und die Stadt Jena Ausgangspunkt der schlimmsten rechtsextremistischen Mordserie der neueren deutschen Geschichte. Zwar war Konrad in dieser Zeit noch ein Kind, trotzdem hat er zu spüren bekommen, was es heißt als schwarzes Kind in einer fremdenfeindlichen Umgebung aufzuwachsen. Heute forscht er zu eben jenen Themen: Extremismus und Radikalisierung. Seine akademische Laufbahn war nicht vorbestimmt.
      Für die musste Konrad sich hochkämpfen vom Hauptschulabschluss zum Fachabitur mit Mitte 20. Zu jedem Jahrestag der Ermordung eines Menschen oder eines Attentates durch die NSU führte Konrad Erben gemeinsam mit anderen Engagierten Gedenkveranstaltungen in Jena durch. Dabei verfolgte er das Ziel, die Erinnerung an die durch den NSU Ermordeten aufrechtzuerhalten und ein Signal für die Hinterbliebenen und Überlebenden zu setzen. Mit dem Jenaer Preis für Zivilcourage ist er dafür 2020 ausgezeichnet worden. (Text: MDR)
      Deutsche TV-PremiereSa 28.05.2022MDRDeutsche Online-PremiereDo 03.02.2022ARD Mediathek

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