Streaming-Wars fordern Opfer: Lionsgate+ verlässt Deutschland

    Das ehemalige Starzplay wird in mehreren Ländern eingestellt

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 04.11.2022, 11:40 Uhr

    Streaming-Wars fordern Opfer: Lionsgate+ verlässt Deutschland – Das ehemalige Starzplay wird in mehreren Ländern eingestellt – Bild: Lionsgate+

    Die aktuelle Zeit wird nicht ohne Grund als Streaming-Wars bezeichnet: Die großen Medienkonglomerate kämpfen um die Etablierung ihrer eigenen Streaming-Dienste im internationalen Markt. Einer, der es nicht geschafft hat, ist Lionsgate+ – Mutterfirma Lionsgate hat bei der Vorstellung ihrer Geschäftsergebnisse enthüllt, dass der gerade erst umbenannte Dienst (fernsehserien.de berichtete) in einigen Länder eingestellt wird – darunter auch in Deutschland. Das kommt nicht ganz überraschend, ist aber ein harter Schnitt.

    Ein Zeitplan für das Ende des Dienstes in Deutschland wurde noch nicht verkündet, auch gibt es keine Ankündigung von Lionsgate+ in Deutschland selber.

    Bei der in Kanada beheimateten Lions Gate Entertainment Corporation – Lionsgate – sind zahlreiche Veränderungen im Gange, die das für seine Filme bekannte Unternehmen (etwa „Twilight“-Saga oder „Die Tribute von Panem: The Hunger Games“-Filme) in die Zukunft bringen sollen. In den vergangenen Jahren hatte Lionsgate versucht zu wachsen. Dazu gehörte, dass man sich den US-amerikanischen Pay-TV-Sender Starz einverleibte, das Serienproduktionsstudio Lionsgate TV aufbaute und mit Starzplay (kürzlich weltweit in Lionsgate+ umbenannt) auch außerhalb von Nordamerika Zuschauer direkt erreichen wollte – wie bei anderen Medienkonglomeraten arbeiten Starz und Lionsgate+ eng mit Lionsgate TV zusammen, um Serien zu produzieren, die man dann weltweit an die Zuschauer bringt. (Daneben produziert Lionsgate TV übrigens auch „Ghosts“ oder „Home Economics“, zur Serienbibliothek gehören „Mad Men“ und „Orange is the New Black“.)

    In der Verzahnung mit dem US-Geschäft lag auch immer ein Problem für Lionsgate+: Denn in den USA hatte Starz die schwarze Bevölkerung als eine seiner beiden Kernzielgruppen ausgemacht – mit der Logik, dass die anderen US-Pay-TV-Sender HBO, Showtime und Epix für diese nur ungenügendes Programm machten und eine Marktlücke ließen. Zweite Kernzielgruppe waren weibliche Zuschauer, die auch mit den vielen Historienserien bedient wurden. An diesem Content-Output des US-Senders hingen aber auch die Streaming-Ableger von Lionsgate+. Außerhalb der USA und etwa in Europa fehlt demographisch gesehen eine der Hauptzielgruppen. So erklärt sich, dass Lionsgate+ nun entschieden hat, in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den nordischen Ländern und Japan aufzugeben – oder das Geschäft zu verschlanken. Man bleibt weiterhin in UK aktiv und hat ein wichtiges Standbein in Lateinamerika, wo auch viele Nachkommen von als Sklaven verschleppten Afrikanern leben.

    Ebenfalls mit hinein spielt die „Großwetterlage“. Einerseits die Tatsache, dass diverse Medienkonglomerate massiv Geld in den Ausbau ihrer eigenen Streamingdienste (Serien ihrer Produktionsstudios selbst weltweit an die Zuschauer zu bringen) stecken und dabei das Wachstum mit Gewinneinbußen bezahlen, was für den kleineren Anbieter Lionsgate problematisch wird – jüngst hatte sich dabei Discovery mit Warner Bros. zusammengetan, der neue Boss David Zaslav hatte der bisherigen HBO-Max-Strategie Wachstum um jeden Preis den Geldhahn zugedreht.

    Daneben hat auch das Unternehmen Lionsgate selbst seinen Kurs geändert und ist nach Medienberichten dabei, sein Studio Lionsgate TV wieder auszugliedern bzw. zu verkaufen. Damit fällt ein wichtiger Synergieeffekt weg, eben die eigenen Serien weltweit vermarkten zu wollen.

    Für deutsche Zuschauer sind die Auswirkungen eines Endes von Lionsgate+ zum Teil bitter. In der Zeit als Starzplay war der Dienst immer gut dafür, auf dem internationalen Markt interessante Formate zuzukaufen, deren Produzenten hierzulande (noch) nicht vertreten waren. Vor allem bei Hulu („The Great“, „The Path“, „The Act“) wurde man fündig, aber auch andernorts gabelte man immer wieder Formate auf („Station Eleven“, „Killing Eve“, „Pennyworth“) – wobei festzuhalten ist, dass diese Quellen allmählich versiegen, da etwa Hulu vieles direkt an Disney+ weitergibt und HBO Max einen Rahmenvertrag mit RTL+ hat und in absehbarer Zeit sowieso selbst nach Deutschland kommen wird.

    Dazu kamen internationale Ko-Produktionen von Starz, die bei Lionsgate+ ausgewertet wurden („The White Queen“) und natürlich haben auch ältere und neue Lionsgate+-Eigenproduktionen ihre Fans („Counterpart“, „Power“-Franchise, „Hightown“).

    Gerade für „Outlander“-Fans ist die Neuigkeit bitter, wird Lionsgate+ doch der internationale Hauptvertrieb für das Spin-Off „Outlander: Blood of My Blood“ werden, so dass man die Erwartung haben konnte, diese Serie am Tag der Weltpremiere auch in Deutschland sehen zu können.

    Auf der anderen Seite ist natürlich festzuhalten, dass Lionsgate+ eben auch (s)einen Preis für deutsche Konsumenten hat – 4,99 Euro im Monat – und anscheinend nicht genug Leute Interesse hatten.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      So, ich hab nun seit drei Tagen das Abo. Ich meine es sind nicht mal 80 Serien. Dafür haben die Serien im Schnitt sehr viele Folgen. Es ist für mich nichts spektakuläres dabei. Blue Mountain State war der Hammer, dass hatte ich damals schon auf MTV gesehen. Wer auf extrem versaute und vulgäre, satirische Collage Party Geschichten steht, dem sei das sehr empfohlen. Ansonsten kucke ich Killing Eve was nicht schlecht ist und Hightown, welches etwas unscheinbar aber bis jetzt fast noch besser ist. Angemeldet hatte ich mich eigentlich wegen der Serie Step Up, da ich die Filme immer mochte. Aber der Anfang ist schon etwas zäh und es geht viel zu sehr um schwarzes Jugenddrama.

      Absolut enttäuschend ist das Filmangebot. Laut Wikipedia "Lions Gate Entertainment verfügt über die Rechte für den Video- und DVD-Vertrieb von über 8000 Filmen, wie z. B. Dirty Dancing, Die totale Erinnerung – Total Recall, Barney & Friends, Thomas and Friends, Fraggle Rock und der Rambo-Serie." Tja, aber bei Lionsgate+ gibt es kaum welche davon. Und auch irgendwie nur alte. Da ist ja nichts oder kaum etwas was jünger ist als 4 Jahre. Und ich habe keine Zahl gefunden, aber viel mehr als 100 werden es gefühlt nicht sein.

      Da erscheint er Preis von 4,99 schon etwas übertrieben und 2,99 würden bestenfalls besser zum gebotenen passen.

      Ansonsten sehr schade dieses Ende bevor es überhaupt richtig begonnen hat. Denn mit dem kompletten Katalog von Lionsgate und frischem Material regelmäßig aus deren Schmiede hätte das echt auch was großes werden können. Denn die Oberfläche steht der von Disney+ nur wenig nach, wirkt durchaus hochwertig und funktional bis auf ein paar einzelne Punkte. Ab und zu gab es mitten in der Wiedergabe einen kurzen Nachlader was ich so bei der Konkurrenz nie hatte. Aber das bizarrste mit ist auch dass der Dienst keine Werbung für sich gemacht hat, es sogar eine eigenständige FireTV App gibt neben dem Prime Video Channel Angebot, und auch kaum jemand über den Dienst berichtet hat, selbst jetzt wo er eingestellt werden soll nicht.
      • am

        Puh, ich wollte zwar nach 2 Monaten Disney+ erst mal wieder was von der Sat-Receiver Festplatte wegkucken, aber irgendeine Serie bei Lionsgate+ war mir vor 2-3 Wochen auch mal über den Weggelaufen für die ich mal die kostenlose Probezeit anmelden wollte demnächst. Dann werde ich wohl morgen noch mal schnell buchen, bevor die Möglichkeit verschwindet, und nach der Serie auf dich ich gerade nicht komme und ein paar andere interessante Sachen Ausschau halten.
        • (geb. 1971) am

          Bitte, wer oder was ist Lionsgate ??? Hoffe mal, der erste, und nicht der letzte, der in Deutschland aufgibt, eventuell klärt sich der Markt dann mal wieder, sorry, 4,99 hier, 10 da etc. wird mir auf Dauer zu teuer. (amerikanische Verhältnisse...)
          • am

            Ich habe erst vor wenigen Tagen noch den aktuellen Katalog gecheckt, weil mich *eine* Serie dort interessiert. Der Rest ist altes Zeug und die interessanten Filme habe ich längst gesehen. 4,99 war es mir einfach nicht wert.


            Kann also ruhig weg. Ich bin sowieso sicher, dass der gesamte Katalog irgendwo anders als Lizenzware abrufbar wird. Die verlassen ja schließlich nicht bloß Deutschland, sondern noch etliche andere Länder in Europa und das ganze Geld wird sich Lionsgate nicht entgehen lassen.
            • am

              hört es dann auch als Amazon-Channel auf, oder nur als eigenständige App?

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