Prosit, „Geh aufs Ganze!“! 30 Jahre Zocken, bis der Zonk kommt

    Rückblick auf die Kult-Gameshow mit Jörg Draeger

    Dennis Braun
    Dennis Braun – 02.01.2022, 10:30 Uhr

    „Geh aufs Ganze!“ anno 1994 (l.), 2001 (M.) und 2021 (r.) – Bild: IMAGO/teutopress & Sat.1/Marc Rehbeck
    „Geh aufs Ganze!“ anno 1994 (l.), 2001 (M.) und 2021 (r.)

    Ebenfalls im Jahr 2013 teilte der kleine Onlinesender Family TV mit, eine Neuauflage von „Alle gegen Draeger“ zu planen, für die man sich die Dienste des Zockerkönigs sicherte. Allerdings handelte es sich hierbei um eine absolute Low-Budget-Produktion, die die 9Live-Variante noch spielend unterbot. Zehn Folgen wurden zwischen Januar und Juni 2014 ausgestrahlt, danach legte man glücklicherweise den Mantel des Schweigens über die Sendung.

    Als der Spartensender RTLplus 2016 und 2017 gleich fünf klassischen Gameshows eine Neuauflage spendierte (namentlich „Der Preis ist heiß“, „Ruck Zuck“, „Glücksrad“, „familien duell“ und „Jeopardy!“), nährte das die Hoffnung, dass auch „Geh aufs Ganze!“ noch einmal ein Comeback feiern könnte. Bis auf „Der Preis ist heiß“ handelte es sich allerdings um absolut lieblose und ausgesprochen billig anmutende Produktionen, die noch dazu das Salz in der Suppe vermissen ließen: die Originalmoderatoren. Weder die Ausstrahlungen bei RTLplus noch im Hauptprogramm bei RTL funktionierten, sodass man nach immerhin je drei Staffeln und 165 Folgen (im Falle von „Der Preis ist heiß“ sogar nach nur 30 Folgen) die Stecker wieder zog.

    Fans von Jörg Draeger wurden dagegen im August 2021 hellhörig, als er als Kandidat für die neunte Staffel von „Promi Big Brother“ in Sat.1 bestätigt wurde und somit an seiner ersten Realityshow teilnahm. Kurz vor seinem Einzug spielte er unter den Augen der Moderatoren Marlene Lufen und Jochen Schropp eine kurze Runde „Geh aufs Ganze!“ mit einem Zuschauer im Publikum – und stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass sein Zocker-Gen immer noch in ihm schlummerte. Zwar musste er die Show nach 18 Tagen als Zehntplatzierter verlassen, hatte aber offenbar auch bei Sat.1-Chef Daniel Rosemann Eindruck hinterlassen. Am 24. September gab der Bällchensender tatsächlich die Produktion von vorerst drei neuen Folgen in Auftrag, die am Freitagabend zur besten Sendezeit gezeigt werden sollten.

    Um aus der 30- bis 45-minütigen Vorabend- eine 90-minütige Primetime-Show zu machen, wurde dem mittlerweile 76-Jährigen der minimale jüngere „Frühstücksfernsehen“-Moderator Daniel Boschmann zur Seite gestellt, der hauptsächlich für die Kandidatenauswahl, die Preisansagen und kleinere Zwischenspielchen zuständig war. Am 26. November ging es los, und die Quoten konnten sich mehr als sehen lassen: Satte 2,57 Millionen Menschen hatten eingeschaltet, in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen entsprach das einem sensationellen endgültig gewichteten Marktanteil von 17,5 Prozent. Inhaltlich konnte die Neuauflage ebenfalls überzeugen, wenngleich in einigen Punkten noch Luft nach oben war (zu unserer ausführlichen Kritik). Da auch die beiden weiteren Ausgaben trotz einiger Verluste sehr gefragt waren, gab Sat.1 noch vor Ausstrahlung des abschließenden Weihnachtsspecials grünes Licht für eine zweite Staffel, die vermutlich Richtung Frühjahr auf Sendung gehen soll – ein genauer Termin steht noch nicht fest.

    „Geh aufs Ganze!“ hat somit den Beweis angetreten, dass eine Kult-Gameshow der 90er auch heutzutage noch bestens funktionieren kann – wenn man sie denn konsequent und mit Herzblut aufzieht. Die Verpflichtung des „Zonkmasters“ Jörg Draeger war sicherlich der größte Schlüssel zum Erfolg, wie auch unzählige positive Kommentare in den sozialen Medien belegen. Pünktlich zum 30. Geburtstag strotzt die Sendung also nur so vor Lebenskraft – ein paar Jährchen dürfen gerne noch hinzukommen. Und wer weiß, vielleicht klingelt demnächst ja auch noch bei „Glücksrad“-Legende Frederic Meisner das Telefon…

    Und hier noch ein paar weitere interessante Infos aus 30 Jahren „Geh aufs Ganze!“. Wussten Sie zum Beispiel, dass…

    • … die Titelmelodie der Ursprungsversion von 1992 wie auch die legendäre Zonk-Fanfare von Klaus-Peter Sattler komponiert wurden?
    • … es 1993 in ein paar Folgen eine grüne Version des Zonks gab, die „Knoz“ („Zonk“ rückwärts buchstabiert) hieß? In der Abendshow vom 25. März 1995 wurde darüber hinaus einmalig eine weibliche „Zonkine“ in gelb verliehen.
    • … Moderator Ralph Caspers („Die Sendung mit der Maus“, „Wissen macht Ah!“, „Quarks“) 1994 und 1995 für die Sendung als Redaktionspraktikant arbeitete und in einer Folge sogar einen Gastauftritt hatte (zu sehen hier)?
    • … zur gleichen Zeit auch Manuel Andrack in der Redaktion von „Geh aufs Ganze!“ saß? Wenig später wurde er einem größeren Publikum als Redaktionsleiter und Sidekick der „Harald Schmidt Show“ bekannt.
    • … Jörg Draeger am 14. Juni 1999 den „Raab der Woche“ bei „TV total“ erhielt? Ein Kandidat hatte ihn unvermittelt auf den Mund geküsst – und das gleich zweimal, wie man hier noch einmal sehen kann)
    • … im Jahr 1999 je ein Kandidat pro Folge, der ein Spiel verloren hatte, einen Zonk mit einer goldenen Schleife bekam? Dieser berechtigte zur Teilnahme am Big Deal, wenn keiner der Gewinner seinen Preis setzen wollte.
    • … die Regeln des Big Deal in den ersten beiden Jahren bei Kabel 1 verändert wurden? Der Kandidat wählte nacheinander zwei Tore ab, die er nicht wollte, bis nur noch eines übrig blieb, dessen Inhalt nun ihm gehörte.
    • Stefan Raab in der „TV total“-Sendung vom 11. April 2001 aufdeckte, dass in Umschlägen mit abgerundeten Ecken der Zonk und in denjenigen ohne abgerundete Ecken die Preise steckten?
    • … der Zonk am 12. Oktober 2004 bei einer Abstimmung des Senders ProSieben zu den „nervigsten Dingen der 90er“ gewählt und symbolisch zu Grabe getragen wurde?
    • … Sat.1 Gold von März bis September 2013 insgesamt 149 Folgen mit einer Nettolänge von 20 bzw. 30 Minuten aus dem Zeitraum Februar bis Juli 1996 wiederholte? Vom 7. Oktober 2013 bis 25. März 2014 zeigte man weitere 150 Folgen (Nettolänge: 30 Minuten), die erstmals im Zeitraum Mai 1995 bis Februar 1996 gesendet wurden.

    Alle drei Folgen der Neuauflage von „Geh aufs Ganze!“ sind aktuell in der Sat.1 Mediathek, bei Joyn und MagentaTV verfügbar. Hier geht es zu den Streams.

    Jörg Draegers Autobiografie „Das Leben ist (k)ein Zonk“ ist beispielsweise über unseren Partner Amazon* bestellbar.

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    Über den Autor

    Dennis Braun, geboren einen Tag nach dem Mauerfall, ist ein richtiges Kind der 90er und Retro-Fan. Neben schaurig-schöner Eurodance-Musik kann er sich auch heute noch an diversen Gameshows wie „Geh aufs Ganze!“, „Glücksrad“, „familien duell“ oder „Der Preis ist heiß“ erfreuen, die er damals sehr häufig bei und mit seinen Großeltern geschaut hat. Daneben hat er ein Herz für gut gemachte deutsche Comedy, die allerdings bekanntermaßen recht spärlich gesät ist. Wenngleich er kein wirklicher Serienjunkie ist, laufen ihm dennoch ab und zu ein paar Produktionen wie der „Club der roten Bänder“ oder „The Strain“ über den Weg, die ihn in ihren Bann ziehen. Bereits seit Januar 2013 für fernsehserien.de tätig, verstärkt er seit März 2016 auch die Newsredaktion und kennt sich besonders im nationalen Bereich gut aus.

    Lieblingsserien: Pastewka, Club der roten Bänder, Die Dinos

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      Die originalen Sat1 Folgen bis zu Draegers Sat1 Abschied waren die besten

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