Netflix-Ausblick mit 10 neuen Projekten: Das plant der Streamingdienst in Deutschland, Österreich und der Schweiz

    Thriller, Bestseller-Verfilmungen, Spaghettiwestern, „Gladbeck“ und „Wirecard“

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 08.02.2022, 15:29 Uhr

    Netflix-Ausblick mit 10 neuen Projekten: Das plant der Streamingdienst in Deutschland, Österreich und der Schweiz – Thriller, Bestseller-Verfilmungen, Spaghettiwestern, "Gladbeck" und "Wirecard" – Bild: Netflix

    In einer digitalen, sogenannten „Content Remote Show“ gab Netflix am heutigen Dienstag einen umfangreichen Ausblick auf die kommenden Projekte aus dem deutschsprachigen Raum in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Insgesamt zehn neue Produktionen wurden vorgestellt, davon drei fiktionale Serien, drei Filme sowie vier nonfiktionale Formate. Mit diesem Aufschlag will der Streamingdienst seine lokalen Inhalte und die deutschsprachige Kreativszene stärken. Die Investitionen wurden auf 500 Millionen Euro zwischen 2021 bis 2023 verdoppelt.

    Bei der Stoffentwicklung stehen für uns starke und lokale Geschichten mit authentischen Charakteren an erster Stelle, produziert in höchster Qualität. Wir wollen unsere Zuschauer*innen und auch die, die es in Deutschland, Österreich und in der Schweiz noch nicht sind, für unsere Inhalte begeistern, so Katja Hofem, die seit dem 1. November als Vice President Local Language Series im DACH-Team zuständig ist. Betont werden soll bei den neuen Titeln die Genre-Vielfalt. Wir arbeiten bereits mit den besten Kreativen aus der Region zusammen und möchten diese Beziehungen intensivieren und ebenso frische und diverse Talente entdecken. So wollen wir neue Meilensteine des seriellen Erzählens setzen und unseren Fußabdruck im deutschen Markt vergrößern.

    FIKTIONALE SERIEN

    Bereits separat vor einiger Zeit angekündigt wurden die „Sissi“-Neuverfilmung „The Empress“, der Rachethriller „KLEO“ mit Jella Haase, die neue Serie der „Dark“-Macher „1899“, „King of Stonks“ (von den „How to Sell Drugs Online (Fast)“-Machern) sowie „Totenfrau“, die zweite Zusammenarbeit des ORF mit Netflix nach „Freud“. In die zweite Staffel geht außerdem die erfolgreiche Historienserie „Barbaren“. Davon abgesehen wurden drei Serien neu vorgestellt.

    Achtsam morden

    „Achtsam morden“ basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Karsten Dusse und erzählt die Geschichte von Björn Diemel. Als erfolgreicher Top-Anwalt, Ehemann von Katharina und Vater der vierjährigen Emily versucht er, mithilfe eines Achtsamkeitsseminars eine neue Work-Life-Balance in seinem Leben zu finden. Er möchte mit den neu erlernten Techniken mehr Quality-Time mit seiner Tochter verbringen und seine Ehe retten. Auf dem Weg dorthin wird er jedoch versehentlich zum Mörder und Strippenzieher eines ganzen Mafiaclans. Und trotzdem scheint alles leichter zu gehen, seitdem er die Regeln für Achtsamkeit beherzigt.

    Miriam Rechel und Chris Geletneky schreiben die Drehbücher, Jan Ehlert und Nina Viktoria Philipp fungieren als Produzenten der Serie von Constantin Television, die 2023 erscheinen soll.

    Liebes Kind

    Auch bei „Liebes Kind“ handelt es sich um eine Verfilmung eines Romans. In diesem Fall wird die Buchvorlage von Romy Hausmann als sechsteilige Miniserie adaptiert. Im Mittelpunkt steht die Mutter Lena, die mit ihren Kindern Hannah und Jonathan in völliger Isolation in einem hochgesicherten Haus aufwachsen. Ihr Leben und das ihrer zwei Kinder folgt strengen Regeln: Mahlzeiten, Toilettengänge, Lernzeiten. Der Vater versorgt seine Familie mit Nahrung, er beschützt sie vor den Gefahren der Welt da draußen und kümmert sich darum, dass seine Kinder eine Mutter haben – koste es, was es wolle. Eines Tages gelingt der jungen Frau die Flucht, doch nun geht der Albtraum richtig los.

    „Liebes Kind“ beginnt dort, wo andere Thriller enden: mit einer Erlösung. Das wahre Ausmaß des Grauens kündigt sich noch in derselben Nacht mit dem Eintreffen von Lenas Eltern an, die seit fast 13 Jahren nach ihrer vermissten Tochter suchen. Die wiedergewonnene Freiheit bietet keine Rettung und vieles scheint darauf hinzudeuten, dass sich der Vater mit aller Macht zurückholen will, was ihm gehört… Die packende Geschichte über die Macht der Obsession lotet die menschlichen Abgründe in ihren dunkelsten Tiefen aus. Isabel Kleefeld und Julian Pörksen fungieren als Autoren und Regisseure der Serie. Tom Spieß und Friederich Oetker produzieren für Constantin Television. Die Veröffentlichung ist für 2023 geplant.

    Neumatt

    Als Teil eines neuen Lizenz-Deals zwischen Netflix, Zodiac Pictures Ltd und dem SRF gelangt die Serie „Neumatt“, die im vergangenen Herbst im Schweizer Fernsehen lief, noch 2022 ins Angebot des Streamingdienstes. Erzählt wird die Geschichte einer Familie zwischen Stadt und Land, die um das Überleben ihres Hofes kämpft und sich dabei den komplexen Herausforderungen der modernen Landwirtschaft sowie ihrer tragischen Familiengeschichte stellen muss. Michi lebt als Unternehmensberater in Zürich auf der Überholspur. Nachdem sich sein Vater jedoch das Leben nimmt, kehrt er auf den Familienhof, die Neumatt, zurück. Dort steht er zusammen mit seiner Mutter Katharina, Großmutter Trudi, Schwester Sarah und Bruder Lorenz vor der Frage: Wie geht es mit der Neumatt weiter? Die Gemeindepräsidentin macht der Familie ein lukratives Angebot…

    Produzenten sind Lukas Hobi und Reto Schaerli, Marianne Wendt zeichnet als Showrunnerin und Headautorin verantwortlich, Regie führten Sabine Boss und Pierre Monnard. In den Hauptrollen spielen Julian Koechlin, Rachel Braunschweig, Sophie Hutter und Jérôme Humm mit.

    FILME

    Zwei deutsche Filmprojekte hatte Netflix bereits im Vorfeld angekündigt: Einerseits „Buba“, das Film-Spin-Off zu „How to Sell Drugs Online (Fast)“, in dem Bjarne Mädel als schräger Kleinkrimineller zurückkehrt. Andererseits wird Erich Maria Remarques weltberühmter Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“ aufwendig neu verfilmt. Davon abgesehen wurden folgende neue Filmprojekte vorgestellt:

    Blood and Gold

    Mit „Blood and Gold“ will Netflix das klassische Genre des Spaghettiwesterns aufleben lassen. Der Film spielt kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein deutscher Soldat gerät als Deserteur auf der Suche nach seiner einzig überlebenden Tochter ins Visier einer marodierenden SS-Truppe und wird ungewollt ein Teil deren Suche nach einem jüdischen Goldschatz, der in einem abgelegenen Dorf versteckt ist.

    Regisseur Peter Thorwarth und Produzent Christian Becker von der Rat Pack Filmproduktion stehen hinter dem Projekt. Autor ist Stefan Barth, die Dreharbeiten sollen im ersten Halbjahr 2022 stattfinden.

    Faraway

    Als „Film von Frauen für Frauen“ wird die Produktion „Faraway“ angekündigt, die größtenteils auf der Insel Solta in Kroatien gedreht wurde. Zeynap Altin ist am Ende ihrer Kräfte: Sie arbeitet viel zu viel und wird von Ehemann, Tochter und Vater überhaupt nicht wertgeschätzt. Als wäre das noch nicht genug, hat das Bestattungsunternehmen ihre geliebte verstorbene Mutter in einen Herrenanzug anstatt in ihr Lieblingskleid gesteckt. Zeynep flüchtet daraufhin aus München in das Ferienhaus auf einer kroatischen Insel, das ihre Mutter vor Jahren heimlich gekauft hat. Sie hofft, dort Ruhe, Frieden und zu sich selbst zu finden. Wenn nur nicht der frühere Besitzer Josip, ein rauer Inselbewohner, immer noch auf demselben Grundstück leben würde…

    Naomi Krauss und Goran Bogdan spielen die Hauptrollen in dem Film, der von Regisseurin Vanessa Jopp nach dem Drehbuch von Jane Ainscough inszeniert wurde. Produzentin ist Viola Jäger von Olga-Film. Die Veröffentlichung ist für 2023 geplant.

    Paradise

    Der Action-Thriller „Paradise“ basiert auf einer Gewissensfrage: Wie viele Lebensjahre wärst du bereit aufzugeben, wenn du dafür deinen Studienkredit abbezahlen oder deine Traumwohnung kaufen könntest? In einer nicht allzu fernen Zukunft ist es möglich, Lebenszeit von einer Person auf eine andere zu übertragen. Das Biotech-Startup AEON hat diese Methode zu einem milliardenschweren Big-Pharma-Konglomerat gemacht und die Welt für immer verändert. Als Elena mit Versicherungsansprüchen konfrontiert wird, die sie und ihr Mann Max nicht bezahlen können, wird sie gezwungen, 40 Jahre ihres Lebens an AEON zu verkaufen. Max, der für AEON arbeitet, versucht daraufhin alles, um Elenas verlorene Jahre zurückzuholen. Als er herausfindet, dass es die CEO von AEON auf Elenas Lebenszeit abgesehen hat, entführt er diese. Für das Paar beginnt daraufhin eine Jagd, die sie nicht nur zwingt, ihre Heimat zu verlassen, sondern sie auch an die Grenzen ihrer Moralvorstellungen bringt…

    Simon Amberger, Korbinian Dufter und Rafael Parente von der NEUESUPER GmbH produzieren den Film mit den Autoren Peter Kocyla und Boris Kunz, der ebenfalls Regie führt. Zum Cast des Films, der 2023 erscheinen soll, gehören Corinna Kirchhoff und Kostja Ullmann.

    NONFICTION

    Auch in Deutschland will Netflix den Nonfiction-Bereich weiter ausbauen. True-Crime, Reality-Shows und Doku-Soaps sollen fester Bestandteil des Angebots werden. Bereits mit Spannung erwartet wird „Queer Eye Germany“, die erste internationale Adaption des US-Erfolgsformats, die am 9. März erscheint. Ohne ins Detail zu gehen, befinde sich Netflix gerade auch in letzten Vorbereitungen zum ersten deutschsprachigen Reality-Projekt. Darüber hinaus wird es weiterhin Comedy-Programme deutschsprachiger Künstler zu sehen geben. Als weitere Projekte wurden vorgestellt:

    Söring

    „Söring“ (AT) ist ein fünfteiliges True-Crime-Format, das sich einem der spannendsten Justizdramen unserer Zeit widmet: Am 30. März 1985 wurden Derek und Nancy Haysom in ihrem Haus in Virginia brutal ermordet. Zwei junge Elite-Studenten stehen im Zentrum der Ermittlungen: die Tochter des ermordeten Paares, Elizabeth, und deren Liebhaber Jens Söring, Sohn eines deutschen Diplomaten. Sie fliehen zusammen aus den USA, werden jedoch Monate später verhaftet. Söring gesteht und wird für den Doppelmord angeklagt, seine Freundin Elizabeth dafür, ihn angestiftet zu haben. Vor Gericht ändert Söring plötzlich seine Geschichte und behauptet, Elizabeth selbst habe ihre Eltern ermordet. Er habe die Tat nur gestanden, um seine geliebte Freundin vor der drohenden Todesstrafe zu retten. Noch immer scheinen viele Fragen offen und noch immer kommen neue Erkenntnisse ans Licht.

    Produzent Arne Birkenstock nutzte exklusive Zugänge zu Jens Söring und eröffnet gemeinsam mit den Regisseuren Lena Leonhardt und Andre Hörmann neue Perspektiven auf den spektakulären Kriminalfall. Verwandte und Unterstützer kommen zu Wort, außerdem folgen Arne Birkenstock und Sebastian Lemke den fortlaufenden Ermittlungen der kleinen Gemeinde in Virginia, die bis heute erschüttert ist von der grausamen Bluttat. Erscheinen soll „Söring“ im Winter 2022.

    Gladbeck

    Zu den dramatischsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte zählt die Geiselnahme von Gladbeck, als Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski im August 1988 eine Filiale der Deutschen Bank überfielen. Die anschließende Geiselnahme mündete in ein gigantisches Medienspektakel und trat eine Debatte über Grenzen und Verantwortung des Journalismus los. Immer wieder wird der Stoff aufgegriffen, nun auch für eine True-Crime-Doku, die Regisseur Volker Heise und der Produzent Yan Schoenefeld für Netflix realisieren. Sie verwenden für „Gladbeck“ (AT) erstmals ausschließlich Archiv-Rohmaterial. Die Veröffentlichung ist für Sommer 2022 geplant.

    Wirecard

    Auch der Wirecard-Skandal scheint ein unerschöpfliches Thema für TV-Produktionen zu sein. Im Dokumentar-Thriller „Wirecard“ (AT) gewährt der Financial Times-Journalist Dan McCrum umfassende Einblicke in seine sechsjährigen Ermittlungen gegen das deutsche Fintech-Unternehmen Wirecard. Die Doku über eines der größten Finanzverbrechen in Deutschland, in dem die Mafia, Pornobarone sowie der russische Geheimdienst eine Rolle spielen, wird aktuell unter der Regie von James Erskine und der Firma Passion Pictures produziert und soll planmäßig im Sommer 2022 bei Netflix zu sehen sein.

    Facing North

    In eisige Höhen geht es hingegen in der Doku „Facing North“. Sie beleuchtet die Welt des Speed Mountaineering, wo Kletterer um Rekordzeiten auf den gefährlichsten Nordwände der Alpen konkurrieren und das oft ohne Sicherheitausrüstung. Ueli Steck war als Swiss Machine bekannt, dann brach Dani Arnold 2011 seinen Rekord am Eiger. Auf Gipfeln wie dem Matterhorn oder den Grandes Jorasses entbrannte ein spannendes Duell um den schnellsten Alpinisten Europas.

    Unter der Regie von Goetz Werner und Nicholas de Taranto wird die Feature-Doku von Maximilian Dobbyn und Jonathan Rogers von Pitch International produziert. Als Erscheinungstermin ist Frühjahr 2023 geplant.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      Netflix forciert jetzt auch noch seinen eigenen Untergang.
      • am

        "True-Crime, Reality-Shows und Doku-Soaps sollen fester Bestandteil des Angebots werden."


        Nun ja, zumindest DAS ist nix für mich.
        • am

          Na auf diese Serien freue ich mich.....NICHT.

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