„Squid Game“ ist erfolgreichster Netflix-Serienstart aller Zeiten

    Südkoreanisches Serien-Phänomen stellt neuen Rekord auf

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 13.10.2021, 13:53 Uhr

    „Squid Game“ – Bild: Netflix
    „Squid Game“

    Serienerfolge sind besonders bemerkenswert, wenn sie völlig überraschend kommen. Wohl kaum jemand hätte gedacht, dass sich „Squid Game“ innerhalb kürzester Zeit zu einem derartigen globalen Phänomen entwickeln würde. Selbst der Streamingdienst Netflix machte im Vorfeld kaum Promo für den südkoreanischen Sci-Fi-Thriller, der am 17. September „unter ferner liefen“ in der Liste der Monats-Neustarts auftauchte. Doch unverhofft kommt oft: „Squid Game“ ist aktuell weltweit die Nummer 1 bei Netflix und in nicht einmal einem Monat von mehr als 111 Millionen Haushalten abgerufen worden.

    Es handelt sich um den erfolgreichsten Serienstart in der Geschichte von Netflix. „Squid Game“ übertrumpfte innerhalb der ersten 28 Tage den bis dato erfolgreichsten Start von „Bridgerton“, der auf 82 Millionen Abrufe kam. Auf den weiteren Plätzen folgen „Lupin“ (76 Millionen), „The Witcher“ (Staffel1) (76 Millionen) sowie „Sex/​Life“ (Staffel 1) und „Stranger Things“ (Staffel 3) mit jeweils 67 Millionen Abrufen. Die erfolgreichste deutsche Netflix-Serie ist bislang „Barbaren“, die auf 37 Millionen Abrufe kam. Zur Klarstellung: Als offiziellen Abruf zählt Netflix jedes Abspielen eines Videos, in das mindestens zwei Minuten am Stück reingeschaut wurde.

    In „Squid Game“ (dt. „Tintenfischspiel“) nehmen insgesamt 456 Menschen, die allesamt hoch verschuldet und verzweifelt sind, an einem mysteriösen Überlebensspiel teil, das scheinbar als Ausweg aus ihrer misslichen Lage dienen könnte. Ihnen winkt ein Preisgeld von 45,6 Milliarden Won (etwa 33 Millionen Euro). Im Mittelpunkt steht Seong Gi-hun (Lee Jung-jae), der auf seinen Jugendfreund Cho Sang-woo (Park Hae-soo) trifft. Abgeschottet von der Zivilisation sollen sie und die anderen Teilnehmer verschiedene traditionelle Kinderspiele aus den 1970er und 1980er Jahren nachspielen. Doch was als harmloses Spiel beginnt, wird schnell zu einem erbarmungslosen Kampf um Leben und Tod, denn es gibt eine Regel: Wer verliert, wird grausam hingerichtet…

    Offizieller Trailer (koreanisch mit englischen Untertiteln)

    So mancher TV-Nostalgiker wird sich bei der Handlung sicherlich an den legendären Fernsehfilm „Das Millionenspiel“ von 1970 erinnern, der seiner Zeit voraus war und in Deutschland zu einer öffentlichen Debatte geführt hat. Im Heimatland hat „Squid Game“ aufgrund der angesprochenen Gesellschaftskritik gleichermaßen einen Nerv getroffen. Es werden Probleme wie Diskriminierung von Minderheiten, wachsender Leistungsdruck und Ungleichheit thematisiert. Doch nicht nur in Südkorea ist die Serie ein Phänomen. Mit dem dystopischen, brutalen Thriller-Drama ist Netflix nach einer längeren Durststrecke wieder etwas gelungen, das Serien in jüngster Zeit immer seltener gelang: Es ist zu einem flächendeckenden Gesprächsthema auf Schulhöfen und an Arbeitsplätzen geworden – und das weltweit. Zugute kam Netflix die Investition in Untertitelung und Synchronisation in mehr als 30 Sprachen, so dass die Serie zeitgleich rund um den Globus an den Start gehen und konsumiert werden konnte.

    Nachdem zahlreiche US-Partner, allen voran Disney/​Marvel, ihre Zusammenarbeit mit Netflix beendeten, um stattdessen eigene Streamingdienste voranzubringen, investiert Netflix inzwischen noch mehr als zuvor in Produktionen abseits der Vereinigten Staaten. Nachdem bereits die spanische Dramaserie „Haus des Geldes“ zu einem beachtlichen Erfolg wurde, beweist „Squid Game“ nun erst recht, dass die USA nicht zwingend das Maß aller Dinge in Sachen Serien sind. Netflix hat frühzeitig den Trend in der Popkultur erkannt und verstärkt in koreanische Produktionen investiert.

    Der Grund, weshalb ‚Squid Game‘ für uns intern eine so große Bedeutung hat, ist, dass die Serie der perfekte Beweis dafür ist, dass unsere internationale Strategie richtig war, kommentiert Netflix-Sprecherin Minyoung Kim. Wir haben immer daran geglaubt, dass authentische, lokale Serien sich am besten verbreiten. Eine Serie, in der es um wirklich authentische koreanische Spiele und Charaktere geht, funktioniert nicht nur in Korea, sondern weltweit – das ist ein aufregender Moment für uns.

    Der große Erfolg hat allerdings auch seine Schattenseiten. Denn die Serie ist nicht für Kinder und Jugendliche geeignet – wird natürlich dennoch von ihnen konsumiert, was bereits besorgniserregende Konsequenzen hatte. So haben Schüler in Belgien das Spiel aus der Serie nachgespielt, wobei die Verlierer verprügelt wurden. Inzwischen werden Elternbriefe versandt, um vor dem Einfluss der Serie zu warnen. Auch in Großbritannien wenden sich Schulen an die Eltern und warnen davor, dass Kinder die Serie nicht sehen sollten, um Nachahmungen gewalttätiger Szenen zu verhindern. In Deutschland sind bislang keine vergleichbaren Vorfälle bekannt.

    Die erste Staffel umfasst neun Folgen. Noch hat Netflix keine Angaben dazu gemacht, ob die Serie mit einer weiteren Staffel fortgesetzt wird.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      Inzwischen sind via Bloomberg bzw Variety genauere Zahlen geleakt worden. 132 Millionen Haushalte  haben die ersten 2 Minuten gesehen 87% davon haben von der Serie 75 Minuten gesehen (mehr als eine Folge) und 66% bzw. 87 Millionen haben die Serie in den ersten 23 Tagen komplett gesehen. 
      Insgesamt haben Netflix User 1,4 Milliarden Stunden der Serie in den ersten 23 Tagen gestreamt. 
      Zudem war das Budget rund 21,5 Millionen $ für Netflix soll die Serie laut internen Berechnungen rund 900 Millionen $ wert sein.
      • (geb. 1984) am

        Ich fand die Serie (ähnlich wie Alice in Borderland) auch sehr stark. Der zeitlich veröffentlichten koreanischen Serie D.P. hätte ich allerdings eine ähnlich große Zuschauerschaft gewünscht.
        • (geb. 1967) am

          Ick habe null, null, null Bedürfnis dazu!
          • am

            Jedenfalls ich kann jedem nur die Serie empfehlen - am besten blind (was zugegebenermaßen jetzt ziemlich schwierig geworden ist) denn dass macht die Serie noch besser als sie ohnehin schon ist und meiner Meinung nach ist "Squid Game" die beste Serie die jemals produziert wurde - dieses Gesamtpaket ist einfach umwerfend. 
            Die Kulissen die fast alle echt sind, die wirklich herausragenden Schauspieler, der Plot bzw. das Drehbuch bringt neuen Schwung in das Genre, dann sind alle 9 Folgen wunderbar inzensiert vom Serienschöpfer und Drehbuchautor (und damit auch Regisseur). Der Schnitt ist wirklich grandios, bei der Musikuntermalung kriegt man schon nen Kloß in Hals. Die Serie löst so viele Emotionen in einem aus und ist ein wilder Achterbahnritt. Mit den Charakteren kann man auch wunderbar mitfühlen - und das offensichtliche inzensiert man auch so dass man trotzdem Schweißausbrüche bekommt (vor Spannung). Keine Minute ist langweilig, die Tiefe der Charaktere ist genau richtig und die Stunde pro Episode vergeht wie im Flug. 
            Also noch nie gab es so eine perfekte Serie bei der wirklich ALLES stimmte. (Sieht man mal von den Details ab - da hat die Continuity etwas geschlampt - merkt man aber eh erst beim zweiten mal schauen)
            • am

              Die 16er Freigabe seitens Netflix halte ich persönlich für fragwürdig - die Serie ist definitiv nicht jugendfrei. 
              Und ja vom Prinzip her passt "Squid Game" einzig und allein auf "Das Millionenspiel" wobei es doch hier und da einige Veränderungen gibt.


              ACHTUNG SPOILER


              Während Das Millionenspiel offiziell legimitiert wurde und daher im Fernsehen mit wirklich eigenartigen Werbespots ausgestrahlt wird - findet das "Squid Game" inoffiziell und geheim auf ner Insel statt - und ist auch nur den Superreichen zugänglich.
              Zudem kämpfen im Millionenspiel 1 Person "nur" um eine Million (DM) - in Squid Game gleich um ca. 33 Millionen (€)und es sind 456 Personen.
              Hingegen findet dass Millionenspiel 2 wöchentlich statt - während das Squid Game jährlich stattfindet (und das nicht nur in Südkorea) 


              Und man merkt produktionstechnisch schon dass das Millionenspiel eine deutsche Fernsehproduktion ist und dementsprechend das Budget dutzendfach kleiner war als beim Squid Game. Denn das Millionenspiel kommt schon einigermaßen billig produziert her - während bei Squid Game keine Kosten und Mühen gescheut wurden und wirklich fast alles was man sieht real ist (nur vereinzelt sind Dinge per Computer entstanden).


              Der Vergleich zwischen "Running Man" und/oder "Hunger Games" hinkt aber schon stark (wie er häufig im Internet zu lesen ist) - in diesen Filmen werden die Teilnehmer gezwungen mitzumachen (die Spiele werden teilweise sogar von autoritären Staaten organisiert)/ können nicht aufhören wenn die Mehrheit dafür ist und werden auch wenn sie gewonnen haben umgebracht...
              • (geb. 1976) am

                Die Serie ist so schlimm. Sowas furchtbares sollten Kinder besser nicht sehen.
                • am

                  Netflix selber hat die Serie ab 16 eingestuft, wobei eine 18er Einstufung passender wäre. Problem: Anders als bei Trägermedien oder im Fernsehen werden eigenproduzierte Inhalte von Streamingdiensten von keiner dritten Partei geprüft. D.h. für eine Veröffentlichung als VoD braucht es nicht zwingend eine FSK Freigabe - die ist in der Hinscht freiwllig. 


                  Und wirklich: Diese Serie ist definitiv nicht jugendfrei.

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