Die 5 besten Gangsterfilme und die 5 besten Gangsterserien

Zum Start der Netflix-Produktion „Peaky Blinders: The Immortal Man“ legen wir ein neues Ranking vor

Christopher Diekhaus
Christopher Diekhaus – 19.03.2026, 18:10 Uhr

Bryan Cranston in „Breaking Bad“ – Bild: AMC
Bryan Cranston in „Breaking Bad“

Mit „Peaky Blinders: The Immortal Man“, einer Spielfilmfortsetzung der Erfolgsproduktion „Peaky Blinders – Gangs of Birmingham“, steht auf Netflix ein echtes Highlight an. Für uns eine willkommene Gelegenheit, um die 5 besten Gangsterkinoarbeiten und die 5 besten Gangsterserien zu krönen. Anmerkungen und eigene Bestenlisten sind im Kommentarbereich, wie immer, erwünscht!

Die besten Gangsterfilme – Top 5:

Platz 5: „Point Blank“ (1967):

John Boormans Verfilmung von Donald E. Westlakes Roman „Jetzt sind wir quitt“ (Originaltitel: „The Hunter“) ist heute vielleicht nicht mehr ganz so präsent, gilt aber nach wie vor als ein eigenwilliger Klassiker der 1960er-Jahre. Charakterkopf Lee Marvin spielt hier einen übers Ohr gehauenen, für Tod gehaltenen Gangster, der auf einen gnadenlosen Rachefeldzug geht. Gleich mehrere Dinge zeichnen den von einer durch und durch pessimistischen Stimmung geprägten Thriller aus: Geschickt verbindet er Film-noir-Konventionen mit Elementen des damaligen europäischen Arthouse-Kinos wie einer nicht chronologischen Erzählung und einem markanten Farbeinsatz. Beschauliche Passagen stehen neben explosionsartigen Gewalteruptionen. Den Handlungsort Los Angeles (bzw. dessen Umgebung) fängt der Regisseur mit großem atmosphärischem Gespür ein. Und dann ist da noch die Frage nach dem Zustand der Hauptfigur: Könnte vielleicht alles auch nur der Traum eines sterbenden Mannes sein? Nicht umsonst gehört „Point Blank“ dem National Film Registry, einem Verzeichnis US-amerikanischer Filme, an, in dem als sehr erhaltenswert eingestufte Werke auftauchen. Warner Bros.

Platz 4: „Pulp Fiction“ (1994):

Eine Top-5-Liste der besten Gangsterfilme ohne Quentin Tarantinos 1990er-Jahre-Kracher „Pulp Fiction“ ist schlicht unmöglich! Schon deshalb, weil der unter anderem in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Streifen einen enormen Einfluss auf das Kino der nächsten Jahrzehnte hatte. Mehreren Figuren aus der Unterwelt von Los Angeles folgt das Ensemblestück auf genial verschachtelte Weise. Dem lakonischen Humor, den grotesken Zufällen und den satirisch aufgeladenen Gewaltausbrüchen eiferten unzählige Filmemacher nach – ohne jedoch die lässig-verspielte Coolness von Tarantinos zweiter Regiearbeit zu erreichen. Miramax/​Buena Vista/​Kobal/​REX/​Sh

Platz 3: „Der eiskalte Engel“ (1967):

Apropos Coolness! Die kommt auch beim Protagonisten eines cineastischen Meisterwerks von Jean-Pierre Melville ins Spiel. Alain Delon verkörpert in „Der eiskalte Engel“ einen einsamen, stoisch seiner Arbeit nachgehenden Profikiller, der nach einer nicht ganz sauber verlaufenen Mission von der Polizei und seinen Auftraggebern gejagt wird. Statt melodramatischer Effekte dominiert eine unterkühlte Strenge, die der Geschichte jedoch nichts von ihrer leise brodelnden Spannung raubt. Ein stilisiertes, ästhetisch anspruchsvolles Gangsterdrama, über das sich viele nachfolgende Filmemacher (darunter Quentin Tarantino und Jim Jarmusch) begeistert zeigten. Janus Films

Platz 2: „Scarface“ (1932):

Bekannter ist heute wahrscheinlich Brian De Palmas „Scarface“-Interpretation mit Al Pacino in der Hauptrolle. Als Gesamtkunstwerk kann aber Howard Hawks’ lose Adaption des gleichnamigen Romans von Armitage Trail nachhaltiger überzeugen. Inspiriert vom Leben der Unterweltlegende Al Capone, schildert der temporeiche, mit Humorspitzen versehene Film den Aufstieg und den Fall des Chicagoer Gangsters Antonio „Tony“ Camonte (Paul Muni). Besonders reizvoll ist die Ambivalenz der Hauptfigur, die die düstere Seite des amerikanischen Individualismus und Unternehmertums repräsentiert. Zur Zeit seines Erscheinens hatte der Klassiker mit Zensurproblemen zu kämpfen. Denn nicht wenige Menschen sahen in einem solch abgründigen Protagonisten eine moralische Gefahr. United Artists

Platz 1: „Der Pate“ (1972):

Auf der Spitzenposition erwartbar, aber auch heute in seiner epischen Wucht unübertroffen ist Francis Ford Coppolas Familiensaga „Der Pate“, die eine ebenso gelungene Fortsetzung nach sich zog. Wohl kein Film prägte die Leinwanddarstellung der „ehrenwerten“ Mafiagesellschaft so stark wie dieses brillant ausgestattete und meisterhaft gespielte Gangsterwerk, in dem Marlon Brando als Oberhaupt des kriminellen Corleone-Clans zu sehen ist. Fast schon standesgemäß rankt sich um den Meilenstein des Gangsterkinos eine fast mythisch aufgeladene Entstehungsgeschichte. Angefangen bei den ersten Protesten aus der echten Unterweltszene New Yorks bis hin zu den Wattbäuschen in Brandos Mund. Paramount Pictures Germany

Die besten Gangsterserien – Top 5:

Platz 5: „Peaky Blinders – Gangs of Birmingham“ (2013⁠–⁠2022):

Lose basierend auf einer echten, in Birmingham agierenden Gangsterbande, erschuf Steven Knight mit seinem sechs Staffeln umfassenden Historienkrimi um den charismatischen Verbrecherkopf Thomas „Tommy“ Shelby (Cillian Murphy) ein ebenso spannendes wie üppiges Sittenbild der britischen Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg. Die fiktive Handlung ist in reale Kontexte eingebunden. Actionakzente werden mit Bedacht gesetzt. Und im Mittelpunkt stehen die ausgefeilten Figuren mit ihren teils kollidierenden Ambitionen. Auch hier entsteht vor unseren Augen ein brodelndes, aufregendes Familienepos, das mit „Peaky Blinders: The Immortal Man“ vier Jahre nach dem Ende der Serie eine Fortsetzung erhält. Netflix

Platz 4: „Boardwalk Empire“ (2010⁠–⁠2014):

Ja, auch Gangsterkinoexperte Martin Scorsese hat es mit dieser von ihm produzierten Serie in unsere neue Liste geschafft. Dass einige seiner wegweisenden Genrefilme, etwa „GoodFellas“, im obigen Klassement nicht auftauchen, hat einen einfachen Grund: Erst im Oktober 2025 haben wir die 10 besten Filme der Hollywood-Legende präsentiert. Bei „Boardwalk Empire“ war der gebürtige New Yorker, auch als Regisseur der Auftaktfolge, an einem visuell berauschenden, schauspielerisch mitreißenden Perioddrama beteiligt, das die kriminellen Verwicklungen in Atlantic City während der Prohibitionszeit mit teils real existierenden, teils fiktiven Figuren nachzeichnet. Dreh- und Angelpunkt der um Aufstiegsmöglichkeiten kreisenden Erzählung ist die tiefschürfende Charakterstudie des korrupten Politikers Nucky Johnson (Steve Buscemi). Als Grundlage diente das Sachbuch „Boardwalk Empire: The Birth, High Times, and Corruption of Atlantic City“. HBO

Platz 3: „Gomorrha – Die Serie“ (2014⁠–⁠2021):

Schon der 2008 erschiene Film „Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“, eine lose Adaption von Roberto Savianos gleichnamigem Sachbuch, wurde für seine schonungslose, alles andere als glamouröse Darstellung der Machenschaften der Camorra in Neapel gepriesen. Gleiches gilt für die sechs Jahre später an den Start gegangene, mit dem Kinobeitrag nicht verbundene Serie um den Savastano-Clan, die ebenfalls auf Savianos Bestseller basiert. Weit weg von den hübsch ausgestatteten Familienepen im Gangstergenre stellen die fünf Staffeln mit rauer Authentizität Verbrechen als ein schmutziges, blutiges Geschäft dar. Ein beklemmender Blick in den Abgrund, der Anfang 2026 bei Sky Italia mit „Gomorrah – The Origins“ eine Vorgeschichte erhielt. Bis heute lebt Vorlagengeber Roberto Saviano übrigens im Verborgenen und unter Polizeischutz. Sky/​Beta Film

Platz 2: „Breaking Bad“ (2008⁠–⁠2013):

Wie aus einem normalen Bürger ein Krimineller wird – diesen Weg rekonstruiert Vince Gilligan in seiner kultisch verehrten Dramaserie „Breaking Bad“ (der Titel bedeutet so viel wie „Auf die schiefe Bahn geraten“). Bryan Cranston gibt darin den desillusionierten Chemielehrer Walter White, der nach einer niederschmetternden Krebsdiagnose, unterstützt von einem früheren Schüler (Aaron Paul), in die Produktion und den Vertrieb von Methamphetamin einsteigt, um seine Familie finanziell abzusichern. Eine griffige Grundidee, aus der ein herrlich wendungsreicher, mit böser Komik versetzter, prägnant gespielter Spießrutenlauf entspringt. Ken Tucker, Kritiker des Magazins Entertainment Weekly, bezeichnete die Serie vielleicht ganz treffend als hochgradig erfrischende Metapher für eine Midlife-Crisis. Interessanterweise erhielt „Breaking Bad“, wie die Seite Metacritic zeigt, mit jeder neuen Staffel immer bessere Kritiken. AMC/​Doug Hyun

Platz 1: „Die Sopranos“ (1999⁠–⁠2007):

Mafiosi sind auch nur Menschen, scheint uns diese zwischen Familienalltag und Gangsterbusiness changierende HBO-Prestigeserie sagen zu wollen. Wenn heute vom Anbruch des goldenen Fernsehzeitalters mit komplexen Figuren und weit verzweigten Handlungen die Rede ist, landet man unweigerlich bei „Die Sopranos“. James Gandolfini brilliert in der von David Chase entwickelten Dramaproduktion als ranghoher, von Ängsten und Panikattacken gebeutelter Verbrecher, der sich dazu durchringt, eine Therapeutin (Lorraine Bracco) aufzusuchen. Faszinierend in der Beschreibung ihres Milieus, gewitzt im Spiel mit den Konventionen des Gangsterfilms und besetzt mit vielen bekannten Genregesichtern, gräbt sich die vielfach ausgezeichnete Serie tief ins Zuschauergedächtnis ein. HBO

Über den Autor

Christopher Diekhaus, Jahrgang 1985, erlebte seine TV-Sozialisation in den 1990er-Jahren. Seine echte Liebe für den Flimmerkasten entbrannte allerdings erst gegen Ende der Schulzeit. Nach seinem Studium landete er zunächst in einer Film- und Fernsehproduktionsfirma. Seit 2013 schreibt Christopher als Freiberufler Film- und Serienkritiken. Das Portal fernsehserien.de unterstützt er seit Ende 2019. Im Meer der Veröffentlichungen die Perlen zu entdecken – diese Aussicht spornt ihn immer wieder an. Insgeheim hofft er, irgendwann eines seiner in der Schublade liegenden Drehbücher zu verkaufen. Bis er den Oscar in Händen hält, sichtet und rezensiert er aber weiter fleißig die neuesten Serien.

Lieblingsserien: Devs, Lass es, Larry!, Severance

Kommentare zu dieser Newsmeldung

  • am

    da fehlen irgendwie die plätze 4-1?
    • (geb. 1989) am

      Das sind Slideshows, per Klick auf den Pfeil rechts im Bild kommst du zu den anderen Plätzen. ;-)

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