Kirche + Religion, BRD 2026

60 Min.
Im sächsischen Dorf Großschirma hat sich in den letzten Jahren ein ungewöhnliches Format etabliert: der Moped-Gottesdienst. Unter dem Titel „Zwei Takte für ein Halleluja“ treffen sich Mopedfahrer und Mopedfahrerinnen, Gemeindemitglieder und Interessierte zu einem Gottesdienst, der Technik, Gemeinschaft und Glauben miteinander verbindet. Die Atmosphäre ist locker, gemeinschaftlich und von spirituellen Impulsen geprägt. Ein zentraler Bestandteil der Moped-Gottesdienste sind die Mopeds S50 /​ S51 und Schwalbe. Sie stammen aus den Simson-Werken in Suhl, die 1856 von den jüdischen Brüdern Löb und Moses Simson gegründet wurden. Während der NS-Zeit wurde die Familie enteignet und vertrieben, in der DDR wurde das Unternehmen verstaatlicht.
Die S50 war ein beliebtes Moped in der DDR und gilt heute als Kultfahrzeug ostdeutscher Alltagsgeschichte. 2026 wird dieser Gottesdienst von Juden und Christen gemeinsam gefeiert. In Kooperation mit dem Tacheles Festival für jüdische Kultur wird dabei nicht nur an die Geschichte erinnert, sondern auch die ungebrochene Popularität der Mopeds über alle Grenzen hinweg erlebbar. Den „Open Air“-Gottesdienst leiten Rabbiner Zolt Bala, der auch Gitarre spielt, Pfarrer Justus Geilhufe und Pfarrer Roman Neumüll. Es musizieren zudem der Bläserchor Großschirma und Musik machen auch die knatternden Zweitaktmotoren. (Text: MDR)
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