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Bodyguards für Schafe
Kangals – auch anatolischer Hirtenhund genannt – sind Herdenschutzhunde und werden als Teil der Schafherde akzeptiert: Sie verteidigen «ihre Familie» gegen jegliche Gefahr, doch die Rasse ist nicht unumstritten. Ihr Beschützerinstinkt ist sehr ausgeprägt. Das kann zu Problemen führen, wenn sie nicht richtig erzogen oder zu beengt gehalten werden. Denn der Kengal zögert nicht, anzugreifen, wenn er Unbekanntes als feindlich interpretiert. Seit Holger Benning die Hunde einsetzt, gab es aber keine Übergriffe mehr durch den Wolf und andere Gefahren. (Text: SRF)Original-TV-Premiere So. 23.02.2020 SRF 1 Boeing – Fatale Flüge
2018 und 2019 stürzen innerhalb weniger Monate zwei Flugzeuge der Firma Boeing vom Typ 737 Max ab. An Bord 346 Menschen. Grund für die Abstürze ist in beiden Fällen eine Fehlfunktion in der Software des Steuerungsprogramms. Das Flugzeug wird darauf weltweit mit einem Flugverbot belegt. Die amerikanischen Behörden ermitteln – im Fokus steht Boeing selbst, aber auch die amerikanische Flugaufsichtsbehörde FAA.Dieser Film dokumentiert die Recherchen eines Reporter-Teams von «pbs/Frontline» und der «New York Times». Es geht um kommerziellen Druck, um fehlerhaften Flugzeugbau und um fehlende Beaufsichtigung bei der Herstellung von Boeings vormaligem Verkaufsrenner 737 Max. (Text: SRF) Original-TV-Premiere So. 21.11.2021 SRF 1 Bolivien – Der Salero und das weisse Gold der Salzwüste
Moises Chambi Yucra und seine Familie leben seit Generationen vom Salzabbau in den weiten, funkelnden und beinahe übernatürlich anmutenden Landschaften der bolivianischen Salzwüste Salar de Uyuni. Es ist einer der schönsten Orte der Welt. Einst war der Salar Teil eines riesigen Paläosees. Als dieser austrocknete, hinterliess er eine Hochebene von 12’500 km².Moises kann sich keinen besseren Platz zum Leben vorstellen als das abgeschiedene Dorf, in dem er geboren wurde. Es befindet sich weit oben auf den Hochplateaus von Bolivien. Doch unter der weissen Kruste der Salzwüste lagern mindestens 40 Prozent der weltweiten Lithiumvorkommen. Neun Millionen Tonnen Lithium – das ist ein unglaubliches finanzielles Versprechen, das zahlreiche Begehrlichkeiten weckt. Als die Regierung beschloss, die tiefste Salzschicht freizulegen und das Metall abzubauen, hielt der Fortschritt unweigerlich Einzug in das Leben von Moises. In der Nähe seines Dorfes wurden Strassen und ein internationaler Flughafen gebaut. Tausende Touristinnen und Touristen verwandelten die Wüste von Salar, die lange Zeit völlig unbekannt war, in den zweitmeistbesuchten Ort Südamerikas nach dem Machu Picchu. Der Verkauf von Salz lohnt sich dadurch immer weniger, doch Moises hält an seinem bisherigen Leben fest. Er ist gerne Salzsammler. Sein Bruder hingegen beschliesst, seine Tätigkeit als Salero aufzugeben und Souvenirs zu verkaufen. Der Fortschritt und die damit einhergehenden Veränderungen scheinen unausweichlich: Moises’ junge Söhne werden später nicht wie ihr Vater als Saleros arbeiten. Und auch seine Frau beginnt, von einem modernen Leben als Coiffeuse in der Stadt zu träumen. Der Film zeigt fantastische Aufnahmen von makellos-weissen Salzlandschaften und gibt Einblicke in den Alltag von Moises und seiner Familie. Moises macht sich Gedanken über die Entwurzelung, die der wirtschaftliche Fortschritt mit sich bringt und denkt über seinen Platz in der Welt nach. (Text: SRF) Original-TV-Premiere Mo. 22.11.2021 SRF 1 Bosnien und Herzegowina – Der grüne Norden
Geografisch besteht das Land aus der Region Bosnien im Norden, die rund 80 Prozent des Staatsgebiets einnimmt, und der kleineren Region Herzegowina im Süden. Illyrer, Römer, Osmanen und Österreicher haben in dieser Region ihre Spuren hinterlassen. Und so stehen Moscheen, Synagogen, katholische und orthodoxe Kirchen selbstverständlich nebeneinander.Wild und artenreich ist der Norden des Landes. Hier befindet sich der Nationalpark Sutjeska mit dem Peruc’ica Urwald. In sanften Wellen bedecken seine bis zu 60 Meter hohen Buchen, Fichten und Kiefern den felsigen Untergrund. Für viele bedrohte Tierarten, wie den Balkanluchs, ist er ein bedeutendes Rückzugsgebiet. Der Pilzforscher Nedim Jukic untersucht die Pilzwelt im Nationalpark Sutjeska. Er sucht nach seltenen und gefährdeten Pilzarten am Rande der Gletscherseen. Sie sind wichtig, weil sie abgestorbene Pflanzenreste zersetzen und diese Seen vor dem Zuwachsen und dem Verschwinden retten. Unweit der Hauptstadt Sarajevo liegt auf dem Berg Bjelas?nica Lukomir, das älteste und auf 1455 Meter auch das ho¨chstgelegene Dorf des Landes. Von Mai bis Oktober leben hier etwa 40 Menschen und über 4000 Schafe. Omar Comor ist der Nachfahre des letzten Bogumilen, der hier Zuflucht fand. Bogumilen, «Gottesfreunde», waren eine urchristliche Gemeinschaft, die im Mittelalter in Bosnien und Herzegowina gelebt hat. Ihre Grabmale sind über das ganze Land verstreut, 24 davon liegen in Lukomir. Im äussersten Nordwesten des Landes liegt eine weitere unbekannte Naturschönheit: Der Nationalpark Una, benannt nach dem gleichnamigen Fluss. Auf einer Länge von etwa 200 Kilometern durchzieht der Fluss den Park in engen Schluchten, zahlreichen Stromschnellen und beeindruckenden Wasserfällen. (Text: SRF) Original-TV-Premiere Mo. 04.08.2025 SRF 1 Die Botschaft – Die diplomatischen Dienste der Schweiz im Iran
Im neuen Dokumentarfilm von Daniel Wyss erzählen drei ehemalige Schweizer Diplomaten, wie sie während der Geiselkrise in der amerikanischen Botschaft in Teheran zwischen 1979 und 1981 als Vermittler agierten. Hinter den Kulissen dieser Ereignisse, in denen sich kleine und grosse Geschichten verknüpfen, interessiert sich der Film «Botschaft» vor allem für die Rolle der Schweiz bei der Lösung dieses internationalen Konflikts. Der Film zeigt, wie das Handeln einzelner Diplomaten innerhalb der internationalen Mechanismen ausschlaggebend sein kann. (Text: SRF)Original-TV-Premiere Mi. 30.10.2019 SRF 1 Brahmaputra – Der grosse Fluss vom Himalaya (1) Von der Quelle bis zur Grossen Schlucht
Die erste Folge wurde weitgehend auf einer Höhe zwischen 5000 und 6000 Metern gedreht. Eines der beiden Filmteams lieferte epische Bilder von der Quelle des Brahmaputra oder Yarlung Tsangpo, wie der Oberlauf in Tibet heisst. Erst seit 2011 ist der Gletschersee unter dem Angsi-Gletscher offiziell als Ursprung dieses bedeutenden Flusses bestätigt.Ein zweites Team marschierte wochenlang unter Extrembedingungen in die grosse Schlucht des Yarlung Tsangpo, um auch aus dieser unerforschten Gegend noch nie dagewesene Bilder zu holen. In beiden Fällen sind durch den Einsatz von Drohnenaufnahmen aus einem bisher verbotenen sowie logistisch schwer zugänglichen Land gelungen, wie die Welt sie noch nie gesehen hat. Zwischen Quelle und Schlucht und entlang dem Hauptkamm des Himalaya erschliesst sich dem Zuseher die wohl dynamischste Landschaft der Erde. Die immer noch andauernde Kollision zweier einst getrennter Kontinente, Indien und Asien, hat sowohl den Himalaya geboren als auch das Flusssystem geformt. (Text: SRF) Brahmaputra – Der grosse Fluss vom Himalaya (2) Aus der Schlucht in die Ebene
Der Oberlauf des Brahmaputra, der Yarlung-Tsangpo, fliesst von seinem Ursprung auf 5200 Metern Höhe, unmittelbar an der chinesisch-nepalesischen Grenze, 1700 Kilometer westwärts, bis der 7000 Meter hohe Namche Bharwa ihn in eine riesige Schleife zwingt und dann in die tiefste und längste Schlucht der Welt. Das grosse Schluchtensystem des Yarlung-Tsangpo ist weit mächtiger als etwa der Grand Canyon. Seit 50 Millionen Jahren fressen sich die hier konzentrierten Wasser- und Sedimentmassen mit gewaltiger Energie immer tiefer in das rasch aufsteigende jüngste Gestein des Planeten.Unter schneebedeckten Gipfeln stehen im Mai ganze Rhododendronwälder in prachtvoller Blüte. Die tief eingeschnittenen Täler haben, in Kombination mit rasch wechselnden Klimazonen von 200 bis 5500 Metern Seehöhe, dem extremen Hangprofil und den überlappenden grossen Ökozonen Süd- und Südostasiens entlang der Basis des Himalaya, eine kaleidoskopartige Fülle ökologischer Nischen geschaffen – und damit einen der wichtigsten Hotspots der Biodiversität auf unserem Planeten. Die Bewohner des untersten Abschnitts der grossen Schlucht nennen den Fluss Siang. An seinen steilen Ufern haben sie Reisterrassen angelegt, aber sie nutzen auch Wildfrüchte, befischen die Seitentäler der grossen Schlucht und jagen. Nach dem grossen Durchbruch durch den Himalaya wendet sich der Fluss ostwärts, wird träge und verliert sich über lange Strecken in den gewaltigen Schottermassen, die er aus Tibet herabgespült hat. Mit jedem Zufluss wächst diese Sedimentfracht und bildet ein in der winterlichen Trockensaison viele Kilometer breites Schotterbett, das während des Sommermonsuns unter ebenso gewaltigen Wasserfluten verschwindet und sich Richtung Meer in Bewegung setzt. Einst war die gesamte subtropische Aulandschaft entlang des Brahmaputras Lebensraum von Elefanten, Nashörnern, etlichen Primatenarten und vieler Wasservögel. Heute überlebt diese eindrucksvolle Fauna nur noch in geschützten Gebieten wie Kaziranga, während endlose Teeplantagen das Landschaftsbild des Brahmaputrabeckens von Assam dominieren. (Text: SRF) Brahmaputra – Der grosse Fluss vom Himalaya (3) Von der Tiefebene zum Ozean
Nun zeigt sich der Brahmaputra von seiner dunklen Seite und macht sich erbarmungslos über die Ufer des Nationalparks her. Allen Tieren, ob Elefant, Panzernashorn oder Kobra, bleibt jetzt nur noch die Flucht. Wenn die Tiere in die angrenzenden Dörfer Schutz suchen, kann es immer wieder zu gefährlichen Begegnungen kommen.Weiter flussabwärts, jenseits der Garo-Khasi-Berge, wo das Land zum Schwemmland hin abbricht und alles Wasser ergiesst, liegt das Tiefland von Bangladesch. Wasser, das der Brahmaputra oder Jamuna, wie der Hauptstrom des weit verzweigten Flusses nun heisst, im Lauf seiner weiten Reise aufgenommen hat. Der riesige, träge dahinfliessende Fluss speist nun das Bengal-Delta, eine mit rund 150 Millionen Menschen am dichtesten besiedelten Region der Welt. Der Brahmaputra ist Schöpfer und Zerstörer zugleich. Wenn sich die Wasser der jährlichen Überschwemmungen zurückziehen, wird das wahre Geschenk des Flusses an den Rest der Natur sichtbar – unscheinbarer, fahl schimmernder Schlick und Sand, die den Nährboden für das Hauptnahrungsmittel eines ganzen Subkontinents bilden: Reis. Diese Reisfelder sind ein Mikrokosmos, die das Leben am Brahmaputra, das von einem sich ständig ändernden Wasserspiegel geprägt ist, im Kleinen wiederspiegeln. An der Mündung des Brahmaputra liegt ein von Kanälen durchzogenes Gebiet; der Übergang zwischen Morast, Land, Fluss und Meer ist dabei fliessend. Das sind die Sundarbans, der grösste Mangrovenwald der Erde. Mehr als 100 Kilometer dringt das Salzwasser des Indischen Ozeans in die Mangrovenwälder vor, mischt sich mit dem des Flusses und schafft so einen einzigartigen Lebensraum. (Text: SRF) Bratsch – Ein Dorf macht Schule
Der Schule kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Der junge, visionäre Pädagoge Damian Gsponer erhält von der Erziehungsdirektion des Kantons Wallis die Bewilligung zur Eröffnung einer allen Kindern offenstehenden Privatschule in Bratsch VS. Mit seinem neuen Konzept stellt er das gängige Schulmodell auf den Kopf – und er gewinnt das Interesse der Öffentlichkeit und die Herzen der Schülerinnen und Schüler.Nicht die Wissensvermittlung nach vorgegebenem Lehrplan steht im Zentrum, sondern die Förderung der Kinder mit ihren ureigenen Anlagen, Talenten und Bedürfnissen. Lernen findet überall dort statt, wo sich in Bratsch VS Möglichkeiten anbieten oder geschaffen werden können. Der renommierte, mehrfach ausgezeichnete Schweizer Regisseur Norbert Wiedmer dokumentiert in seiner filmischen Langzeitbeobachtung die Entwicklung der Schule Bratsch seit deren Eröffnung und die Veränderungen im Bergdorf bis in die Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen die verantwortlichen Lehrkräfte Damian Gsponer und Natascha Würsten zusammen mit einer Auswahl von fünf Schülerinnen und Schülern. Der Film vermittelt essenzielle neue Einsichten und besticht darüber hinaus mit erfrischendem Humor und viel Feingefühl. (Text: SRF) Original-TV-Premiere Do. 12.10.2023 SRF 1 Brexit – Szenen einer Scheidung
Zum ersten Mal in der Geschichte Europas will ein Land aus der EU austreten. Mit dramatischen Folgen für die Zukunft der Briten und der Europäer. Was mit dem Wunsch nach Trennung begann, steckt nun in einem schmutzigen Scheidungskrieg. Die Premierministerin Theresa May, das britische Parlament und die EU – sie schenken sich nichts.Wie konnte es so weit kommen? Thomas Johnson, ein französischer Filmemacher mit britischen Wurzeln, und der französische Journalist Eric Albert reisen vom Kontinent auf die Insel. Sie dokumentieren, was zur aktuellen Situation geführt hat und werfen die Frage auf: Wie könnte Europa nach einem Austritt Grossbritanniens aussehen? (Text: SRF) Original-TV-Premiere Mi. 10.04.2019 SRF 1 Britisches Königshaus (1): Zwischen Herz und Krone
Edward VIII. entschied sich für die Liebe, als er abdankte, um die geschiedene Wallis Simpson zu heiraten. Prinz Charles entschied sich bei seiner Heirat mit Diana für die Pflicht statt für die Liebe – mit katastrophalen Folgen. Prinzessin Margaret hat auf ihrer Suche nach dem Glück ihr ganzes Leben lang mit beiden gerungen. Der Königin ist es jedoch gelungen, Liebe und Pflicht miteinander in Einklang zu bringen, indem sie die dienstälteste Monarchin wurde und gleichzeitig eine Ehe aufrechterhielt, die sich in der Vergangenheit bewährt hat. (Text: SRF)Original-TV-Premiere Mo. 20.07.2020 SRF 1 Britisches Königshaus (2): Schlacht der Schlagzeilen
Von der Katastrophe in Aberfan bis zum Brand des Grenfell-Towers musste die Königin die richtige Balance zwischen Contenance und Emotionen finden. Während ihrer gesamten Regierungszeit hat sie die Rolle der Heilerin und Schlichterin gespielt. Einige der grössten Konflikte, mit denen sie zu kämpfen hatte, fanden in ihrer eigenen Familie statt. Im Jahr 1972 fiel es der Königin zu, eine jahrzehntelange Familienfehde mit ihrem Onkel, dem Herzog von Windsor, zu beenden. Die Königinmutter hatte ihn für den frühen Tod ihres Mannes Georg VI. verantwortlich gemacht. Indem die Queen den Herzog auf seinem Sterbebett besuchte, schloss sie ein schmerzliches Kapitel in der Geschichte der königlichen Familie ab.Das vielleicht herausforderndste Jahr der Regierungszeit der Königin war 1992, ihr sogenanntes Annus Horribilis. Familienskandale, Pressespott und der katastrophale Brand im Schloss Windsor brachten die Monarchin an ihre Grenzen. Dianas Tod im Jahr 1997 markierte einen weiteren Wendepunkt, als die langsame Reaktion der Königin auf die Trauer der Nation die Monarchie zu destabilisieren drohte. (Text: SRF) Original-TV-Premiere Mo. 27.07.2020 SRF 1 Britisches Königshaus (3): Von Prüfsteinen und Schicksalsschlägen
Original-TV-Premiere Mo. 03.08.2020 SRF 1 Britisches Königshaus (4): Krönung einer Herrscherin
Führende Persönlichkeiten aus aller Welt folgen einer Einladung in den Buckingham Palace, aber nicht alle Besuche gehen gut aus. Im britischen Nationalarchiv dokumentiert der königliche Biograf Robert Hardman, wie der Besuch des rumänischen Führers Nicolae Ceau?escu im Palast Panik auslöste.Während ihrer Regierungszeit zeigte die Königin grosses Engagement für den Commonwealth: ein persönliches Projekt, das das alte Empire verändert hat. Ein Teil ihres Erfolgs ist ihrer Reiselust und ihrem Drang, Menschen auf der ganzen Welt zu treffen und von ihnen gesehen zu werden, zu verdanken. Die Königin reiste am liebsten mit der königlichen Yacht Britannia, die nicht nur unter der Flagge Grossbritanniens unterwegs war, sondern ihr auch ein willkommenes Zuhause fern der Heimat bot. 1997 wurde ihre schwimmende Heimat aber stillgelegt und die Queen musste von ihrer Yacht Abschied nehmen. (Text: SRF)Original-TV-Premiere Mo. 10.08.2020 SRF 1 Britney Spears – Kontrolliert, überwacht, entmündigt
Erst der grosse Aufstieg, dann der tiefe Fall: Kaum ein Popstar sorgte in den Neunziger- und Nullerjahren für so viel Aufruhr, wie Britney Spears. Hits wie « …Baby One More Time», «Oops! … I Did It Again» oder «Toxic» haben sich bei einer ganzen Generation eingebrannt – doch genauso die Paparazzi-Bilder der Sängerin mit kahlrasiertem Kopf oder die Schlagzeilen über ihre gescheiterten Ehen und Party-Eskapaden.2008 folgte eine Meldung, die von Medien weltweit aufgegriffen wurde: Spears’ Vater Jamie habe die Vormundschaft über seine Tochter übernommen. Mehr als 15 Jahre später zeigt der Dokumentarfilm «Britney Spears: Kontrolliert, überwacht, entmündigt», der unter anderem von der «New York Times» produziert wurde, die Konsequenzen dieser Massnahme auf. Er macht deutlich, wie stark Britneys Vater, ihr Management und ihr Sicherheitspersonal ihren Alltag und ihre Karriere steuerten. Ehemalige Wegbegleiterinnen und -begleiter schildern, wie Spears lückenlos überwacht wurde und über längere Zeitstrecken hinweg praktisch pausenlos arbeitete. Brisant daran: Ein Teil der Einnahmen aus ihren Auftritten und Produktverkäufen kam direkt jenen Personen zugute, die aufgrund der Vormundschaft für ihr Wohlergehen zuständig waren. Sämtliche Kontakte, die Spears zur Aussenwelt pflegte, wurden kontrolliert, darunter Textnachtrichten, Telefongespräche und offenbar gar die Kommunikation mit ihrem Anwalt. Doch der öffentliche Druck stieg: 2019 nahm die sogenannte «Free Britney»-Bewegung an Fahrt auf, sowohl in den sozialen Medien wie auch auf der Strasse. Spears entschied sich dazu, vor Gericht ihre Version der Geschichte darzulegen und erkämpfte sich ihre Freiheit Schritt für Schritt zurück. Der Film dokumentiert diesen Prozess und wirft gleichzeitig Fragen auf, die über Spears’ Fall hinausgehen: Wenn einem der berühmtesten Menschen der Welt die Kontrolle über sein Leben komplett entzogen werden kann, was sagt dies über die Lage und die Rechte der mehr als einer Million Menschen in den USA aus, die ebenfalls unter Vormundschaft stehen? (Text: SRF) Original-TV-Premiere So. 06.10.2024 SRF 1 Bröckelnde Berge – Wie Berggemeinden der Gefahr trotzen
Der Spitze Stein thront hoch über Kandersteg BE und droht ins Tal zu donnern. Durch einen Bergsturz ausgelöste Murgänge könnten Teile Kanderstegs unter sich begraben. Deshalb darf im Dorfkern nicht mehr gebaut werden. Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind enorm. Im Dorf fürchtet man den Stillstand.Nicht nur Dörfer sind direkt von Veränderungen betroffen. Auch Bergsteigerinnen und Wanderer müssen sich anpassen. Alte Wege bleiben gesperrt, neue Routen verlangen andere Anforderungen. Hütten werden geschlossen oder versetzt. In Bondo GR herrscht heute Aufbruchstimmung: Knapp sieben Jahre nach dem Bergsturz soll ein neuer Weg durch das Val Bondasca in die SAC-Hütte «Sciora» führen. Doch das Unglück, bei dem acht Menschen starben, hat noch immer juristische Folgen. Wie gehen die Verantwortlichen heute damit um? Und was können Kandersteg BE und die Schweiz von Bondo GR lernen? (Text: SRF) Original-TV-Premiere Do. 26.09.2024 SRF 1 Brücken bauen – Mit Handicap in die Arbeitswelt
Teilhabe statt Fürsorge lautet das aktuelle Credo der Integrationspolitik, was auch bei der kürzlich verabschiedeten 7. IV-Rentenrevision noch einmal unterstrichen wurde: Gerade Jugendliche mit erschwertem Zugang zum ersten Arbeitsmarkt sollten bei ihrer Ausbildung und ihrem Einstieg ins Erwerbsleben besonders umsichtig und gezielt unterstützt werden: Sei es mittels Jobcoaching und «Supported Education», aber auch durch Arbeitgebende, die sich offen und flexibel zeigen.Doch wie sieht das in der Realität aus? Was braucht es, damit Arbeitgebende die Mühen und das Risiko auf sich nehmen, um jemanden zu integrieren, der oder die nur mit Einschränkungen den Leistungsanforderungen gewachsen ist? Welche Vorurteile gilt es abzubauen? Und wer kann wie davon profitieren? Der Film «Brücken bauen» erzählt vier exemplarische Geschichten, die jeweils unterschiedliche Aspekte dieser Fragen reflektieren. Der lernschwache, aber lastwagenbegeisterte Dario (19) kämpft sich dank grösstem Einsatz seines Ausbildners durch eine EFZ-Lehre zum Strassentransportfachmann. Die Autistin Nuria (19) verschafft sich mithilfe ihrer Coaching Orientierung bei der Berufswahl, während sie zugleich mit den Konsequenzen ihrer noch frischen Asperger-Diagnose hadert. Stojan (19) wünscht sich trotz seiner 100-prozentigen IV-Rente nichts sehnlicher, als im ersten Arbeitsmarkt tätig zu werden. Über ein Praktikum strebt er eine Festanstellung in einer Druckerei an. Und die, durch eine Zerebralparese, stark eingeschränkte Silja (26) schaut auf eine Mobbing-Erfahrung und andere schmerzhafte Rückschläge zurück und ist dennoch zu einer optimistischen und selbstbewussten Arbeitnehmerin geworden. Der Dokumentarfilm von Sören Senn erzählt von einer überraschenden Erkenntnis: Gelingt die Einbindung in den ersten Arbeitsmarkt, stärkt dies nicht nur das Selbstwertgefühl der Betroffenen, sondern steigert auch ihre Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig verbessert eine sichtbar gelebte Flexibilität und gelingende Integration von engmaschig betreuten Berufseinsteigern das gesamte Arbeitsklima und die Umgangsformen innerhalb eines Unternehmens – und darüber hinaus eröffnen sich konkrete Chancen hin zu einer partizipativen und offenen Gesellschaft. (Text: SRF) Original-TV-Premiere Do. 22.04.2021 SRF 1 The Bubble – das weltgrösste Alters-Resort
Die Happy Hour beginnt um 11:00 Uhr vormittags. Bauchtanz, Synchronschwimmen oder Karaoke – die Silver-Ager geniessen den Ruhestand. «Wir wissen, dass wir in einer Bubble leben», sagt Rentnerin Toni lächelnd, «aber es ist eine schöne Bubble».Gelegen hinter gut bewachten Eingangstoren, sind die Villages die weltgrösste Seniorenstadt, in der man nie daran erinnert wird, wie alt man ist. Denn wo alle alt sind, existiert das Alter nicht. Friedhöfe, die diesen Eindruck stören könnten, gibt es nicht, und wenn die Ambulanz kommt, wird die Sirene abgeschaltet. Fast identische, in Pastelltönen gehaltene Einfamilienhäuser mit weiss gestrichenen Zäunen und perfekt manikürten Rasenflächen strecken sich nun über 142 km2 in drei Gemeinden. Der Film führt in eine utopisch anmutende Retortenstadt, in der nicht nur alle gleich alt, sondern auch gleich gesinnt sind: grösstenteils weisse Trump-Anhänger. Die künstliche Welt verdrängt die wild-schöne Natur. Die Nachbarschaft der Villages versucht, sich zur Wehr zu setzen. Ein Film über eine sich immer stärker zerklüftende Gesellschaft und das Erbe, das die Babyboomer hinterlassen. (Text: SRF) Original-TV-Premiere Do. 23.06.2022 SRF 1 Die Buchenwald-Kinder – Eine Schweizer Hilfsaktion
Für Europa und die Schweizer Bevölkerung bedeutete die deutsche Kapitulation im Mai 1945 eine Erlösung – endlich Frieden. Trotzdem war die Schweizer Regierung besorgt, denn die amerikanische Regierung kritisierte den Bundesrat öffentlich für seine Politik während des Krieges. Sie warf der Schweiz vor, sie hätte noch bis zum Kriegsende Wirtschaftskontakte mit dem Nazi-Regime erlaubt und dadurch beigetragen, den Krieg zu verlängern. Nach Kriegsende versuchte deshalb die Schweizer Regierung, die Siegermächte günstig zu stimmen und bot an, 2000 Kinder aus den Konzentrationslagern zur Erholung aufzunehmen. Doch die Buchenwald-Aktion verlief nicht wie gewünscht, anstatt 2000 wurden nur 370 junge Erwachsene aufgenommen.Die Buchenwald-Aktion inspirierte die Drehbuchautorin Petra Volpe der TV-Serie «Frieden». Eine ihrer Hauptfiguren ist Klara, eine junge Frau, die in der TV-Serie junge Erwachsene betreut, die nach dem Zweiten Weltkrieg in die Schweiz zur Erholung kommen. Die historische Vorlage für Klara ist die Geschichte von Charlotte Weber (1912–2000), einer ausgebildeten Pädagogin und Musikerin aus Olten, die nach 1945 ein Heim des Schweizerischen Roten Kreuzes leitete. «DOK» hat in den Archiven der Cinémathèque ein kaum beachtetes Film-Interview mit Charlotte Weber gefunden. Darin erklärt sie, weshalb die Buchenwald-Aktion damals missglückte: Die traumatisierten jungen Erwachsenen seien in der Schweiz in Lagern hinter Stacheldraht eingesperrt und militärisch bewacht worden. Zudem habe es an Essen und Schulmaterial gefehlt. Das Schweizerische Rote Kreuz SRK war offensichtlich überfordert. Der aktuelle SRK-Direktor Markus Mader nimmt im SRF-Dokumentarfilm Stellung. Er erläutert, welche Schlüsse das SRK daraus gezogen habe, nimmt aber auch die Verantwortlichen von damals, zumindest teilweise, in Schutz. Herzstück des Dokumentarfilms die Lebensgeschichte von Leon Reich. Reich kam im Rahmen der Buchenwald-Aktion als Überlebender des Holocaust in die Schweiz. In einem ausführlichen Film-Interview aus dem Jahre 2005 erzählt er, wie seine Familie von den Nazis ausgelöscht wurde, wie er den Todesmarsch von Auschwitz ins KZ Buchenwald knapp überlebte und schliesslich in die Schweiz kam. Das Interview dokumentiert eine unfassbare Leidensgeschichte, die für viele andere jüdischen Schicksale steht. Leon Reich blieb der Schweiz bis zu seinem Tod im Jahr 2014 verbunden und baute in Biel ein erfolgreiches Uhrenunternehmen auf, das heute noch existiert. Der Dokumentarfilm macht den Faktencheck und stellt Ausschnitte aus der fiktionalen Serie den historischen Fakten und Erkenntnissen gegenüber: Neben Interviews von Charlotte Weber und Leon Reich, Passagen aus Filmwochenschauen und anderen historischen Quellen nehmen renommierte Schweizer Historikerinnen und Historiker Stellung und ordnen die Ereignisse ein. Entstanden ist ein dichtes und beklemmendes Abbild einer düsteren Zeit. (Text: SRF) Original-TV-Premiere Mo. 09.11.2020 SRF 1 Bulletproof Angels
Schweizer TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 13.04.2025Der bunte Wolf – Die Wildhunde der Kalahari
Während Jagdszenen und eine Vielzahl von kuriosen Begegnungen mit einer erstaunlichen Dynamik filmerisch festgehalten werden konnten, dauerte es insgesamt fast fünf Jahre, bis der Filmemacher dann endlich den Moment filmen konnte, als die neugeborenen Welpen nach drei Wochen zum ersten Mal den Bau verliessen.Derzeit leben noch rund 5000 Wildhunde in Afrika und ihr Überleben ist ungewiss, weil die Hunde häufig Konflikte mit den Farmern vor Ort hervorrufen. Sie haben einen schnellen Stoffwechsel und damit hohen Bedarf an Nahrung. Als Jäger gehen sie oft an Vieh heran. Matto Barfuss gründete 2015 den „Go wild Botswana Trust“. Diese Stiftung macht „Wildlife-Bildungsprojekte“ und hilft Farmern sich mit effektiven Einzäunungen gegen Beutegreifer zu schützen. Dadurch steigt die Akzeptanz gegenüber den Jägern und Barfuss hofft, damit den Wildhunden eine Chance aufs Überleben zu geben. (Text: SRF) Die Burnout-Gesellschaft
In der Medizin gilt Burnout nicht als eigenständige Krankheit, sondern nur als Symptom. Die Diagnose lautet oft: Depression oder Angststörung. Warum ist der Begriff Burnout dennoch so verbreitet? «Weil psychische Krankheiten noch immer tabuisiert sind», sagt der Psychologe Niklas Baer, der sich als Pionier der Arbeitspsychiatrie einen Namen gemacht hat. Burnout gelte als vorübergehende Überlastung und sei akzeptierter als andere psychischen Beschwerden.Lebenskrise Burnout Was sich alles hinter einem Burnout verbergen kann, zeigen die Geschichten dreier Personen, die sich mehr als ein Jahr von der Kamera begleiten liessen. Doris Brülhart, erfolgreiche Geschäftsführerin, erleidet nach einem schweren Brandunfall und unhaltbaren und widerlegten Vorwürfen im Beruf eine Lebenskrise. Die Folge war ein Burnout, von dem sie sich nach Jahren erholt hat. Sie hat sich entschlossen, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen und ein Geschäft zu eröffnen. Eray Cansev ist heute dreissig Jahre alt. Der Elektroingenieur arbeitete mit Begeisterung als Berufsschullehrer, bis er am Arbeitsplatz eine Umstrukturierung mittragen musste. Die Belastung überstieg seine Kräfte, er schied aus dem Arbeitsleben aus. Seit zwei Jahren schon versucht er mit Hilfe der Psychiatrie ins Berufsleben zurückzufinden. Und schliesslich Daniel U.: Immer wieder hat er im Job Probleme, weil er sich sehr direkt äussert. Am letzten Arbeitsplatz wird er deswegen kritisiert und gerät so unter Druck, dass er keinen Schlaf mehr findet und zusammenbricht. Es folgt die Kündigung. Heute lernt er in einer Therapie, besser zu kommunizieren. Der Umgang mit dem Burnout Im Schnitt bleiben Menschen, die unter psychischen Beschwerden leiden, die unter den Sammelbegriff «Burnout» fallen, dem Arbeitsleben 18 Monate fern – länger als bei allen anderen Krankheiten. Betroffene und Unternehmen sind oft überfordert, die Stigmatisierung ist ein Fakt. Dabei sagt Experte Niklas Baer: «Es ist völlig falsch, Menschen mit einem Burnout keine Karriere mehr zuzutrauen. Entscheidend ist, wie die Betroffenen aus ihrer Krise herausfinden.» Denn wer sich aktiv um seine Gesundung bemühe, qualifiziere sich damit auch für das Berufsleben. (Text: SRF) Original-TV-Premiere Do. 27.01.2022 SRF 1 Camp Century – Die Stadt unter dem Eis
Camp Century ist eines der verrücktesten Projekte des Kalten Krieges. 1959 beschlossen die USA, eine Militärstadt unter dem Eispanzer Nordgrönlands zu bauen. Die Supermacht wollte einen strategischen Vorteil gegenüber der Sowjetunion erlangen und in weit verzweigten Eisröhren auf Grönland Hunderte Atomraketen stationieren. Bis heute unterliegt «project iceworm» in den USA der Geheimhaltung.Dieser Dok gewährt erstmals Einblicke in das Leben der bis zu 200 Soldaten, die sechs Jahre lang in den Tunnelanlagen von Camp Century stationiert waren. Sie lebten in isolierten Häusern, die eigens für die Arktis entwickelt worden waren. Die Temperatur in den Gängen betrug -30 Grad. Aber den Soldaten fehlte es an nichts: eine moderne Küche, warme Duschen und sogar eine eigene Kapelle sorgten dafür, dass die Besatzungen monatelange Dunkelphasen im Winter gut überstanden. Für Strom und Wärme wurde ein mobiler Atomreaktor als Bausatz geliefert, ohne vorher getestet worden zu sein. Das führte zu gravierenden Strahlungsproblemen. Der damals 18jährige dänische Pfadfinder Sören Gregersen durfte den ersten Winter unter dem Eis verbringen und berichtet aus erster Hand, wie es war, neben einem Atomreaktor zu schlafen. Der Film erzählt aber nicht nur vom Bau der Stadt und dem Leben unter dem Eis, sondern thematisiert auch das Nachspiel. Die Stadt unter dem Eis wurde nach sechs Jahren Betrieb aufgegeben. Beim Abzug der US Army blieben viele Tausend Tonnen Müll, darunter radioaktiver Restmüll, unter dem Eis. 1966 stiess ein Schweizer Glaziologe in alten Berichten auf diese Erblast. Er und ein kanadischer Kollege erstellten eigene Klimamodelle und fanden heraus, dass im Jahr 2090 die Überreste der Station an die Oberfläche kommen und das Nordmeer verschmutzen könnten. In Grönland ist Camp Century seither ein Politikum. Dänemark startete 2017 eine erste Expedition zur ehemaligen Stadt unter dem Eis. (Text: SRF) Charles Chaplin – Die Schweizer Jahre
Wie viele andere Künstler vor ihm wählte auch Charlie Chaplin für seinen Lebensabend die Schweiz als Heimat, allerdings nicht ganz freiwillig. Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieb Senator McCarthy in den USA eine regelrechte Hetzjagd gegen jeden, der angeblich Kontakte zum Ostblock unterhielt. Auch Chaplin geriet in McCarthys Schusslinie. Die Wiedereinreise in die USA nach der Europapremiere seines Films „Limelight“ war infrage gestellt.Der in London geborene Chaplin versuchte erst gar nicht, seine Wahlheimat wieder zu betreten, sondern kehrte Hollywood und den Vereinigten Staaten für immer den Rücken. Im Dezember 1952 reiste er in die Schweiz, siedelte sich am Genfersee an und verbrachte seine letzten 25 Lebensjahre oberhalb von Vevey in der Villa Manoir de Ban. Ein einziges Mal, 1972, zur Entgegennahme eines Ehrenoscars, reiste er noch einnmal in die USA. Charlie Chaplin starb am 25. Dezember 1977 in Corsier-sur-Vevey am Genfersee. Der Dokumentarfilm von Felice Zenoni und Beat Hirt gibt einen umfassenden Einblick in Charlie Chaplins Spätwerk. Unveröffentlichte Filmaufnahmen und Dokumente aus dem Familienarchiv zeigen eine bislang wenig bekannte Seite Chaplins. Zu Wort kommen seine Kinder Geraldine, Michael und Eugene sowie Künstlerkollegen wie Peter Ustinov, Petula Clark und Liselotte Pulver. (Text: SRF) Charlie Chaplin – Die Schweizer Jahre
Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieb Senator McCarthy in den USA eine regelrechte Hetzjagd gegen jeden, der angeblich Kontakte zum Ostblock unterhielt. Auch Chaplin geriet in McCarthys Schusslinie. Die Wiedereinreise in die USA nach der Europapremiere seines Films «Limelight» war infrage gestellt. Chaplin versuchte es gar nicht erst und kehrte Hollywood und den Vereinigten Staaten für immer den Rücken.Im Dezember 1952 reiste er in die Schweiz, nahm am Genfersee Wohnsitz und verbrachte seine letzten fünfundzwanzig Lebensjahre oberhalb von Vevey in der Villa Manoir de Ban. Vier seiner acht Kinder kamen in der Schweiz zur Welt. Chaplin arbeitete unermüdlich bis zu seinem Tod. Am Genfersee entstanden die Drehbücher zu «A King in New York» (1957) und zu Chaplins einzigem Farbfilm «A Countess from Hong Kong» (1967) mit Marlon Brando und Sophia Loren in den Hauptrollen. Er schrieb seine Autobiografie «Die Geschichte meines Lebens» und widmete sich vermehrt dem Komponieren. Nur ein einziges Mal, 1972 zur Entgegennahme eines Ehren-Oscars, reiste er noch einmal in die USA. Der von der SRG-koproduzierte und am 46. New York Filmfestival 2004 preisgekrönte Dokumentarfilm von Felice Zenoni gibt einen umfassenden Einblick in Chaplins letzten 25 Lebensjahre in der Schweiz. Die Kinder Geraldine, Michael und Eugene erinnern in intimen Interviews an ihren Vater. Künstlerkollegen wie Peter Ustinov, Petula Clark oder Liselotte Pulver erzählen von ihren Begegnungen mit Chaplin. Mit den unveröffentlichten Filmaufnahmen und Dokumenten aus dem Familienarchiv entdecken die Zuschauerinnen und Zuschauer eine bislang wenig bekannte Seite des englischen Filmgenies. Der Film stellt auch erstmals Chaplins Vermächtnis «The Freak», seinen letzten unvollendeten Film, vor und beleuchtet die Bespitzelung des Filmkomikers durch die Schweizer Bundespolizei. (Text: SRF)
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