„Two and a Half Men“ schlägt „Sommerhaus der Stars“, „Tatort“ ist Streaming-Hit

„Promi Big Brother“ online nur Mittelmaß, „Maison Tabou“ floppt komplett

Glenn Riedmeier
Glenn Riedmeier – 20.10.2026, 14:42 Uhr

„Two and a Half Men“ – Bild: CBS
„Two and a Half Men“

Die AGF Videoforschung veröffentlicht wöchentlich die sogenannte Nettoreichweiten-Auswertung der Programmmarken. Darin wird gemessen, wie viele Menschen innerhalb einer Woche online mit Inhalten einer bestimmten Programmmarke in Berührung gekommen sind. Auch die Kalenderwoche 41 (5. bis 11. Oktober) lässt einige interessante Beobachtungen und Rückschlüsse darauf zu, was die Deutschen besonders gerne und viel streamen.

Auf den vorderen Plätzen befinden sich wie so häufig Newsformate – sowohl die „ntv Nachrichten“ mit satten 1,503 Millionen Views als auch die ARD-„Tagesschau“ mit 1,378 Millionen Views und „ZDFheute“ mit 1,041 Millionen Views waren online sehr gefragt. Auf Platz 3 nach vorne gerauscht ist der Krimi-Dauerbrenner „Tatort“, der seit dem Start der neuen Saison zwei Tage vor der linearen TV-Premiere online veröffentlicht wird. Dies führte zu insgesamt 1,198 Millionen Abrufen in der Woche, in der der neue Ludwigshafener „Tatort“ mit Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) verfügbar war. Am 9. Oktober wurde zudem der erste Teil des Kieler Zweiteilers „Unter Freunden“ veröffentlicht.

Auch darüber hinaus findet sich der Deutschen liebstes Genre Krimi in den Top 20 wieder: Die ersten Folgen neuer Staffeln von „SOKO Leipzig“, „SOKO Stuttgart“ und „SOKO Wismar“ kamen auf insgesamt 878.000 Online-Abrufe, was Platz 8 im Ranking entsprach. Immerhin für Platz 17 reichte es für den neuesten „Nord Nord Mord“-90-Minüter „Sievers und der Gesang der Wale“, der schon linear mit über 7 Millionen Zuschauern ein großer Erfolg war und im Web noch mal zusätzliche 581.000 Abrufe einsammelte.

Etwas an Zuspruch verlor die aktuelle Staffel von „Das Sommerhaus der Stars“ von RTL, für das es in jener Woche mit 1,020 Millionen Abrufen noch für Platz 6 reichte. Geschlagen geben musste sich das Trash-TV-Format dem Sitcom-Dauerbrenner „Two and a Half Men“, der in dieser Woche mit 1,040 Millionen Views auf Prime Video wieder überraschend auf Platz 5 nach oben schoss. Verfügbar ist die Serie auf dem Streamingdienst schon seit einigen Monaten.

In der ersten Oktober-Woche startete auch die jüngste Staffel von „Promi Big Brother“ in Sat.1, die sich jedoch online als nicht allzu gefragt entpuppt. Nur 862.000 Views wurden gezählt – wohlgemerkt insgesamt für die ersten sechs Folgen zusammengerechnet -, was für Platz 9 im Ranking reichte. Offenbar ist das Reality-TV-Event nach wie vor ein Format, das in erster Linie live und direkt während der linearen Ausstrahlung konsumiert wird.

Als wenig zugkräftig erweist sich die aktuelle Staffel von „Love Island VIP“. Die Quoten der linearen Ausstrahlung bei RTL Zwei stürzten zuletzt derart stark, dass der Sender die Datingshow auf einen späteren Sendeplatz verschob. Und auch die Online-Abrufe sind eher überschaubar: 525.000 Views reichten gerade noch für eine Platzierung in den Top 20.

Spannend ist allerdings auch, von welchem Format weit und breit nichts in den Top 20 zu sehen ist: Die verruchte Sex-Datingshow „Maison Tabou“ von RTL Zwei kann inzwischen als Totalflop verbucht werden. Bereits die lineare Ausstrahlung des Formats, in dem sich die Kandidaten erst körperlich und erst danach persönlich kennenlernen, erzielte kaum noch messbare 0,5 Prozent Marktanteil. Im Streaming auf RTL+ verharrte „Maison Tabou“ bei ebenso mickrigen 69.000 Views.

Top 20 Programmmarken KW 41, alle Anbieter, sortiert nach kumulierter Nettoreichweite

Allgemein gilt zu berücksichtigen: Die sogenannte Messung der Programmmarken-Nettoreichweiten durch die AGF funktioniert völlig anders als die Messung der Einschaltquoten im herkömmlichen linearen Fernsehen und ist deshalb auch nicht damit vergleichbar. Konkret sollen diese Zahlen wiedergeben, wie viele Menschen insgesamt mit Video-Inhalten einer „Programmmarke“ in Kontakt gekommen sind. Dabei spielt keine Rolle, ob sich der jeweilige User eine Folge komplett angesehen oder mittendrin abgebrochen hat, ob er einen kurzen Clip oder auch mehrere Videos geguckt hat. Hinzu kommt, dass in der Liste von den internationalen Streaminganbietern bislang nur Amazon bzw. Prime Video gemessen wird. Netflix und Disney+ etwa geben nach wie vor keine offiziellen Zahlen heraus, weshalb diese Plattformen in der Statistik nicht abgebildet werden.

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