Streaming-Charts: „Die Verräter“ und „Villa der Versuchung“ funktionieren halbwegs

Keine Spur von „Gladiators“, stattdessen triumphiert „Two and a Half Men“

Glenn Riedmeier
Glenn Riedmeier – 18.08.2026, 17:23 Uhr

„Die Verräter – Vertraue Niemandem!“ – Bild: RTL
„Die Verräter – Vertraue Niemandem!“

Zwei inhaltlich äußerst unterschiedliche Realityformate buhlen derzeit um die Gunst der Zuschauer: „Die Verräter – Vertraue Niemandem!“ von RTL und „Villa der Versuchung“ von Sat.1. Bei beiden Sendungen fielen die Einschaltquoten im linearen Fernsehen bislang äußerst ernüchternd aus. Die Hoffnungen lagen nun darin, dass die Streamingabrufe bei den jeweiligen Diensten RTL+ und Joyn die überschaubaren TV-Reichweiten kompensieren können. Ist dies gelungen? Die Antwort lautet: Zumindest halbwegs.

Die AGF Videoforschung veröffentlicht wöchentlich die sogenannten Nettoreichweiten-Auswertung. Darin wird gemessen, wie viele Menschen innerhalb einer Woche online mit Inhalten einer bestimmten Programmmarke in Berührung gekommen sind. In der Kalenderwoche 32 (3. August bis 9. August) wurden die ersten beiden Folgen der vierten Staffel von „Die Verräter“ vorab auf RTL+ veröffentlicht. Linear feiern die Folgen nun erst zwei Wochen später bei RTL TV-Premiere. Von der „Villa der Versuchung“ waren ab dem 3. August ebenfalls die ersten beiden Folgen der zweiten Staffel zum Streamen auf Joyn verfügbar – wobei die Auftaktfolge an jenem Tag auch linear in Sat.1 ausgestrahlt wurde.

Für die „Villa der Versuchung“ ergab sich on Demand eine Gesamtabrufzahl von 620.000, womit es das Format auf Platz 5 der Top 20 Programmmarken privater Anbieter geschafft hat. Direkt dahinter landeten „Die Verräter“ auf Platz 6 mit 521.000 VoD-Abrufen – was knapp besser als im Vorjahr ist und RTL zur Erfolgsschlagzeile „so stark wie nie“ bewogen hat.

Lineare Einschaltquoten ernüchternd

Inwiefern diese Abrufzahlen wirklich zufriedenstellend sind und den kontinuierlichen Reichweitenverlust der Ausstrahlung im linearen Fernsehen kompensieren, können wohl nur die Sender selbst final bewerten. Dort sieht es nämlich für beide Realityformate bislang recht ernüchternd aus. So musste sich die erste neue Folge von „Die Verräter“ gestern Abend bei RTL mit nur 1,25 Millionen Zuschauern begnügen. In der jungen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen kamen lediglich 7,6 Prozent Marktanteil zustande.

Die Teilnehmer der zweiten Staffel von „Villa der Versuchung“ Joyn

In Sat.1 kam die „Villa der Versuchung“ zeitgleich mit Folge 3 nur auf insgesamt 610.000 Zuschauer. Davon waren 163.000 aus der jungen Zielgruppe, die für gerade mal 5,3 Prozent Markanteil reichten. Allerdings konnte das Format zumindest zum Start von zeitversetzter Nutzung profitieren: Der Staffelauftakt von vor zwei Wochen steigerte sich dadurch nachträglich von 690.000 auf 960.000 Zuschauer. Der Zielgruppen-Marktanteil raste gar von 7,2 auf 11,8 Prozent nach oben. Dabei gilt jedoch zu beachten, dass für diese auf den ersten Blick krasse Steigerung bereits 150.000 zusätzliche Zuschauer unter 50 Jahren reichten, die die erste Folge innerhalb von drei Tagen per Aufzeichnung (z. B. durch Festplattenrekorder) nachgeholt haben.

Auf einen ähnlichen Effekt wird nun auch RTL in Sachen „Die Verräter“ hoffen – ob hier ebenfalls mit einem großen Nachschlag zu rechnen ist, werden die kommenden Tage zeigen, da die Staffel linear ja erst gestern losging. Unspektaktuläre Zahlen holte übrigens der zweite Reality-Neustart von Sat.1: „Dschungel Divas – Jede Versuchung kostet“ ist im Fernsehen am späten Montagabend kein Erfolg und im Streaming kam das Format auf Joyn bisher auf eine Nettoreichweite von 269.000.

„Gladiators“ verfehlt Top 20

RTL/​Amazon Prime Video

Enttäuschte Gesichter wird es auch bei einem anderen Anbieter geben: Prime Video. Der Streamingdienst veröffentlichte in Kooperation mit RTL vorab am 6. August die Show „Gladiators“, eine neue deutsche Adaption des Klassikers „American Gladiators“. Bevor die Show am 4. September linear bei RTL startet, erhielt Prime Video einen Monat lang die exklusiven Verwertungsrechte. Doch für allzu große Aufmerksamkeit hat das Format im Streaming bisher nicht gesorgt. Denn „Gladiators“ taucht in den Top 20 der KW32 nicht auf. Das bedeutet, dass die Nettoreichweite unter 223.000 liegen muss – jenen Wert erreichte „Die Landarztpraxis“, die für Joyn den 20. Platz belegt.

Deutlich mehr Abrufe, auch im Vergleich zu „Die Verräter“ und „Villa der Versuchung“, erreichte auf Prime Video in jener Woche erneut „Two and a Half Men“. Der US-Sitcom-Klassiker mit Charlie Sheen, der zwischen 2003 bis 2015 produziert wurde, erfreut sich beim deutschen Streamingpublikum nach wie vor erstaunlicher Beliebtheit. Nachdem es in der Vorwoche bereits für Platz 6 reichte, schoss die Comedyserie diesmal gar auf Platz 2 mit einer satten Nettoreichweite von 1,150 Millionen.

Top 20 Programmmarken KW32 private Anbieter sortiert nach kumulierter Nettoreichweite

Allgemein gilt zu berücksichtigen: Die sogenannte Messung der Programmmarken-Nettoreichweiten durch die AGF funktioniert völlig anders als die Messung der Einschaltquoten im herkömmlichen linearen Fernsehen und ist deshalb auch nicht damit vergleichbar. Konkret sollen diese Zahlen wiedergeben, wie viele Menschen insgesamt mit Video-Inhalten einer „Programmmarke“ in Kontakt gekommen sind. Dabei spielt keine Rolle, ob sich der jeweilige User eine Folge komplett angesehen oder mittendrin abgebrochen hat, ob er einen kurzen Clip oder auch mehrere Videos geguckt hat. Hinzu kommt, dass in der Liste der privaten Anbieter neben den Mediatheken der deutschen Privatsender bislang nur Amazon bzw. Prime Video gemessen wird. Netflix und Disney+ etwa geben nach wie vor keine offiziellen Zahlen heraus, weshalb diese Plattformen in der Statistik nicht abgebildet werden.

Kommentare zu dieser Newsmeldung

  • am

    Also ich will mal klar sagen, dass „Die Verräter“ und „Villa der Versuchung“ überhaupt nicht miteiander vergleichbar sind und ersteres in keinsterweise ein Reality-Format ist! „Die Verräter“ ist eine Spielshow mit echten Promis und nicht solch ein dümmliches Reality-Ding wie „Villa der Versuchung“ mit Möchtegern"stars". Da man es mit den Quoten vergleicht ist zwar OK, aber wie erwähnt, nicht in der Einordung der Formate.
    • (geb. 1984) am

      Naja in der 2.Staffel von Villa der Versuchung geht es ja auch nur darum zu zeigen was die Kandidaten Geld ausgeben. Sogar in der Vorschau zur nächsten Folge hat man nichts besseres zu tun als das zu zeigen, statt was man als Zuschauer sonst noch erwarten kann.
      War bei der 1.Staffel nicht so. Aus dem Grund wunderte mich es auch nicht, dass die Zuschauer und Klickzahlen schlechter sind.

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