Der Dämon unterm Weihnachtsbaum – Gruselfilm-Empfehlungen für die Festtage

    Auch vorm Christfest macht das Horrorgenre nicht halt

    Rosanna Großmann – 20.12.2020, 10:00 Uhr

    Sie kommen dich holen: Irgendwas stimmt mit den Schneemännern aus „Krampus“ nicht

    Die Feiertage rücken näher, und mit ihnen der Urlaub – in diesem Jahr in Gestalt eines Lockdowns, der wie meterhoher Schnee das komplette Leben außer Haus lahmlegt. Es wird also höchste Zeit, sich einen cremigen Kakao mit Zimt und Sahne zuzubereiten, die selbstgebackenen Plätzchen heranzuschaffen, es sich mit Decken auf dem Sofa bequem zu machen – und sich heftig zu gruseln.

    Um vielleicht etwas besser zu verstehen, warum man ausgerechnet zur besinnlichen Weihnachtszeit die Gruselkiste anschmeißen sollte, sei an dieser Stelle eine kleine Anekdote erzählt: Zwei kleine Mädchen, sie waren in etwa fünf und sechs, besuchten zur Weihnachtszeit ihre Großmutter. Diese musste jedoch das Haus verlassen, noch bevor die Mütter ihrer Enkelinnen diese abholen kamen. Also schob die Oma kurzerhand „Gremlins – Kleine Monster“ rein (Kinder, das ist doch ein lustiger Weihnachtsfilm) und überließ die Cousinen ihrer Unterhaltung. Die Folge: Eines der Mädchen bekam für den Rest ihres Lebens schon bei der Erwähnung von Horrorfilmen das Zittern – bei dem anderen war jedoch eine Leidenschaft geweckt. Zwanzig Jahre später hat nun also die eine Cousine zu jeder Gelegenheit die besten Gruselstreifen in der Hinterhand. Wenn Ihnen das entgegenkommt, klicken Sie sich einfach durch neun weihnachtlich-schaurige Tipps in der Bilderstrecke!

    Unsere Gruselfilm-Empfehlungen für die Festtage
    Beginnen wir mit dem Vater aller im tiefsten Winter spielenden Horrorfilme: „Shining“, im Deutschen „The Shining“ (1980), von Stanley Kubrick. Dieses Meisterwerk dient als eine der Grundlagen des modernen Geisterfilms und des persönlichen Wahnsinns, der die Zuschauenden mitzieht. Ist es die sorgfältig ausgewählte, mystisch-bedrückende Musik von Komponisten wie Ligeti oder Penderecki, der meterhohe Schnee, der das Hotel in den Bergen unter sich begräbt – oder doch die außerordentliche Leistung von Jack Nicholson, der immer weiter in ungeheure Sphären abdriftet? Alles zusammen ergibt ein derartig mit versteckten Hinweisen und Doppeldeutigkeiten gespicktes Kunstwerk, dass man es getrost jedes Jahr sehen kann. Zusatztipp: Auf jeden Fall mit dem Originalton versuchen. Warner Bros./Peregrine
    Auch der zweite Film in dieser Auflistung ist bald bereits 40 Jahre alt: „Gremlins – Kleine Monster“. Ebenfalls ein Klassiker – diesmal jedoch mit einer gehörigen Portion Humor und nah am Rande des 80er-Horrortrash gebaut. Dass dieser Film trotz junger Hauptfiguren eher nichts für Kinder ist, wurde bereits in der Einleitung erläutert. Doch Spaß macht es allemal, wenn die Hinweise zum Umgang mit dem süßen, plüschigen Mogwai (im Bild rechts) missachtet werden. Natürlich kommt das Handpuppenmönsterchen mit Wasser in Berührung und natürlich werden die Folgeviecher nach Mitternacht gefüttert. Was dann dabei eklig-fies herausspringt, ist im Bild links zu sehen. Ziemlich schnell wird so aus dem niedlichen Weihnachtsgeschenk eine die Stadt verwüstende Plage. Wem das gefällt, der kann übrigens den zweiten Teil „Gremlins II – Die Rückkehr der kleinen Monster“ gleich hinten dranhängen, er ist ebenso gut. Warner Bros./Amblin Entertainment
    Am Anfang von „The Lodge“ sollte man bereits ganz genau hinschauen. Gleich in den ersten Minuten passiert etwas ziemlich Erschreckend-Überraschendes, das auch den letzten Zweifelnden klar macht, womit man es hier zu tun hat. Es ist ein denkbar schlechtes Setting für die Hauptfigur Grace (Riley Keough): Ihr Freund lässt sie mit seinen Kindern (Jaeden Martell aus „Es“ und „Knives Out“; Lia McHugh) allein in einer einsamen Hütte mitten im Schnee – und diese Nachkommen der Ex-Frau hassen die neue „Mutter“. Schon allzu bald werden die Geschehnisse immer merkwürdiger und Grace trifft auf Dämonen aus ihrer Vergangenheit … Mit ohrenbetäubenden Soundeffekten und eisigem Setting wird man im gemütlichen Wohnzimmer immer wieder kalt erwischt. Der Plottwist ist vielleicht zu ahnen, doch man wird so gehörig auf die falsche Fährte geführt, dass man alle Vermutungen im Laufe der Verwicklungen wieder verwirft. Was dann folgt, ist so furchtbar, dass hier zum Appetitanregen mehr nicht verraten werden soll. FilmNation Entertainment
    Na gut, „Nightmare Before Christmas“ ist eigentlich nicht mal mit gutem Willen als Horrorfilm zu bezeichnen. Doch in einer Grusel-Weihnachts-Liste darf er eigentlich nicht fehlen. Tatsächlich passt diese Stop Motion-Produktion vom Erfolgsduo Tim Burton/ Henry Selick am besten zwischen Halloween und Advent in den November, da sie genau zwischen den zwei Genres liegt. Doch auch an Weihnachten taugt der wunderliche Puppenzauber, denn Protagonist Jack Skellington (in den Songparts gesungen von Komponist Danny Elfman höchstselbst) versucht, es mit dem Weihnachtsfest aufzunehmen. Dass diese Aktion gemeinsam mit der Bevölkerung von Halloweentown, die lieber verwesende Füße in die Geschenke packen will, zum Scheitern verurteilt ist, will Jack jedoch nicht wahrhaben. Denn, wer hätt’s gedacht: Auch skelettierte Gruselkönige im Nadelstreifenanzug können eine Midlifecrisis haben. Und, ja, richtig gelesen, es wird auch gesungen – aber diese fantasievollen Stücke sind selbst für ausgesprochene Musicalhasser ein Wohlklang. Touchstone Pictures/Tim Burton Productions
    Laut einer alten Überlieferung aus dem alpinen Raum gibt es so etwas wie das Antichristkind, einen bösen Knecht Ruprecht, der kommt, wenn man recht ungezogen war oder den Glauben an den echten Nikolaus verloren hat. Mit diesem gehörnten Dämon ist nicht gut Kirschenessen – häufig stand das Monster schon im Zentrum nicht ganz so feierlicher Weihnachtsfilme. Ein echter Schmackofatz ist diese Umsetzung des Stoffes: „Krampus“, mit Adam Scott („Big Little Lies“) und Toni Collette („Hereditary – Das Vermächtnis“) in den elterlichen Hauptrollen. Sohn Max (Emjay Anthony) ist derjenige, der sich in diesem Jahr mit Santa überworfen hat und so das Unglück beschwört. Letzteres nähert sich der Familie langsam, zunächst in Gestalt merkwürdiger Schneemänner, die in immer größeren Heerscharen den Garten besiedeln. Mitten im Schneesturm scheint die sich im Haus verbarrikadierende Sippe auch noch vom Rest der Welt abgeschnitten. Und plötzlich steht ein Sack mit mysteriösem, historischem Spielzeug vor der Tür. Der Clou des Films sind die mit SFX-Technik aufwändig gestalteten Monsterpuppen: Eine wahre Freude für Fans der handgemachten Effekte. Hier kann man endlich mal sehen, was passiert, wenn der Springteufel Hunger bekommt. Legendary Entertainment/ Universal Pictures
    Wie fast alle M. Night Shyamalan-Filme (insbesondere „The Happening“) ist auch dieser in seiner Wirkung auf das Publikum umstritten. Es wird immer jemanden geben, der sich bei den Werken des Horrormeisters langweilt, ein anderer versteht sie nicht, der dritte findet sie gar lächerlich – doch da sind auch immer noch genug treue Fans, die sich von der etwas anderen Erzählweise angesprochen fühlen. Und „The Visit“ hat immerhin eine der gruseligsten Großmütter der Filmgeschichte zu bieten. Ein Geschwisterpaar besucht seine Großeltern (Peter McRobbie, Deanna Dunagan) in deren Häuschen in der verschneiten Landschaft. Doch das Verhalten der beiden Alten ist zunehmend verstörend: Was macht Oma nächtens nackt im Hausflur, warum kratzt sie wie ein ungeduldiges Tier an der Tür? Und was stinkt da so bestialisch in der Gartenhütte von Opa? Letztendlich helfen die prägenden Erlebnisse dieses Weihnachtsbesuches den Kindern dabei, sich im Leben besser zurechtzufinden – doch dafür müssen sie zunächst durch ihre persönliche Hölle gehen. Blinding Edge Pictures/ Blumhouse Productions
    Wollen wir einem Engel erlauben, durchs Zimmer zu gehen? – in dieser Szene entdeckt Alfred (Roman Polanski selbst) neben homoerotischen Vibes das erste Mal, dass der Sohn des Grafen Krolock (Iain Quarrier) kein Spiegelbild hat. „Tanz der Vampire“ ist der älteste Film zwischen diesen Empfehlungen – erschaffen wurde die Dracula-Persiflage bereits 1967 von Roman Polanski. Junge, angehende Vampirinnen haben bereits im Alter von sieben Jahren (nach der Sichtung der Gremlins) darum gebettelt, diesen Film zu sehen – alle Jahre wieder im Winter muss die Vampirkomödie nun gesehen werden. Denn sie bietet nicht nur amüsant-ironische Szenen mit dem zerstreuten Professor Abronsius (Jack MacGowran) und seinem vampirjagenden Gehilfen Alfred, sondern auch unheimliche Auftritte allerlei blutrünstiger Wesen. Und natürlich die atemberaubend schöne Sharon Tate als blutleere Braut. Cadre Films/ Filmways Pictures
    „Dead End“ ist leider derzeit nur auf DVD erhältlich – das aber zu Video-on-Demand-vergleichbaren Preisen. Also keine Scheu. Dieses Kammerstück bietet eine Version des Themas „Aus diesem Ort ist kein Entkommen“, als die Familie Harrington auf dem Weg zum Weihnachtsfest einen „kleinen“ Umweg fährt. Sie entgehen nur knapp einem Unfall, doch dann will die lange, lange Straße durch den finsteren Wald einfach nicht enden – bis die Zuschauenden auf dem sicheren Sofa selbst schon völlig von der Ausweglosigkeit übermannt werden. Nach und nach rafft es ein jedes Familienmitglied auf mysteriöse Weise dahin, das beschließt, auszusteigen und es abseits des Weges zu Fuß zu versuchen. In dieser Low-Budget-Produktion wird so manches hässlich-splatterige Detail nur angedeutet, doch stattdessen investierte man in überzeugende Dialoge und Darsteller wie Ray Wise („Twin Peaks“) und Lin Shaye (bekannt aus zahlreichen weiteren Horrorstreifen wie „Insidious“ oder der neuen „The Grudge“-Verfilmung). Pentagon Pictures
    Einer noch: „Conjuring 2“ stammt aus dem Conjuring-Horror-Universum und ist direkt verwandt mit den „Annabelle“-Filmen und „Lloronas Fluch“. Hier tritt das erste Mal die finstere Nonne auf den Schirm, die später ebenfalls mit „The Nun“ ihr eigenes Spin-Off erhält. So viel zur Einordnung. Das Geisterjäger-Ehepaar Ed und Lorraine Warren (Patrick Wilson und Vera Farmiga) hilft in diesem zweiten Teil der „Conjuring“-Reihe einer alleinerziehenden Mutter mit vier Kindern, in deren Haus es gehörig spukt. Wer sich jedoch ein derart schockendes Ölgemälde ins Arbeitszimmer hängt wie das oben abgebildete, der muss sich wahrscheinlich nicht wundern. Gleich mit mehreren Geistern haben es die Frauen in der Weihnachtszeit zu tun – nun gilt es jedoch, Freund von Feind zu unterscheiden. Und diese Nonne, puh, verfolgt einen bis in die schlimmsten Alpträume – versprochen! In diesem Sinne: Froh-gruseliges Fest! New Line Cinema

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