Das internationale Fernsehjahr 2019 im Rückblick: Das Ende der großen Alten, Kampf um die Streaming-Krone

    Die großen Ereignisse des Fernsehjahres

    Bernd Krannich – 28.12.2019, 18:00 Uhr

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    2019 – Das Fernsehjahr international

    Das Jahr 2019 nähert sich in großen Schritten seinem Ende. Zeit für den traditionellen Jahresrückblick auf die wichtigsten Ereignisse und Themen in der TV-Welt. Wir lassen die vergangenen zwölf Monate Revue passieren: Welche Themen und Entwicklungen haben 2019 die amerikanische und internationale Fernsehlandschaft geprägt? Ein Blick zurück auf das internationale Fernsehjahr 2019:

    Generalmobilmachung in den Streaming-Wars

    Über die letzten Jahre hat sich die Szene der Streaminganbieter allmählich verändert. Das Jahr 2019 war zu einem Gutteil davon geprägt, dass für diverse Medienkonglomerate die Vorbereitungen in die heiße Phase gegangen und Ende des Jahres dann mit Apple TV+ und Disney+ zwei neue Anbieter auch endlich an den Start gegangen sind. Alle versuchten, aus ihren Stärken Vorteile zu ziehen, während es die ersten Opfer der Materialschlacht gibt, bevor diese richtig begonnen hat.

    Ein wichtiger Teil des Jahres war die Sicherung von bekannten Serien als Aushängeschild des eigenen Angebotes. Interessant waren und werden auch die Serien von Studios sein, die nicht selbst mit Streaming-Diensten vertreten sind – vor allem Sony. HBO Max holte sich „The Big Bang Theory“ und „Friends“ sowie „South Park“, Disney+ holte seine Filme zurück, Peacock sicherte sich „The Office“, „Frasier“, „Battlestar Galactica“ und „30 Rock“.

    Prominent unter den Bemühungen der Streamingdienste war in diesem Jahr sicherlich Disney+, da die zuvor gemachten Pläne schließlich im November im Start des Dienstes in den ersten Ländern mündeten. Dank Supersparangeboten mit mehrjähriger Laufzeit konnte Disney+ schnell Fuß fassen und die 10-Millionen-Abonnenten-Marke schon in einer Woche knacken. Dazu kommt, dass Disney und seine Tochterfirmen eine so gewaltige Bibliothek an Filmen und Serien in den neuen Dienst gebracht haben, dass nicht wenige befragte Konsumenten bereits dafür bereit waren, hier ein Abo abzuschließen. Vor allem mit „The Mandalorian“ als erster Prestige-Eigenproduktion konnte der junge Streaming-Dienst punkten. Disney wird vermutlich dauerhaft auf dem Weltmarkt der ärgste Konkurrent von Netflix und auch Prime Video sein.

    „The Mandalorian“ Bild: Disney+

    Auch Apple TV+ ging im November 2019 an den Start. Den kann man eher als einen kurzen Blitz bezeichnen: Da Apple nur eine Handvoll Eigenproduktionen anbieten kann, wird es lange dauern, bis dieser Dienst ein würdiges Programmangebot an den Start gebracht hat. So greift Apple einstweilen in die tiefen Taschen und gibt den Content als Draufgabe beim Kauf neuer Endgeräte kostenlos dazu. Die Taschen hier sind wirklich tief, die Ziele langfristig, man hat alle Neustarts frühzeitig für weitere Staffeln verlängert. Der Vorteil von Apple ist eindeutig, dass man mit dem Video-on-Demand-Geschäft zunächst keinen Profit machen muss – weder für die Unternehmenskasse noch die Aktionäre. Nichts verdeutlicht das wohl so sehr wie die Tatsache, dass man einfach den gesamten Dienst weltweit mit zahlreichen Synchronfassungen am selben Tag gestartet hat – etwas, wofür sich Disney ein Jahr lang Zeit nimmt und woran Netflix und Prime Video jeweils eine halbe Dekade gearbeitet hatten. Während andere Dienste sich „im laufenden Betrieb“ ausbreiten und dabei schon Einnahmen in wichtigen Märkten erzielen, hat Apple die ganze Vorbereitung seines Dienstes aus seiner Kriegskasse vorfinanziert.

    In der nächsten Kategorie kommen die Dienste von WarnerMedia und Comcast-NBCUniversal, bei denen in diesem Jahr die letzten Weichen gestellt wurden, um die Dienste 2020 auf die Konsumenten loszulassen. Beide haben im Verlauf des Jahres – überraschend – durchblicken lassen, dass man mit den eigenen Diensten gar nicht weltweit agieren will. WarnerMedia verkündete für HBO Max, dass man diverse Vertriebspartner von HBO – darunter Sky in Deutschland – als Partner in die Entwicklung zukünftiger Formate auch für HBO Max einbinden will. Anders als andere Medienkonglomerate setzt man also weiterhin darauf, Einnahmen über den Verleih des eigenen Contents in verschiedenen Ländern und Märkten zu erzielen, statt diese selbst überall mit einem eigenen Dienst zu vermarkten.

    Peacock, der kommende Dienst von Comcast-NBCUniversal, will einerseits in den USA auch mit Werbegeldern Einnahmen generieren, nicht nur mit Abogebühren – als einer der wenigen Dienste. Das bringt den „Nachteil“, dass mit Werbekunden auch immer die Bekanntgabe von harten Nutzerzahlen einhergeht – etwas, wo die Konkurrenz einfach Nutzerzahlen bekannt geben kann und sich nicht die Blöße geben muss, die Fehlschläge aus dem Programm zu offenbaren, die keine Zuschauer finden konnten. Man wird sehen, wie sich die weltweite Ausbreitung von Peacock darstellen wird. In Deutschland dürfte sie sehr wahrscheinlich an Schwesterfirma Sky gekoppelt sein.

    Überraschend aus dem toten Winkel gekommen ist das zu Lionsgate gehörende Starzplay. Unter anderem in Deutschland als Channel auf der Plattform von Amazon gestartet, hat man sich eine ansehnliche Reihe an Serien zusammenlizenziert und zuletzt verkündet, dass man die Ausbreitung in weiteren Märkten vorantreiben will.

    Netflix hat die Zeichen der Zeit erkannt – zahllose Anbieter greifen seine Spitzenposition an – und reagiert in gewohnter Manier: Geld leihen und eigene Formate produzieren. Da nach und nach die Luft dünner wird, Serien zu lizenzieren (auf Zeit die Ausstrahlungsrechte zu leihen), geht Netflix dazu über, verstärkt auf Ko-Produktionen zu setzen. Schon häufig hatte Netflix die weltweiten Rechte an Serien als Paket eingekauft, und in Kanada und Großbritannien auch häufig schon direkt Ko-Produktionen gehabt. Nun sucht man sich einfach weitere Partner. Daneben hat man die „Nische“ für sich entdeckt – die Nische der Unterhaltungsindustrie. Denn diese Industrie konzentriert sich in der Regel auf „die größte und einkommenstärkste Masse, die man am einfachsten erreichen kann“ – englischsprachige Industrienationen. Netflix hat seine Eigenproduktionen nach Europa und Indien ausgedehnt, wo die Wachstumschancen noch gut sind.

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