The Comedians – Review

    Neue FX-Sitcom mit Billy Crystal – von Gian-Philip Andreas

    Rezension von Gian-Philip Andreas – 04.05.2015, 12:17 Uhr

    Der Komiker von gestern und der freche junge Sidekick: Billy Crystal und Josh Gad als fiktionaliserte Versionen ihrer Selbst

    Billy Crystal ist ein witziger Mann. Nach Jahren als Stand-Up-Comedian und „Saturday Night Live“-Star spielte er in tollen oder wenigstens erfolgreichen Filmkomödien („Harry und Sally“, „Reine Nervensache“), moderierte nebenher die Oscar-Verleihung gleich neun Mal – nur Bob Hope machte das noch öfter. Doch schon als er diese Aufgabe 2012 zum bislang letzten Mal übernahm, sagten viele: Klar, Billy Crystal ist ein witziger Mann. Aber er wirkt eben auch ein bisschen von gestern – verglichen mit all den Tina Feys, Amy Poehlers, Andy Sambergs oder Will Fortes, die in den letzten Jahren so aus dem „SNL“-Dunstkreis zu weitreichenderem Ruhm gelangten.

    Insofern ist es eine wunderbare Mockumentary-Idee, die Crystal jetzt zusammen mit dem „Borat“-Regisseur Larry Charles, „Burn Notice“-Autor Matt Nix und dem Produzenten Ben Wexler („„Still Standing“„) an FX verkaufen konnten: Denn „The Comedians“, so heißt diese neue Single-Camera-Comedy, erzählt von Crystal selbst, nein, von einer fiktionalisierten Version von Crystal, die eine neue Sketch-Show an FX verkaufen will, damit aber scheitert, weil sie den Senderchefs irgendwie, nun ja, „von gestern“ vorkommt. Stattdessen stellen sie Crystal den wesentlich jüngeren Comedian Josh Gad („Die Trauzeugen AG“), nein, eine fiktionalisierte Version von Gad, an die Seite, als frechen, chaotischen Sidekick und Vertreter einer neuen Generation. Sehr zu Crystals Kränkung. Doch der muss einwilligen – sonst findet die Show nicht statt.

    Mit einer solchen Prämisse, die übrigens auf einem schwedischen Original („Ulveson & Herngren“ von 2005) basiert, nimmt man allen skeptischen Fragen nach der Notwendigkeit einer neuen Billy-Crystal-Comedyserie von vornherein selbstironisch den Wind aus den Segeln: Man präsentiert den 67-jährigen Star einfach ganz bewusst als altes Eisen und selbstherrlichen Egoshooter, der sich an den Gepflogenheiten und Erwartungen einer neuen Gag-Generation geradezu zwangsläufig reiben muss.

    Tatsächlich ist „The Comedians“ immer dann am stärksten, wenn die Serie um die Eitelkeiten von Protagonisten aus der Entertainment-Branche kreist. Wenn Josh Gad also etwa schwer daran zu tragen hat, dass seine letzte Serie („1600 Penn“ auf NBC) nach nur einer Staffel abgesetzt wurde. Oder wenn Crystals wenig gelungener Kinofilm „Reine Nervensache 2“ für 99 Cent auf einem Grabbeltisch liegt. Oder wenn Crystal und Gad zu einer Art Kid’s-Choice-Award-Verleihung eingeladen werden, weil sie dort nominiert sind für das, was tatsächlich ihre größten Erfolge in jüngerer Zeit gewesen sind: das Synchronisieren von Trickfilmfiguren (Crystal sprach das einäugige Glubsch-Wesen Mike in den „Monster AG“-Filmen, Gad den Schneeman Olaf in „Die Eiskönigin“). Oder wenn Gad bei Crystal ins Fettnäpfchen tritt, weil er nicht um dessen große Bühnenerfolge am Broadway weiß. Das erste Restaurant-Meeting der beiden Egomanen geht kolossal schief, und sowohl Gad als auch Crystal spielen das mit grandiosem Timing aus: peinliches Schweigen und virtuelles Facepalming in Bestform.

    Producerin Kristen (Stephnie Weir) ist nicht gerade entscheidungsfreudig

    Leider gibt es neben diesen, letztlich nur punktuell bleibenden Highlights wenig Positives über „The Comedians“ zu sagen. Das liegt zum einen natürlich daran, dass die Form des Projekts nicht neu ist: Co-Creator Larry Charles selbst (der hier auch selbst mitspielt und von Crystal als Regisseur gefeuert wird) hat schließlich mit „Seinfeld“ in den 1990er Jahren den bis heute gültigen Prüfstein für alle Comedies geschaffen, die sich um mehr oder minder fiktionalisierte Versionen ihrer Stars drehen, von „Louie“ bis „Pastewka“. „The Comedians“ gibt sich zwar schön selbstironisch, bleibt aber immer harmlos: Abgründig wird es nie, Crystal und Gad müssen bei aller ausagierten Eitelkeit stets sympathisch, also in ihrem Tun verstehbar bleiben. Und auch wenn sie nach den ersten Höflichkeiten in passiv-aggressive Kampfstellung gebracht werden, beginnt sehr bald der erwartbare Annäherungsprozess. Ebenso wenig neu ist das Mockumentary-Format, dem nach „Modern Family“ und vor allem „Parks and Recreation“ kein neuer Aspekt hinzugefügt wird.

    Ein weiterer Minuspunkt ist der Cast um Crystal und Gad herum – mit dem die Autoren wenig anfangen können. „MADtv“-Komödiantin Stephnie Weir etwa spielt Kristen, die übernervöse Producerin der „Billy & Josh Show“, die verlässlich nichts oder im Zweifelsfall das entscheidet, was Crystal ihr aufoktroyiert. Mehr Facetten hat sie bislang nicht, auch nicht, als ihr Ex-Freund auftaucht, ein transsexueller Regisseur, der inzwischen als Frau lebt. Das macht Kristen nur noch nervöser. Matt Oberg spielt den Head Writer Mitch als blassen Softie, der bislang vor allem dadurch auffällt, dass er sich von der gelangweilten Praktikantin Esme (Megan Ferguson) herumkommandieren lässt statt das andersherum zu handhaben. Esme wiederum will sich als Figur an den berühmten schlecht gelaunten Büro-Verweigerinnen der jüngeren Comedygeschichte (April in „Parks & Rec“, Rosa in „Brooklyn Nine-Nine“) messen lassen – was aber schiefgeht. Am ehesten lustig ist noch Denis O’Hare („American Horror Story“), der hier mit enttäuschungsbereiter Seelenruhe den FX-Verantwortlichen spielt. Daneben taucht noch gelegentlich Dana Delany („China Beach“) als Billy Crystals (fiktive) Gattin auf – doch aus keiner dieser Figuren konnten die Autoren bisher das notwendige Kapital schlagen, das sie zu mehr als nur zu Füllwerk machen würde.

    Das wäre durchaus zu verkraften, würden wenigstens die beiden Hauptdarsteller für niemals abebbende Freude sorgen. Doch das klappt leider nicht. Denn „The Comedians“ krankt an einem gewichtigen Problem, das auch sonst schon ungezählte Filme, Serien, Bücher plagte, die vor dem Dilemma standen, den kreativen Genius ihrer Protagonisten glaubhaft zu machen. Sprich: Wenn man von Komikern erzählt (zumal von Komikern, die fiktionalisierte Versionen der eigenen Persönlichkeit sind), die zwar eitel sein und ihre Fehler haben mögen, aber eigentlich ja schon witzig sein sollen, dann sollten das die gezeigten Kostproben ihres Könnens unter Beweis stellen. Wenn der Beweis nichts taugt, ist das ein bisschen peinlich.

    Tatsächlich sind die Ausschnitte aus der Sketch-Show, um deren Produktion „The Comedians“ kreist, meistens eher wenig komisch. Man sieht Crystal und Gad in diversen Verkleidungen alberne Dinge tun, die kaum zum Schmunzeln reizen. Die dritte Episode etwa beginnt mit einem penetrant in die länge gezogenen Kotz-Witz, der an die surreale Drastik von Monty Python oder Mel Brooks erinnert, aber nicht halb so amüsant ist wie diese. Es liegt nun natürlich nahe, dass die Macher diese Clips ganz bewusst „nicht lustig“ gestalten wollten, um das genialische Selbstbewusstsein der Protagonisten satirisch an der Realität zerschellen zu lassen. Darauf deutet zumindest die Pilot-Episode hin, in der Billy Crystal den FX-Oberen die spätere „Billy & Josh Show“ als Solo-Projekt unter dem Titel „The Billy & Billy Show“ pitcht und ihnen einen Clip vorführt, in dem er alle Rollen aus der legendären „Harry und Sally“-Orgasmus-Szene selbst verkörpert. Das ist das fast schon bemitleidenswerte Bild eines Komikers, der sich in der eigenen Legende verloren hat und nichts anderes mehr auf die Reihe bringt, als längst vergangene Erfolge egomanisch neu aufzugießen.

    Doch kann man sich selbst dabei nicht vorstellen, dass auch dieser Clip nicht wenigstens ansatzweise trotzdem „lustig“ sein soll. Auch die später eingestreuten Sketche, darunter eine bemerkenswert doofe „Orange is the New Black“-Parodie, wollen in ihrer unwitzigen Blödheit zweifellos auch lustig sein – schließlich haben die Macher ja zwei Stars vor der Kamera, die ihre Witzigkeit unter Beweis stellen wollen. So aber weiß man nie wirklich, ob die gezeigten Ausschnitte tatsächlich nicht lustig sind oder aber gerade deshalb lustig sein sollen, weil sie nicht lustig aussehen. Diese Ambivalenz könnte prinzipiell reizvoll sein, ist aber vor allem eine schwierige Kiste, ein Problem, ein Dilemma. Und aus dem hat sich „The Comedians“ bislang nicht überzeugend herausgewunden. Vielleicht ist es deshalb auch konsequent, dass die improvisiert wirkenden Abspannsequenzen am Ende jeder Folge die mit Abstand komischsten jeder Episode sind.

    Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten drei Episoden von The Comedians“.

    Meine Wertung: 2,5/5

    © Alle Bilder: FX Productions / Fox21

    Über den Autor

    Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für fernsehserien.de rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 („Lonely Souls“) ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 („Pine Barrens“), The Simpsons S08E23 („Homer’s Enemy“), Mad Men S04E07 („The Suitcase“), My So-Called Life S01E11 („Life of Brian“) und selbstredend Lindenstraße 507 („Laufpass“).

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Six Feet Under, Parks and Recreation

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