Das Fernsehjahr 2014 im Rückblick – Teil 1

    Die nationalen TV-Ereignisse des Jahres – von Glenn Riedmeier

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    Das Jahr 2014 ist fast Geschichte. Zeit für den traditionellen Jahresrückblick auf die wichtigsten Ereignisse und Themen in der TV-Welt. Wir lassen die vergangenen zwölf Monate in zwei Teilen Revue passieren. Los geht es mit dem nationalen Rückblick: Welche Nachrichten haben die deutsche Fernsehlandschaft geprägt und welche Flops haben die meisten Zuschauer inzwischen schon wieder verdrängt? Und welche Themen interessierten die Nutzer von tv-wunschliste in den vergangenen zwölf Monaten am meisten? Ein Blick zurück auf die wichtigsten Ereignisse des TV-Jahres geordnet nach Themengebieten.

    Ereignisse und Trends

    „ESC“-Gewinnerin Conchita Wurst

    Die Fußball-Weltmeisterschaft aus Brasilien bringt Jogi Löw und seinen Jungs nicht nur einen neuen Titel ein, sondern sorgt auch für einen Quoten-Allzeitrekord. Mehr als 34 Millionen Zuschauer allein in Deutschland verfolgen das Finale – noch nie zuvor wurde ein größerer Wert gemessen. Jubeln können im Mai auch die Österreicher: 48 Jahre nach Udo Jürgens gewinnt die Alpenrepublik mit ihrer Vertreterin Conchita Wurst endlich wieder den „Eurovision Song Contest“ und setzt gleichzeitig ein Zeichen für Toleranz. Dies versucht auch die ARD mit einer Themenwoche, stößt allerdings mit fragwürdigen Plakaten auf Gegenwind.

    Die Retrowelle, die sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet hat, wird 2014 konsequent fortgesetzt. Sat.1 holt „Nur die Liebe zählt“, „Deal or no Deal“ und „Die perfekte Minute“ zurück, während die ARD nach „Das ist Spitze!“ alias „Dalli Dalli“ auch „Einer wird gewinnen“ und „Am laufenden Band“ reaktiviert. Der WDR bringt mit „Geld oder Liebe“ einen weiteren Klassiker zurück auf die Mattscheibe. Zudem grassiert eine 1990er-Jahre-Nostalgie, die sich in der RTL-Sendung „I Like The 90’s“, sowie Themenwochen bei arte („Summer of the 90s“) und kabel eins („Back to the 90s“) zeigt. Jan Böhmermann gelingt mit seiner „NEO Magazin“-Hymne auf die 1990er Jahre ein durchschlagender YouTube-Erfolg. Im WDR bringt er zudem mit „Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von … “ das Genre der Ensemble-Sketch-Comedy zurück.

    Shows

    Markus Lanz

    Der Unterhaltungsbereich ist 2014 geprägt von zahlreichen Abschieden. Im Frühjahr endet nach 19 Jahren „Die Harald Schmidt Show“ vor einem kleinen Publikum bei Sky. Auch für Harald Schmidts ehemaligen Partner Oliver Pocher lief es schon mal besser. Seine RTL-Spielshow „Alle auf den Kleinen“ wird nach nur fünf Ausgaben eingestellt. Nach 15 Jahren nimmt auch Reinhold Beckmann seinen Hut und erleichtert die ARD um eine abendliche Talkshow. Stattdessen zeigt das Erste donnerstags nun diverse Comedy- und Kabarettshows wie „Nuhr im Ersten“ oder „extra-3“ und erreicht damit deutlich bessere Quoten. Nach mehr als 27 Jahren verabschiedet sich Wieland Backes zum Ende des Jahres als Moderator der SWR-Traditionstalkshow „Nachtcafé“ – seine Nachfolge tritt 2015 Michael Steinbrecher an. Der größte Abschied besteht allerdings in der Trennung des ZDF von seinem kränkelnden Unterhaltungs-Flaggschiff „Wetten, dass..?“. Was bis vor wenigen Jahren noch ausgeschlossen schien, setzen die Mainzer in die Tat um. Wegen sinkenden Quoten und anhaltender Kritik, die sogar in einer Online-Petition gegen Markus Lanz gipfelte, endet der Showklassiker nach 34 Jahren. Dazu passt dann auch, dass „Der Deutsche Fernsehpreis“, der seinen guten Ruf schon längst verspielt hatte, 2014 zum letzten Mal verliehen wird. Ein neuer Preis soll unter neuen Vorzeichen im kommenden Jahr entwickelt werden.

    Der zur ARD zurückgekehrte Jörg Pilawa versucht den Erfolg der Handy-App „Quizduell“ als TV-Show zu adaptieren. Nach ausdauernden Anlaufschwierigkeiten und technischen Pannen gelingt das sogar. 2015 wird die Quizshow die Daily-Soap „Verbotene Liebe“ am Vorabend dauerhaft ersetzen. Pilawa zementiert außerdem sein Image mit der Primetime-Reihe „Quizonkel.tv“, deren Zukunft allerdings noch offen ist. Ausgeschlossen erscheint eine Fortsetzung der eher fremdschämigen Promi-Karaoke-Show „Sing wie dein Star“, die ebenfalls von Pilawa moderiert wurde. Den größten Flop legt allerdings die ProSiebenSat.1-Gruppe gleich zu Beginn des Jahres hin: Die völlig undurchdachte Eventshow „Millionärswahl“ läuft so schlecht, dass das Finale lediglich im Internet übertragen wird. Ähnlich desaströs ergeht es auch RTL mit „Rising Star“, das offensichtlich eine Castingshow zu viel war. Der Kölner Sender reagiert auf die miesen Quoten und bringt das Format vorzeitig zu Ende. Ebenfalls durchgefallen ist die ProSieben-Variante „Keep Your Light Shining“. Mit der Spielshow „Himmel oder Hölle“ überschreitet der Sender die Grenzen des guten Geschmacks, was von den Zuschauern in der zweiten Ausgabe mit schlechten Quoten abgestraft wird. VOX gelingen dagegen mit „Die Höhle der Löwen“ und „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ zwei Überraschungshits, die qualitativ und aus Quotensicht überzeugen können. Auch Sat.1 schafft es bei „Promi Big Brother“ das Ruder zur zweiten Staffel herumzureißen und mit einem überarbeiteten Konzept die Zuschauer zu binden.

    25.12.2014, 10:00 Uhr – Glenn Riedmeier/fernsehserien.de

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier ist Jahrgang '85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. "Bim Bam Bino", "Vampy" und der "Li-La-Launebär" waren ständige Begleiter zwischen den "Schlümpfen", "Familie Feuerstein" und "Bugs Bunny". Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. "Ruck Zuck" oder "Kaum zu glauben!". Auch für Realityshows wie den Klassiker "Big Brother" hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie "Die Harald Schmidt Show" und "PussyTerror TV", hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie "Eine schrecklich nette Familie" und "Roseanne", aber auch schräge Mysteryserien wie "Twin Peaks" und "Orphan Black". Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

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