Primetime Emmys regeln Comedy- und Drama-Kategorien neu

    Regelung soll mehr Klarheit liefern, hat aber Hintertürchen

    Bernd Krannich – 21.02.2015, 13:44 Uhr

    „Emmy Award“

    Am Freitag hat die amerikanische Academy of Television Arts & Sciences (ATAS) Regeländerungen für die von ihr verliehenen Primetime Emmy Awards vorgelegt – die Emmy-Regeln werden üblicherweise jährlich geringfügig angepasst. Seit der Aufnahme von „nicht im Fernsehen“ gestarteten Formaten (also Video-on Demand wie „Netflix“) gab es diesmal die weitgehendsten Änderungen in der jüngeren Vergangenheit: Die Kategorien „Drama“, „Comedy“ und „Mini Series“ wurden mit neuen Definitionen versehen. Während viele Branchenbeobachter die Änderungen begrüßten wurden sie andernorts als „zu kurzer erster Schritt“ kritisiert. Grundsätzlich werden die Änderungen als notwendige Regularien gesehen, die „strategische Einreichungen“ verhindern sollen – Sender, die die Regeln verbiegen, um mit zwei Erfolgsserien in unterschiedlichen Kategorien antreten zu können und sich somit nicht selbst Konkurrenz zu machen.

    Generell sei an dieser Stelle daran erinnert, dass bei den Emmys sich die Produktionen und Darsteller selbst bewerben, also im Rahmen von weit gefassten Regeln selbst entschieden, ob und wo sie antreten wollen. Daneben wird auch nie eine ganze Staffel von den Emmy-Wählern betrachtet, sondern in jeder Kategorie gibt es Vorgaben für die Bewerbungsmaterialien. Drama- und Comedy-Serien zum Beispiel reichen jeweils drei Folgen aus der Staffel als Bewerbungsmaterialien ein.

    Comedy-Kategorie

    Vornehmlich wurde festgelegt, dass Serien, die in der Comedy-Kategorie antreten wollen, maximal 30 Minuten pro Episode laufen dürfen. Das schließt „einstündige Comedys“ wie „Jane the Virgin“ zunächst aus, ebenso das von Netflix seit der zweiten Staffel hier eingereichte „Orange is the New Black“. „Desperate Housewives“ hatte seinerzeit dafür gesorgt, dass sich „einstündige Comedy-Serien“ regelmäßig hier bewarben.

    Allerdings soll es in Zukunft möglich sein, dass sich einstündige Serien mit einer ausführlichen Begründung als Comedy bewerben können, wozu ein Panel von Industrie-Vertretern als Juroren eingerichtet werden soll (fünf Mitglieder werden vom Academy Chairman, vier vom Board of Governors der Academy entsandt; eine Zwei-Drittel-Mehrheit kann eine Bewerbung erfolgreich werden lassen).

    Hollywood Reporter-Kritiker Tim Goodman weist an dieser Stelle zurecht darauf hin, dass es sich somit allerdings um ein Industrie-Panel handelt – bei dem diverse Mitglieder unter Umständen durch ein Netz an persönlichen und wirtschaftlichen Verbindungen zu Pro oder Con-Entscheidungen gebracht werden können, was die neue Regelung aushebeln könne.

    Die Zuweisung zu den Kategorien beginnt in diesem Jahr bei „Null“. Allerdings wird es wohl so sein, dass in Zukunft eine 60-Minuten-Serie, die einmal als Comedy akzeptiert wurde, diesen Status dauerhaft behalten kann.

    Drama-Kategorie

    Entsprechend sind für diese Kategorie Serien einreichbar, die eine Laufzeit von mehr als 30 Minuten haben.

    Mini-Series werden Limited Series

    Der Begriff der Mini Series wurde zugunsten von Limited Series zur Ruhe gesetzt. Das deutet an, dass Miniserien-Anthologien wie „American Horror Story“ oder „Fargo“ hier landen sollen. Jedoch ist die Regelung noch eher schwammig.

    Mindestens „zwei Folgen und eine Gesamtlaufzeit von 150 Minuten“ sind notwendig, um sich hier bewerben zu können. Verschiedene „Staffeln“ von Limited Series dürfen keine übergreifende, fortlaufende Handlung oder Hauptfiguren haben – Comedy- und Dramaserien zeichnen sich gemäß der Academy-Definition im Gegenzug durch wiederkehrende Hauptfiguren und/oder fortlaufende Handlungen aus. Allerdings kann man sich für eine Comedy- oder Drama-Serie bereits ab sechs Folgen bewerben.

    Wiederum kann das oben beschriebene Panel angerufen werden, wenn man der Meinung ist, eine Sonderbehandlung verdient zu haben.

    Problemfälle liegen auch hier wieder auf der Hand: „True Detective“ mit seinen acht Folgen in der ersten Staffel könnte sich wohl weiter zumindest in Staffel eins als Drama-Serie bewerben. „Britische“ Serien, die von PBS oder BBC America ko-produziert werden könnten mit ihrer kurzen ersten Staffeln ebenfalls als Limited Series antreten, wie es seinerzeit „Downton Abbey“ gemacht hat. Dass alle vier Staffeln von „American Horror Story“ durch geringe Verknüpfungen wohl im selben Serienuniversum spielen scheint im Rahmen dieser Definition vernachlässigbar zu sein.

    Guest Actors

    In dieser Kategorie gab es das Problem, dass sich manche Darsteller als Supporting Actor bewarben und manche sich mangels genauer Definition als Guest Actor einer vermeintlich leichteren Konkurrenz stellten. Nun wurde festgelegt, dass nur Darsteller als Guest Actor antreten dürfen, die „in weniger als 50 Prozent der Folgen“ auftraten.

    Geteilte Variety-Kategorie

    Die Kategorie „Outstanding Variety, Music or Comedy Series“ wird in zwei Kategorien aufgeteilt: „Outstanding Variety Talk“ wird weiterhin bei der Hauptveranstaltung der Primetime Emmy Awards verliehen, „Outstanding Variety Sketch“ findet ihren Platz bei der Verleihung der Creative Arts Emmys.

    Mehr Nominierungen für Comedy und Drama

    Es wurde beschlossen, statt wie bisher sechs nun jeweils sieben Serien in den Kategorien Drama und Comedy auf die Nominierungsliste zu setzen. Damit soll dem „dramatisch gestiegenen Produktionsumfang“ in Sachen Fernsehserien Rechnung getragen werden. Was zwar als Schritt in die richtige Richtung erscheint, aus Sicht der Hervorhebung großartiger Leistungen aber kaum ausreicht.

    Ausgeweitete Wählerschaft

    Von enormer Bedeutung ist eine neue Regelung zur Frage: „Wer wählt aus den Nominierungslisten die Gewinner aus?“

    Grundsätzlich ist jedes Mitglied der ATAS für sein Spezialbereich berechtigt, Einträge für die Nominierungsliste vorzuschlagen. Dabei muss aber bestätigt werden, dass man das Projekt auch wirklich gesehen hat und dass kein Interessenkonflikt vorliegt, man also nicht etwa bei der betreffenden Firma verbunden ist.

    Schwieriger war stets die zweite Abstimmungsrunde. Denn die Academy wollte sicherstellen, dass die dort abstimmenden auch wirklich alle Kandidaten (beziehungsweise deren in den Emmy-Regeln festgelegten Bewerbungsunterlagen) gesichtet hatten. Das wurde früher gerne dadurch sichergestellt, dass man Hotelräume für Viewing-Parties mietete und sich die Anwesenden in Listen eintragen mussten. Zudem durfte nicht jedes Academy-Mitglied jedes Jahr bei der Endabstimmung mitmachen. Die derart Abstimmenden wurden als „Blue Ribbon Commity“ bezeichnet.

    Trotzdem wurde dem Prozess immer nachgesagt, dass die Stimmen häufig auf diejenigen Kandidaten fielen, die ihre Freunde zur Teilnahme an dem aufwändigen und unbequemen Prozess motivieren konnten. Oder doch zumindest auf diejenigen, bei denen die „Wähler“ den jeweiligen Serien auch privat gefolgt waren und nicht nur die zusammegeschnittenen Bewerbungsunterlagen „in einer Mammut-Sitzung in einem schlecht gelüfteten, engen, überfüllten Hotelzimmer“ gesehen hatten. Daneben konnte ein „überzeugter“ Wähler bei solch einer Viewing-Party eben sein möglichstes tun, um andere Anwesende von seiner Meinung zu überzeugen.

    In einer Änderung wird nun die Wählerschaft für die Endrunde vergrößert. Da die Academy ihren Mitglieder die audio-visuellen Bewerbungsunterlagen nun online zur Verfügung stellt kann jeder abstimmen, der bestätigt, die Bewerbungsunterlagen gesehen zu haben (bis zu drei Folgen aus der Staffel) und keinen „spezifiischen“ (Arbeitgeber etc.) Interessenkonflikt mit allen Nominierten zu haben. Natürlich lässt sich auch hier anmerken, dass eine solche „Unterschrift“ geduldig ist und auch hier die „Motivation“ der potentiellen Wähler eine große Rolle für ein gutes Abstimmungsergebnis ist.

    Wie angesprochen stimmt jedes der 17000 ATAS-Mitglieder grundsätzlich in seinem Spezialgebiet ab (Schauspieler über Schauspieler, Drehbuchautoren über Drehbücher, etc), die Hauptkategorien Drama- und Comedy-Serie werden aber von allen Mitgliedern bestimmt.

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