Großer Aufschlag bei TVNOW: Elf(!) eigenproduzierte Serien vorgestellt

    Mit Berben, Sittler, Baum, Herbst, Lara und Schirach, plus „Club der roten Bänder“-Spin-Off

    Ralf Döbele und Glenn Riedmeier – 19.02.2020, 19:05 Uhr

    Cast und Crew der neuen TVNOW-Fictionprojekte

    Am heutigen Mittwochnachmittag gab TVNOW im Soho House Berlin Einblicke in seine Fiction-Pläne. Der Streamingdienst der Mediengruppe RTL überraschte mit der Ankündigung einer Vielzahl von fiktionalen Serien-Eigenproduktionen. Insgesamt elf neue Serien wurden vorgestellt. Dabei ließ es sich TVNOW-Co-Geschäftsleiter Henning Tewes allerdings nicht nehmen, ein Jahr seit dem Relaunch auf die Erfolgsgeschichte zu verweisen. So sei TVNOW mit über fünf Millionen Unique-Usern schon jetzt der „Local Hero“ unter den deutschen Streaminganbietern. Die Erwartungen für das Jahr 2019 seien weit übertroffen worden. Mit der ORF-Koproduktion „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ habe man den Grundstein gelegt für die weiteren Projekte.

    Entscheidend sei, Geschichten zu finden, an die Zuschauer in Deutschland andocken können. TVNOW wird diesbezüglich mit RTL und VOX eng zusammenarbeiten. VOX-Geschäftsführer Sascha Schwingel bezeichnete das „Dreieck als irre Chance für uns“. Hauke Bartel und Frauke Neeb, die Bereichsleiter für fiktionale Produktionen von RTL, VOX und TVNOW, verkündeten insgesamt elf neue Serien.

    Glauben

    Produzent Oliver Berben und Schriftsteller Ferdinand von Schirach stehen hinter „Glauben“, das im Gegensatz zu vorherigen gemeinsamen Projekten nicht auf einer Buchvorlage, sondern auf einer wahren Begebenheit basiert: den Wormser Prozessen. Sie gelten als größte Missbrauchsprozesse der deutschen Rechtsgeschichte, die von 1994 bis 1997 andauerten. Es wurden 25 Menschen zu Unrecht des Kindesmissbrauchs beschuldigt und verurteilt. Sie kamen in Untersuchungshaft und die Kinder wurden ihnen weggenommen – obwohl der Missbrauch nicht stattgefunden hat. Alle 25 Beschuldigten wurden letztendlich frei gesprochen. Justiz, Presse und Gesellschaft haben damals versagt, nur wenige Journalisten haben sich dagegengestellt. Die Serie übersetzt die Mechanismen von damals in die heutige Zeit und stellt die Frage, wie wir leben wollen. Die unglaublichen Dinge im Drehbuch seien alle genau so passiert. Laut Schirach leben wir in einer Zeit permanenter Empörung. Eine Rückbesinnung auf kritische Vernunft sei angebracht. Produziert wird „Glauben“ als multimediales Gesamtprojekt mit sieben Folgen und einem zugehörigen Video-Podcast. Schirach spricht in begleitenden Interviews mit Protagonisten von damals, wie zum Beispiel Gisela Friedrichsen.

    Wolfsburg (Arbeitstitel)

    Bei „Wolfsburg“ handelt es sich um eine filmische Aufarbeitung der Diesel-Affäre beziehungsweise des Abgasskandals. Die ebenfalls von Oliver Berben produzierte Serie stellt die Frage, was den Konzern getrieben hat, den verheerenden Betrug zu begehen, und will Antworten liefern, die spannend, ambivalent und komisch sein sollen. Die besondere Tonlage (Skurrilität und Wahnsinn = Hybris) soll in der Tradition von Filmen wie „I, Tonya“ und „Vice“ stehen. Der Autor der Serie hatte selbst einen VW Golf, der als Dreckschleuder entlarvt wurde.

    Der König von Palma

    Ursprünglich bereits von RTL angekündigt wurde „Der König von Palma“. Die „High-End-Dramaserie“ mit Henning Baum in der Hauptrolle kommt aus dem Hause UFA Fiction. Die Serie spielt im Jahr 1990: Post-Wende, Aufschwung, Feierstimmung. Inspiriert von wahren Begebenheiten erzählt „Der König von Palma“ vom Boom des Massentourismus auf Mallorca nach dem Mauerfall. Basierend auf wahren Hintergrund-Geschichten über erfolgreiche Geschäftsleute in Mallorca nach dem Mauerfall handelt die Serie von einem Familienvater aus dem Ruhrgebiet, der die Gelegenheit erhält, seinen Traum zu verwirklichen, der ihn und seine Familie verändern wird. „Der König von Palma“ soll eine Heldenreise erzählen, die sich nicht nur um eine einzelne Heldenfigur dreht, sondern um die ganze Familie, die genauso viel dazu beiträgt.

    Disko Bochum

    Ebenfalls von UFA Fiction kommt die Serie „Disko Bochum“ („Disko“ bewusst mit „k“ geschrieben), die in den 1970er Jahren im Ruhrgebiet „als Herz und Seele des Landes“ spielt. Erzählt wird eine Familiengeschichte in einer Zeit, in der die Clubkultur erfunden wurde. Wo Großstadt und Provinz sowie wahnsinnige Menschen und Geschichten zusammenkommen, will ein patriarchaler Vater seine Kinder als Nachfolger ins Lebensmittelgeschäft bringen. Die Serie entstand in einem vorwiegend weiblichen Writers Room.

    Die Zeugen

    Nico Hofmann steuert die Serie „Die Zeugen“ bei, für die Alexandra Maria Lara als Hauptdarstellerin gewonnen wurde. Basierend auf der Prämisse „Die Frage ist nicht, ob eine Erinnerung falsch ist, sondern wie falsch sie ist“ geht es um ein wissenschaftliches Experiment, bei dem den Probanden falsche Erinnerungen eingepflanzt werden. Ein Kind wurde aus dem Museum entführt. Sein Leben hängt von der Erinnerung einer bestimmten Person ab. Alexandra Maria Lara spielt eine Erinnerungswissenschaftlerin, die auf der realen Person Dr. Julia Shaw basiert. Die Schauspielerin hofft, dass junge Frauen und Mädchen mit der Serie dazu inspiriert werden, in die Wissenschaft zu gehen. Die reale Steilvorlage könnte die Polizeiarbeit beträchtlich verändern. Erzählt wird die achtteilige Serie von UFA Fiction als Kammerspiel und reines Gesprächsformat, ohne Rückblenden. Nico Hofmann will in Zusammenarbeit mit TVNOW qualitative Top-Projekte liefern und nennt „Rampensau“ als positives Beispiel.

    Tonis Welt

    „Tonis Welt“ wird ein Spin-Off der früheren VOX-Erfolgsserie „Club der roten Bänder“ und stellt die zwei Figuren Toni (Ivo Kortlang) und Valerie (Amber Bongard) ins Zentrum. Zeitlich ist die Fortsetzung ein Jahr nach der Originalserie angesiedelt und erzählt davon, wie die beiden Charaktere als Autist und Frau mit Tourette-Syndrom aneinanderwachsen und erwachsen werden. VOX hatte die Idee zur Serie schon vor zwei Jahren.

    Torstraße 1

    Die Torstraße 1 ist die Adresse des Soho House in Berlin, wo TVNOW seine Serien-Projekte vorgestellt hat. Gleichzeitig ist „Torstraße 1“ der Titel des gleichnamigen Romans von Sybil Volks, der als Serie adaptiert wird. Von der Gründung des Hauses bis zur Eröffnung des Soho House wird sowohl die Geschichte des Gebäudes, eine große Liebesgeschichte und die Geschichte Deutschlands erzählt. So fungierte das Gebäude auch schon als Kaufhaus und als Zentrale der Hitlerjugend. Für Regisseurin Sherry Hormann handelt es sich um ihr ersten Serienprojekt, X Filme fungiert als Produktionsfirma.

    Herzogpark

    Die frühere Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel entwickelte „Herzogpark“ zusammen mit Autorin Yoko Higuchi-Zitzmann. Mit einem Augenzwinkern und starken Frauenfiguren spielt die Serie im Reichen-Viertel Herzogpark im Münchner Stadtteil Bogenhausen, wo es die höchste Dichte von DAX-Vorständen und Millionärsgattinnen gibt. Im Epizentrum, wo viele Menschen hin möchten, aber schon andere sind, trifft Sein auf Schein, altes Geld auf neues Geld, und es werden Geheimnisse der Herkunft offengelegt. Riekel, die selbst in dem Stadtteil lebt, zog ihre Inspiration für die Serie aus 20 Jahren Erfahrungen mit Prominenten.

    Tilo Neumann und das Universum

    Christoph Maria Herbst verkörpert in „Tilo Neumann und das Universum“ den titelgebenden Lehrer, der sein Leben total „verkackt“. Seine Frau läuft ihm weg und seine Kinder wollen nichts von ihm wissen. Daraufhin trinkt Tilo zuviel und nimmt Drogen – bis er plötzlich die Stimme des Universums hört, die ihn rettet. Doch die Stimme geht nicht mehr weg. Ist er verrückt geworden – oder doch normaler als alle denken? Autorin Sonja Schönemann lebte in Berlin und zog ihre Inspiration zur Serie aus einer Begegnung. Auf der Friedrichstraße sah sie einen Mann, der lauthals Dinge erzählt hat. Bald gebe es einen Knall, danach sei alles vorbei. Was wäre, wenn er Recht hat?

    Mirella Schulze rettet die Welt

    Eine eigenwillige Prämisse hat das Projekt „Mirella Schulze rettet die Welt“. Es basiert auf der Frage: Was wäre, wenn Greta Thunberg ein deutsches Mädchen wäre? Die Familie von Mirella Schulze ist typisch deutsch, grillt gerne und versteht den Aktivismus nicht. Die Serie soll von Mirellas Anstrengungen erzählen, sich mit ihrer Familie auseinandersetzen zu müssen. Derzeit befindet sich das Projekt noch in der Castingphase.

    Unter Freunden stirbt man nicht

    Das letzte vorgestellte Serienprojekt heißt „Unter Freunden stirbt man nicht“ und kann mit einem prominenten Cast aufwarten. Walter Sittler, Adele Neuhauser und Iris Berben spielen eine Freundesclique im fortgeschrittenen Alter. Einer von ihnen (Walter Sittler) stirbt, kurz bevor er den Nobelpreis erhalten hätte. Seine Freunde wollen ihn kurzum am Leben halten, bis die Verleihung in fünf Tagen über die Bühne gegangen ist. Der humorvolle Vierteiler soll ohne Political Correctness von Liebe und Verrat erzählen und die Frage behandeln, wie viel Freundschaft aushält – und was man bereit ist, dafür zu tun. Adele Neuhauser habe beim Lesen des Drehbuchs Tränen gelacht – und Walter Sittler freut sich über die Rolle, für die er nicht viel Text lernen muss. Ebenfalls im Cast ist Heiner Lauterbach.

    Bilder vom TVNOW-Fiction-Ausblick im Soho House Berlin
    Ralf Döbele für fernsehserien.de
    Ralf Döbele für fernsehserien.de
    Ralf Döbele für fernsehserien.de

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      und noch mehr Eigenproduktionen. Davon kommt doch schon im TV genug. Nix für mich.
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