Fran Drescher („Die Nanny“) und Anthony Rapp („Star Trek: Discovery“) wollen Gewerkschaftsführer werden

    SAG-AFTRA-Präsidentin Gabrielle Carteris („Beverly Hills, 90210“) tritt ab

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 04.07.2021, 19:33 Uhr

    Anthony Rapp in „Star Trek: Discovery“ und Fran Drescher in ihrer letzten Serienhauptrolle in „Indebted“ – Bild: Paramount+/NBC
    Anthony Rapp in „Star Trek: Discovery“ und Fran Drescher in ihrer letzten Serienhauptrolle in „Indebted“

    Die einflussreiche, US-amerikanische Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA vertritt 160.000 Schauspieler in Film und TV – und sucht eine neue Präsident:in. Denn Amtsinhaberin Gabrielle Carteris wird nicht zur Wiederwahl antreten. Carteris und ihre Fraktion in der Gewerkschaft haben ihre Unterstützung für Fran Drescher als Nachfolgerin bekundet, die mit Anthony Rapp („Star Trek: Discovery“) als Stellvertreter antreten will. Die Wahlen finden im späteren Sommer per Briefwahl statt.

    Eine kurze Geschichte der amerikanischen Schauspielergewerkschaft

    In den Vereinigten Staaten haben die Gewerkschaften in der Film- und Fernsehindustrie großen Einfluss. Die Gewerkschaften handeln für ihre Mitglieder die Rahmenverträge mit der Filmindustrie aus, vertreten durch die Alliance of Motion Picture and Television Producers (AMPTP) – zuletzt ging es dabei auch um die Arbeitsbedingungen unter COVID-19. Daneben werden aber auch andere Verträge ausgehandelt, etwa mit der Werbeindustrie über die Vergütungen dort etc. Mehrfach haben Gewerkschaften Produktionen wegen Verstößen mit einem Bann belegt. Und bei einigen Gelegenheiten wurden auch große, mehrmonatige Streiks von den Gewerkschaften im Arbeitskampf ausgerufen.

    Die aktuell mit Abstand wichtigste Schauspielervertretung ist die SAG-AFTRA. Die ging am 30 Juni aus der Vereinigung der vorherigen Screen Actors Guild (SAG) und der American Federation of Television and Radio Artists (AFTRA) hervor. Historisch hatten die „Filmschauspieler“ und die „Bühnenkünstler“ unterschiedliche Aufgaben und Arbeitsgebiete, aber es gab immer mehr Überschneidungen, die auch zu einer Konfrontation und Konkurrenz führten. Wer in beiden Gebieten arbeitete (zuletzt 60.000 gemeinsame Mitglieder) war dadurch benachteiligt, da jede Gewerkschaft für die Gewährung von Leistungen (etwa Krankenversicherung) eine Mindestleistung im Beruf voraussetzte – und natürlich ist es schwieriger, wenn die beruflichen Leistungen über die Verantwortung von zwei Gewerkschaften hinweg „abgerechnet“ wurden.

    Letztendlich hatte sich bei der SAG-AFTRA die Vereinigung Unite for Strength durchgesetzt, zu der auch Gabrielle Carteris gehört. Daneben gibt es in der Gewerkschaft noch die Vereinigung Membership First, die im Arbeitskampf ein eher härteres Vorgehen befürwortet und in der Vereinigung mit AFTRA einen Fehler sah, da die Kernkompetenz der SAG dadurch verwässert wurde. Zudem gibt es in den diversen lokalen, regionalen und überregionalen Vorständen „unabhängige“ Kandidaten, die ohne Parteigänger antreten.

    Seit 2012 ist Unite for Strength die im Bundesvorstand-SAG-AFTRA führende Kraft. Zunächst war Ken Howard („Crossing Jordan“) für sie der Gewerkschaftspräsident. Nach seinem überraschenden Tod 2016 wurde seine bisherige Stellvertreterin Carteris als Nachfolgerin bestätigt, die dann 2017 und 2019 als Präsidentin gewählt wurde. Zuletzt war Camryn Manheim („Stumptown“, „Practice – Die Anwälte“) Carteris’ Vize-Präsidentin – und damit gleichzeitig die Verantwortliche für die Gewerkschaftskassen. Auch Manheim tritt nicht erneut an.

    Die neuen Spitzenkandidaten

    In der vergangenen Woche sicherten sich Fran Drescher und Anthony Rapp die Berechtigung zum Antreten: Sie mussten eine gewisse Anzahl an Unterschriften von Gewerkschaftsmitgliedern (200 bzw. 150) für ihre Kandidaturen beibringen. Bei ihren Unterschriftensammlungen hatten sie den Rückhalt von Unite for Strength, für ihre Kandidatur auch die der Amtsinhaber Carteris und Manheim.

    Die vor allem mit der Sitcom „Die Nanny“ populär gewordene Drescher kommentiert: Es ist mir eine Ehre, den Auftrag erhalten zu haben, zu kandidieren. Ich hoffe, meine Erfahrungen als Präsidentin des ‚Cancer Schmancer Movement‘ sowie meine Erfolge auf dem Kapitol und in der offiziellen Öffentlichkeitsarbeit bei der Vereinigung unserer Gewerkschaften einbringen zu können, um die Leistungen für unsere 160.000 Mitglieder verbessern und unserer Mitgliedschaft eine stärkere Präsenz auf nationaler Ebene geben zu können. (Fran Drescher ist Überlebende einer Krebserkankung und hat aus ihrer Autobiografie „Cancer Schmancer“ eine Wohltätigkeitsorganisation begründet, die sich für bessere Krebsbehandlung einsetzt, inklusive besserer öffentlicher Vorsorge sowie dem Kampf gegen das Problem, dass viele Amerikaner durch private (Zu-)Zahlungen bei Krebsbehandlungen finanziell ruiniert werden oder nach Krebserkrankungen später von Krankenversicherungen ausgeschlossen werden.)

    Rapp fügte seiner Bewerbung hinzu: Ich bin, seit ich neun Jahre alt war, stolzes Gewerkschaftsmitglied. Meine über Dekaden gehende Arbeit hat mir eine Plattform verschaffen, auf der ich den bisher Ungehörten eine Stimme geben möchte und als Champion für Akzeptanz, Inklusion und Sicherheit auftreten möchte und Chancen für jedermann schaffen will. Als Kassenfunktionär wäre es meine Aufgabe, die Ressourcen unserer Gewerkschaft treuhänderisch zu verwalten und damit dabei zu helfen, dass alle Generationen unserer Mitglieder eine helle und sichere Zukunft haben. Rapp kann für sich in Anspruch nehmen, die Aufmerksamkeit auf sexuelle Übergriffe von Kevin Spacey gelenkt zu haben.

    Auch bei der Gruppierung Membership First sind die Kandidaten schon bekannt: Der bei den letzten Wahlen gegen Carteris unterlegene Filmdarsteller Matthew Modine tritt erneut zusammen mit Stellvertreterin Joely Fisher („Ehe ist…“) an.

    Bei der letzten Wahl hatte es laut Deadline 145.692 Wahlberechtigte gegeben (Gewerkschaftsmitglieder ohne Zahlungsrückstände, Disziplinarverfahren oder anderen Ausschlusskriterien). 30.837 Stimmen waren zurückgekommen (21,2 Prozent). Carteris (für Unite for Strength) gewann mit einfacher Mehrheit: 13.537 Stimmen entfielen auf sie, 10.683 auf Modine (Membership First) und 5.048 auf die unabhängige Kandidatin Jane Austin, eine erfahrene Stuntperformerin.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1967) am

      Jetzt fangt ihr auch zu Gendern an!! WAS nervt das so tierisch!!
      • am

        Heul doch!

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