Folge 332

  • Ackern bis zum Umfallen: Hat uns der Sozialstaat betrogen?

    Folge 332
    Lothar Späth „Ich bin im Ruhestand. Ich darf ja sagen, dass der Staat in Zukunft nicht mehr als eine Grundsicherung für Rentner leisten kann“, sagt der Ex-Politiker und Wirtschaftsmanager. „Viele alte Menschen, die noch fit sind, verbringen Jahrzehnte im inaktiven Ruhestand.“ Das ruiniere auf Dauer unseren Sozialstaat. Die Alten seien aber nicht das Problem, sondern die Lösung. Lothar Späth (73) schlägt einen Generationenpakt vor, in dem Junge und Alte sich gegenseitig durch ein Freiwilliges Soziales Jahr von Senioren unterstützen. Gregor Gysi Der Fraktionsvorsitzende im Bundestag wünscht sich eine Rücknahme der Rente mit 67. „Sie ist grundsätzlich falsch, weil sie für alle Arbeitnehmer eine Rentenkürzung bedeutet“, so Gregor Gysi.
    Außerdem plädiert der Linken-Politiker für eine Mindestrente von 800 Euro. Weitere Rentenkürzungen lehnt er ab. Es sei nur gerecht eine Rente zu bekommen, die es erlaube, auch im Alter seinen Lebensstandard ohne gravierende Abstriche zu halten. Arnulf Baring „Die Grundsicherung in unserem Land ist so hoch, hier hat keiner Grund zu jammern“, schimpft der Historiker. Den meisten Rentnern gehe es sehr gut. „Warum behandelt dieses Land dagegen die wenigen Jungen, die es
    noch hat, so schändlich?“, kritisiert Arnulf Baring eine Generationenungerechtigkeit.
    Der emeritierte Professor der FU Berlin sieht die politische Elite nicht in der Lage, diese Probleme anzugehen. Bernd Klöckner Er gehört seit Jahren zu den polemischsten Stichwortgebern in der Rentendebatte: Es gebe keine Generationengerechtigkeit, beklagt der Anlageberater: „Die heutigen Rentner beziehen zu hohe Renten aus einer Kasse, aus der auch die Rente der nächsten Generation gezahlt wird. Damit wird die junge Generation ausgebeutet.“ Die Politik müsse schon heute über ein Renteneinstiegsalter von 70 oder 73 Jahren diskutieren, fordert Bernd W. Klöckner, Vater von vier Kindern.
    Hannelore Nehls „Wenn Du Rente kriegst, hast Du keine Probleme“ „ das hat die 69-jährige Berlinerin sich immer erhofft. Nach 43 Jahren Arbeit lebt die Mutter von drei Kindern heute von 690 Euro, nach Abzug der Fixkosten bleiben ihr nur 230 Euro zum Leben, weniger als acht Euro am Tag. Um über die Runden zu kommen und ihren Enkeln mal ein Eis kaufen zu können, sammelt sie regelmäßig Flaschen. „Ich habe immer gedacht, dass ich als Rentnerin in Ruhe im Park sitze und ein Tässchen Kaffee trinke“, sagt Hannelore Nehls. Dieser Traum sei geplatzt. (Text: ARD)
    Deutsche TV-PremiereDi 22.11.2011Das Erste

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