Die Erdbeerernte wird vielerorts von Saisonkräften verrichtet. Die Arbeit ist hart, der Lohn gering. Abgesichert sind die wenigsten von ihnen: Als Starkregen und Überschwemmungen zu Beginn des Jahres die Ernte verzögerten, gab es auf vielen Plantagen keine Arbeit und damit auch kein Geld. Meist sind die Pflückerinnen und Pflücker in einfachen Holzhütten untergebracht – ohne Strom und sanitäre Anlagen.
Bild: ZDF und Stefan Spoo, Ghostcat Medienproduktion GmbH
Süß, rot, unwiderstehlich – Erdbeeren. Früher eine Frucht, die es nur im Sommer gab, heute nahezu das ganze Jahr verfügbar. Das bleibt nicht ohne Folgen für Mensch und Umwelt. Während heimische Erdbeerbetriebe seit Jahren durch steigende Produktionskosten unter Druck stehen, überschwemmen billig produzierte Erdbeeren den Markt. Reporterin Judith Paland fragt nach, wer am Ende den Preis für unseren Erdbeerhunger zahlt. Spanien ist für Deutschland das mit Abstand wichtigste Lieferland für frische und günstige Erdbeeren. Dort werden vor allem in der Region um Huelva in Andalusien die süßen Früchte angebaut.
Im Jahr 2024 exportierte Spanien mehr als 250.000 Tonnen Erdbeeren ins Ausland. Ihr Wert: fast 800 Millionen Euro. Die Erdbeerernte wird vielerorts von Saisonkräften verrichtet. Die Arbeit ist hart, der Lohn gering. Und abgesichert sind die wenigsten von ihnen: Als Starkregen und Überschwemmungen zu Beginn des Jahres die Ernte verzögerten, gab es auf vielen Plantagen keine Arbeit und damit auch kein Geld. Meist sind die Pflückerinnen und Pflücker in einfachen Holzhütten untergebracht – ohne Strom und sanitäre Anlagen.
Abfälle landen oft auf wilden Deponien. Genauso wie die aus dem Folienanbau stammenden Kunststoffabfälle, die achtlos in der Natur entsorgt werden. Für die Umwelt ist aber nicht nur der Plastikmüll ein Problem: Es ist auch der Durst der Erdbeeren. Ihr hoher Wasserbedarf wird teilweise durch illegale Brunnen gedeckt, mit der Folge, dass der Grundwasserspiegel im Umfeld des Nationalparks Doñana sinkt. Das sensible Feuchtgebiet ist bereits seit Jahren von Wasserknappheit bedroht.
Trotz alledem: Das Geschäft mit der Erdbeere boomt. Gleichzeitig schrumpft in Deutschland die Erdbeeranbaufläche Jahr um Jahr: Allein zwischen 2021 und 2025 um 23 Prozent. Besonders betroffen ist der Freilandanbau. Trotz kurzer Transportwege sind heimische Erdbeeren oft teurer als importierte. Grund sind die hohen Lohnkosten sowie steigende Energie- und Betriebsmittelkosten, was deutsche Erdbeerbauern zunehmend an die wirtschaftlichen Grenzen bringt. Doch nicht nur frische Erdbeeren sind gefragt: Auf Social Media werden gefriergetrocknete Erdbeeren als vermeintlich gesunder Snack gehypt.
Unerwähnt bleibt meist: Ihre Herstellung ist energieintensiv und gesund sind sie wegen des hohen Zuckergehaltes auch nicht unbedingt. Dazu kommt: Die Rohware stammt häufig aus Nicht-EU-Ländern, etwa aus der Türkei oder China. Über ihre genaue Herkunft bleiben Konsumentinnen und Konsumenten oft im Unklaren. Die Erdbeere ist längst kein reines Saisonprodukt mehr. Vielmehr ist sie inzwischen eine global gehandelte Ware, deren Anbau und Verarbeitung vielerorts Probleme macht. (Text: ZDF)