„Der Saarland-Krimi“ verwöhnt Augen mit originellen Aufnahmen und Schauplätzen – Review

„DonnerstagsKrimi im Ersten“ testet Aram Arami als Bewährungshelfer und Ex-Polizisten

Stefan Genrich
Rezension von Stefan Genrich – 26.04.2026, 08:30 Uhr (erstmals veröffentlicht am 22.04.2026)

In „Der Saarland-Krimi“ haben Tayfun Can (Aram Arami) und Elisa Santori (Olga von Luckwald) viel Stress miteinander und hängen trotzdem gemeinsam herum. – Bild: SR / Manuela Meyer
In „Der Saarland-Krimi“ haben Tayfun Can (Aram Arami) und Elisa Santori (Olga von Luckwald) viel Stress miteinander und hängen trotzdem gemeinsam herum.

Schon wieder erleidet ein TV-Polizist ein schweres Trauma: Diesmal treibt Kriminalhauptkommissar Tayfun Can (Aram Arami) versehentlich einen zugedröhnten Burschen in den Tod. In „Der Saarland-Krimi“ wirft der schockierte Gesetzeshüter seinen Job hin. Inzwischen begleitet er verurteilte Jugendliche und junge Erwachsene im Bistro „Kleine Freiheit“, damit diese Straftäter künftig sauber bleiben. Jedoch ermittelt Tayfun wie zu seinen besten Zeiten, um den kleinen Bruder Momo (Doguhan Kabadayi) vor einer Mordanklage zu bewahren.

Zusammen mit Ex-Kollegin Elisa Santori (Olga von Luckwald) stürzt der Sozialarbeiter in einen riskanten Fall, der Zuschauerinnen und Zuschauer optisch erfreuen dürfte. Darüber hinaus entscheidet wohl der Erfolg, ob „Der Saarland-Krimi“ beim „DonnerstagsKrimi im Ersten“ in Serie geht. Fesseln Atmosphäre und Spannung das Publikum an die Bildschirme? Ab dem 27. April abends lädt die Mediathek zum Streaming der Episode. Am 30. April läuft dieser Pilotfilm mit dem Titel „Bruder, Liebe, Tod“ im Ersten.

In der „Kleinen Freiheit“ nordet Bewährungshelfer Tayfun Can (Aram Arami) seinen leichtfertigen Bruder Momo (Doguhan Kabadayi, l.) ein. SR /​ Manuela Meyer

Erinnerung an Verfolgungsjagd schmerzt jeden Tag und jede Nacht

Im Schlaf zucken Lichtblitze durch Tayfuns Kopf, wenn die Erinnerung an die verhängnisvolle Verfolgungsjagd zurückkehrt. Eines Morgens schlüpft der Muskelprotz in eine Gammelhose und schnüffelt an der Kaffeedose. Dann turnt er am Reck in seiner Behausung, die einst als Triebwagen der Deutschen Bundesbahn diente. Indes überwachen Elisa und ihr Partner Hanno Berger (Stefan Gorski) ein altes Gewerbegebiet. Ihre Einheit soll der Bundespolizei helfen, miese Typen und deren schmutziges Geld aufzuspüren. Dank ihrer Kriegserfahrung in Afghanistan erkennt Elisa eine Sprengfalle: Somit rettet sie Hanno vor einer Explosion. Auf dem Hinterhof eines Clubs haut Momo einen Italiener um, der vermutlich DJ Ruby (Sarah Mahita) begrapscht hat – wer weiß das so genau?

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Naiver Junge, eifriger Betreuer und trotzige Polizistin rasen ins Unheil

Derweil genießt Tayfun einen Espresso in der „Kleinen Freiheit“. Zudem beobachtet er seinen Küchenchef Marcel (Johann-Christof Laubisch) beim Griff zur Flasche. Vor Kurzem aus dem Knast entlassen, möchte Nora Winter ihre Bewährungszeit in der speziellen Gaststätte ableisten. Mit Professionalität und Eigensinn verblüfft der neue Schützling den Projektleiter Tayfun und die Mitarbeiterin Frauke Herzog (Heike Trinker).

Natürlich ahnt der Betreuer nicht, dass sein Bruder Momo das Mädchen Nora als DJ Ruby kennt. Währenddessen begreift dieser Junge in weiter Entfernung, dass sein geschlagener Gegner nie mehr aufstehen wird. Eine Aussprache der beiden Brüder löst eine Lawine an Ereignissen aus. Doch seit Monaten herrscht Funkstille zwischen Tayfun und Elisa. Drehbuchautor Mathias Schnelting („Helen Dorn“) und Regisseurin Janis Rebecca Rattenni („Unter uns“) haben Momo sowie Tayfun und Elisa rasant in diese Notlage geführt. Ohnehin fasziniert das hohe Tempo, zumal oft Ruhe den „DonnerstagsKrimi im Ersten“ bestimmt.

Im Gym denkt Kriminalhauptkommissarin Elisa Santori (Olga von Luckwald) besonders liebevoll an ihren früheren Kollegen. SR /​ Manuela Meyer

Hoffentlich funktioniert Besetzung dauerhaft

In „Der Saarland-Krimi“ stören sperrige Dialoge und geistlose Gangster weniger als etwa im „Tatort“ oder in Vorabendserien. Dennoch hinterlässt Rechtsmedizinerin Dr. Valérie Reynier den Eindruck, dass ihre Darstellerin Anne Rieckhof das Rollenbild durch Floskeln karikiert. Hingegen sollte deutsches Fernsehen häufiger Sarah Mahitas („Haus aus Glas“) Power nutzen. Olga von Luckwalds Figur der Kriminalhauptkommissarin verdient eine Fortsetzung. Aram Arami („Die Drei von der Müllabfuhr“) beherrscht das Geschehen kraftvoll und geschickt. Stefan Gorski schwächelt bislang bei seinen Auftritten. Hoffentlich funktioniert die gesamte Besetzung dauerhaft trotz solcher Mängel.

Sandro Armato (Daniele Rizzo) beeindruckt Hanno Berger (Stefan Gorski, l.) und Elisa Santori (Olga von Luckwald) – mit freundlichen Erzählungen über seine italienische Heimat und düsteren Berichten über die Mafia. SR /​ Manuela Meyer

Chemie bei Ermittlern stimmt, aber Mafia erscheint als Kasperletheater

Ungereimtheiten verflachen die Story: Würde ein moralischer Ex-Bulle wie Tayfun wirklich einem Angehörigen helfen unterzutauchen? Obendrein fehlen dem Beschützer jegliche Belege, dass sein Bruder unverschuldet in ein dickes Fettnäpfchen getreten ist. Erstaunlicherweise plaudert ein Gauner aus, was er über das Todesopfer weiß – dabei sind Tayfun und der düstere Ausländer früher zusammengestoßen. Vorläufig widersteht ein tätowierter Macker den aufdringlichen Fragen. Ein frustrierter Fischverkäufer reagiert offener: Er erklärt seinem Kumpel Tayfun, dass der Verstorbene angeblich mit ihm verwandt sei. Später verbreiten üble Gestalten erheblichen Ärger wegen der Leiche.

Polizistin Elisa muss ohne Informationen beim Großhändler für Meeresfrüchte abziehen, nachdem ihr ehemaliger Partner Tayfun gemütlich dem Verhör gelauscht hat. Herrlich, wie Elisa anschließend ihren verlorenen Gefährten abfertigt! Auf anderem Wege erkundet sie, dass Tayfuns Bruder bei der Tat mitmischt. Wer soll jetzt noch glauben, dass Elisa dem damaligen Vertrauten erheblichen Spielraum lässt und Tayfuns Machenschaften deckt? Ansonsten stimmt die Chemie bei diesem seltsamen Duo. Leider erscheint die Mafia als schwaches Kasperletheater. Immerhin erlaubt die Erzählung einige Überraschungen.

Sozialarbeiter Tayfun Can (Aram Arami) beobachtet, wie Elisa Santori (Olga von Luckwald) auf Fischhändler Massimo (Claudio Caiolo, r.) reagiert. SR /​ Manuela Meyer

Bergwerk, Markthalle, Stadtidylle und Yachthafen prägen Verbrechen

Letztlich werden die Verwicklungen zwischen den Streben eines Wasserturms aufgelöst. „Der Saarland-Krimi“ setzt eben auf originelle Drehorte und Schauplätze – zum Beispiel auf einen Yachthafen, ein stillgelegtes Bergwerk und die Innenstadt von Saarbrücken. Eine Markthalle hat ihre besten Tage hinter sich gelassen. Tayfun hat seinen Schienenbus liebevoll als Wohnung eingerichtet. Auf einem coolen Hausboot nimmt die Handlung eine spektakuläre Wendung. Janis Rebecca Rattenni hat die Kulissen abwechslungsreich arrangiert und die Schauspieler einfühlsam in Szene gesetzt. Dieses Vorhaben könnte ohne die eigenwilligen Aufnahmen von Victor Voß kaum gelingen: Bloß auf welche Weise hat „In aller Freundschaft“ diesen Kameramann für höhere Ansprüche trainiert?

Binsenweisheiten und Gefühlslaberei erinnern an nervende Gewohnheiten

Schöne Bilder verwöhnen also die Augen. Binsenweisheiten und Gefühlslaberei erinnern gleichwohl an nervende Traditionen des deutschen Fernsehens. Automatisch mag demnach keine mitreißende Geschichte entstehen. Aber sämtliche Beteiligte geben ihr Bestes. Für einen unterhaltsamen TV-Abend reicht „Der Saarland-Krimi“ allemal. Das Team erfüllt die Voraussetzungen, in weiteren Einsätzen zu reifen. Der „DonnerstagsKrimi im Ersten“ hat jedenfalls schlechtere Produktionen verkraftet.

Meine Wertung: 3/​5

Die ARD hat angekündigt, die erste Folge vom neuen „Saarland-Krimi“ zunächst in der Mediathek anzubieten – ab Montag, den 27. April um 20:15 Uhr. Danach läuft diese Episode „Bruder, Liebe, Tod“ in der Reihe „DonnerstagsKrimi im Ersten“ – am Donnerstag, den 30. April um 20:15 Uhr und als Wiederholung wenige Stunden später um 0:15 Uhr.

Über den Autor

Seit 2016 hat Stefan Genrich Websites entwickelt und an einer Hochschule unterrichtet. Vor einer siebenjährigen Pause bei fernsehserien.de würdigte er das weihnachtliche TV-Programm im United Kingdom: Sein Herz schlägt für britisches Fernsehen. Daher verfolgt er jeden Cliffhanger von „Doctor Who“. Der Journalist kritisiert nebenberuflich Serien. Ihn ärgern Mängel bei ARD und ZDF – oder er genießt „Tagesthemen“ sowie „Nord bei Nordwest“. Frühe Begegnungen mit „Disco“ und „Raumschiff Enterprise“ haben Spuren hinterlassen. Später scheiterte Stefan beim Versuch, die Frisur von „MacGyver“ zu kopieren. Wegen „Star Trek: Strange New Worlds“ und „1923“ mag er Paramount+.

Lieblingsserien: Frasier, Raumpatrouille, Star Trek – Deep Space Nine

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