37 Grad
    • Folge 949 (30 Min.)
      Bild: ZDF und Götz Walter.
      Auch wenn ihr Arm schmerzt, Susanne versucht, so oft wie möglich an der frischen Luft zu sein. Früher war sie sehr aktiv, heute stehen die ruhigen Momente im Vordergrund. – © ZDF und Götz Walter.

      Etwa 15 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen. „37°“ zeigt drei Betroffene auf dem schwierigen Weg, den Schmerz zu akzeptieren und mit ihm zu leben. Die Zahl der Schmerzpatienten steigt. Oft verändert die Krankheit ihr Leben grundlegend. Auch wenn es aussichtslos erscheint, so geben sie nie die Hoffnung auf, dass es einmal wieder ein Leben ohne Schmerzen geben wird. Susanne (42) schämt sich. Früher war die Leipzigerin eine Powerfrau. Vollzeitstelle und Haushalt schaffte sie ohne Probleme. Doch dann tut ihr rechter Ellenbogen unerträglich weh, später das Handgelenk und auch die Schulter. Diagnose: Morbus Sudeck, eine schmerzhafte Weichteil- und Knochenveränderung. Die Schmerzen werden so schlimm, dass Susanne überlegt, sich den Arm amputieren zu lassen. Seit sechs Jahren leidet sie jetzt unter dem komplexen Schmerzsyndrom. Die Krankheit und die Schmerzen haben ihr Leben und das ihrer Familie völlig verändert: Jobverlust, Wohnungswechsel, soziale Isolation. Auch Martina (53) muss ihre Arbeit aufgeben, und sie verliert die meisten ihrer Freunde. Der Grund: eine chronische Schmerzerkrankung. Viele Jahre leidet die Berlinerin unter unsäglichen Schmerzen am ganzen Körper. Irgendwann wird es so schlimm, dass sie sich aus dem neunten Stock eines Hochhauses stürzen will. Doch sie springt nicht, im Gegenteil. Plötzlich ist Martinas Überlebenswille geweckt: Sie begibt sich noch einmal in ärztliche Behandlung und lernt Menschen einer Selbsthilfegruppe kennen. Langsam findet sie einen Weg, mit ihren Schmerzen umzugehen und sie als Teil ihres Lebens zu akzeptieren. Selim ist 34 Jahre alt, als sich sein Nacken, seine Schultern und sein Rücken nach und nach schmerzhaft versteifen. Immer häufiger fehlt er auf der Arbeit. Nach einiger Zeit dann die Diagnose: Morbus Bechterew. Er ist verzweifelt. Alles, was er geliebt hat, kann er nicht mehr tun: Er kann nicht mehr segeln, nicht mehr mountainbiken. Doch Selim will sich nicht geschlagen geben und nimmt den Kampf gegen die Schmerzen auf. Er lässt sich dauerhaft krankschreiben und wird aktiv. Zusammen mit seiner Freundin stellt er seine Ernährung um, beginnt mit Yoga und leichteren Sportaktivitäten. Er sucht Fachärzte auf, macht eine Schmerztherapie und begibt sich in eine Reha-Klinik. Innerhalb weniger Monate krempelt er sein Leben völlig um. Er will seine Schmerzen unbedingt besiegen und sich von der Krankheit nicht in die Knie zwingen lassen. Die „37°“-Sendung steht am Sendetag ab 8:00 Uhr in der ZDFmediathek zur Verfügung. (Text: ZDF)

      Deutsche Erstausstrahlung: Di 02.10.2018 ZDF
      Deutsche Online-Premiere: Di 02.10.2018 ZDF Mediathek
    • Folge 950 (30 Min.)
      Bild: ZDF und Jennifer Gunia.
      Jürgen P. steht im Kinderzimmer seines Sohnes Alexander. Das Zimmer ist schon seit einem Jahr leer. – © ZDF und Jennifer Gunia.

      Als Jürgen nach Hause kommt, ist sein Sohn weg. Von dessen Mutter nach Polen verschleppt. Katharinas Töchter sind vom Vater nach Tunesien gebracht worden. Der Kampf um die Kinder beginnt. Jährlich werden Hunderte Kinder von einem Elternteil ins Ausland entzogen. Die Zahl steigt mit der Zunahme binationaler Ehen. Der andere Elternteil steht nicht nur ohne Kind da: Auch Hilfe von Gericht oder Staat endet oft an Ländergrenzen. „Das Schlimmste ist, immer wieder alleine nach Hause zu fahren“, sagt Katharina nach einer ihrer vielen Reisen nach Tunesien. Es ist das Heimatland des Vaters ihrer zwei Kinder. Und es ist der Ort, an dem sich ihre Töchter seit fast drei Jahren aufhalten. Gegen den Willen der Mutter. Katharina ist Ärztin in Hannover. Sie war jahrelang mit dem Vater der Kinder verheiratet, auch nach der Trennung hatten sich beide zunächst gut arrangiert, im Sinne der Kinder. Sie war einverstanden, als er ihr vorschlug, mit den Kindern in seine Heimat zu fliegen. Um die Großeltern zu besuchen und zu sehen, wo ihr Vater herkommt. Im Sommer 2015 flogen die Mädchen – damals sechs und acht – mit ihrem Vater nach Tunesien. Und kamen seitdem nicht mehr zurück. Und das, obwohl Katharina inzwischen sowohl in Deutschland als auch in Tunesien das alleinige Sorgerecht für die Kinder hat. Aber die tunesischen Behörden setzen das geltende Recht einfach nicht durch. So oft sie kann, fliegt Katharina nach Tunesien, setzt sich mit dem Jugendamt und den Gerichten auseinander – bisher vergeblich. Besonders absurd: Der Vater sitzt seit Längerem in Hannover im Gefängnis – wegen Kindesentzug. Trotzdem verhindert er immer noch, dass die Kinder zurück nach Deutschland kommen. Sie leben in der tunesischen Provinz bei ihren Großeltern und anderen Verwandten – aber ohne ihre Eltern. Die Zahl binationaler Paare steigt seit Jahren stetig an. Im Zuge der Globalisierung, der Freizügigkeit innerhalb der EU, der Migration aus Drittländern und der zunehmenden Mobilität wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln zueinanderfinden. Wenn diese Beziehungen auseinanderbrechen, kommt es oftmals zu Schwierigkeiten, wenn ein Partner mit dem Kind in sein Heimatland zurückkehren möchte. Etwa 20 Prozent der in Deutschland geborenen Kinder haben einen ausländischen Elternteil. Insgesamt werden jährlich schätzungsweise mehrere Hundert Kinder von einem Elternteil ins Ausland entführt. Davor steht oftmals ein erbitterter Streit ums Sorgerecht. Jürgen kommt im Sommer 2017 aus dem Urlaub zurück. Mit seiner polnischen Ex-Freundin – sie wohnt ein paar Straßen weiter – teilt er sich das Sorgerecht für den gemeinsamen vierjährigen Sohn Alexander. Kurz nach seiner Rückkehr ist eine Übergabe des Kindes geplant. Doch Frau und Sohn sind verschwunden. Alexanders Kinderzimmer ist seitdem leer. Jürgens Ex-Freundin hat ihn nach Polen verschleppt. Ein Staat mitten in der Europäischen Union, der das Haager Kindesentführungsübereinkommen unterschrieben hat. Ziel und Zweck des Übereinkommens ist es, das Kind möglichst schnell in den Staat des bisherigen Wohnsitzes zurückzubringen. Trotzdem führt Jürgen seit einem Jahr einen verzweifelten Rechtsstreit. Denn obwohl es ein Rückführungsübereinkommen gibt, scheuen sich Regierungen in solchen Fällen oft, in die Souveränität eines anderen Staates einzugreifen. Die Gerichtstermine in Polen ziehen sich, die Mutter versucht, das Verfahren so lange wie möglich hinauszuzögern. Katharina setzt ihre Hoffnungen in die deutsche Politik. Sie glaubt, dass nur Druck von oben die tunesischen Behörden zu einer Handlung bewegen kann. Sie hat an alle ranghohen Politiker geschrieben, versucht, so oft es geht, ins persönliche Gespräch zu kommen und auf ihren Fall aufmerksam zu machen – bisher vergeblich. Deshalb fasst sie einen neuen Plan, wie sie ihre Kinder vielleicht endlich zurückbekommen kann. So unterschiedlich, wie ihre Geschichten sind: Katharina und Jürgen eint die Hoffnung. Die Hoffnung darauf, dass sie ihre Kinder irgendwann zurückbekommen. Die Hoffnung, dass ihr Kampf nicht umsonst ist. Denn als Mutter oder Vater, das sagen beide, kann man die Hoffnung nie aufgeben. Denn dies würde bedeuten, das eigene Kind aufzugeben. „37°“ zeigt den Kampf um das eigene Kind über Ländergrenzen hinweg, gegen Behörden, Gerichte und den Menschen, den man einmal geliebt hat. (Text: ZDF)

      Deutsche Erstausstrahlung: Di 09.10.2018 ZDF
    • Folge 951
      Bild: ZDF und Nadja Kölling.
      Die 17-jährige Hannah ist gerade im Scarborough College im Nordosten Englands angekommen. Wird sich Einzelkind Hannah mit ihren Mitschülerinnen auf dem Internat arrangieren? – © ZDF und Nadja Kölling.

      Schuluniform, strenge Regeln, kaum Privatsphäre: Alltag an britischen Internaten. Und doch ziehen sie immer mehr deutsche Schüler an. „37°“ begleitet drei Jugendliche durch ein Schuljahr. Kai, Max und Hannah besuchen das britische Scarborough College. Kai gibt alles für einen guten Abschluss und steht unter großem Notendruck. Wird der faule Max im Internat ein besserer Schüler werden? Und kann sich Einzelkind Hannah mit ihren Mitbewohnerinnen arrangieren? Das britische Privatschulsystem gilt als Garant für eine gute Ausbildung. Fast 3000 Deutsche besuchen aktuell ein englisches Internat – 50 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Wegen des schwächelnden Pfunds sind derzeit die Internatskosten für Ausländer deutlich günstiger als zuvor. Teuer ist der Aufenthalt trotzdem, rund 30 000 bis 35 000 Euro pro Jahr müssen Eltern für ihre Kinder berappen. Kai hat sich im renommierten Scarborough College im Nordosten Englands gut ins Internatsleben integriert. Der 17-Jährige spielt Rugby, den harten englischen Nationalsport, und das hilft, um sich auch mit den Engländern anzufreunden. Am Ende des Schuljahres wird er seinen Abschluss machen: das Internationale Baccalaureate. Kai ist ein guter Schüler, doch der Leistungsdruck ist enorm: „Meine Eltern haben viel Geld investiert, damit ich diese Chance habe. Und jetzt liegt es an mir. Das Schlimmste wäre, sie zu enttäuschen, während der Prüfung ein Blackout zu haben und dann alles zu versauen, so dass es sich gar nicht gelohnt hat, hierherzukommen.“ In Deutschland war der 15 Jahre alte Max ein sehr mittelprächtiger Schüler, der große Schwierigkeiten hatte, sich aufs Lernen zu konzentrieren. Seine ganze Familie hat schließlich zusammengelegt, damit er das College besuchen kann. „An meiner alten Schule bin ich komplett untergegangen. Ich bin extrem faul. Die mittlere Reife würde ich wahrscheinlich da nicht hinbekommen. So war klar, entweder Internat, oder ich bin verloren.“ Trotz Fremdsprache und neuem System hofft Max auf einen schulischen Neuanfang in Scarborough und setzt auf die rigiden Alltagsstrukturen, um die eigene Motivation in den Griff zu bekommen. Ein bisschen Angst hat er aber auch, vor dem Heimweh, das hier fast jeden irgendwann packt: „Ich bin schon ein Familienmensch und vermisse meine Eltern extrem und bin auch echt froh, wenn ich sie wiedersehe. Ich brauche bestimmt auch ein bisschen länger, um hier richtig anzukommen, auch wenn es mir gut gefällt.“ Die 17 Jahre alte Hannah hat gerade erst in Scarborough ihr neues Zuhause bezogen. Ab sofort lebt sie jetzt mit 23 anderen pubertierenden Mädchen aus 14 verschiedenen Nationen unter einem Dach: „Am meisten Sorgen mache ich mir darüber, dass ich mich mit den Leuten hier nicht verstehe.“ Hannah hat keine Geschwister und hofft, dass es „cool wird, mit vielen anderen Jugendlichen zusammenzuwohnen“. Dabei sind in England die Internatsregeln ausgesprochen streng. Hier erinnert wenig an das lockere Schulleben in Deutschland. Der Alltag ist durchgetaktet: um 8:00 Uhr Frühstück, 8:30 bis 16:30 Uhr Schule, dann umziehen, Abendessen und um 18:30 Uhr Haustreffen. Von 19:00 bis 20:00 Uhr Hausaufgabenzeit, ab 22:00 Uhr ist Bettruhe. Da bleibt kaum Freizeit. Am liebsten würde Hannah später in England oder Amerika Schauspiel studieren. Den Rat ihrer Eltern, eine Fächerkombination zu wählen, die ihr einen auch in Deutschland anerkannten Abschluss ermöglicht, nimmt sie nicht ernst. „37°“ begleitet drei Jugendliche auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Wird sich die Internatszeit in England für sie auszahlen? (Text: ZDF)

      Deutsche Erstausstrahlung: Di 30.10.2018 ZDF