Kein Kind der Liebe
Folge 1239 (30 Min.)
Im Klassenbuch war das Todesdatum von Winfried Behlaus Vater vermerkt und sein Geburtsjahr, dass drei Jahre später war. Lehrer machten sich damals darüber lustig.Bild: Babak Asgari / ZDFUlrikes Schwester ist zugleich ihre Mutter. Winfried ist ein „Kriegsschadensfall“. Die Kinder als Betroffene von Vergewaltigung ringen um Identität und gesellschaftliche Anerkennung. Die Zahl der gemeldeten Vergewaltigungen in Deutschland ist seit 2018 um 72 Prozent gestiegen. 2025 waren es 14.454. Betroffene scheuen sich, Anzeige zu erstatten, besonders wenn der Täter aus dem engsten Umfeld kommt. Daher bleiben viele Fälle im Verborgenen. „Meine Schwester ist meine Mutter“. Ulrike M. Dierkes wurde 1957 geboren, weil ihr Vater seine älteste Tochter ab dem siebten Lebensjahr vergewaltigte.Mit 13 wurde das Mädchen vom Vater schwanger. „Ein Kind der Blutschande“, wie es damals hieß. Ein Bluttest gleich nach der Geburt überführt den Vater, er kommt in Haft. Nach der Entlassung kehrt er in die Familie zurück, der Missbrauch geht weiter. Es folgt eine erneute Verurteilung und Gefängnis. Ulrike wird erzählt, der Vater sei im Krankenhaus. 1996 gründet sie den Verein M.E.L.I.N.A. Inzestkinder/Menschen aus VerGEWALTigung e. V.. Vier Hilfesuchende im Monat wenden sich an den einzigen deutschen Verein für Inzestkinder. 2008 bekommt Ulrike M. Dierkes das Bundesverdienstkreuz für ihre Arbeit. „Ich bin ein Kriegsschadensfall“. 13 Jahre und einen Tag ist Winfried Behlau alt, als er es erfährt. Sein Vater fällt 1942 im Krieg. 1946 wird er geboren. Fragen in der Schule, wie das sein könne, und wer sein Vater sei, kann er nicht beantworten. Die Lehrer nennen ihn daraufhin „Bastard“. Als er 13 ist, bricht es aus Mutter Martha heraus: „Weißt du wie die kleinen Kinder entstehen? Damals kamen Russen, die haben mich vergewaltigt.“ Danach spricht seine Mutter nie wieder darüber. Winfrieds Versuche blockt sie alle ab, er gibt auf. Bis zu ihrem Tod, sie wird 102, gibt es keine Klärung für ihn, der unter jahrelangen Depressionen und Suizidgedanken leidet. Bis eine Reporterin einer Kirchenzeitung über einen Leserbrief auf seine Geschichte aufmerksam wird, hält Behlau seine Herkunft geheim. Er nimmt an einer Studie der Universität Leipzig teil, gründet den Verein Distelblüten Russenkinder und hilft heute anderen Betroffenen mit Kontakten und Informationen. Mindestens 200.000 Kinder von alliierten Soldaten und deutschen Müttern kamen nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland zur Welt. Sie entstanden oft durch Vergewaltigungen oder weil ihre Mütter Sex gegen die knappen Lebensmittel tauschen mussten. Auf der Straße und in der Schule waren sie damals nur die Russenkinder, die Amikinder, die Mongolenkinder. Das Thema ihrer Herkunft war für viele Betroffene lange ein Tabu, zu groß die Scham. Auch aus inzestuösem sexuellen Missbrauch geborene Kinder wissen oft nicht, wer ihr Vater ist. Das hat Folgen für ihr ganzes Leben. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Di. 09.06.2026 ZDF Meine ziemlich bunte Familie
Folge 1240 (30 Min.)Glück im Wochenbett: Lara (r.) und Jasmin (l.) aus Köln wollen beide ihre gemeinsame Tochter stillen. Dank einer Hormontherapie ist dies möglich.Bild: Konfetti & Liebe / ZDF und Konfetti & LiebeZwei Regenbogenfamilien kämpfen um Anerkennung und Sichtbarkeit. Zwischen Liebe, Verantwortung und rechtlichen Hürden zeigen sie, dass Familie heute mehr ist als Vater, Mutter, Kind. Oskar hat drei Mütter, zwei Väter und einen Stiefbruder. Der Familienalltag bringt Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich. In Köln erwarten Lara und Jasmin ein Kind. Erst eine langwierige Stiefkindadoption kann Jasmin rechtlich zur zweiten Mutter machen. Für Oskar aus München ist seine große bunte Familie selbstverständlich. Doch sein Leben ändert sich plötzlich drastisch, als seine Stiefmutter Rita (39) sich von seiner leiblichen Mutter Judith (41) trennt.Judith kann mit Oskar zunächst bei ihrer Ex-Frau Andrea einziehen. So hat Oskar vorübergehend seine beiden sorgeberechtigten Mütter wieder unter einem Dach. Aber er vermisst das Zusammenleben mit seinem jüngeren Stiefbruder Valentin, dem Sohn von Rita. Oskars leiblicher Vater Herbert und dessen Mann Christian versuchen regelmäßige Treffen zwischen den nun getrennt lebenden Kindern zu organisieren. Die Trennung wirbelt das Leben aller durcheinander. Neben den Stärken der Mehrelternschaft sieht Judith auch viele Herausforderungen: „Viele Menschen bringen natürlich auch viele Bedürfnisse mit sich und das hat auch eine größere Fragilität, umso mehr Eltern es sind.“ Lara (35) und Jasmin (39) aus Köln stehen kurz vor der Geburt ihres Babys. Sie erfüllen sich ihren großen Kinderwunsch gemeinsam: Jasmin spendete ihrer Partnerin die Eizelle, Lara trägt das Kind aus. Für die Kinderwunschbehandlung reisten sie damals extra nach Österreich. Denn in Deutschland ist die Eizellenspende verboten. Lara, selbst Hebamme, und ihrer Frau ist eine gleichberechtigte Elternschaft wichtig. Und weil Jasmin von Anfang an eine enge Bindung zum Kind haben möchte, wollen beide Frauen das Kind stillen. Mit einer Hormontherapie ist das auch ganz ohne Schwangerschaft möglich. Doch obwohl Lara und Jasmin verheiratet sind, wird nur die leibliche Mutter in Deutschland rechtlich als Mutter anerkannt. „Die Tatsache, dass wir momentan eine Geburtsurkunde haben, in der Lara als Mutter steht und der Platz mit dem zweiten Elternteil leer ist, fühlt sich total ungerecht an“. Für Jasmin ist das Glück im Wochenbett überschattet von einer unsicheren Rechtslage für ihre Tochter und sie selbst. Der Weg zur gemeinsamen Elternschaft führt über ein langwieriges Adoptionsverfahren – verbunden mit viel bürokratischem Aufwand und emotionaler Belastung. „37°“ erzählt davon, wie vielfältig Familie heute gelebt wird – und mit welchen Hürden Regenbogenfamilien in Deutschland noch immer konfrontiert sind. Laut Statistischem Bundesamt lebten im Jahr 2024 31.000 Regenbogenfamilien mit minderjährigen Kindern in Deutschland. Ein Jahr lang begleitet der Film zwei von ihnen durch Alltag, Konflikte und politische Realitäten. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Di. 16.06.2026 ZDF
