• Folge 1248 (30 Min.)
    Britta ist 58 Jahre alt und von Frühdemenz betroffen. Sie war Anfang 50, als die ersten Anzeichen auftraten. – Bild: 3sat
    Britta ist 58 Jahre alt und von Frühdemenz betroffen. Sie war Anfang 50, als die ersten Anzeichen auftraten.
    Britta erhält mit 56 Jahren die Diagnose Alzheimer, zwei Jahre ist das her. Ein Schock, denn sie weiß, dass die Krankheit unheilbar ist und sie mit jedem Tag ein Stück ihres Leben verliert. Britta gehört zu den rund einhunderttausend Betroffenen in Deutschland, die an Frühdemenz erkrankt sind, also bei der Diagnose unter 64 sind. Der Befund hat sie aus dem Leben gerissen. Auch ihre Familie ringt damit, dass ihr Weg ins Vergessen unausweichlich ist. „Ich kann damit hadern oder damit leben.“ Eine andere Wahl hat Britta nicht. Die Mutter von vier Kindern ist an Alzheimer erkrankt, seit zwei Jahren weiß die 58-Jährige das. Zuerst tippten die Ärzte auf einen Burn-out und schickten sie zur Kur. Doch ihr Zustand besserte sich nicht. Schließlich brachte eine Gehirnwasseruntersuchung Klarheit. Die Diagnose ist nicht nur ein großer Schock, er verändert ihr bisheriges Leben schlagartig und für immer. Ihren geliebten Beruf als Lehrerin musste sie aufgeben. Nun sitzt sie zu Hause und leidet darunter, nicht mehr gebraucht zu werden. Die meiste Zeit wartet sie darauf, dass ihr Ehemann Stefan von der Arbeit kommt. Für Stefan eine schwierige Situation: Wie soll es weitergehen? Er arbeitet zwar nur noch bis 14 Uhr, den halben Tag aber ist sie allein. Er will gemeinsam mit ihr entscheiden, wie ihre Betreuung in Zukunft organisiert werden und ob sie in ihrem Zuhause in Eckernförde bleiben kann. Doch Gespräche darüber blockt sie ab, obwohl sie weiß, dass sie nicht mehr so viel Zeit hat, selbst Entscheidungen zu treffen. Die früher selbstständige und unternehmungslustige Frau wird immer abhängiger von der Hilfe anderer. Einkaufen und Kochen kann sie nicht mehr. Auch spontane Ausflüge mit ihrem kleinen Bus gehören der Vergangenheit an, denn sie darf nicht mehr selbst fahren. Britta versucht, der Krankheit positive Seiten abzutrotzen. Momente des Glücks erlebe sie viel intensiver als früher, sagt sie. Sie lacht darüber, dass sie einen Streit mit Stefan sofort wieder vergisst. Stolz macht sie ein Bilderbuch für ihre Enkelkinder über eine Schafsfamilie und die „Elfe Dementia“, die Gedanken in Feenstaub verwandelt. Britta hat das Buch selbst geschrieben, illustriert und verlegt, sie präsentiert es in Stadtbüchereien und Altenheimen. Damit möchte sie über Alzheimer aufklären und der Krankheit den Schrecken nehmen. Für dieses Engagement wurde sie von der Hertie-Stiftung ausgezeichnet. Doch die schlechten Tage häufen sich. „Manchmal weiß ich gar nicht mehr, ob ich etwas gesagt oder nur gedacht habe.“ Das macht ihr Angst. Sie spürt die Verluste und weint manchmal bitterlich, weil sie weiß, dass sie ihre Kinder, Freunde und ihren geliebten Mann verlieren wird und nichts dagegen tun kann. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz und unheilbar. Insgesamt leben in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz. Neben älteren Betroffenen gibt es auch viele jüngere Erkrankte: Rund 100.000 Menschen zwischen 45 und 64 Jahren sind von einer Frühdemenz betroffen. Diese Altersgruppe trifft die Diagnose besonders hart, weil sie noch mitten im Berufsleben steht. Auch fehlt es an Versorgungsstrukturen für jüngere Erkrankte: Pflege- und Betreuungsangebote sind fast ausschließlich auf ältere Menschen ausgerichtet, was oft zu massiver Isolation und Frustration führt. „37°“ wirft aus Brittas Perspektive einen Blick auf die Krankheit. Wie erlebt sie den Verlust ihrer kognitiven Fähigkeiten? Wie bereitet sie sich auf den Tod vor? Und wie gehen Stefan und ihre Kinder mit diesem Weg ins Vergessen um? (Text: ZDF)
    Deutsche TV-Premiere Di. 22.09.2026 ZDF
  • Folge 1249 (30 Min.)
    Professor Stefan Schlatt, Universität Münster, forscht an Affen und Mäusen zur männlichen Zeugungsfähigkeit. Auch im Hinblick auf Jungen und männliche Jugendliche, die aufgrund von Bestrahlungen oder Chemotherapie keine Kinder mehr zeugen können. Professor Schlatt war der Einzige, der seit bereit war, „37°“ seine Tiere zu zeigen.
    Was geschieht hinter verschlossenen Türen deutscher Tierversuchslabore? Für viele sind Tierversuche ethisch nicht vertretbar, andere halten sie für wissenschaftlich notwendig. Über ein Jahr lang versucht Manfred Karremann, mit Tierversuchslaboren ins Gespräch zu kommen. Trotz angebotener Anonymität bleiben die Türen geschlossen. Nur Prof. Stefan Schlatt von der Universität Münster spricht offen über Tierversuche und seine Beweggründe. Nach Angaben des Bundesamtes für Risikobewertung wurden nach der letzten Statistik für 2024 rund 1,3 Millionen Tiere in Deutschland in Versuchen eingesetzt. Zählt man unter anderem Tiere hinzu, die für Organentnahmen getötet oder als Überschuss gezüchtet wurden, waren es mehr als drei Millionen, die in einem Jahr verwendet wurden. Heimlich entstandene Aufnahmen aus einem britischen Labor zeigen Hunde, Affen, Kaninchen und Ratten bei Sicherheitstests. Es sind Experimente, die überall nach Richtlinien der OECD durchgeführt werden. Standardtests, Routine: Tiere müssen Substanzen einatmen oder bekommen sie über Magenschläuche verabreicht. Bilder, die normalerweise der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Gleichzeitig zeigt „37°“, dass es Alternativen gibt. Wissenschaftler arbeiten mit menschlichen Zellkulturen, künstlicher Haut und Organen auf Chips. Bei BASF wurden für Tierversuche etwa zur Haut- und Augenreizung alternative Verfahren entwickelt. Manche dieser Methoden können nicht nur Tierleid vermeiden, sondern in bestimmten Bereichen auch wissenschaftlich bessere Ergebnisse liefern. „Geheimsache Tierversuche“ zeigt Einblicke in die streng abgeschottete Welt der Labore. Fragt: Wie kann eine Gesellschaft etwas ethisch und wissenschaftlich beurteilen, das weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschieht? (Text: ZDF)
    Deutsche TV-Premiere Di. 29.09.2026 ZDF
  • Folge 1250 (30 Min.)
    Geschwister und Konkurrenten: Anna (39, (CSU), (r.) und Sebastian (37), (SPD), (l.) sind politische Gegner im Bamberger Kommunalwahlkampf. Privat haben sie eine innige Beziehung.
    Geschwister sind lebenslange Verbündete. Oder ewige Konkurrenten im Kampf um den Platz im Familiensystem. Kaum jemand ist uns so vertraut und wird für uns immer ein Maßstab sein. Anna und Sebastian treten in der Kommunalpolitik gegeneinander an. Sie für die CSU, er für die SPD. David, Simon, Lukas und Elias sind Rivalen in der Nordischen Kombination. Alle ringen mit der Balance zwischen Geschwisterliebe und heiß ersehnten Siegen. Anna (39) und Sebastian (37) sind beide Kämpfernaturen, doch ihre Charaktere könnten kaum unterschiedlicher sein. Taktiker Sebastian geht analytisch an die Dinge heran. Anna hingegen ist pure Emotion. Kalkül ist nicht ihre Sache, sie trägt ihr Herz auf der Zunge. Das kommt gut an. Aber macht sie auch verletzlicher. Die Geschwister sitzen im Stadtrat ihrer Heimatstadt, Bamberg in Bayern. Sebastian für die dort traditionell starke SPD. Anna für die CSU. Sie vertreten unterschiedliche politische Ansichten, aber stehen für dieselben Werte ein. Bei der Kommunalwahl will Sebastian Oberbürgermeister werden. Die Erfüllung seines politischen Traums. Das bringt Anna in eine schwierige Situation: Stellt sie die Loyalität zu ihrem Bruder über die zu ihrer Partei? Was ist wichtiger, Politik oder Familie? Früher haben sie sich um Spielzeug geprügelt, heute sind sie Konkurrenten auf der Schanze und in der Loipe. Die Oberstdorfer Brüder David (25), Simon (23), Lukas (21) und Elias (18) betreiben Nordische Kombination – Skispringen und Langlauf. David ist Anführer und Vorbild. Er ist der Erfolgreichste, war schon Deutscher Meister und tritt seit Jahren international an. Doch in dieser Saison steht auch Simon vor dem Sprung ins Weltcupteam. Er arbeitet hart daran, seinen älteren Bruder zum ersten Mal in einem Wettkampf zu übertreffen. Wie verändert sich das Verhältnis der beiden, wenn sie direkte Konkurrenten sind? Behält Simon die Nerven? Wie geht Platzhirsch David mit einer drohenden Niederlage um? „37°“ erkundet das vielschichtige Verhältnis von Geschwistern zwischen eigenen Ambitionen und familiärer Loyalität. Im harten Bamberger Wahlkampf, beim gemeinsamen Training in Oberstdorf und bei Familienessen mit den Eltern macht der Film Zwischentöne und Ambivalenzen sichtbar. Die Geschwisterverhältnisse der Protagonisten werden dabei immer wieder neu verhandelt. (Text: ZDF)
    Deutsche TV-Premiere Di. 13.10.2026 ZDF
  • Folge 1251 (30 Min.)
    „37°“ begleitet die Klasse 1d an der Grundschule am Steigerweg in Mülheim an der Ruhr. Diese Folge ist der Auftakt einer Langzeitbeobachtung. Die Schülerinnen und Schüler starten mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen, was Sprache und kognitive Fähigkeiten angeht.
    Grundschulklassen sind heute so divers wie nie: Die Kinder starten mit ganz unterschiedlichen Stärken und Bedürfnissen.“37°“zeigt das erste von vier Schuljahren aus mehreren Perspektiven. Wir begleiten Schülerinnen und Schüler der 1d in Mülheim an der Ruhr durch die erste Klasse, die sie völlig verschieden erleben. Wie lernen sie, sich zu konzentrieren, Veränderungen anzunehmen und mit Herausforderungen umzugehen? Kann die Lehrerin alle mitnehmen? Jeremiah (6), genannt Jerry, wächst dreisprachig auf. Er geht mit viel Energie ins erste Schuljahr. Schon nach kurzer Zeit fällt auf: Er kann sich nur schwer konzentrieren und braucht oft eine Eins-zu-eins-Betreuung, um eine Aufgabe zu erledigen. Das kann seine Klassenlehrerin Nicole Artmeyer (55) dauerhaft nicht leisten. Kurz darauf bekommt er die Diagnose ADHS. Auf einen Ergotherapieplatz muss er jedoch Monate warten. Jan (6) besucht die Schule mit einer Integrationshilfe, da er mehr Zeit braucht, um sich auf neue Situationen einzustellen. Er freundet sich mit dem aufgeschlossenen Tom an und gewinnt an Sicherheit. Doch dann verlässt seine vertraute Schulbegleiterin die Klasse. Alessia (6) übernimmt in Gruppen gerne die Führung. Auch in alltäglichen Situationen bestimmt sie oft über andere. Bei ihr zeigen sich die sozialen Lernprozesse, die alle Kinder in diesem Alter durchlaufen müssen: eigene Bedürfnisse zurückstellen, Kompromisse finden und sich in andere hineinversetzen. Auch Klassenlehrerin Nicole erlebt täglich, wie anspruchsvoll Unterricht in einer so heterogenen Lerngruppe geworden ist. Während einige Kinder bereits selbstständig arbeiten, brauchen andere intensive Unterstützung. Oft hapert es schon an den Deutschkenntnissen. Der Film zeigt auch, wie sehr sich der Lehrerberuf verändert hat und wie wichtig zusätzliche Hilfe ist, um allen Kindern gerecht zu werden. Ergänzend zum Unterricht ordnet Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Sven Lindberg (46) Veränderungen und Fortschritte ein. Zu Beginn und gegen Ende des Schuljahres besucht er die Klasse und lädt die Kinder zu spielerischen Experimenten ein. Sie zeigen, welche Fähigkeiten sich in diesem Alter entwickeln – etwa Konzentration, Selbsteinschätzung oder Empathie. Manche Ergebnisse bestätigen die Erwartungen, andere überraschen selbst den Psychologen. So macht der Film sichtbar, welche Entwicklung Kinder innerhalb weniger Monate durchlaufen und wie unterschiedlich ihre individuellen Wege dorthin sind. „Unsere Klasse: Chaos und Chancen in der 1d“ ist der Auftakt einer „37°“-Langzeitbeobachtung einer Klasse der Grundschule am Steigerweg in Mülheim an der Ruhr vom ersten bis zum vierten Schuljahr. Am Ende entsteht ein außergewöhnlich dichtes Porträt der Schülerinnen und Schüler, die unter anderem mit Remote Kameras gefilmt werden. (Text: ZDF)
    Deutsche TV-Premiere Di. 20.10.2026 ZDF

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