Die Landklinik – Patient Krankenhaus
Folge 1228 (30 Min.)Personalmangel, Inflation und steigender Kostendruck setzen Kliniken in der Provinz unter Druck. – Und die Krankenhausreform verschärft die Lage zusätzlich. Wie in der Landklinik Wriezen. Das Krankenhaus in Wriezen ist für die Notfall- und Grundversorgung in der Region unverzichtbar: Es darf nicht schließen, ist aber gleichzeitig unterfinanziert. Es wird dringend gebraucht, muss wirtschaftlich aber täglich neu um Stabilität kämpfen. Der zweite Teil von „37° – Die Landklinik“ erzählt von einem Krankenhaus im Umbruch und porträtiert Menschen, die unter Hochdruck mit großem Idealismus und Kampfgeist Leben retten und sich dafür engagieren, die Bevölkerung in der Provinz medizinisch zu versorgen.Der wirtschaftliche Druck ist überall deutlich spürbar: Rund drei Viertel der Krankenhäuser in Deutschland schreiben rote Zahlen, weil die Kosten für Personal, Energie und medizinisches Material zwar stark gestiegen sind, die Einnahmen aber nicht im gleichen Maß. Kleine Kliniken trifft es besonders hart. Geschäftsführerin Katja Thielemann (49) steht vor der kaum lösbaren Aufgabe, die Reform umzusetzen, umzustrukturieren und Wege zu finden, weiter einzusparen. Sie leitet die drei Kliniken des kommunalen Verbundes Krankenhaus Märkisch-Oderland, zu denen auch Wriezen gehört. Durch die Reform werden medizinische Leistungen stärker auf größere Häuser konzentriert, Vorgaben für Qualität und Ausstattung steigen, sodass kleine Kliniken wie Wriezen nicht mehr alle Fachbereiche anbieten können. Chefarzt Georg Bauer (58) versucht, gute Medizin unter immer schwierigeren Bedingungen möglich zu machen. Er muss Fachkräfte finden und halten, Abläufe neu organisieren und zugleich dem Vorwurf begegnen, dass auf dem Land keine gleichwertige medizinische Versorgung mehr zu leisten sei. Doch weniger Fachbereiche, steigender Arbeitsdruck und unsichere Perspektiven machen es schwer, Nachwuchs zu gewinnen und erfahrene Ärztinnen und Ärzte zu halten. Ohne internationales Personal würde der Klinikbetrieb längst nicht mehr funktionieren. Die indischen Eheleute Anoop Puritipati (35) und seine Frau Meghana Kurapati (30) arbeiten in der Inneren Medizin. Die beiden haben im Landkreis Märkisch-Oderland eine neue Heimat gefunden – in einer Region, in der die AfD rund 35 Prozent der Stimmen erhält. Wie fühlt es sich für ausländische Fachkräfte an, dort sesshaft zu werden? Werden Anoop und Meghana dauerhaft bleiben, auch nachdem sie ihre Weiterbildung abgeschlossen haben? Der zweite Teil der Reportage „Die Landklinik: Patient Krankenhaus“ zeigt: Der Handlungsspielraum wird enger, der Druck auf das Personal größer. In der Notaufnahme, im OP und auf den Stationen läuft der Betrieb – dank des unermüdlichen Einsatzes der Mitarbeitenden, die über ihre Belastungsgrenzen hinaus arbeiten. Doch wie lange kann ein System tragen, das sich immer stärker auf den persönlichen Einsatz Einzelner verlässt? Wie kann medizinische Versorgung in der Provinz in Zukunft aussehen? (Text: ZDF) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 02.03.2026 ZDFmediathek Deutsche TV-Premiere Di. 10.03.2026 ZDF Zu jung fürs Abstellgleis
Folge 1229 (30 Min.)Klemens Schüttken (58), Kreativdirektor, hat seit drei Jahren keine Aufträge mehr bekommen. Er hört immer wieder, er sei zu alt für die Werbebranche.Bild: ZDF und Andrea RumplerAltersdiskriminierung ist verboten. Doch sie findet statt: im Arbeitsleben, in der Finanzwelt und im gesellschaftlichen Miteinander. „37°“ zeigt Menschen, die sich dagegen wehren. Die Altersgruppe der 60- bis 80-Jährigen fühlt sich oft jünger als von außen wahrgenommen. Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt, dass die aktive Boomer-Generation von der Gesellschaft mit deutlich älteren Menschen in einen Topf geworfen wird. Gegen eine Benachteiligung aufgrund des Alters setzen sich Katrin Schwahlen (68) und Klemens Schüttgen (59) ein.Die Onlineredakteurin und der Werbefachmann kämpfen – jeder auf seine Weise – gegen Beitragserhöhungen von Versicherungen, um Kredite für ein Eigenheim und um Aufträge für ihren Lebensunterhalt. Im Austausch mit Gleichgesinnten suchen sie nach Wegen, wie sie weiterhin als Leistungsträger anerkannt bleiben und ihren Lebensunterhalt finanzieren können. Gerontopsychologin Eva-Marie Kessler arbeitet regelmäßig am Altersbericht der Bundesregierung mit und veröffentlichte 2025 eine Studie über Altersdiskriminierung: „Wir haben ein Altersstereotyp im Kopf: Dass man senil wird, unflexibel und konservativ. Dadurch grenzen wir Menschen aus. Und wenn wir selbst alt werden, übertragen wir diese Vorstellungen auf uns. Diese Glaubenssätze machen uns nachweislich psychisch und körperlich kränker.“ Bertram Kasper (63), bis vor kurzem Bereichsleiter eines Pflegeträgers, will sich strategisch aufs Alter vorbereiten und diskutiert in seinem Podcast mit Soziologen, Psychologen, jüngeren und älteren Menschen über Lösungen des Generationenkonflikts. „Mir geht es darum, einen natürlichen Umgang mit dem Prozess des Älterwerdens zu bekommen, sowohl als Frau als auch als Mann oder als quere Persönlichkeit. Ich nenne das so, dass wir eine Kultur des Pro Agings brauchen“, sagt Kasper. Gegenseitige Vorwürfen zwischen Generationen helfen nicht weiter. „Wenn wir die Herausforderungen, die vor uns liegen, meistern wollen, dann geht das nur, wenn Jung und Alt zusammenarbeiten.“ (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Di. 24.03.2026 ZDF Koma: zwischen Leben und Tod
Folge 1230 (30 Min.)Steffen (M.) hat einen Herzinfarkt und das nachfolgende künstliche Koma überstanden. In einer sogenannten „Herzsportgruppe“ in Magdeburg hält er sich seitdem körperlich fit.Bild: ZDF und Manfred KarremannTäglich sind in Deutschland mehrere Tausend Menschen von einem Koma betroffen. Was fühlt ein Mensch, der andere wahrnehmen, aber überhaupt nicht reagieren kann? Wie geht es den Angehörigen?Wir begleiten zwei Menschen über mehr als ein Jahr, die durch ein Koma mitten aus dem Leben gerissen wurden. Den 45-jährigen Steffen aus Magdeburg und die 62-jährige Doris aus Süddeutschland. Ihre Angehörigen geben Einblicke in die schwierige Zeit der Ungewissheit. Doris (62) steht mitten im Leben. Sie ist ein freundlicher Mensch, immer für alle da. Neben einem Halbtagsjob pflegt sie zu Hause ihren Ehemann, der gehbehindert ist. Laura (17), das Kind ihrer Tochter, wohnt bei ihr. Am 14. April 2024 ist Doris erschöpft, legt sich etwas hin. Peter, der Ehemann, findet sie eine halbe Stunde später im Bett – regungslos. Ein Herzinfarkt. Doris ist bewusstlos. Maschinen übernehmen die Atemfunktion. Erst nach einigen Wochen atmet sie wieder selbst. Jetzt liegt sie im sogenannten Wachkoma. Sie registriert manches um sich herum, kann aber nicht reagieren, sagen die Ärzte. Sie sprechen in solchen Fällen von einem „Verlust ohne Tod“. Angehörige leben in ständiger Ungewissheit: Sie wissen nicht, ob und wie viel der geliebte Mensch wahrnimmt – und ob er oder sie jemals wieder nach Hause zurückkehren kann. International anerkannte Expertinnen und Experten erklären, welche Ursachen ein Koma haben kann, welche Formen es gibt und wie die Prognosen aussehen. Die Neuropsychologin Dr. Petra Maurer-Karattup von der SRH-Fachklinik Neresheim sagt: „Die Ursachen sind so unterschiedlich wie Dauer und Verlauf eines Komas: Unfälle, Herzinfarkte, Schlaganfälle, aber auch Suizidversuche oder Drogenmissbrauch können Auslöser sein.“ Steffen (45) aus Magdeburg hat Ähnliches durchlebt. Als er vom Sport nach Hause kommt, ist ihm übel, er verspürt Sodbrennen. Er glaubt, es läge am Sport. Doch seine Frau ruft den Notarzt. Es ist ein Herzinfarkt. Auf der Intensivstation wird er aufgrund von Komplikationen in ein künstliches Koma versetzt. Geräte übernehmen die Beatmung. Heute kann er wieder ein fast normales Leben führen. „37°“ bleibt dicht bei den Betroffenen und ihren Angehörigen. Ihr Alltag ist eine Gratwanderung zwischen Angst, Unsicherheit und Hoffnung. „Es kann tatsächlich jeden treffen“, sagt Dr. Petra Maurer-Karattup. Für die beiden Familien war das ein Grund dafür, dass „37°“ sie in dieser schweren Zeit begleiten durfte: „Andere Menschen sollen erfahren, womit sie konfrontiert sind, wenn ein Familienmitglied im Wachkoma liegt und wie wichtig es ist, sich frühzeitig Hilfe zu suchen, um ein Trauma abzuwenden“, sagt die Tochter von Doris. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Di. 31.03.2026 ZDF Im Licht der Stille – Wenn blind taub liebt
Folge 1231 (30 Min.)Milan Skrobanek (l.), Cindy Klink (M.), David Knors (r.) werden bei der Weltpremiere ihres Film „Als wäre es leicht“ auf dem roten Teppich des Hamburger Filmfestes fotografiert.Bild: ZDF und Markus OttDavid, Cindy und Athena sind Schauspieler. Bei einem Filmprojekt bringen sie die Perspektiven des Spielfilms aus ihrem eigenen Leben mit: David ist fast blind, Cindy und Athena sind taub. Die Reportage stellt grundlegende Fragen: Wie entsteht Nähe, wenn Sehen und Hören keine Selbstverständlichkeit sind? Parallel zu den persönlichen Geschichten verfolgt die Reportage die Frage, ob es gelingt, den Spielfilm erfolgreich zu realisieren. David lebt mit einer fortschreitenden Augenerkrankung und hat nur noch ein sehr geringes Sehvermögen. Früher konnte er Fahrrad fahren und normal lesen, heute ist vieles nicht mehr möglich. Trotzdem liebt er Filme und Kino – aufgrund der Geschichten, der Atmosphäre und der Klangwelten.Ohne Schauspielerfahrung bewirbt er sich auf einen Casting-Aufruf. Für ihn ist das Projekt die Chance, zu zeigen, dass Menschen mit Sehbehinderung nicht nur Zuschauer, sondern selbst Teil der Filmwelt sein können. Cindy ist gehörlos und in einer gehörlosen Familie aufgewachsen. Ihre Gehörlosigkeit wurde im frühen Kindesalter festgestellt. Heute lebt sie mit Cochlea-Implantat, Gebärdensprache ist ihre Muttersprache. Sie betont, dass ein Cochlea-Implantat keine Pflicht sein darf, sondern eine individuelle Entscheidung bleiben muss. Als Schauspielerin setzt sie sich dafür ein, dass gehörlose Rollen von gehörlosen Schauspielerinnen und Schauspielern gespielt werden. Athena verliert ihr Gehör nach mehreren Hörstürzen in jungen Jahren. Ärztlich wird ihr ein Cochlea-Implantat nahegelegt, doch sie entscheidet sich bewusst dagegen und wählt Gebärdensprache und die gehörlose Community. Heute arbeitet sie als Schauspielerin und Autorin. Die Reportage thematisiert die Inklusion in der Filmbranche – und deren Grenzen. Gleichzeitig geht es um den Traum vom Schauspielen trotz Beeinträchtigung – und um drei Menschen, die sich nicht über Defizite definieren lassen, sondern über ihre Wahrnehmungen, ihre Träume und ihren Mut, sichtbar zu sein. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Di. 07.04.2026 ZDF 100 Jahre Leben: Was wirklich zählt
Folge 1232 (30 Min.)Der Fotograf Karsten Thormaehlen (l.) hat Friedel (r.) für seine Ausstellung über 100-Jährige fotografiert.Bild: ZDF und Yves SchurzmannWas zählt nach 100 Jahren Leben? Zwei Menschen erzählen von Liebe und Mut, Humor und Freundschaft – und von der Haltung, die sie bis ins hohe Alter trägt. „37°“ begleitet Helmut Luft (100) und Friedel Zimmermann (105). Sie erzählen ihre Geschichten von Flucht, Liebe, Verlust und Neuanfang und zeigen, wie Haltung, Humor und Neugier helfen, auch im hohen Alter verbunden und lebendig zu bleiben. Immer mehr Menschen erreichen heute ein Alter von 100 Jahren und darüber. Doch was bedeutet es wirklich, ein ganzes Jahrhundert zu leben? Welche Erfahrungen prägen, welche Haltung hilft dabei, Krisen, Verluste und Umbrüche zu überstehen? „100 Jahre Leben: Was wirklich zählt“ geht diesen Fragen nach – nah, persönlich und überraschend lebensfroh.Im Mittelpunkt stehen zwei Menschen, die schwere Zeiten überstanden, geliebt, gearbeitet und immer wieder neu angefangen haben. Ihre Erinnerungen sind persönlich – und zugleich Zeitgeschichte. Sie geben Antworten auf eine Frage, die viele bewegt: Wie gelingt ein langes Leben – und was ist am Ende wirklich wichtig? Friedel Zimmermann ist 105. Ihren Mann sieht sie nach dem Krieg nie wieder. Sie zieht ihre zwei Söhne alleine groß, erlebt Flucht, Hunger und Unsicherheit. Später erfüllt sie sich einen Traum: Sie geht an Bord eines Segelschiffs, arbeitet dort, reist um die Welt, kommt bis nach Alaska. Neugier und Freiheitsdrang haben sie ihr Leben lang begleitet. Seit zwei Jahren lebt sie nun im Seniorenheim. Der feste Tagesrhythmus, die Abhängigkeit von Hilfe fallen ihr nicht leicht. Und doch versucht sie, Würde und Eigenständigkeit zu bewahren: „Man kann sich ja auch angewöhnen, im Leben immer unglücklich zu sein. Oder die lächelnde Seite zu wählen. Ich hab’ die lächelnde Seite gewählt. Ich glaube, die ist besser.“ Helmut Luft ist 100 Jahre alt, Psychoanalytiker, Autor und leidenschaftlicher Golfer. Seine „vier L“, Laufen, Lachen, Lernen und Lieben, gehören für ihn zu einem erfüllten Leben. Seine Sicht aufs Alter ist überraschend positiv: „Leute, werdet alt. Die zweite Hälfte des Lebens ist die weit bessere!“ Als junger Mann erlebte er den Krieg und verlor Freunde. Seine Lehre daraus: Selbst denken, Mensch bleiben, Haltung entwickeln. Der Film ordnet das hohe Alter nicht als Ausnahmezustand ein, sondern als eigenständige Lebensphase mit Entwicklung, Reife und neuen Perspektiven. Die Hundertjährigen sprechen offen über Einsamkeit, Verlust und Grenzen, aber auch über Humor, Freundschaft und Lebensfreude. „100 Jahre Leben: Was wirklich zählt“ ist ein Film über Haltung. Über die Kraft, sich dem Leben immer wieder zuzuwenden. Und über Menschen, die uns daran erinnern, dass es nie nur auf die Zahl der Jahre ankommt – sondern darauf, wie man sie lebt. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Di. 14.04.2026 ZDF
