• Folge 1087 (30 Min.)
      Betti darf im November ihr Probejahr in der Burg beginnen. – Bild: ZDF und Susanne Bohlmann./​Susanne Bohlmann
      Betti darf im November ihr Probejahr in der Burg beginnen.
      Anders leben: Gemeinsam statt einsam – das möchten die Menschen der Lebensgemeinschaft auf der Burg Disternich. „37°“ begleitet die Gründerzeit der Kommune mit all ihren Höhen und Tiefen.
      In Gemeinschaft zu leben ist für viele ein lang gehegter Traum. Zusammen essen, wohnen und arbeiten – nachhaltig, autark und kreativ – so soll es einmal werden. Doch noch ist die Kommune im Aufbau und sucht ihren Weg in eine gemeinsame Vision.
      Die Kinder sind aus dem Haus. Was nun? Sabine (50) und Simon Stier (52) wollten etwas Neues ausprobieren. Gemeinschaft sollte es sein. Vor drei Jahren haben der Architekt und die Erzieherin sich aufgemacht und zusammen mit anderen eine Genossenschaft gegründet. So konnten sie in dem kleinen Dorf Disternich die Wasserburg samt 10 Hektar Land kaufen. Seitdem arbeiten sie auf dem Gelände. Simon hat sein Büro im Nebengebäude eingerichtet, während Sabine eine eigene Kita eröffnet hat. Diese wird von den Burg- und den Dorfkindern in Anspruch genommen. Mittlerweile leben auf der Burg Disternich 16 Erwachsene und sieben Kinder, mit jeder Menge Wild- und Haustieren.
      David (40) und Clara (28) waren die ersten Genossenschaftsmitglieder vor drei Jahren. Seitdem leben sie zusammen mit ihren Kindern Caspar (5) und Olivia (2)in der Gemeinschaft. Der Cellist und die Pianistin haben sich an der Musikhochschule kennen- und lieben gelernt. Sie sehen die Burg als eine Begegnungsstätte für Kunst, Kultur und Nachhaltigkeit.
      Insgesamt könnten 25 Erwachsene auf dem Grundstück leben. Doch die müssen erst einmal gefunden werden. Um in der Gemeinschaft und in die Genossenschaft aufgenommen zu werden, müssen die Bewerber und Bewerberinnen nach einer intensiven Kennenlernzeit ein Jahr auf Probe überstehen. Danach entscheiden die Mitglieder der Genossenschaft – die Kerngruppe – über ihre Aufnahme. Zwei Drittel müssen aktiv dafür sein. Gibt es nur ein Veto, kann die Person nicht einziehen.
      Dieses Probejahr ist nun rum für Dawid (28) und Eva (29). Eva hat Erziehungswissenschaften studiert, arbeitet momentan in einem Kindergarten und macht gleichzeitig eine Ausbildung zur Tanztherapeutin. Ihr Partner Dawid hat die letzten Jahre als Seminarleiter für Persönlichkeitsentwicklung und Kommunikation gearbeitet. Das Paar ist zusammen mit Evas Tochter Nuria (4) eingezogen. Die anstehende Entscheidung über die Aufnahme in die Gemeinschaft zerrt an den Nerven. Eva möchte unbedingt in der Burg bleiben, aber sie weiß, dass es um ihren Partner Dawid schlecht steht. Er hat in der Gruppe viele Konflikte und Auseinandersetzungen, was die Beziehung auf eine harte Probe stellt.
      Betti (54) ist die Neue. Sie darf ihr Probejahr auf Burg Disternich beginnen. Endlich hat die ehemalige Kneipenbesitzerin ihren Absprung in ein neues Leben geschafft. Die Singelfrau möchte nicht mehr allein leben und freut sich auf die vielen Kinder in der Gemeinschaft. Bettis Sohn Max hat sich vor zehn Jahren das Leben genommen – ein Trauma, das sie bis heute nicht verwunden hat.
      Auf der Burg ist immer was los: tatkräftige Aktionstage, konfliktreiche Gefühlsrunden oder ein Kulturfest mit Musik und Tanz. Der Film begleitet die Gemeinschaft über sechs Monate hinweg, dokumentiert die Höhen und Tiefen, porträtiert die Bewohner und Bewohnerinnen und gibt einen intimen Einblick in einen visionären Mikrokosmos der Gesellschaft. (Text: ZDF)
      Deutsche TV-PremiereDi 09.08.2022ZDF
    • Folge 1088 (30 Min.)
      Alexa (l.) pflegt ihre Mutter Beate (r.), die sich nach einem Schlaganfall nicht mehr äußern kann. Sie verstehen sich auch ohne Worte.
      Füttern, windeln, Medikamente geben und die Mobilität trainieren, das machen Eltern mit ihren Kindern. Doch in vielen Familien in Deutschland sind diese Rollen vertauscht.
      Knapp eine halbe Million Kinder und Jugendliche, die als „Young Carers“ bezeichnet werden, pflegen erwachsene Angehörige und tragen damit weit mehr Verantwortung als Gleichaltrige. Schätzungen gehen von ein bis zwei Kindern pro Schulklasse aus.
      Wahrgenommen werden sie in der Gesellschaft nicht. So wie Alexa und die Geschwister Eva und Pascal. Wenn sie nachmittags aus der Schule kommen, stehen erst einmal Tätigkeiten im Haushalt an. Evas und Pascals Mutter Chrissy ist an Multipler Sklerose erkrankt, ihre Kinder sind Helfer im Haushalt und immer öfter auch Pflegende der 38-Jährigen.
      Auch die 22-jährige Alexa fährt täglich Doppelschichten: Sie macht eine Ausbildung und ist daneben noch Vollpflegerin ihrer Mutter Beate. Deren Schlaganfall veränderte das Leben der ganzen Familie. Seit einem Jahr steht Beates Pflegebett im Wohnzimmer. Alexa und ihr Vater Patrick wechseln sich bei der 24-Stunden-Pflege ab.
      Für Eva, Pascal und Alexa wäre es undenkbar, nicht zu unterstützen. Die Sorge um die Mütter begleitet sie durch den Tag und oft auch durch die Nacht. „Dafür ist die Familie doch da“, beteuert der 17-jährige Pascal, der bereits ein späteres Leben in der Nähe seiner Mutter plant. Seine Schwester Eva (12) quälen Ängste, ihre Mutter zu verlieren, doch sie sehnt sich auch nach Zeit mit Freunden, in der sie einfach mal unbeschwert sein könnte.
      Alexa wartet sehnsüchtig auf die Unterstützung durch professionelle Pflegekräfte, deren Einsatz nach neun Monaten nun endlich bewilligt wurde. Doch die Personalsituation in Deutschland ist angespannt, und trotz ihrer verzweifelten Suche haben Alexa und ihr Vater noch keine geeigneten Pflegerinnen für Beate gefunden.
      Die „37°“-Reportage begleitet Eva, Pascal und Alexa durch ihren Alltag als junge Pflegende. Sie offenbaren ihre Gedanken, die im belastenden Familienalltag oft keinen Raum finden. Sie erklären aber auch, dass es ihnen viel bedeutet, Verantwortung mitzutragen. (Text: ZDF)
      Deutsche TV-PremiereDi 16.08.2022ZDF
    • Folge 1089 (30 Min.)
      Zirkuslegende Bernhard Paul (l.) und seine älteste Tochter Vivian (r.).
      Clowns, Artisten, glitzernde Kostüme: Der Zirkus hat Menschen über Jahrhunderte zum Träumen gebracht. Doch es gibt Konkurrenz: Heute sind Spielekonsolen und Streamingdienste angesagt.
      Wie gehen junge Artistinnen mit diesen Herausforderungen um, in einer Welt, in der die Rolle der Frau noch sehr traditionell ist? Welche Weichen stellen sie, damit ihr Zirkus und ihre Familien auch in Zukunft überleben können?
      Vivian ist die älteste Tochter von Zirkus-Legende Bernhard Paul. Der Name Roncalli ist einer der wohl berühmtesten und schillerndsten in Deutschland. Bernhard Paul gründete den Zirkus Roncalli gemeinsam mit dem Aktionskünstler André Heller in den 1970er-Jahren.
      Vivi ist gemeinsam mit ihren Geschwistern Adrian und Lili im Zirkus aufgewachsen – wie bei allen Zirkuskindern war klar, dass auch sie in die Manege geht. Dort hat sie sich ihre Sporen als Rollschuh-Artistin und mit Luft-Akrobatik in schwindelerregender Höhe verdient. Doch als älteste Tochter des Unternehmers muss sie mehr und mehr auf die Bühnenluft verzichten. Die 31-Jährige übernimmt zunehmend Aufgaben in der Unternehmensführung. Sie wohnt auch nicht mehr im Wohnwagen, sondern hat ihre eigene Wohnung in Düsseldorf-Bilk. Auch wenn ihr das manchmal schwerfällt und ihr die Decke auf den Kopf fällt. „Wir sind immer rumgereist, und ich bin eben ein echtes Zirkuskind“, sagt sie von sich.
      Anstatt selbst in der Manege zu stehen, castet sie nun die Artisten, die in Zirkus und Varieté auftreten werden. Ob die engagierten Künstlerinnen und Künstler sich zu Kassenmagneten entwickeln, weiß man erst, wenn die Show startet.
      Auftritte gibt es für Vivi nur dann, wenn Artisten krank werden – sie hält sich deshalb noch fit, so gut es ihre täglichen Aufgaben zulassen. Denn Roncalli ist eine echte Firma mit vielen Angestellten, die auch in der Coronapandemie ihren Lohn erwarten. Was heißt das für eine junge Frau in dieser Welt? Und was hat das noch mit der Zirkuswelt zu tun, wie wir sie kennen?
      Im Januar 2022 brachte Deborah Lauenburger ihren kleinen Antonio zur Welt. Am Tag zuvor hatte die 25-Jährige noch Popcorn im Magdeburger Weihnachtszirkus, dem Zirkus Paul Busch, verkauft. Vier Tage nach der Geburt packte sie schon wieder mit an. Kinderkriegen ist in der Zirkuswelt kein Grund, kürzerzutreten. Das Kind ist bei allem dabei, auch beim Training oder während der Vorstellung.
      Deborah ist für die Pferde zuständig. Normalerweise unterhält sie das Publikum mit spektakulären Kunststücken auf den Pferderücken. Doch während der Monate der Pandemie fehlte ihr ein wichtiges Lebenselixier: der Applaus. „Wer einmal den Duft der Sägespäne im Zirkuszelt gerochen hat, den lässt es nicht mehr los.“ Ein alter Spruch, der auch auf Deborah zutrifft.
      Dass ihre Branche Zukunft hat, daran zweifelt Deborah überhaupt nicht. Noch immer strahlen Kinderaugen pure Begeisterung und Glück aus, wenn sie Deborahs Reitkunststücke und ihren Ehemann Kalito als Clown sehen. Außerdem ist ihr Zirkus modern mit Lasern, Nebelmaschinen und digitalen Showeffekten ausgestattet. Sie weiß, dass die Zuschauer gern die Nostalgie mögen, die Zirkusse ausstrahlen, und dass das Publikum hier im Gegensatz zu YouTube und Fernsehen live und unmittelbar dabei sein kann. Sie weiß aber auch, dass sie und ihr Mann sich noch einiges einfallen lassen müssen, wenn sie weiterhin gegen Social Media, Playstation und Netflix bestehen wollen.
      Wie wird es für sie ganz persönlich sein – der erste Auftritt nach sehr kurzer Babypause? Wie fühlt es sich nach der Geburt eines Kindes an, zum ersten Mal wieder im knappen Kostüm auf dem Pferderücken? Wie wird ihr Körper klarkommen, schafft sie es, ihre alte Sicherheit zurückzugewinnen? Und wie wird Baby Antonio mit der Situation klarkommen? Denn auch für ihn gibt es keine Ausnahme – er wird wie alle kleinen Familienmitglieder – einfach an den Rand der Manege gestellt und schaut aus dem Kinderwagen zu. (Text: ZDF)
      Deutsche TV-PremiereDi 23.08.2022ZDF
    • Folge 1090 (30 Min.)
      Doreen hat sich viele Jahre ein Kind gewünscht. Nun ist Wunschkind Lena endlich da.
      In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten, in der Ukraine boomt das Geschäft mit dem Babyglück. Doch jetzt herrscht Krieg. Eine Gefahr für Wunscheltern, Leihmütter und die Babys.
      Sven und Doreen aus Sachsen wünschen sich seit zehn Jahren ein Kind, ihre letzte Hoffnung ist eine ukrainische Leihmutter. Doch als die hochschwanger auf die Geburt wartet, beginnt der Krieg. „37°“ begleitet das Paar in die Ukraine zu Kind und Leihmutter.
      Jedes zehnte deutsche Paar zwischen 25 und 59 Jahren ist laut Bundesfamilienministerium ungewollt kinderlos. Für sie bleibt nach deutschem Recht nur eine Adoption oder ein Pflegekind. Aber Sven (38) und Doreen (36) aus dem sächsischen Neukirchen wollen das nicht akzeptieren. Trotz sechs künstlicher Befruchtungen in Deutschland konnte Doreen selbst nicht schwanger werden. Die Ukraine sei „ihre letzte Hoffnung auf ein eigenes Kind“ gewesen, sagen die beiden. Dort ist Leihmutterschaft im Gegensatz zu Deutschland erlaubt.
      Rund 45.000 Euro kostet eine Leihmutterschaft in der Ukraine, im Gegensatz zu den USA, wo eine Fruchtbarkeitsklinik bis zu 150.000 Euro fordern kann. In einer Kiewer Klinik wurden Svens Samen und Doreens Eizelle erfolgreich vereinigt und in den Uterus von Leihmüttern eingesetzt. Dreimal enden die Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt. „Viele haben gefragt, warum gebt ihr nicht auf? Aber wir konnten nicht. Wir haben uns so sehr ein Kind gewünscht!“, erzählt Doreen.
      Im Herbst wird die ukrainische Leihmutter Anna schwanger. Diesmal scheint alles gut zu werden. Das Wunschkind, ein Mädchen, wird geboren und ist gesund. Doch im Februar beginnt der Krieg.
      „37°“ begleitet Sven und Doreen auf ihrer Reise zu Tochter Lena in die Zentralukraine. Der Film beobachtet Ängste, Erwartungen und Vorfreude der Wunscheltern, hinterfragt aber auch das „Geschäftsmodell Leihmutterschaft“. Die Reise ist nicht ungefährlich. Doch das deutsche Paar will sein Kind so schnell wie möglich nach Deutschland holen. Während eines Bombenalarms treffen Sven und Doreen ihre Tochter das erste Mal in der Geburtsklinik. „In dem Moment haben wir gewusst, es hat sich alles gelohnt! Wir können der Leihmutter gar nicht sagen, wie dankbar wir ihr sind.“
      Ihre Leihmutter Anna erzählt, dass die lange Trennung von ihren eigenen Kindern das Schwerste an der Schwangerschaft gewesen sei. Auch andere Leihmütter berichten in der „37°“-Reportage von ihren Erfahrungen. Für Viktoria war die Geburt während der russischen Raketenangriffe in Kiew traumatisch, vor allem, weil sie mit dem Kind deutscher Wunscheltern noch sieben Tage zusammen sein musste. Vier Wochen habe sie geweint, nachdem die deutschen Wunscheltern den Jungen abgeholt hatten.
      Leihmutter Olena trägt dagegen schon zum zweiten Mal ein Kind für deutsche Wunscheltern aus. „Mir macht es einfach Freude, Paaren, die kinderlos sind, ein Baby zu schenken. Und ich kann damit meiner eigenen Familie helfen und uns etwas aufbauen.“ Der Durchschnittsverdienst der Ukrainer ist 350 Euro im Monat. Eine Leihmutter verdient 15.000 Euro. Deshalb will Olena auch ein drittes Mal Leihmutter werden. Selbst wenn dann immer noch Krieg herrschen würde.
      Sven und Doreen bleiben mit Lena schließlich über vier Wochen in der Ukraine. Damit Lena als ihre Tochter anerkannt wird, müssen sie genetische Tests und andere Unterlagen zusammentragen. In Kiew warten sie wochenlang auf einen Termin bei der deutschen Botschaft, um einen Pass für ihr Baby zu erhalten, obwohl 18 Kilometer entfernt Bomben einschlagen.
      In der „37°“-Reportage wird klar: Noch immer sind durch den ungeklärten rechtlichen Status der Leihmutterschaft in Deutschland viele Fragen offen. Das bringt Probleme für die deutschen Wunscheltern, die ukrainischen Leihmütter, aber vor allem auch für die Wunschkinder, die im Krieg geboren werden. (Text: ZDF)
      Deutsche TV-PremiereDi 06.09.2022ZDF
    • Folge 1091 (30 Min.)
      Maren (47) und Joost (48) leben und arbeiten gemeinsam in einem Micro-Apartment von 30 Quadratmeter. So sparen sie teure Mietzahlungen.
      Für immer mehr Menschen zählt jeder Cent: Extremsparer kennen alle Preise im Supermarkt auswendig. Sie jagen Schnäppchen mit Rabattcoupons, leben auf kleinstem Raum, um Miete zu sparen.
      Für Kurt ist Sparen ein Teil seiner Persönlichkeit. Maria und Joel schränken sich ein, um hohe Studienkredite zurückzuzahlen. Und Maren legt das meiste ihres Gehaltes zurück, um früh in Rente gehen zu können. „37°“ begleitet Menschen, die mit wenig Geld leben.
      Schon als kleiner Junge wurde Kurt (68) von seiner alleinerziehenden Mutter zur Sparsamkeit erzogen. Dies kam ihm zugute, als er im höheren Alter sein Geschäft als Baustoffhändler aufgeben musste und – obwohl er früher jahrelang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hatte – wegen seiner Selbstständigkeit direkt in Hartz IV abrutschte. Denn anders als die meisten Betroffenen, kam Kurt, auch während dieser finanziell harten Zeit, gut mit den geringen Regelsätzen zurecht.
      Dass viele arbeitslose Menschen schon Mitte des Monats kaum noch Geld für Essen übrighaben, brachte Kurt auf eine Idee: Gemeinsam mit einem Freund veröffentlicht er seit Jahren „Sparkochbücher“. In denen finden sich gesunde Rezepte, die sich streng an den aktuellen Regelsätzen für Arbeitslose in Hartz IV orientieren. Damit möchte der Rentner seinen Beitrag dazu leisten, dass sich niemand für eine gesunde Ernährung verschulden muss.
      Zudem fanden Kurt und sein Bekannter in jahrelangen Recherchen heraus, welche teuren Markenartikel-Produzenten hinter den wesentlich günstigeren Handelsmarken in Discountern und Supermärkten stecken. Er selbst achtet beim Einkauf penibel darauf, dass diese Nachahmungsprodukte sowie Sonderangebote und Aktionsware im Einkaufskorb landen, und geht nur mit Einkaufszettel shoppen. Impulskäufe sind bei ihm ausgeschlossen, ebenso wie teure Markenprodukte. „Ich bin überhaupt nicht geizig. Ich sehe nur nicht ein, für identische Produkte unnötig viel Geld auszugeben.“
      Auch Maria (37) weiß, wie sich beim Einkauf viel Geld sparen lässt. Früher lebten sie und ihr Mann Joel (43) in den USA. Von dort kennt die Mutter von zwei kleinen Töchtern viele Tricks, mit denen sich durch kluges Kombinieren von Sonderangeboten viel Geld sparen lässt. Das funktioniert – mit Einschränkungen – auch hierzulande. „Unser Keller sieht mittlerweile aus wie ein Drogeriemarkt.“ Dass die Familie jeden Cent zweimal umdreht, liegt an den hohen Schulden, die Maria und Joel tilgen. Durch in den USA übliche Studiengebühren summierten die sich auf knapp 89.000 Euro. Auf vieles musste die junge Familie deshalb lange verzichten. Doch der radikale Sparkurs trägt Früchte, und nach mehr als sechs Jahren ist die Familie endlich schuldenfrei. Gespart wird dennoch weiter. Nun gilt es, schnellstmöglich einen Notgroschen anzusparen und danach Vermögen aufzubauen.
      Das möchten auch Maren (47) und Joost (48). Um sich das Geld für eine teure Miete zu sparen, sind sie zusammen in ein 30 Quadratmeter großes Ein-Zimmer-Apartment in Bamberg gezogen. Die beiden verfolgen einen minimalistischen Lebensstil und sind zudem Frugalisten. Das bedeutet zum einen, dass sich das Ehepaar im Rahmen seines letzten Umzuges vom meisten des eigenen Besitzes getrennt hat. Zum anderen wird der Großteil des monatlichen Einkommens umgehend angespart. Das Ziel: so schnell wie möglich ein Vermögen generieren, das es beiden erlaubt, so früh wie möglich in Rente zu gehen. Oder ihren Traum zu leben und als digitale Nomaden von überall auf der Welt arbeiten zu können: „Vielleicht schon in fünf Jahren.“
      Schwierig wird es für beide, als sie ihre Jobs wechseln und von zu Hause aus arbeiten. Während Joost von der Küchenzeile aus telefonisch Kunden betreut, wagt Maren am Esstisch nebenan den Sprung in die Selbstständigkeit. Als Online-Coach möchte sie Minimalismus- und Finanzkurse anbieten. Damit dabei möglichst nichts schiefgeht, investiert sie viel Zeit und zuvor mühsam angespartes Geld in die Vorbereitung. Wird sie ihren Traum von der erfolgreichen Selbstständigkeit verwirklichen können?
      Ein „37°“-Film über Menschen, die ihr Geld lieber sparen, als es auszugeben. (Text: ZDF)
      Deutsche TV-PremiereDi 13.09.2022ZDF

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