2026 (Folge 1754–1771)
Hoffnung gegen das Bienensterben
Folge 1754 (30 Min.)
Die Varroamilbe gilt als einer der gefährlichsten Parasiten der Honigbiene. In weiten Teilen Europas müssen Imkerinnen und Imker ihre Völker regelmäßig behandeln, damit sie überleben.Bild: BR/Susanne RoserDie Varroamilbe gilt als einer der gefährlichsten Parasiten der Honigbiene. In weiten Teilen Europas müssen Imkerinnen und Imker ihre Völker regelmäßig behandeln, damit sie überleben. Ganz anders im Nordwesten von Wales: Hier werden Bienen einer ganzen Region seit Jahren ohne jede Chemie gehalten. Um herauszufinden, warum das dort funktioniert, reist der deutsche Imker Christian Schneider nach Wales. Er besucht Imker, die auf lokal angepasste Bienen setzen, und entdeckt Völker, die ohne menschliche Hilfe in Bäumen und Hausdächern leben.Manche der Bienen tragen noch Merkmale der sogenannten dunklen Biene, die ursprünglich in dieser Region heimisch war und mit dem kühlen, feuchten Klima gut zurechtkommt. Auch die deutschen Bienenforscher Roland Sachs und Sigrun Mittl sind auf der Suche nach Erklärungen für die walisischen Erfolge. Sie glauben, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Brutnestern eine Rolle spielen und beobachten das Verhalten der Tiere. Und tatsächlich: In den Bienenstöcken der walisischen Biene messen sie eine auffallend höhere Temperatur. Die besondere Wehrhaftigkeit der „hitzigen“ walisischen Biene bekommt das Forscherpaar dabei am eigenen Leib zu spüren … Für Christian Schneider zählt vor allem eines: Die walisischen Imker haben über viele Jahre Erfahrungen geteilt, mit den Bienen ihrer Umgebung gearbeitet und gemeinsam einen neuen Weg eingeschlagen. Nur indem sie angepasst an ihre regionalen Bedingungen konsequent an einem Strang ziehen, weder Bienen von außen holen noch behandeln, konnten sich ihre Bienen optimal anpassen. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Di. 27.10.2026 arte Klippenspringen – Im Rausch der Höhe
Folge 1755 (30 Min.)Bild: ArteVor anderthalb Jahren kannte Sofie Klippenspringen nur aus Videos in den sozialen Netzwerken. Inzwischen springt sie selbst aus Höhen bis zu zwanzig Metern. „Man ist völlig im Tunnel, weil natürlich auch ein Risiko mitspielt“, beschreibt Sofie das Gefühl kurz vor dem Sprung. Ihr Freund Jonas weiß aus eigener Erfahrung, welche Folgen die riskanten Sprünge haben können. Er kämpft nach einer schweren Schulterverletzung bis heute mit einer mentalen Blockade. In diesem Sommer will Sofie zum ersten Mal bei einem internationalen Event springen und dabei auch bekannte Gesichter der Szene treffen, die sie bislang vor allem aus dem Netz kennt.Mit dabei ist auch Florian. Er ist Weltrekordhalter im sogenannten Death Diving, einer extremen Form des Klippenspringens. Seit seinem Rekordsprung aus rund 48 Metern ist er einer der Stars der Springer-Szene. Noch arbeitet er als Dachdecker, doch er träumt davon, durch Sponsoren zukünftig vom Sport leben können. Diesen Anspruch hatte Lionel, genannt Loulou, aus Südfrankreich nie. Mit 56 Jahren springt er noch regelmäßig von den Kalkfelsen seiner Heimat Cassis und gibt seine Erfahrung an Jugendliche weiter. Er warnt davor, sich von spektakulär inszenierten Clips in den sozialen Netzwerken zu Leichtsinn verleiten zu lassen, denn ohne Training und Sicherheitsmaßnahmen können die Sprünge lebensgefährlich sein. Für Loulou ist Angst ein wichtiger Begleiter – und doch will auch er mehr: Seit Monaten bereitet er sich auf einen Kopfsprung aus 42 Metern vor, mit dem er seinen Rekord in dieser Disziplin übertreffen will. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mi. 28.10.2026 arte Valencia – Die Flut und die Rettung der Fotos
Folge 1756 (30 Min.)Bild: ArteAls die junge Restauratorin Alejandra Nieto hörte, dass Menschen ihre aufgeweichten und verklebten Fotoalben wegwarfen, begann sie sofort, die beschädigten Fotos einzusammeln – um das persönliche und kulturelle Erbe zu retten, das in Form analoger Fotos existiert. Aus dem kleinen Anfang ist eine große zivile Bewegung geworden: Salvem Les Fotos (Lasst uns die Fotos retten). In der Flut-Region nahe Valencia sind mit Hilfe von Spenden vier lokale Labore aufgebaut worden. Alejandra ist überzeugt, dass jedes gerettete Foto wertvoll ist: „Sie helfen, die seelischen Wunden zu heilen.“ Rosa Álvarez bestätigt das.Sie hat bei der Flut ihren Vater verloren. Die Behörden lösten den Alarm zu spät aus. Er schaffte es nicht mehr, die Tür seines Hauses zu öffnen. Das Hochwasser beschädigte auch die einzigen Fotos ihrer längst verstorbenen Mutter. Zwei Jahre nach der Flut erhält Rosa eine Einladung vom Labor der Fotoretter. Nur eines ihrer vielen Fotos konnte erfolgreich restauriert werden: ein Porträt ihrer Eltern. Bei aller Trauer ist dies ein Trost: „Dieses Foto bringt mich zurück in die glücklichste Zeit meines Lebens.“ Paco Costa ist Fotograf. Seit Jahren hängen seine Bilder wie Wandzeitungen in den Straßen von Catarroja. „Jedes Foto ist eine Reise in die Vergangenheit.“ Die Flut hat die meisten Fotowände zerstört. Als der Wasserpegel gesunken war, nahm Paco seine Kamera und fotografierte die Menschen seines Heimatortes im Ausnahmezustand. 1.500 Fotos in vier Tagen. Eine einmalige Chronologie der Tragödie – und eine Erinnerung für zukünftige Generationen, so Paco: „Unser Leben geht vorbei – die Bilder bleiben.“ (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Di. 27.10.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Do. 29.10.2026 arte Trump treibt US-Forscher nach Europa
Folge 1757 (29 Min.)Bild: ArteZensur, Kürzungen und Entlassungen: In der zweiten Amtszeit von Donald Trump droht Forschenden in den USA der Verlust ihrer wissenschaftlichen Freiheit. Manche von ihnen geraten immer mehr in Bedrängnis. „Wenn laufenden Wissenschaftsprojekten Mitteln entzogen werden, bedeutet das eine Verschlechterung der Ergebnisse.“, so Dr. Elsa Anderson. Seit Juli ist die 37-Jährige in Berlin. Sie kommt auf Einladung der Alexander von Humboldt Stiftung. Sie erhält ein Forschungsstipendium am Leibniz-Institut für Gewässerökologie. Vorher forschte sie in den USA an der Northwestern University in Evanston, Illinois. „Ich bin auf die biologische Vielfalt in der Stadt spezialisiert. Und ich verbinde Straßenkunst mit Artenentwicklungen.“ Einige Forscherinnen und Forscher suchen nach unabhängig finanzierten Stellen, kommen zum Beispiel nach Europa.Die Reportage begleitet zwei hoch dotierte amerikanische Personen, eine Wissenschaftlerin in Deutschland und einen Wissenschaftler in Frankreich in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft: Bioingenieurin Dr. Katharina Maisel, in Saarbrücken und den Astrophysiker Dr. Kartik Sheth in Marseille. Bis März 2025 war er in leitender Position bei der Nasa. Die Ankündigung der Schließung des gesamten Wissenschaftsdirektorats, sowie die Schließung der zuständigen Büros, für Technologie, Politik und Strategie der Nasa, markierte einen Wendepunkt. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Mi. 28.10.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Fr. 30.10.2026 arte Die Gen Z entdeckt den Glauben
Folge 1758 (30 Min.)Bild: ArteDie Reportage begleitet religiöse junge Menschen in Berlin. Was diese in ihrer Hinwendung zu Gott suchen, ist unterschiedlich: Lorenzo (17) ist ohne seinen Vater aufgewachsen und findet durch seinen Glauben die Kraft, mit dessen Fehlen besser umzugehen. Leni (18) hat das Gefühl, im Gebet ein Gegenüber zu haben, das ihr zuhört und sie voll und ganz annimmt. Noa (22) ist sich durch ihre Religion sicher, dass ihr Leben einen Sinn hat. Zuversicht und ein Gefühl von Sicherheit beschreiben alle drei als Grunderfahrungen des Glaubens.Einige junge Menschen interessieren sich wieder für Frömmigkeit und Bibeltreue. Sie wenden sich dem Glauben zu, präsentieren sich mit religiösen Symbolen, folgen Influencern mit christlichen Inhalten oder arbeiten aktiv in Kirchengemeinden mit. Die Häufung von Krisen wie Corona, Klimawandel und Kriegsgefahr lassen viele nach spirituellem Halt und Orientierung suchen, aber auch der Wunsch nach gelebter Gemeinschaft mit anderen spielt eine Rolle. Kritiker sehen die Gefahr, dass gerade auf Social Media vor allem vereinfachende Botschaften verfangen, und manche Jugendliche deshalb anfällig werden könnten für unterkomplexe Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit. Auch die politische Einflussnahme religiöser Gruppen etwa in den USA erfüllt manche mit Sorge. Sich als liberal verstehende Kirchengemeinden wie die Baptisten aus Berlin-Schöneberg oder der evangelische Pfarrer Viktor Weber aus Berlin-Spandau wollen diesen Entwicklungen entgegentreten, indem sie Jugendlichen auch für eine hinterfragende Haltung zur Bibel gewinnen. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Sa. 31.10.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Mo. 02.11.2026 arte Irlands tote Kinder – Exhumierung statt Schweigen
Folge 1759 (30 Min.)Bild: ArteSeit Jahrzehnten sucht Anna Corrigan nach ihren zwei Brüdern. Beide kamen im Mutter-Baby-Heim im westirischen Tuam zur Welt. Für John gibt es eine Sterbeurkunde, für William nicht. Anna hält es deshalb für möglich, dass William noch lebt. Oder liegen seine Überreste auf dem Gelände? Die Ausgrabungen könnten endlich Klarheit darüber bringen, was mit ihren Brüdern geschah. Zwischen 1925 und 1961 starben in dem von katholischen Nonnen geführten Heim Hunderte Säuglinge und Kleinkinder. Die lokale Geschichtsforscherin Catherine Corless fand Sterbeeinträge für 796 Kinder – aber keine Begräbnisnachweise.Ihre hartnäckigen Recherchen brachten einen der größten Kirchenskandale Irlands ans Licht: Viele der verstorbenen Kinder wurden in einem Abwassertank auf dem Gelände entsorgt. PJ Haverty verbrachte seine ersten sechs Lebensjahre in dem Heim. Erst Jahrzehnte später erhielt er Zugang zu seinen Akten und erfuhr, dass er als Kind zur Adoption in die USA vorgesehen war. „Ich hatte Glück, dass ich überlebt habe. Ich hätte dort liegen können.“ Nun soll in Tuam aufgeklärt werden, was mit den Kindern geschah. Seit Juli 2025 wird das Gelände forensisch untersucht. Die sterblichen Überreste werden geborgen und sollen identifiziert werden. Wurden die Kinder Opfer von Gewalt oder Vernachlässigung? Welche Verantwortung tragen Nonnen und staatliche Stellen? Erst 2021 entschuldigte sich die Regierung offiziell bei Überlebenden und Angehörigen. Tuam war kein Einzelfall: In ganz Irland starben in solchen Heimen rund 9.000 Kinder. Ist Tuam der Anfang einer umfassenden Aufarbeitung? (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Di. 03.11.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 07.10.2026Stau in Istanbul
Folge 1760 (30 Min.)Aslı Kireçtepe liebt ihre Heimatstadt Istanbul – und verflucht sie jeden Tag aufs Neue. Jeden Werktag bringt die Medizin-Dozentin ihre Tochter mit dem Auto zur Schule, fährt dann zur Arbeit. Immer steht sie im Stau – durchschnittlich drei bis vier Stunden jeden Tag. Öffentliche Verkehrsmittel sind für sie keine Alternative, da es keine passenden Verbindungen gibt. Rentner Ali Taşlıçukur versucht, aus der Not eine Tugend zu machen. Am Zubringer der Bosporusbrücke verkauft er morgens Wasser an die Autofahrer im Stau.Der 66-Jährige ist dabei stets tadellos gekleidet, in Hemd und Krawatte. Trotz Hüftproblemen steht er täglich mitten auf der Schnellstraße. Er erinnert sich, dass Istanbul in seiner Kindheit 3 Millionen Einwohner hatte – heute sind es mehr als 16 Millionen. Das rasante Bevölkerungswachstum ist der Hauptgrund für Istanbuls Verkehrschaos. Laut internationaler Studien verliert man hier durchschnittlich 118 Stunden pro Jahr im Stau – ein trauriger Weltrekord. Die geografische Lage auf zwei Kontinenten und die engen Querverbindungen durch Brücken und Tunnel machen es für die Stadtverwaltung herausfordernd, daran etwas zu verbessern. Neue Straßen und U-Bahnlinien sollen Abhilfe schaffen. Bis das Wirkung zeigt, versucht Mesut Çeki, den Istanbuler Verkehr zu bezwingen. Er ist Motorradkurier, einer von Hunderttausenden in der Stadt. Wo die Autos im Stau stehen, schlängelt er sich durch den Verkehr. Stets ist er unter großem Zeitdruck. Firmen und Kunden erwarten von ihm eine rasante Lieferung. Dafür riskiert er nicht selten sein Leben. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 05.11.2026 arte Rom – Nie zu alt fürs Leben
Folge 1761 (29 Min.)Rom: Mitten im Trubel, an einer chaotischen Hauptstraße des hippen Viertels Trastevere, befindet sich ein ganz besonderer Ort, der weit mehr ist als ein herkömmliches Seniorenzentrum. Es ist ein Ort der Gemeinschaft und der Möglichkeit für einen Neuanfang. Ehrenamtlich geleitet von Gianfranco, bietet das Zentrum für einen kleinen Jahresbeitrag und günstige Kursgebühren ein breites Programm: Ob Schach, Aquarell, Pilates oder Tango – die Angebote sind gefragt. Die Mitgliedschaft kostet nur 15 Euro im Jahr, die Kurse höchstens 30 Euro monatlich. Irene hat sich für den Aquarellkurs entschieden, genau wie Maurizio, ein pensionierter Physiker und Meteorologe. Nach leichten Schlaganfällen trainiert Maurizio seine Koordination auch mit dem Tangokurs.Irene nutzt das Zentrum, um neue Freundschaften zu knüpfen. Die Gemeinschaft der Tagesstätte steht vor einer Bewährungsprobe: Eine neue Leitung muss gewählt werden. Gianfranco führt die Tagesstätte seit zwei Amtszeiten und die Stadt erlaubt keine Verlängerung. Darum endet seine Amtszeit endgültig in vier Wochen. Doch zunächst steht am Ende des Kursjahrs das Theaterstück „Tango der Erinnerungen“ an – ein Abend über ein Lebensgefühl, das hier alle kennen. Die Reportage zeigt einfühlsam, dass alles im Leben im stetigen Wandel ist – gerade beim Altern – und dass es für neue Wege nie zu spät ist. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Mi. 16.09.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Fr. 06.11.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 16.09.2026Phänomen Lindy Hop – Swing statt Screen
Folge 1762 (30 Min.)Während Dating-Apps und die tägliche digitale Datenflut für viele ermüdend und unverbindlich geworden sind, wächst in Europa eine Szene, die wieder direkte Begegnung und Körperlichkeit sucht: auf Tanzböden von Paris bis Pisa und im Swing-Camp von Herräng. Alice aus Paris ist eine dieser Suchenden. Die 32-jährige Toningenieurin pendelt zwischen Frankreich und Stockholm. Nach Jahren unsteter Beziehungen und digitalem Dating setzt sie nun auf Lindy Hop, den Swing-Tanz aus den 1920er Jahren, der ein Comeback erlebt. Sie mag, dass hier Verrücktheiten erlaubt sind und sich jeder individuell ausdrücken kann.Zugleich ist der Tanz für sie hochmodern: Es gibt keine festen Grenzen zwischen Männern und Frauen, alle dürfen führen oder folgen. Zum ersten Mal erkundet auch ein Architektenehepaar aus Lübeck die Community des Dance-Camps. Nicola und Jörg sind Eltern von vier Kindern und kommen aus dem klassischen Standardtanz. Im Swing erleben sie getanzte „gute Laune“ statt starrer Regeln. Ob Swingtanz ein Ausweg aus der Vereinsamung der Bildschirmgesellschaft sein kann? Nicola bleibt skeptisch, weil nur wenige Menschen diese Festivals erleben. Micha aus München, promovierter Statistiker, sucht im Lindy Hop vor allem Ablenkung vom Job. Er liebt stundenlange Dance-Sessions bis zur Verausgabung und schätzt eine Kultur, in der Individualität und „Weirdness“ nicht nur toleriert, sondern gefeiert werden. Das Tanz-Camp ist für ihn wie ein temporäres Zuhause: Man kehrt an einen vertrauten Ort zurück, erkennt Gesichter aus Vorjahren wieder, teilt Küche, Campingplatz und lange „Social Dance“ Nächte. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mo. 09.11.2026 arte Suche Nachfolger, biete Zukunft im Baskenland
Folge 1763 (30 Min.)Bilbao hat vorgemacht, wie sich eine Stadt neu erfinden kann. Wo einst Werften und Stahlwerke das Bild bestimmten, locken heute spektakuläre Neubauten wie das Guggenheim-Museum Besucher aus aller Welt an. Dieses Phänomen – bekannt geworden als „Bilbao-Effekt“ – wurde um Vorbild für Städte weltweit. Doch abseits der Sehenswürdigkeiten zeigt sich eine zweite Wirklichkeit: Kleine Läden verschwinden, weil ihre Besitzer in Rente gehen und sich keine Nachfolger finden lassen. Mit jedem Geschäft, das schließt, geht dabei mehr verloren als nur eine Einkaufsmöglichkeit. Handwerkliches Wissen, Begegnungen zwischen Menschen und ein Stück lebendige Nachbarschaft verschwinden für immer. Lourdes Sacristán betreibt seit 30 Jahren eine kleine Schusterei.Die 63-Jährige würde gerne aufhören, doch sie findet keinen Nachfolger. Ihre letzte Hoffnung: die Online-Plattform „NegoziON“. Damit versucht die baskische Regierung, alte Ladenbesitzer und neue Unternehmer zusammenzubringen – eine Art „Tinder für Geschäfte“. Mit Erfolg: Der Kolumbianer Miguel Castillo hat den Fischladen von Ana Grosabel übernommen, die fast 40 Jahre hinter der Theke stand. Ana bringt ihm alles bei, übergibt ihm auch ihre Kundschaft. Aus ihrer Geschäftsbeziehung ist eine enge Freundschaft geworden. Der „Bilbao-Effekt“ hat das Gesicht der Stadt verändert. Jetzt geht es um die Frage: Was braucht eine Stadt, damit sie nicht nur attraktiv aussieht, sondern auch lebendig bleibt für die Menschen, die sie bewohnen? (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Di. 10.11.2026 arte Sterben ohne Erben
Folge 1764 (30 Min.)Auf der Suche nach Erben ist die Nachlasspflegerin Ira Kröswang mit ihrem Team im Auftrag von Nachlassgerichten in ganz Süddeutschland unterwegs. Sie durchsucht Wohnungen und Häuser Verstorbener nach Vermögen, Testamenten und Hinweisen auf Erbberechtigte. Als sie den Nachlass zweier verstorbener Brüder inspiziert, taucht plötzlich eine ältere Dame auf. Es ist die Cousine. Findet Ira Kröswang kein Testament mehr, wäre sie eine Erbin. Es geht um mehrere hunderttausend Euro. Auch ein anderer Fall beschäftigt die Nachlasspflegerin: Sie sucht nach den Erben einer Villa, in der ein Künstlerpaar lebte. Der Nachlass beläuft sich auf mehrere Millionen Euro. Weil viele Urkunden im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen sind, gleicht die Suche der nach der Nadel im Heuhaufen.400 Nachlasspfleger sind im deutschen Berufsverband registriert. Sie übernehmen Schätzungen zufolge 20.000 bis 40.000 Fälle pro Jahr. Die Suche nach Erben dauert oft Monate, manchmal sogar Jahre. Stoßen Nachlasspfleger an ihre Grenzen, können sie professionelle Erbenermittler wie Max Bloch beauftragen. Der promovierte Historiker sucht in Stadt- und Kirchenarchiven, in zum Teil über 100 Jahre alten Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden nach Verwandten von Verstorbenen. Bezahlt wird er nur im Erfolgsfall, mit einem Anteil am Erbe. So manche Erben erfahren durch ihn Neues über die eigene Familie, wie der Berliner Étienne Schorlemmer. Durch die Recherche von Max Bloch hat er erfahren, dass er einen Halbbruder hat. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mi. 11.11.2026 arte Die verlassenen Kinder des Westbalkans
Folge 1765 (30 Min.)Viele Eltern sind aus dem verarmten Nordmazedonien dorthin gezogen, wo es Arbeit gibt – beispielsweise nach Österreich, Malta, Italien oder Deutschland, wie im Fall von Laras und Lukas Eltern. Kinder bleiben oft über Jahre bei ihren Großeltern oder übernehmen die Verantwortung für sich allein, wie Lara und Luka. Die Eltern versorgen ihre Kinder zwar mit Geld, doch den Alltag müssen sie allein bewältigen: Elterngespräche in der Schule selbst führen, Erkältungen allein auskurieren, an der eigenen Zukunft arbeiten. Alles ohne die Nähe und den Beistand ihrer Eltern.Der 13-jährige Mert lebt bei seinen Großeltern, weil seine Mutter nach Österreich gezogen ist und dort drei weitere Kinder großzieht. Mert vermisst seine Mutter. „Er hat ein Lied für sie gedichtet und komponiert“, erzählt sein Großvater Nejdin, bei dem Mert wohnt. „Als ich es gehört habe, musste ich weinen.“ In der kleinen Ortschaft Kočani im Nordosten Nordmazedoniens ruht die Hauptlast der Erziehung und Fürsorge für Mert auf den Schultern der Großeltern. Seit dem Umzug ihrer Tochter nach Österreich unterstützt diese ihre Eltern und ihren Sohn finanziell. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 12.11.2026 arte Heiße Luft über Polen – Die WM der Ballonfahrer
Folge 1766 (30 Min.)Stephanie Hemmings aus England ist eine von sechs Frauen im Starterfeld der Ballon-WM und sie kommt mit einer besonderen Herausforderung nach Krosno. Sie hat neben ihren Crewmitgliedern Chloe und Jenny auch ihren sechs Monate alten Sohn Leo im Team-Van dabei. Während die Crew mit Gasbrenner und Ventilator den Ballon aufbläst, muss die Pilotin noch ihren Sohn stillen. Aber Stephanie kennt es nicht anders. Als sie selbst ein Säugling war, wurde auch sie von ihren Eltern auf Meisterschaften mitgenommen. Ihr Vater David Bareford ist zweifacher Weltmeister und auch ihr Bruder Dominique hat 2018 schon einmal den Titel gewonnen.Für Dieter Ackermann aus dem Schwarzwald ist es erst die zweite WM. Er will sie nutzen, um sich mehr „Wettkampf-Härte“ anzutrainieren. Rund um die Zielkreuze wird es eng, wenn mehrere Piloten gleichzeitig ihre Zielmarken abwerfen wollen. Da muss der Pilot auch schon mal Kontakt zwischen den Ballonhüllen in Kauf nehmen. Brenzlig wird es für Ackermann, als das Wetter in Krosno regnerisch wird und die Wettkampfleitung trotzdem eine Wettfahrt ansetzt. Da zweifelt er kurz, im richtigen Sport zu sein. Die Verantwortung für diese Entscheidungen hat Claude Weber aus Luxemburg. Er muss als Turnierdirektor die Aufgaben für die Ballon-Piloten stellen und auch einschätzen, ob die Fahrten sicher durchgeführt werden können. Für das Finale hat er sich etwas Besonderes ausgedacht. Die letzte Prüfung soll mitten auf den Marktplatz von Krosno führen, der umgeben ist von historischen Gebäuden. Hier werden es nur die Besten schaffen, ihren Marker ins Ziel zu bringen. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Fr. 13.11.2026 arte Jüdisches Neujahr im Ukrainekrieg
Folge 1767 (30 Min.)Der Musiker David Lévy pflegt in seiner Pariser Wohnung alte jüdische Traditionen. Der 50-Jährige hat einen seiner Söhne nach dem Gelehrten Rabbi Nachman benannt. Zu Rosch ha-Schana will David in die Ukraine reisen, um an Nachmans Grab das jüdische Neujahrsfest zu feiern. Es wird eine besondere Reise: David will ein Foto seines Großvaters mitnehmen, dessen Familie von den Nazis verschleppt und im KZ ermordet wurde. In Uman will er für seinen Großvater und seine Vorfahren beten. In der Stadt mit rund 80.000 Einwohnern lebte im 19. Jahrhundert Rabbi Nachman, ein bedeutender Vertreter des Chassidismus, einer mystischen Strömung des orthodoxen Judentums.Während Rosch ha-Schana dürfen nur Männer das Grab des Rabbis besuchen. Die Ukrainerin Walentyna arbeitet in einer der Großkantinen, die pro Tag bis zu 100.000 koschere Mahlzeiten ausgeben. Die riesige Küche wird von Chefkoch Johnny geleitet. Ohne die hunderten ukrainischen Frauen, die hier arbeiten, wäre der Betrieb nicht möglich. Für Uman bedeutet das Fest einen mehrtägigen Ausnahmezustand. Der Chassidismus zelebriert den freudvollen Umgang mit Gott. Für einige Pilger ist Rosch ha-Schana eine Party, zu der auch Alkohol gehört. Doch der Konsum ist wegen des geltenden Kriegsrechts streng verboten. Hunderte Polizisten sind im Einsatz und kontrollieren das Stadtviertel rund um die Grabstätte Nachmans streng. Auch der Beamte Petro ist mit seinem Spürhund Tim im Dauereinsatz. Die beiden suchen dabei auch nach Sprengstoff und Waffen und sollen dazu beitragen, die Sicherheit der Zehntausenden Pilger zu gewährleisten. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mo. 16.11.2026 arte Italien – Kino statt Knast
Folge 1768 (30 Min.)In Verona zeigt ein außergewöhnliches Resozialisierungsprojekt, wie Kultur buchstäblich Mauern überwinden kann. Dank einer Initiative von Paola Tacchella und Erica Benedetti erhalten neun ausgewählte Strafgefangene mit positiver Prognose eine richterliche Sondergenehmigung: Sie dürfen das Gefängnis für zehn Tage verlassen, um als freiwillige Helfer beim Filmfestival Della Lessinia im Städtchen Bosco Chiesanuova mitzuarbeiten. Jeden Abend müssen sie nach getaner Arbeit wieder in die Zellen zurückkehren. Für viele ist es nach langer Zeit der erste Schritt in die Außenwelt.Die Aufgaben der Inhaftierten sind vielfältig. Michael, der früher international als DJ tätig war, hilft beim Aufbau der Technik und freut sich über die Rückkehr in seinen alten Arbeitsbereich. José packt beim Aufbau des Buchladens mit an und ist dabei sichtlich bewegt: „Hier draußen zu arbeiten, ist ein ganz anderes Gefühl.“ Shukri und Manuel arbeiten in der Osteria des Festivals. Im Café wird die neu gewonnene Freiheit schon in kleinen Dingen spürbar – beim Genuss eines leckeren Kaffees aus einer echten Porzellantasse, die es im Knast nicht gibt. Gleichzeitig läuft in der Festival-Küche unter Chef Raffaele und Chefköchin Serena die Bewirtung hunderter Gäste auf Hochtouren, tatkräftig unterstützt von den freiwilligen Helfern. Auch im Gefängnis Montorio findet das Festival statt – hier diskutieren Inhaftierte voller Elan über 22 Filme und vergeben schließlich ihren eigenen Filmpreis. Das Projekt Microcosmo zeigt eindrucksvoll, dass Kultur nicht nur unterhält, sondern echte Brücken zurück in die Gesellschaft bauen kann. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Di. 17.11.2026 arte Solo-Mama! Kein Partner, kein Problem?
Folge 1769 (30 Min.)Familie jenseits der klassischen Kernfamilie: Immer mehr Menschen gründen heute eine Familie nach ihren eigenen Vorstellungen. Solo-Mutterschaft und Co-Parenting stehen für neue Formen von Elternschaft, die Selbstbestimmung versprechen, aber auch neue Herausforderungen mit sich bringen. Olivia (43) hat sich bewusst dafür entschieden, ihren Kinderwunsch ohne Partner zu verwirklichen. Noch während der Schwangerschaft zieht sie zu ihrer 72-jährigen Mutter. Doch als ihr Sohn Carl zur Welt kommt, verläuft der Start ins Familienleben anders als erhofft.Olivia ist nach einem Kaiserschnitt körperlich eingeschränkt. Ihr Baby leidet unter starken Schmerzen und kommt kaum zur Ruhe. Olivia kämpft gegen Erschöpfung, Schlafmangel und die Belastungen des Alltags. Unterstützung erhält sie nur begrenzt. Auch die Schweizerin Stefanie (26) wollte Mutter werden, ohne eine Paarbeziehung führen zu müssen. Gemeinsam mit Jorge, dem Vater ihrer Zwillinge, lebt sie ein Co-Parenting-Modell. Während Stefanie in der Schweiz lebt, wohnt Jorge mit seinem Ehemann in Amsterdam. Rund 800 Kilometer trennen die Eltern. Die Organisation von Betreuung, Verantwortung und gemeinsamen Entscheidungen wird dadurch zur täglichen Herausforderung. Als Stefanie nach einem Unfall zeitweise ausfällt, gerät das fragile Gleichgewicht ins Wanken. Die Reportage begleitet zwei Frauen auf ihrem Weg durch neue Familienmodelle und zeigt, wie viel Mut, Kraft und Kompromissbereitschaft es braucht, Elternschaft jenseits traditioneller Rollenbilder zu leben. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mi. 18.11.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 15.10.2026Ausgetanzt? Türkische Männer in Röcken
Folge 1770 (30 Min.)In der Türkei gehören in Kleidern tanzende Männer seit Jahrhunderten zur Unterhaltungskultur. Weil es als sündhaft galt, wenn Frauen vor Männern tanzten, wurden Jungen zu Tänzern ausgebildet. Heute treten Köçeks in folkloristischen Röcken und Zennes in sinnlichen Bauchtanzkostümen auf. Doch seit die AKP-Regierung eine religiöse Moralpolitik verfolgt, sehen sich die Tänzer zunehmend gesellschaftlicher Ablehnung ausgesetzt. Baran Güney und sein Onkel Soner Barut verdienen ihren Lebensunterhalt als Köçeks – wie schon Generationen ihrer Familie vor ihnen.Doch sie hören öfter Sprüche wie: „Echte Kerle tragen doch keine Röcke und schwingen mit den Hüften.“ Die Absagen für Auftritte häufen sich. Stattdessen müssen sie auf den Straßen von Amasra für Trinkgelder von Touristen zu tanzen. Baran denkt deshalb darüber nach, den Beruf zu wechseln. Der 23-Jährige Can Koçak glaubt nicht, dass er als Köçek seine Verlobte versorgen kann. Nach der Hochzeit im kommenden Jahr will er aufhören und nur noch als Kartonsammler arbeiten. Auf der Feier, auf der er auftritt, zeigt sich der gesellschaftliche Wandel: Während einige Gäste die Köçeks als Teil der Feierkultur schätzen, stoßen sie bei anderen auf Kritik. Die Vorbehalte kommen nicht mehr nur aus religiös-konservativen Kreisen. Segah Demirdelen zählt zu den bekanntesten Bauchtänzern Istanbuls. Als Zenne und homosexueller Tänzer erlebt er besonders häufig Anfeindungen. Mit Sorge blickt er in die Zukunft. Er befürchtet, dass die Tradition der tanzenden Männer verschwindet. Denn die Regierung erhöht den Druck gegen Menschen wie ihn. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 19.11.2026 arte Wo bist du? Vermisst in Polen
Folge 1771 (30 Min.)„Dass der Vermisste nicht stirbt, das ist unsere größte Motivation“, sagt Błażej Busza. Der 29-jährige Programmierer hat 2020 den Such- und Rettungsverein Siron mitgegründet. Siron ist einer von 17 zivilen Vereinen, die in Polen ehrenamtlich der Polizei bei Vermisstensuchen helfen. Ein Teil der geschulten und qualifizierten Freiwilligen ist Tag und Nacht für die Polizei in Bereitschaft. Błażej Busza hat sogar eine App entwickelt, die auch die Polizei bei der Vermisstensuche nutzt. Über die Hälfte der Vermissten wird binnen zwei Tagen gefunden – seien es an Demenz erkrankte Senioren oder Jugendliche und Erwachsene in psychischen Krisen. Doch manche Suchen dauern nicht Stunden oder Tage, sondern Jahre. Konstanty Gil vermisst seinen Sohn Daniel bereits seit 2020 – nicht wissend, was mit ihm geschehen ist und ob er überhaupt noch lebt.Daniel wollte in die Niederlande, dort arbeiten. Doch kurz nach seiner Ankunft fühlte er sich verfolgt, der Kontakt zum Vater brach ab. Die Polizei schließt ein Verbrechen nicht aus und ermittelt bis heute. Doch von Daniel fehlt nach wie vor jede Spur. Die emotional hoch anstrengende Situation zwischen Ungewissheit und Hoffnung ist kaum zu ertragen. Konstanty hatte bereits einen Schlaganfall und zwei Herzinfarkte. Seine einzigen konstanten Stützen sind seine Nachbarin Kasia und die Stiftung Itaka. Itaka begleitet Angehörige wie Konstanty psychologisch und hilft ihnen bei der Suche nach dem geliebten Menschen – auch Jahre nach dem Verschwinden. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Fr. 20.11.2026 arte
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