• Folge 1743 (29 Min.)
    Die russische Stadt Workuta wurde einst als Straflager und Bergbaustadt für deutsche Kriegsgefangene gegründet. Vor Beginn des Zerfalls der Sowjetunion hatte die Stadt rund 120.000 Einwohner, zuletzt noch etwa 55.000. Damit war Workuta eine der am schnellsten schrumpfenden Großstädte Russlands. Workuta liegt oberhalb des Polarkreises, der Winter dauert hier neun Monate und nach der Schließung vieler Kohleminen gab es kaum noch Jobs. Ganze Stadtteile wurden zu Geisterstädten. Dazu kommt, dass die Stadt nicht ans Straßennetz angeschlossen ist und etwa 1.000 Kilometer nördlich der nächstgelegenen Großstadt liegt. Doch Workuta entfaltet eine neue Anziehungskraft. Viele Menschen können sich die Mieten in Russlands Großstädten nicht mehr leisten. Russlands soziale Netzwerke sind gerade voll mit dem Thema: Hier gibt es Eigentumswohnungen ab 500 Euro zu kaufen! Ein Eigenheim zum Preis eines Smartphones! Auch Elena Sbezhnewa wohnt seit Kurzem hier. Sie ist Kriegsflüchtling aus dem Donbass. Eine Wohnung im Rest Russlands konnte sie sich nicht leisten. Nun wohnt sie in einer modernen Wohnung, die sie für rund 8.000 Euro Kaufpreis erworben hat. Sie leidet trotzdem unter den allgemeinen Problemen wie Einsamkeit, Dunkelheit, Abgeschiedenheit und Entfernung zu Bekannten. Doch Workuta war für sie die einzige Möglichkeit, eine eigene Wohnung zu besitzen. In Zeiten von Krieg und Krisen findet man in Workuta zumindest das, was der Rest Russlands aktuell nicht bieten kann: Ruhe und Sicherheit. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mo. 12.10.2026 arte
  • Folge 1744 (30 Min.)
    Martine Willot lebt in Lys, einem idyllischen Ort im Burgund. Vor sechs Jahren erhielt sie die Diagnose Parkinson. Als die ersten Symptome ihren Alltag zunehmend prägten, entschied sie sich, einen ungewöhnlichen Weg zu gehen: regelmäßiges Heilfasten. Seitdem fastet sie alle fünf Wochen für jeweils eine Woche – meist zu Hause. Wenn möglich aber auch alle Jahre unter ärztlicher Aufsicht in der privaten Buchinger Klinik am Bodensee. Martine ist überzeugt, dass ihr dieses strenge Ritual hilft, die Krankheit in Schach zu halten. Seit sie fastet, hat sie keine spürbaren Schübe mehr erlebt. Außerdem hatte sie jedes Mal nach dem Fasten für zwei Wochen keine Symptome. Auch Vinia Deutsch hofft auf eine Linderung ihrer Beschwerden. Die Friseurin leidet unter chronischen Schulterschmerzen und Arthrose. Jeder Arbeitstag als Friseurin ist von Schmerzen begleitet. Als sie vor einigen Jahren mit Saftfasten begann, bemerkte sie, dass die Schmerzen nachließen und ihre Beweglichkeit zurückkehrte. Seitdem fastet sie immer wieder, wenn die Beschwerden zu stark werden. Nun hat sich Vinia für eine Therapie in einer Berliner Klinik entschieden, in der das Scheinfasten Teil der Behandlung ist. Ihre Hoffnung: Entzündungen zu reduzieren und ihren belastenden Arbeitsalltag besser bewältigen zu können. Die Reportage begleitet beide Patientinnen in ihrem Alltag und beim Fasten. Bringt das Fasten wirklich Linderung bei chronischen Krankheiten? Was sagen die Ärzte? Und was ist der Unterschied zwischen Heilfasten und Scheinfasten? (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Di. 13.10.2026 arte
  • Folge 1745 (30 Min.)
    Als der Vielvölkerstaat Jugoslawien in den 1990er-Jahren zerfiel, strebte auch die mehrheitlich albanische Bevölkerung im Kosovo nach Unabhängigkeit. Von 1998 bis 1999 eskalierte der Konflikt zwischen der Befreiungsarmee des Kosovo und jugoslawischen sowie serbischen Sicherheitskräften. Während des Krieges kam es zu zahlreichen Massakern an der albanischen Zivilbevölkerung. Um Beweise zu vernichten, wurden die Leichen teilweise verschleppt, verbrannt oder versteckt. Im kleinen Ort Krushë e Vogël ermordeten serbische Streitkräfte über 100 albanische Männer und Jungen. Qazim Shehu verlor neun Familienmitglieder, darunter seinen damals 16-jährigen Halbbruder Ajvaz. 27 Jahre später kann Qazim ihn endlich beerdigen. Von Augenzeugen des Massakers erfährt er, was seinem Bruder damals zugestoßen ist. Das Ehepaar Halil und Zyla Ujkani hofft nach wie vor darauf, dass ihre beiden vermissten Söhne noch leben. Xhyle Haziri von der NGO „Die Stimme der Eltern“ kümmert sich um die beiden und viele weitere Angehörige. Nachdem auch ihr Mann im Krieg ermordet wurde, ist sie unermüdlich auf der Suche nach den Vermissten. Sie tröstet, übt Druck auf Institutionen aus und arbeitet eng mit dem forensischen Anthropologen Dr. Ditor Haliti zusammen, der im Kosovo bereits die Überreste zahlreicher Kriegsopfer gefunden und an die Familien übergeben hat. Der Kampf um Selbstbestimmung ist im Kosovo auch im Jahr 2026 allgegenwärtig. Serbien erkennt die Unabhängigkeit des Landes nach wie vor nicht an. Für unzählige Menschen im Kosovo wird der Krieg erst vorbei sein, wenn alle Vermissten gefunden wurden. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mi. 14.10.2026 arte
  • Folge 1746 (30 Min.)
    August 2026: Eine historische Dürre lässt die Donau versiegen und bringt Ungarns einziges Atomkraftwerk an den Rand des Stillstands. Drei von vier Reaktoren mussten im AKW Paks abgeschaltet werden. „Das gab es noch nie“, sagt Kraftwerksmitarbeiter Csaba Jantner. Sinkt der Pegel noch wenige Zentimeter, reicht das Wasser für die Kühlung nicht mehr aus, die vollständige Abschaltung droht. Um die Donau zu stauen, bauen Soldaten und Ingenieure eine gewaltige Sohlschwelle in den Fluss. Ministerpräsident Péter Magyar macht die Rettung zur Chefsache und verhängt zeitweise eine Nachrichtensperre über die Arbeiten. Im Café Pillangó, direkt gegenüber vom AKW, versorgen die Betreiber die Arbeiter rund um die Uhr mit Kaffee, Frühstück und Abendessen. Auch Csaba Jantner ist hier Stammgast. Seit 25 Jahren arbeitet er im Kraftwerk. Er ist nur drei Kilometer entfernt von ihm aufgewachsen, kennt die Donau wie seine Westentasche. Für ihn ist die Sohlschwelle nur eine Notlösung. Denn der Pegel wird wieder sinken, davon ist er überzeugt. Die Folgen des Klimawandels stellen auch eine Technologie vor neue Herausforderungen, die politisch wieder verstärkt als klimafreundlich diskutiert wird. Energieexperte Imre Mártha, ehemaliger Chef des staatlichen Energiekonzerns, warnt seit Jahren davor, dass die Kühlung großer Kraftwerke mit Flusswasser unter den Bedingungen des Klimawandels an ihre Grenzen stoßen könnte. Die Warnungen blieben folgenlos. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Di. 13.10.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Do. 15.10.2026 arte
  • Folge 1747 (30 Min.)
    Anstatt in Italien zu schwitzen, suchen die Mailänder Alessandra Petrei und Mattia Canciani mit ihrem Wohnmobil und Hund Chopin eine kühle Auszeit im hohen Norden. Damit sind sie nicht allein. Auf gerade einmal 25.000 Einwohner kommen inzwischen über eine Million jährliche Besucher, die Urlaub auf der rauen Inselgruppe 200 Kilometer über dem Polarkreis machen. Doch der Ansturm hinterlässt Spuren: ausgetretene Pfade, zertrampelte Wiesen und überfüllte Hotspots wie der Berg Reinebringen. Um die empfindliche Natur zu schützen, legen nepalesische Sherpas seit über 20 Jahren Treppen aus tonnenschweren Steinblöcken an. Damit sollen die steilen und unbefestigten Wanderwege gesichert werden – eine jahrhundertealte Handwerkskunst aus dem Himalaja, finanziert vom norwegischen Staat. Wie viel Andrang verträgt die empfindliche Natur und wer entscheidet, wann es zu viel ist? Das ist eine Frage, die auch die Gemüter der Bevölkerung der Lofoten erhitzt. Ranger Peter Andresen vom Lofoten Friluftsråd versucht zwischen Naturschutz, Tourismuswirtschaft und Einheimischen zu vermitteln. Die lokale Facebook-Gruppe Overturisme i Lofoten mit fast 4.000 Mitgliedern fordert strengere Regeln und eine Begrenzung der Besucherzahlen. Der Tischler Asbjørn Rasmussen hat die Gruppe gegründet. Sein Bruder Audun führt als Guide selbst Touristen durch die Berge und Fjorde. Die beiden Brüder dokumentieren die Umweltschäden des Overtourismus und konfrontieren professionelle Bergführer mit deren Fehlverhalten. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Fr. 16.10.2026 arte
  • Folge 1748 (30 Min.)
    Die Grafschaft Devon im Südwesten Englands hat mit fast 13.000 Kilometern das größte Straßennetz des Landes, bekommt aber zu wenig Geld von der Zentralregierung in London für die Instandhaltung. Deshalb schult die Grafschaft Anwohnerinnen und Anwohner als ehrenamtliche Straßenwärter, damit sie die kaputten Straßen in ihrer Nachbarschaft selbst reparieren können. Gerätschaften, Kaltasphalt oder Bitumenspray stellen die Gemeinden. Dermot McGough ist der inoffizielle Rekordhalter unter den Schlagloch-Helden von Devon. Der 44-jährige selbstständige Gerüstbauer lebt an der Nordküste der Grafschaft und hat schon rund 1.000 Straßenlöcher ausgebessert. Dafür nimmt er sich einen halben Tag pro Woche frei. An der Südküste von Devon versucht Rentnerin und Lokalpolitikerin Louise Wainwright mehr Ehrenamtliche für das Straßenwärter-Programm zu gewinnen. Nicht alle Bürger haben Lust mitzumachen, schließlich zahlen sie Steuern für gute Straßen. Louise Wainwright dagegen sieht im ehrenamtlichen Straßenbau eine Chance für die Demokratie auf dem Land. Die Freiwilligen könnten selbst wählen, welche Schäden sie reparieren und gewännen damit ein Stück politische Mitbestimmung zurück. In anderen Grafschaften wie West-Sussex dürfen Anwohnerinnen und Anwohner keine Straßen reparieren, deshalb hat Handwerker Harry Smith-Haggett den Weg des kreativen Protests gewählt. Der 24-Jährige pflanzt Blumen in die Schlaglöcher und hofft, dass er mit seinen Aktionen die Behörden zum Handeln bewegen kann. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mo. 19.10.2026 arte
  • Folge 1749 (30 Min.)
    Für Bashar Qaryuti ist jeder Krankentransport ein Risiko. Straßensperren zwingen den palästinensischen Rettungssanitäter zu Umwegen, sein Wagen wurde mehrfach von israelischen Siedlern angegriffen, sein Kollege wurde bei einem Einsatz erschossen. Der 43-Jährige dokumentiert die Übergriffe und spricht mit Opfern von Siedlergewalt, wie der Familie Tubasi aus Jalud. Nach wochenlanger Belagerung durch Siedler musste sie aus ihren Häusern fliehen. Bis Ende August 2026 registrierten die Vereinten Nationen mehr als 1.600 Angriffe israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland, mehr als 2.300 Palästinenser wurden vertrieben. Vor allem für radikal-religiöse, nationalistische Siedler wie Ilana und Yehuda Shimon ist das Westjordanland Teil des biblischen Landes Israel. Das tiefreligiöse Ehepaar lebt in Havat Gilad, einst ein illegaler Außenposten, den die israelische Regierung nach eigenen Angaben 2018 legalisierte. Seit 2022 wurden insgesamt mehr als 100 neue Siedlungen oder bereits bestehende Außenposten nachträglich genehmigt oder legalisiert. Und die israelische Regierung plant den Bau weiterer Siedlungskomplexe. Siedlergewalt sei vor allem Notwehr, so sieht es Nethanel von Boxberg. Der gebürtige Deutsche lebt in der Siedlung Neve Daniel in der Nähe von Jerusalem, für ihn ein Ort wie jeder andere in Israel. Zum Einkaufen allerdings nimmt er oft eine Pistole mit, um sich im Notfall verteidigen zu können. Während sich die Israelis im Westjordanland – auch mit Gewalt – weiter ausbreiten, fühlen sich Palästinenser wie Bashar Qaryuti zunehmend eingekesselt. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Di. 20.10.2026 arte
  • Folge 1750 (30 Min.)
    Vor fast 650 Millionen Jahren tauchten die Quallen in der Erdgeschichte auf, sie schwebten schon lange vor den Fischen durch die Ozeane und überlebten als Meister der Anpassung die großen Massensterben auf der Erde. Nun fluten gut sechzig Quallenarten die französischen Küsten und setzen den Badegästen zu. Der Klimawandel und die Verschmutzung der Meere fördern ihre Verbreitung und auch die Überfischung der Meere, denn viele Fische fressen Quallen. All diese Begebenheiten sichern ihnen ihre Existenz. Diese Quallen-Flut, nicht nur am Mittelmeer, ist ein ökologisches Alarmsignal. Wissenschaftler erforschen nun vermehrt das Leben, die Fortpflanzung und die Verbreitung von Quallen. Labore versuchen angesichts der Quallen-Flut, ihren möglichen Nutzen für die Industrie zu ermitteln. Und an den Stränden der französischen Mittelmeerküste kümmern sich Ärzteteams um die Opfer der äußerst schmerzhaften Stiche der Quallen. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Di. 20.10.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Mi. 21.10.2026 arte
  • Folge 1751 (30 Min.)
    Das kleine Dorf Aspin-en-Lavedan liegt am Rand der Pyrenäen südlich der Stadt Lourdes. Obwohl die Natur drumherum sehr schön ist, ist das Dorf für die 300 Einwohner eher trist. Das letzte Restaurant schloss vor zwei Jahren, 2025 gab das letzte von ehemals drei Hotels auf. In den Nachbardörfern sieht es ähnlich aus. Bürgermeister André Laborde und seine Frau Patricia wollen nun – auf über 600 Quadratmetern – einen neuen Ortskern schaffen: Rund um einen Dorfplatz entstehen eine Markthalle, eine Bäckerei, ein Gemeindezentrum – und das neue Dorfcafé. Sein Betreiber, der Koch Thomas Leprince, ist extra in den kleinen Ort gezogen, um sich seinen Traum von einem eigenen Café zu erfüllen. Der Bürgermeister hatte ihn unter mehr als 15 Bewerbern ausgewählt, er war vor allem von seiner Kochkunst begeistert. Nun muss er mit seinem Konzept und seiner Küche nur noch bei den Dorfbewohnern punkten. Christelle Lagae vom Verein „1000 Cafés“ berät Thomas Leprince vor der Eröffnung und unterstützt ihn mit Anträgen für Fördergelder. Der Verein bringt Gastronomen und kleine Gemeinden zusammen, damit Dorfcafés als soziale Treffpunkte erhalten oder neu geschaffen werden. In ganz Frankreich wurden so bereits über 150 Cafés eröffnet. Eines von ihnen liegt im kleinen Örtchen Céaux in der Normandie. Den 400-Seelen-Ort passiert man normalerweise nur auf dem Weg zum Mont-Saint-Michel, doch seit November 2024 ziehen Isabelle Mension Rigau und ihre Tochter Angélique Septier mit ihrem Café „Mère et Fille“ Dorfbewohner wie Touristen an. Wie ist ihnen das gelungen? (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Do. 22.10.2026 arte
  • Folge 1752 (30 Min.)
    Erst kämpften US-Soldaten gegen Nazi-Deutschland, später blieben sie wegen der Bedrohung durch die Sowjetunion. Derzeit sind noch mehr als 36.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert – der zweitgrößte Militärstandort nach Japan außerhalb der USA. In Grafenwöhr in Bayern betreibt die Army den größten Truppenübungsplatz. Trump möchte Tausende US-Soldaten aus der Region abziehen. Das würde schwindende Arbeitsplätze bedeuten. Die Region bangt um ihre Wirtschaftskraft. Gleichzeitig rückt die USA immer mehr von Europa und dessen Verteidigung der Ukraine gegen Russland ab. Captain Andrew Lee ist Controller. Er ist in Wiesbaden geboren. Seine Eltern kamen mit den Truppen nach Deutschland. Im April hat er mit einer deutschen Gewichtsheber-Mannschaft aus Neumarkt regionales Gold gewonnen, als einziger Amerikaner im Team. Lee ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr die US-Soldaten und ihre Familien mittlerweile mit der Region verbunden sind. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Fr. 23.10.2026 arte

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