• Folge 1701 (30 Min.)
    Bild: Arte
    Flutura Onuzi arbeitet in einer Schuhfabrik bei Durrës. Wie viele Beschäftigte der albanischen Textil- und Schuhindustrie verdient sie den gesetzlichen Mindestlohn von rund 515 Euro brutto – und arbeitet dafür bis zu 50 Stunden pro Woche. Für Flutura reicht dieses Einkommen kaum zum Leben. Die Branche beschäftigt überwiegend Frauen und zählt zu den wichtigsten Exportzweigen des Landes. Hoher Zeitdruck und körperlich belastende Arbeit prägen ihren Alltag. Vielen Arbeiterinnen ohne höheren Schulabschluss bleibt jedoch keine Wahl, als jede Beschäftigung anzunehmen, um ihre Familien zu versorgen. Fluturas Tochter Ferdez Onuzi engagiert sich für Arbeitnehmerrechte. Die Aktivistin versucht, eine unabhängige Gewerkschaft in der Bekleidungsindustrie aufzubauen. Vor Fabriktoren spricht sie Arbeiterinnen an und organisiert Treffen. Viele Frauen berichten von unbezahlten Überstunden, mangelndem Arbeitsschutz oder fehlender sozialer Absicherung. Nur wenige sind bereit, öffentlich über ihre Situation zu sprechen, da die Angst vor dem Jobverlust groß ist. In einer Bekleidungsfabrik nahe Tirana arbeitet Produktionsmanager Elidon Avrami. Der Betrieb produziert für europäische Auftraggeber. Avrami verweist auf den internationalen Wettbewerbsdruck. Die Preise würden von den Auftraggebern bestimmt, während die Fabriken vor Ort um jeden einzelnen Auftrag kämpfen müssten. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Fr. 26.06.2026 arte
  • Folge 1702 (30 Min.)
    Campingplatzbetreiber Holger Frenzel (li.) sucht das persönliche Gespräch mit seinen Gästen.
    Familie Maaß hat ihr altes Leben hinter sich gelassen und alles auf eine Karte gesetzt: den eigenen Campingplatz. Dafür haben Anne, Michael und ihre Söhne Thore und Noah das Eigenheim in Hannover verkauft und einen Kredit aufgenommen, obwohl sie über keinerlei Erfahrung in der Campingbranche verfügen. Die „Campingoase Eider“ in Schleswig-Holstein ist einer von mehr als 3000 Campingplätzen in Deutschland. Die Maaßens haben den Platz vergangene Saison übernommen und müssen ihn komplett modernisieren, größtenteils während des laufenden Betriebs. Investitionskosten: rund eine Million Euro. Doch die erste Saison verlief enttäuschend. Nach Unwettern versanken Teile des Platzes im Schlamm, die Gäste blieben weg. „Trotzdem haben wir so viel gearbeitet, dass wir abends nur noch müde ins Bett gefallen sind“, berichtet Anne Maaß. Angst vor schlechtem Wetter und ausbleibenden Gästen kennt Holger Frenzel nicht. Der 65-jährige Oldenburger betreibt mit seinen Söhnen Kai und Tim erfolgreich das „Autocamp Nordsee“ an der kroatischen Adria – und zwar schon seit 1998. Holger sah in Kroatien Ende der 1990er Jahre eine Chance, kündigte seinen Job als Ergotherapeut und startete ebenfalls als Quereinsteiger. Sein Erfolgsgeheimnis: voller Einsatz, rund um die Uhr, und auf die richtige Zielgruppe setzen. Heute kommen rund 90 Prozent seiner Gäste aus Deutschland. 2025 wurden EU-weit 413 Millionen Camping-Übernachtungen gezählt. Doch das Geschäft ist kein Selbstläufer: finanzieller Druck, Instandhaltungsarbeiten, der Kontakt zu den Gästen. Neustart auf dem Campingplatz – Traum oder Albtraum? (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mo. 29.06.2026 arte
  • Folge 1703 (30 Min.)
    Reshit und Zyra Gjata sind seit 15 Jahren gezwungen, in Isolation zu leben. Sie büßen für den Mord ihres Sohnes. So will es das uralte Gesetz des Kanun.
    In Nordalbanien wirkt ein jahrhundertealtes Gewohnheitsrecht bis heute nach: der Kanun. Nach seinen Regeln endet die Schuld für einen Mord nicht mit einer Gefängnisstrafe. Oft geraten ganze Familien in einen Kreislauf aus Angst, Vergeltung und sozialer Isolation. Die Reportage begleitet den Vermittler Dede Shullani, der seit Jahren versucht, verfeindete Familien zu versöhnen. Sein aktueller Fall reicht 15 Jahre zurück: Nach einem tödlichen Streit stehen sich zwei Familien unversöhnlich gegenüber. Während die Eltern des Täters abgeschottet leben und um das Leben ihrer Söhne fürchten, lehnt die Witwe des Opfers eine Versöhnung bislang ab. Auch Schwester Christina begegnet den Folgen der Blutrache täglich. In ihrer Mission in Shkodra unterstützt sie Frauen, Kinder und Familien, die unter den Auswirkungen der Blutfehden leiden. Gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen hilft sie Menschen, die oft kaum noch Hoffnung auf ein normales Leben haben. Der Beitrag zeigt, wie tief die Tradition der Blutrache in manchen Regionen Albaniens bis heute verwurzelt ist. Er erzählt von Menschen, die zwischen alten Regeln und modernem Rechtsstaat gefangen sind, von Angst und Einsamkeit – aber auch von jenen, die sich für Versöhnung und ein Ende der Gewalt einsetzen. Dabei wird deutlich, wie schwer es ist, jahrhundertealte Vorstellungen von Ehre und Vergeltung zu überwinden – und wie wichtig diejenigen sind, die dem Hass mit Menschlichkeit begegnen. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Di. 30.06.2026 arte
  • Folge 1704 (30 Min.)
    Dimitris Esel ist das Maskottchen des Dorfes – das Tier entkam den Flammen nur knapp.
    „Innerhalb einer Stunde ist mein Haus komplett abgebrannt. Nichts ist übriggeblieben, noch nicht einmal ein Foto. Nichts.“, erzählt Kaiti Kiladity weinend. Der Großbrand im Norden von Chios hat nicht nur 70 Quadratkilometer Land zerstört, sondern für Kaiti auch 30 Jahre Erinnerungen. Sie war aus Liebe zum Ort Volissós und den umliegenden Dörfern in die abgelegene Region gezogen und will trotz der Katastrophe bleiben. Auch der Landwirt Dimitris Mallas versucht wieder Fuß zu fassen, obwohl das Feuer seine gesamte Existenz vernichtet hat und Entschädigungen auf sich warten lassen. „Ich habe viele Jahre gebraucht, um all diese Maschinen anzuschaffen. Ich glaube nicht, dass sie den Schaden bezahlen. Eigentlich sollte ich meinen Beruf wechseln und von hier wegziehen. Aber ich gebe nicht auf.“ Die Menschen in dieser ländlichen, strukturschwachen Region sind es gewohnt, dass der Staat sie kaum unterstützt. Sie haben schon immer versucht, sich selbst zu helfen, so auch dieses Mal. Gemeinsam mit Freiwilligengruppen pflanzen sie neue Bäume und versuchen, die Gegend vor Abwanderung zu bewahren. Werden sie es schaffen, nach den Feuern wieder auf die Füße zu kommen, und wie lang ist dieser Weg? (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mi. 01.07.2026 arte
  • Folge 1705 (30 Min.)
    Eine aktive Rolle in der Entwicklung Montenegros spielen sowohl deutsche Montenegro-Auswanderer als auch Rückkehrer. Kein Wunder: Montenegro lockt nicht nur mit Naturschönheiten, es ist auch ein Steuerparadies mit Einkommenssteuersätzen zwischen neun und 15 Prozent! Der deutsche Michael Bader kam erstmals 2005 nach Montenegro – für einen Kurzurlaub. Es gefiel ihm so gut, dass er sich eine Ferienwohnung kaufte. Seit 2007 lebt er ganz in Montenegro und hat sich dort ein Business aufgebaut – mit Ferienwohnungen und der Begleitung von Auswanderern zu Behörden und Notaren. Einige Deutsche haben Grundstücke illegal erworben, ohne es zu wissen. Nun hoffen sie auf nachträgliche Legalisierung und suchen seinen Rat. Größere Probleme bereiten in Montenegro diverse Großinvestoren – vor allem aus den Emiraten und der Türkei. Sie sicherten sich nach der Unabhängigkeit im Jahr 2006 sogleich die schönsten Hot-Spots, meist große Hotelanlagen. Bei den Einheimischen stieß dies nicht nur auf Gegenliebe. Ganz anders: das „wooden village“. Marko Mugošas kleines Familienunternehmen verfügt nur über sieben Blockhütten. Es liegt in nächster Nähe zum Skutarisee, einem landschaftlichen Highlight im Hinterland. Seine Frau und sein Bruder unterstützen ihn bei der Arbeit auf dem Areal, seine Mutter kocht für die Gäste im Restaurant. Da die Saison aber nur circa vier Monate dauert, muss sich Marko den Rest des Jahres mit anderen Jobs über Wasser halten. Der Tourismus ist Fluch und Segen zugleich. Die Architektin Zenepa Lipka ist 2008 nach über fünfundzwanzig Jahren in Deutschland auf den Balkan zurückgekehrt, weil sie hoffte, hier ihre Kompetenz für nachhaltiges Bauen besser einbringen zu können. So setzt sie sich unter anderem für den Erhalt des Vogelschutzgebietes auf der Saline von Ulcinj ein. „Die atemberaubende Natur ist ein Grund, warum ich zurückgekehrt bin – und ich habe gehofft, von innen heraus etwas ändern zu können“. Doch mittlerweile ist sie ernüchtert: „Montenegro ist ein ökologischer Staat, so steht es zwar in der Verfassung, aber das gilt“ – so ihre Einschätzung – „nur auf dem Papier!“. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Do. 02.07.2026 arte
  • Folge 1706 (30 Min.)
    János Tóth beim Fischen auf dem Theiß-Fluss. Er gilt als einer der besten Angelgewässer Ungarns.
    „Ich weiß nicht, ob es Hoffnung gibt“, sagt Fischer János Tóth resigniert. Obwohl Viktor Orbáns Regierung 2014 die kommerzielle Fischerei in Ungarn verboten hat und János seinen Beruf an der Theiß seitdem nur noch sehr eingeschränkt ausüben kann, verliert er kein gutes Wort über den Machtwechsel in Ungarn. Auch seine Frau Judit fragt, was hat das alte System denn falsch gemacht. Sie betreibt die Dorf-Kneipe in Tiszadorogma, nach wie vor eine Hochburg von Orbáns Fidesz-Partei. Ganz anders ihre Enkelin Martina. Sie schöpft erstmals Hoffnung. Die 21-jährige Anglistikstudentin ist unter Orbán aufgewachsen und war fest entschlossen, ihre Heimat bei der erstbesten Gelegenheit zu verlassen – gegen den Willen ihres Großvaters. Doch seit Péter Magyars Wahlsieg im April will sie sehen, ob in Ungarn ein politischer und gesellschaftlicher Neuanfang tatsächlich möglich ist. Wenn ja, will sie bleiben. 16 Jahre Fidesz-Herrschaft haben an der ungarischen Theiß sowohl Landschaft als auch Lebensentwürfe geprägt. Nun prallen Enttäuschung und Aufbruch, Misstrauen und Hoffnung unmittelbar aufeinander. Während die Älteren an den Glaubenssätzen der Vergangenheit festhalten, ringt die junge Generation um die Chance auf ein anderes Ungarn. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 01.07.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Fr. 03.07.2026 arte
  • Folge 1707 (30 Min.)
    In München hat die Friseur-Auszubildende Nihi eine eigene K-Pop-Tanzgruppe gegründet. Um bekannter zu werden, messen sich Nihi und ihre Gruppe in den sozialen Medien und bei Wettbewerben.
    Dieser Sommer steht im Zeichen des K-Pop, denn mit BTS ist eine der bekanntesten-K-Pop-Bands zurück. Für Fans war K-Pop aber nie weg: In München hat die Friseur-Auszubildene Nhi eine eigene K-Pop-Tanzgruppe gegründet. Aufwändige Choreografien folgen strengen Regeln: Wer dazugehören will, muss sich in Castings beweisen. Um bekannter zu werden, messen sich Nhi und ihre Gruppe auf Social Media und bei Wettbewerben. Der nächste Contest steht an, doch noch wichtiger als der Sieg ist für Nhi die Leidenschaft: sie will ihren Idolen nahekommen, indem sie die Tänze perfektioniert. David hat K-Pop schon als Kind entdeckt, als er im ländlichen Bayern aufgewachsen ist. Die androgynen Idole prägen früh sein Verständnis von Männlichkeit. Koreanischer Pop inspiriert ihn und heute lebt er seinen eigenen Stil, inklusive Make-up und Crossdressing. Doch er musste sich auch vom K-Pop emanzipieren. Denn der progressive Look der Szene steht im Kontrast mit einer Industrie, die Queerness kaum zulässt. Für die Ultra-Fans Nathalie und Joana wird ein Traum wahr: Sie werden BTS live in Madrid sehen. Wochenlang planen sie Outfits und Reise – alles muss perfekt sein. Für Nathalie bedeutet K-Pop mehr als Musik: Nach dem Tod ihres Bruders gibt er ihr Halt. Ihr BTS-Idol Jung Kook ist für sie wie ein Ersatzbruder. Re: taucht in die K-Pop-Fanszene ein – und erlebt Leidenschaft, Gemeinschaft, aber auch die Schattenseiten dieser glitzernden Welt. Denn Teil der Fandom zu sein, wird schnell teuer. Nicht nur die Konzerttickets, sondern auch Merch, Kleidung und der dazugehörige Lifestyle belasten den Geldbeutel junger Fans. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Fr. 10.07.2026 arte

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