Kinder, Küche, Haushalt … macht Papa!
Folge 1658 (30 Min.)
Bild: ArteMänner, die beruflich für die Kinder kürzertreten, bleiben in Europa die Ausnahme. Mütter stemmen nach wie vor den Großteil der Care-Arbeit und stecken beruflich zurück. Das zeigt etwa das Beispiel Elternzeit in Deutschland: 2024 nahmen Frauen im Schnitt 14,8 Monate Elternzeit, Männer nur 3,8 Monate. Thomas Kodura hatte keine andere Wahl, als Vollzeitpapa zu werden. Als seine Frau Kathrin vor sechs Jahren unerwartet starb, stand er plötzlich allein mit zwei kleinen Kindern da. Von einem Tag auf den anderen mussten Job, Haushalt und Erziehung neu organisiert werden. Oft hat er die Zweifel aus seinem Umfeld gespürt, ob er das als Mann überhaupt könne.Heute ist vieles Routine, doch der tägliche Balanceakt zwischen Familie und Beruf bleibt eine Herausforderung. In Paris hat Gilles Vaquier de Labaume vor elf Jahren das „Atelier du futur papa“ gegründet – eine Art Schule für werdende Papas. Mit seinen Kursen will er Männer darauf vorbereiten, von Beginn an eine aktive Rolle im Leben ihres Kindes einzunehmen – gleichberechtigt zur Mutter. Für den zweifachen Vater ist das grundlegend – für die Beziehung zum Kind, für die Partnerschaft und für eine moderne Familienkultur. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Do. 19.03.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Mi. 25.03.2026 arte Wenn der Staat bestatten muss
Folge 1659 (30 Min.)Bild: ArteSeit 2014 übernimmt das Unternehmen Berolina Sargdiscount sämtliche ordnungsbehördliche Bestattungen in Berlin. Geschäftsführer Hartmut Woite bietet dabei extrem günstige Preise an – nicht nur für das Gesundheitsamt, sondern auch für Privatpersonen. Für 999 Euro gibt es eine Einäscherung in Tschechien, mit anschließender anonymer Beisetzung. Hartmut Woite setzt auf Masse statt Einzelfall und hat allein in den vergangenen zehn Jahren mindestens 60.000 Menschen preiswert unter die Erde gebracht. Sein Schwiegersohn Marco Gäbler organisiert die Abholung von Verstorbenen in ganz Berlin. In den meisten Fällen ist noch ungeklärt, wer die Kosten übernimmt.Während die Behörden nach Angehörigen suchen, bleiben Verstorbene teils wochenlang in den angemieteten Kühlräumen. Auch in Frankreich sind die Kommunen verpflichtet, für die Bestattung sozial schwacher Menschen aufzukommen. Ähnlich wie in Deutschland wird der Aufwand dafür so gering wie möglich gehalten, das heißt: keinerlei Blumenschmuck und auch keine Trauerrede. Einer Pariser Initiative ist das zu würdelos. Das Collectif Les Morts de la Rue recherchiert zu den zumeist obdachlosen Verstorbenen. Die Ehrenamtlichen begleiten die Beerdigungen und sprechen am Grab Worte des Gedenkens für diejenigen, die allein gegangen sind. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 26.03.2026 arte Fahrrad gegen Auto in Paris
Folge 1660 (30 Min.)Bild: ArteSeit 2015 verfolgt die Stadtverwaltung von Paris mit dem „Plan Vélo“ eine ambitionierte Strategie: 1.400 Kilometer Fahrradwege wurden gebaut, während 60.000 Parkplätze weichen mussten. Auf fast allen Straßen gilt Tempo 30, und Teile der Innenstadt sind für den Durchgangsverkehr verboten. Die ökologischen Erfolge sind messbar: Die Feinstaubbelastung sank seit 2014 um 35 Prozent, Stickstoffdioxid um 45 Prozent. Im Zentrum werden mittlerweile elf Prozent der Wege mit dem Rad und nur noch vier Prozent mit dem Auto zurückgelegt. Doch der entschlossene Umbau sorgt auch für Spannungen in der Stadtgesellschaft. „Sie reduzieren den Platz, um Stau zu schaffen, und bringen die Leute so dazu, ihr Auto aufzugeben“, sagt Ambroise Bonal.Mit seiner Familie ist er gerne auf ein E-Lastenrad umgestiegen, das zur Hälfte vom Staat bezahlt wurde. Für viele „Bo-Bos“ (Bourgeois-Bohème) im Zentrum ist das Fahrrad ein Segen. Dagegen steht die Frustration der Pendler und Dienstleister. Taxifahrerin Dalila Ait Taleb klagt: „Wir haben die Nase voll. Die Fahrradfahrer halten sich für die Könige der Straße“. Zudem wird der Ton rauer. Fahrradkurierin Anne Monmarché fordert ein entschiedeneres Vorgehen, gegen das, was sie „motorisierter Gewalt“ nennt. Die Reportage zeigt den Kampf um jeden Meter Asphalt und geht der Frage nach, wie eine Metropole alle Bürger bei der grünen Wende mitnehmen kann. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Mi. 25.03.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Fr. 27.03.2026 arte Rausschmeißer gegen Hausbesetzer in Spanien
Folge 1661 (29 Min.)Granada steht exemplarisch für die Wohnungskrise in Spanien: Die Immobilienpreise sind drastisch gestiegen, Ferienwohnungen in der beliebten Altstadt verknappen den Wohnraum. Noch leerstehende Wohnungen und Häuser sind ein attraktives Ziel für Besetzer – und sind die „okupas“ einmal drin, ist es für Eigentümer schwer, sie wieder rauszubekommen. Gerichtsverfahren können Jahre dauern. Für Wohnraum-Aktivistin Clara Martínez, eine Ikone der Besetzer-Bewegung, ist Spekulation der Hauptgrund für den Leerstand.Auch deshalb hält sie Häuserbesetzungen für legitim: „Es ist doch würdiger, wenn Menschen Häuser besetzen, als wenn sie mit ihren Kindern auf der Straße leben.“ Ángela Mendoza sieht das anders. Sie leitet seit rund fünf Jahren eine private Räumungsfirma und verdient ihr Geld damit, Hausbesetzer vor die Tür zu setzen. Für Ángela ist das Recht auf Privateigentum in Spanien nur unzureichend geschützt: „Eigentümer sollten das Recht haben, auf ihre Wohnungen zugreifen zu können, wann immer sie das wollen.“ Die Rechtslage ist in Spanien komplex, und die Justiz braucht teilweise Jahre, um die Klagen von Eigentümern oder Besetzern zu bearbeiten. Ángela setzt auf überraschende und auch wiederholte Hausbesuche mit ihren „chicos“, durchtrainierte, schwarzgekleidete und respekteinflößende Männer. Die privaten Räumungsfirmen sind umstritten. Einigen werden Einbruch, Nötigung und Körperverletzung vorgeworfen. Doch solange die Gerichte nur schleppend arbeiten, hat die Nachfrage nach privaten Rausschmeißern in Spanien weiter Konjunktur. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mo. 30.03.2026 arte Kratergefahr in Anatolien
Folge 1662 (30 Min.)Fatih Şık ist seit seiner Jugend Landwirt aus Leidenschaft – doch seit letztem Jahr gleicht sein Leben einem Albtraum. Auf seinen Feldern im mittelanatolischen Konya sind wie aus dem Nichts drei riesige Krater entstanden. Einer ist sogar um die 50 Meter tief. Nun fürchtet Fatih, dass weitere dieser Senklöcher entstehen. Er hat viel in den Hof investiert und will ihn nicht aufgeben – doch wie lange kann er mit der Gefahr leben? Der Geologe Fetullah Arık ist seit mehr als 20 Jahren den Senklöchern auf der Spur. Der Professor leitet ein eigenes Senkloch-Forschungsinstitut an der Technischen Universität Konya.Das Phänomen gibt es schon seit Jahrhunderten in der Region. Doch noch nie entstanden so viele Krater wie heute, sagt Arık. Wurden im Jahr 2000 nur 95 in Konya gezählt, sind es heute schon über 640. Das Gebiet ist eines der trockensten der Türkei, Klimawandel und übermäßige Bewässerung in der Landwirtschaft verschärfen das Problem. Je mehr der Grundwasserspiegel sinkt, umso mehr wachsen Hohlräume im Untergrund – und die Gefahr für neue Krater steigt. Die Menschen in der Region suchen nun jeder auf seine Art fieberhaft nach Lösungen. So manche Anwohner würden am liebsten fortziehen, doch es fehlt an Entschädigungen. Währenddessen prüfen Profi-Kletterer trotz Einsturzgefahr, wie man Menschen im Notfall aus den Senklöchern bergen kann. Ein Tourismusunternehmer will dagegen mit einem neuen Hotel am Senkloch Besucher aus aller Welt anlocken. Eines ist ihnen gemeinsam: Sie alle wollen auf den extremen Wassermangel aufmerksam machen, der in der Region verheerende Spuren hinterlässt. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Di. 31.03.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 13.02.2026Der Ausverkauf der Skigebiete
Folge 1663 (30 Min.)Im Schweizer Andermatt hat der US-Konzern Vail Resorts das Skigebiet mehrheitlich übernommen. Bergbahnchef Ignaz Zopp übt nun den Spagat: Er führt den Betrieb für den börsennotierten Konzern und versucht dabei die Identität des Skiortes zu bewahren. Katia Österlund, Mitarbeiterin im Sportgeschäft und Skilehrerin, erlebt, wie Mieten sowie Immobilienpreise auf Großstadtniveau steigen. Ihr Dorf verwandelt sich in ein Luxus-Resort mit schicken Hotels, aber kaum noch bezahlbarem Wohnraum für Einheimische und Saisonkräfte. Ganz anders die „Weiße Arena“ bei Flims/Laax: Hier haben Bürgerinnen und Bürger dafür gestimmt, das Skigebiet selbst zu kaufen, um es vor dem Zugriff großer Investoren zu schützen.Urs Welti, Skibauer mit eigener Werkstatt, begrüßt den Schritt. Denn er möchte nicht, dass ausländische Konzerne den wichtigsten Wirtschaftsmotor vor Ort dominieren. Im Familien-Skigebiet Schetteregg in Vorarlberg musste Geschäftsführer Hannes Waldner nach mehreren schneearmen Wintern Insolvenz anmelden. Doch nun will ein Investor den Neustart wagen: Der ortsansässige Unternehmer plant gemeinsam mit Hannes Waldner ein Ganzjahres-Angebot rund um das kleine Skigebiet. Ob es den beiden gelingt, alle Grundbesitzer ins Boot zu holen und für den Sommertourismus zu gewinnen, entscheidet über die touristische Zukunft dieser traditionsreichen Region im Bregenzerwald. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mi. 01.04.2026 arte Eine Pizzeria, die Autisten Selbstständigkeit gibt
Folge 1664 (29 Min.)„12. September 62. Ein Mittwoch.“ Die Kundin zögert kurz, dann lächelt sie. Es stimmt. Lorenzo hat den Wochentag ihres Geburtstags korrekt genannt. „Dafür gibt es keine genaue Erklärung. Ich nenne es mein autistisches Gehirn.“ Szenen wie diese gehören zum Alltag in der Pizzeria in Monza in Italien. Nico Acampora ist der Gründer von PizzAut. Hier arbeiten fast ausschließlich Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung. Strikte Abläufe, klare Regeln – für die Mitarbeitenden sind diese Strukturen eine große Hilfe. Bevor die Türen öffnen, isst das Team gemeinsam. Dann kommen die Gäste: Schulklassen, Familien, Stammkundschaft. Von außen wirkt alles ruhig, fast routiniert. Doch Nico beobachtet genau.Abweichungen, zu viele Reize, ein falscher Moment – und Stress entsteht. Wer überfordert ist, wird aus schwierigen Situationen genommen. Autismus ist nicht gleich Autismus, daher heißt es Autismus-Spektrums-Störung. PizzAut beschäftigt inzwischen rund 40 Mitarbeitende in zwei Restaurants. Inzwischen hat die Idee politische Aufmerksamkeit. Italiens Staatspräsident würdigte das Projekt, der Papst empfing das Team. Doch für Nico ist das nicht genug. Er will, dass andere Unternehmen folgen. „Der wahre Wandel kommt erst, wenn wir nicht mehr gebraucht werden.“ Für die Mitarbeitenden bedeutet PizzAut schon jetzt mehr als nur Arbeit. Eine Kundin meint: „Es ist ein Ort, der das Herz öffnet“. Und es ist vor allem ein Ort, der Selbständigkeit gibt. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 02.04.2026 arte Bosniens Bauern und der Kohle-Clan
Folge 1665 (30 Min.)Ein grauer Schleier aus Kohlenstaub liegt über den Wiesen von Fajtovici im Nordwesten Bosniens. Lastwagen donnern im Minutentakt durch den Ort – beladen mit Kohle, Millionen wert. Bauer Enes Tatalović streicht über sein Heu. Es ist grau verfärbt, kaum noch brauchbar für seine Kühe. Die Mine rückt immer näher an seine Felder heran. Unter seinen Füßen liegt eines der größten Kohlevorkommen Europas. Noch immer gewinnt Bosnien-Herzegowina mehr als 50 Prozent seiner Energie aus Kohle – und das, obwohl das Land in die Europäische Union strebt, wo längst der Ausstieg aus fossilen Energien beschlossen ist.Die Kohle ist Fluch und Segen zugleich: Einer der wenigen natürlichen Reichtümer, aber oft gefördert auf Kosten von Mensch und Umwelt. In der Mine bei Fajtovici sicherte sich nach dem Bosnienkrieg der undurchsichtige bosnisch-serbisch-kroatische Konzern Lager die Abbaurechte für Jahrzehnte. Zweistellige Millionengewinne stehen einer wachsenden Belastung für Anwohnende und Landschaft gegenüber. Auch im Tagebau Sikulje nahe Tuzla läuft der Betrieb ungebremst weiter – hier fördert der Staat selbst. Der Transport wirkt wie aus einer anderen Zeit: Über 80 Jahre alte Dampflokomotiven aus deutscher Produktion rangieren die Kohlezüge – Relikte des Zweiten Weltkriegs, einst bei der Eroberung Jugoslawiens und für die Ostfront im Einsatz. Für Lokführer Mamut Osmanović sind sie mehr als Maschinen: „Diese Lokomotiven waren alles in meinem Leben, ich habe damit meine Rente verdient; dank ihr konnte ich meine Kinder ausbilden lassen, mein Haus finanzieren.“ (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 06.04.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Mi. 08.04.2026 arte Ungarns Hetze gegen Anti-Faschisten
Folge 1666 (30 Min.)Für die ungarischen Behörden ist dieser „Tag der Ehre“ nur ein historisches Gedenken, subventioniert mit staatlichen Zuschüssen, über das die von Premierminister Viktor Orbán kontrollierten Medien positiv berichten. Doch die ungarische Regierung geht noch weiter. Um ausländische antifaschistische Gegendemonstranten aufzuspüren, bedient sie sich missbräuchlich eines Rechtsinstruments der Europäischen Union: Seit 2023 ließ sie 14 Europäische Haftbefehle (EHB) gegen sie ausstellen, die ursprünglich nur gedacht sind zur Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität. Unter den ungarischen Linksaktivisten geht deshalb die Angst um, seit kurzem noch verschärft durch die Veröffentlichung eines „Antifa-Dekrets“ am 26. September 2025. Darin wird die antifaschistische Bewegung als terroristische Organisation eingestuft, deren Mitglieder mit bis zu 24 Jahren Haft bestraft werden können. (Text: arte)Deutsche Streaming-Premiere Mi. 08.04.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Do. 09.04.2026 arte Diagnose Multiple Sklerose
Folge 1667 (30 Min.)Bild: Spiegel TVAls Emily Wittmann vor einigen Monaten die Diagnose Multiple Sklerose erhält, ist das ein Schock – aber auch eine Erleichterung. Endlich kann die Dreißigjährige ihre wiederkehrenden Probleme mit Gleichgewicht, Konzentration und Sprachvermögen einordnen und behandeln lassen. „Erstmal habe ich mega geheult, aber nach und nach ist mir klar geworden, dass das jetzt nicht das Aus ist und es mir auch eine gewisse Handlungsfähigkeit wieder gibt“, so die Hamburgerin. Emily ist eine von mehr als einer Million Menschen in Europa, die mit MS leben, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. MS ist unheilbar und durch unterschiedliche Verläufe gekennzeichnet. Da die Symptome stark variieren, wirken Medikamente und Behandlungsmethoden nicht immer gleich gut.Auch Emilys weiterer Therapieverlauf ist noch unklar. Ricky Baerg war 24, als er an MS erkrankte. Anfangs hatte er nur wenige der MS-typischen Symptome, doch inzwischen tragen ihn seine Beine nicht mehr. Seit 2020 nutzt der heute 36-Jährige einen Rollstuhl und meistert einen trubeligen Alltag: als Ehemann, Vater von drei Kindern, in der Sozialberatung einer Klinik und als Mitglied einer Baugemeinschaft. Seine krankheitsbedingten Schwächen thematisiert er offen: „Es gibt Tage, an denen mich die MS lahmlegt – im wahrsten Sinne des Wortes. Aber ich will mich weiterbewegen und mich nicht einschränken lassen, sondern das Leben in meinen Möglichkeiten genießen.“ (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Fr. 10.04.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 14.01.2026
