Project Kamp, die Weltverbesserer in Portugal
Folge 1709 (30 Min.)Dave Hakkens kaufte mit Gleichgesinnten im Norden Portugals ausgerechnet in einem Hochrisikogebiet für Waldbrände ein Stück Land. Hier gründete er „Project Kamp“ – ein Forschungslabor für eine nachhaltige Zukunft. Früher wurde auf den rund neun Hektar Landwirtschaft betrieben, nun sind die Flächen von leicht entflammbaren Mimosen und Eukalyptusbäumen überwuchert. Für Hakkens war gerade das der Reiz: kein idyllisches Naturparadies, sondern ein Stück Erde, das sichtbar unter Druck steht und gestaltet werden muss. ARTE Re: begleitet den Beginn der neuen Forschungssaison.Zum festen Kern um Hakkens stoßen zeitweise rund 30 Freiwillige aus aller Welt, die in Teams an Infrastruktur, Brandschutz, Verpflegung, der Renovierung der Ruinen und der laufenden Dokumentation arbeiten. Einer von ihnen ist der kanadische Architekturstudent Istvan Kriszan aus Halifax, der hier nachhaltige Architektur erprobt, die nicht bei einer „Dachbegrünung“ stehen bleibt. Die Teamleiter erhalten ein kleines Honorar, die meisten aber arbeiten unbezahlt – beflügelt von der Überzeugung, gemeinsam an etwas Sinnvollem mitzuwirken. Und so ist Project Kamp letztlich auch ein soziales Experiment. Finanziert wird Project Kamp vor allem über Spenden und YouTube-Einnahmen. In Porto zeigt Designer João Leão mit VivaLab, wie weit Hakkens’ Ideen bereits wirken: Recyclingmaschinen, Precious-Plastic-Werkstätte, Produkte aus Kunststoffabfall – entwickelt nach offenen Bauplänen. Gemeinsam mit dem kommunalen Abfallverband Lipor nutzt das Lab diese Technik, um die Bevölkerung ganz praktisch für Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung zu gewinnen. Dass sie kopiert werden, freut Hakkens und sein Team – denn so kommen ihre Ideen in die Welt. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mo. 24.08.2026 arte Kindesmissbrauch – bald für immer strafbar?
Folge 1710 (30 Min.)Lange Zeit war in vielen Gesellschaften Europas das Ausmaß an alltäglicher sexueller Gewalt gegen Kinder unbekannt. Oft sind die Taten, bis es zur Anzeige kommt, verjährt. Überlebende setzen sich dafür ein, diese Gesetze zu ändern. Mié Kohiyama in Frankreich und Miguel Hurtado in Spanien wurden als Kinder sexuell missbraucht. Sie erzählen von diesen an ihnen begangenen Verbrechen und kämpfen dafür, die Verjährungsfrist für Sexualstraftaten an Minderjährigen im europäischen Recht aufzuheben. (Text: arte)Deutsche Streaming-Premiere Mo. 24.08.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Di. 25.08.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 28.08.2026Invasion der Waschbären
Folge 1711 (30 Min.)Waschbärjäger Alexander Knauf weiß nur zu gut, welche Schäden Waschbären an Häusern und vor allem auf Dachböden anrichten können. Sein Einsatzgebiet ist Kassel, die inoffizielle Waschbär-Hauptstadt Europas. Nirgendwo sonst leben so viele dieser intelligenten Raubtiere. Wenn sie sich durch Dämmwolle und Fassaden fressen, kann der ungebetene Besuch schnell Schäden von mehreren Zehntausend Euro verursachen. Für Knauf steht fest: Gegen die aus Nordamerika eingeschleppte Art hilft nur konsequente Bejagung. Denn natürliche Feinde hat sie in Europa kaum.Dass der Mensch darüber entscheidet, welches Tier ein Recht auf Leben hat und welches nicht, kann Tanja Schäfer nicht akzeptieren. In ihrer Wildtierhilfe zieht sie Waschbärjunge mit der Flasche auf. Und gemeinsam mit anderen Waschbär-Fans setzt sie sich für ein Umdenken ein. Jagen allein erscheint ihr wenig aussichtsreich. Stattdessen will sie einen unkonventionellen Weg erproben: Kann die Waschbär-Population durch Sterilisationen eingedämmt werden? Während in Deutschland über den richtigen Umgang mit den Waschbären gestritten wird, haben sie sich längst in die Nachbarländer ausgebreitet. In der belgischen Wallonie haben die Behörden ein Modellprojekt gestartet. Förster stellen Lebendfallen mit Überwachungskameras auf, um die Tiere zu fangen. Anschließend müssen sie das Gewehr in die Hand nehmen – „um einen Fehler des Menschen auszugleichen“ wie sie sagen. Begeistert sind sie davon nicht. Würde Deutschland sein Waschbär-Problem endlich in den Griff bekommen, wäre das für sie eine große Erleichterung. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mi. 26.08.2026 arte Flussbaden in der Stadt
Folge 1712 (30 Min.)Bild: ArteNach über 100 Jahren Badeverbot ist das Schwimmen in der Seine wieder möglich. Pünktlich zu den Olympischen Spielen 2024 hat die Stadt Paris mit staatlicher Unterstützung über 1,4 Milliarden Euro in den Umbau der Mischkanalisation investiert, um den Fluss wieder sauber genug zum Baden zu kriegen. Drei kostenlose Flussbäder gibt es schon, im Flussbad Grenelle jobbt die 22-jährige Sportstudentin Zoé Pubert als Rettungsschwimmerin. Sie muss dafür sorgen, dass sich die Badegäste an die strengen Regeln halten – kein Essen, kein Alkohol, kein Tauchen und wer in der Seine schwimmen will, muss sich zuvor eine Sicherheitsboje um die Hüften binden. Wenn ein Schiff vorbeifährt, müssen zudem alle raus.Auch die Wasserqualität bleibt eine Herausforderung. Weniger strenge Regeln gibt es in der Aare in Bern. Allerdings ertrinken hier auch im Schnitt fünf bis sechs Badende im Jahr. Deswegen bieten Rettungsschwimmer spezielle Kurse fürs Flussbaden an – mit Tipps für Sicherheit und den gelungenen Ausstieg. Auch in Budapest soll die Donau wieder zum Badefluss für die Bewohnerinnen und Bewohner werden, vor allem da die Temperaturen im Sommer mittlerweile bis zu 40 °C erreichen. Die Geografin Cecília Lohász setzt sich mit dem Verein Valyo seit Jahren leidenschaftlich dafür ein, den Fluss für die Bevölkerung wieder zugänglich zu machen. Sie hofft, dass Ungarns neuer politischer Kurs auch den Badespaß fördert. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 27.08.2026 arte Megafeuer in Frankreich
Folge 1713 (30 Min.)Auch acht Tage nach Ausbruch des Waldbrands schwelt es noch überall im Kiefernwald. Paul Regnier im bedrohten Küstenort Lacanau will nicht einfach zusehen. Als Vertreter des Bürgermeisters organisiert er mit Freiwilligen die Unterstützung der Feuerwehr. Mit ihren Pickup-Trucks und Geländewagen versorgen sie die Rettungskräfte. Und sie löschen auch selbst. Denn alle hier haben Angst, dass Lacanau das gleiche Schicksal, wie den Nachbarort Le Porge ereilt, wo fast 200 Häuser zerstört wurden. An anderen Stellen in der Region hat sich die Lage wieder etwas beruhigt.In Sicherheit gebrachte Tiere werden ihren Besitzern zurückgebracht. Doch die Gefahr ist noch nicht gebannt. Immer wieder flammen Glutnester auf und der Forst entzündet sich erneut. In der Region Corbière, 400 Kilometer südöstlich, wüteten im August 2025 katastrophale Brände. Ein Jahr danach zieht Winzer Baptiste Cabal Bilanz. Ein Teil seines Weinguts ging in den Flammen verloren, dass einige Reben wieder ausgetrieben sind, macht ihm Hoffnung. In der Nähe betreibt Landwirt Xavier Morvillez eine Viehzucht und eine Käserei. Seit den Bränden konnte er sein Geschäft erweitern: Die Stadt und auch viele Privatleute buchen seine Ziegen und Schafe, damit sie an schwer zugänglichen Orten das trockene Gras fressen und so zum Brandschutz beitragen. Er erzählt, dass die Zahl der Anfragen stark gestiegen sei. Doch reichen Ziegen und Feuerschneisen zur Prävention? Und ist eine wirksame Brandbekämpfung ohne Freiwillige und engagierte Bürgerinnen und Bürger in den feuergefährdeten Regionen Südeuropas überhaupt noch zu leisten? (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Fr. 28.08.2026 arte Jung, laut, demokratisch in Sachsen-Anhalt
Folge 1714 (30 Min.)Einige Monate vor der womöglich richtungsentscheidenden Landtagswahl im Herbst in Sachsen-Anhalt: Der AfD-Landesverband, den der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch einstuft, steht in Umfragen nahe an einer absoluten Mehrheit. Der 17-jährige Max mobilisiert auf seinem Kanal „Maximal demokratisch“ auf Social Media für Demokratie, gegen Faschismus und für eine offene, pluralistische Gesellschaft. Als Sohn eines irakischen Vaters und einer deutschen Mutter hat er schon früh gelernt, was Ausgrenzung und Rassismus bedeuten. Der Jura-Student Hannes dokumentiert den politischen Rechtsruck in seiner Heimat und ringt dabei mit seiner eigenen Familiengeschichte, seit es mit seinem AfD-affinen Vater zum Bruch kam.Um sich vor Anfeindungen und Übergriffen auf seinen Videodrehs zu schützen, trainiert er auch Kickboxen. Max’ gute Freundin Alexandra betreibt ein Kosmetikstudio in einer Plattenbausiedlung. Sie hat sich trotz allem bewusst dafür entschieden, in ihrer Heimat zu bleiben – auch wenn sie in ihrem Studio immer wieder mit der gesellschaftlichen Spaltung konfrontiert wird. Drei junge Menschen zwischen Engagement, Alltag und der Frage, welcher Zukunft dieses gesellschaftlich gespaltene Bundesland entgegensieht. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mo. 31.08.2026 arte
