Die heiligen Kühe der Mafia
Folge 1631 (30 Min.)
Bild: FlorianfilmIm Süden Italiens, in Kalabrien, schmücken sanfte Hügel die Landschaft. Doch die Idylle trügt. Auf den Straßen und Feldern rund um die Gemeinde Cittanova ziehen Hunderte freilaufende Rinder umher. Sie sind ein Relikt aus den Zeiten der großen Mafia-Kriege, Hinterlassenschaften der ’Ndrangheta-Clans. Die Herden der „heiligen Kühe“ verursachen schwere Verkehrsunfälle, zerstören Zäune und vernichten die Ernten der Bauern. Und oft werden sie gezielt als Druckmittel zur Einschüchterung eingesetzt. Nur wenige Menschen wagen es, sich dagegen zu wehren.Giuseppe „Peppe“ Morabito, Gemeinderat von Cittanova, kämpft schon seit Jahren gegen die Präsenz der Tiere und das Schweigen der Behörden. Nachdem seine Tochter einen schweren Autounfall mit einem Stier hatte, gründete er die Bürgerinitiative „No Bull“. Unermüdlich ist er in dem unwegsamen Gebiet unterwegs, um die Bewegung der Herden und die Schäden, die sie verursachen, zu dokumentieren. Sein Ziel: Er will den Staat, der nicht besonders präsent ist, zum Handeln bewegen. Doch Widerstand ist gefährlich, denn die Kühe sind ein Machtsymbol. Das erlebt auch Bruno Bonfà, der als Landwirt Bergamotten anbaut. Die Rinderherden verwüsten immer wieder seine Plantage. Bruno hält das für den gezielten Versuch, ihn von seinem Land zu vertreiben. Denn sein Vater wurde vor Jahren von der Mafia ermordet, und Bruno fragte öffentlich nach den Namen der Mörder. Aufgeben kommt für ihn trotz der immer neuen Attacken nicht in Frage. Genau wie Giuseppe Morabito will er dazu beitragen, dass seine Heimat sich endlich aus dem Griff der organisierten Kriminalität befreit. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Di. 03.02.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Do. 05.02.2026 arte Wenn das Geld für Tampons und Binden fehlt
Folge 1632 (30 Min.)Berlin, Alexanderplatz. Hier leben viele Frauen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind, für die ihre Monatsblutung schnell zum akuten Problem wird. „Ich bin schon eineinhalb Tage hier in Berlin mit vollgebluteter Hose rumgerannt“, erzählt eine Betroffene. Am Duschmobil erhalten Frauen kostenlose Hygieneprodukte – ein mobiles Hilfsangebot für Menschen, die auf der Straße leben. Unterstützt wird das Projekt vom Verein Periodensystem e. V., der Tampons und Binden liefert. Doch Periodenarmut betrifft nicht nur wohnungslose Frauen. Nach Angaben der Hilfsorganisation „Plan International“ ist rund ein Viertel aller Mädchen und Frauen in Deutschland betroffen. Die Studentin Jaël Gallert aus München hat nach Abzug aller Fixkosten rund 400 Euro im Monat zur Verfügung – und muss davon auch ihre Periodenprodukte bezahlen: Tampons, aber auch Schmerzmittel, Magnesium oder Eisen.„Wenn man es ganz hochrechnet, ist das ein kompletter Einkauf, den ich mir dann stattdessen gönnen kann“, sagt die Studentin. Für Menstruierende mit geringem Einkommen ein ernsthaftes Problem. Besonders in konservativeren Gesellschaften wie in Polen ist das Thema Periode noch immer stark schambehaftet. In Warschau setzt sich die Künstlerin und Aktivistin Martyna Baranowicz mit ihrer „Pink Box Foundation“ deshalb nicht nur für kostenlose Periodenprodukte ein, sondern auch für Aufklärung an Schulen, um das Thema aus der Tabuzone zu holen. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Sa. 07.02.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Mo. 09.02.2026 arte Ausländische Ärzte retten deutsche Provinzkliniken
Folge 1633 (30 Min.)Ausländische Ärztinnen und Ärzte sichern in vielen deutschen Landkrankenhäusern die medizinische Versorgung. Die Reportage zeigt ihren Alltag. Mohamed Cherbagi kommt aus Syrien. Als Internist arbeitet er im Krankenhaus eng mit deutschen und internationalen Kolleginnen und Kollegen. Anfangs gab es Sprachhürden und Vorurteile, heute ist er fester Teil des Teams. Mehr als 50.000 zugewanderte Ärztinnen und Ärzte stützen den medizinischen Betrieb an deutschen Krankenhäusern. Ihr Einsatz ist längt unverzichtbar.In Freiberg stammt fast jeder zweite Arzt aus dem Ausland. Doch Mohamed denkt über eine Rückkehr nach Syrien nach. Sobald er seine zweite Facharztausbildung abgeschlossen hat, möchte er gehen. Die Ärztin Ina Viaroukina aus Belarus hilft mit, eine Klinik im Harz am Laufen zu halten. Sie springt am Krankenhaus Quedlinburg dort ein, wo Personal fehlt. Auf der Intensivstation betreut sie schwer kranke Patientinnen und Patienten, diktiert Befunde und kämpft mit neuen Computerprogrammen. Sechs-Tage-Wochen sind für sie normal. Ihre beiden Töchter wachsen in Quedlinburg auf, während Ina Beruf und Familie allein stemmt. Deutschland ist für sie Chance und Belastung zugleich. Trotzdem sagt sie klar, dass sie bleiben will. Die Reportage zeigt zwei Leben zwischen Herkunft und neuer Heimat. Sie macht sichtbar, wie abhängig das deutsche Gesundheitssystem von internationalen Fachkräften ist. Wenn Ärzte wie Mohamed Cherbagi gehen und Ärztinnen wie Ina Viaroukina an ihre Grenzen kommen, gerät die medizinische Versorgung ganzer Regionen ins Wanken. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Di. 10.02.2026 arte Leben mit der Flut
Folge 1634 (29 Min.)Bild: ArteDas Ausflugslokal „Strandperle“ an der Elbe in Hamburg säuft im Herbst und Winter regelmäßig ab, es steht bei Sturmfluten zum Teil meterhoch unter Wasser. Restaurantleiter Kevin Last hat die Wettervorhersage und die Pegelstände im Blick. Er ist auf alles eingestellt. Die Küche ist aus Edelstahl, die Elektroleitungen verlaufen an der Decke und das bewegliche Interieur kann kurzfristig abgeräumt und hinter dicken Flutschutztüren verstaut werden. Trotzdem ist die Spannung nach jeder Überschwemmung groß, „ob alle Wände dichtgehalten haben“.Nicht dichtgehalten haben 2023 viele Deiche an der Ostseeküste. Eine sogenannte „Jahrhundertflut“ traf mit zerstörerischer Wucht auf Land und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Ein Bürgermeister erinnert sich: „Es war ein Fiasko! Dass es keine Toten gab, ist eigentlich ein Wunder.“ Wasserbauingenieur Philipp Zülsdorff ist jetzt im Dauereinsatz, um die Reparatur kaputter Deiche zu koordinieren. Die betroffenen Gemeinden wollen gerüstet sein, wenn die nächste Sturmflut kommt. Seit einem traumatischen Starkregen im Jahr 2011 orientiert sich in Kopenhagen die Stadtplanung am Konzept Schwammstadt. Mit Milliardenaufwand werden Parks zu gigantischen Auffangbecken umgerüstet und unauffällige Kanäle für den Ablauf von Wassermassen so erfolgreich installiert, dass die dänische Hauptstadt als Vorreiter bei der sogenannten Klimaanpassung gilt. Delegationen aus der ganzen Welt kommen nach Kopenhagen, um sich vor Ort zu informieren, wie sich die Folgen von Extremwetter abmildern lassen. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 12.02.2026 arte Kratergefahr in Anatolien
Folge 1635 (30 Min.)Fatih Şık ist seit seiner Jugend Landwirt aus Leidenschaft – doch seit letztem Jahr gleicht sein Leben einem Albtraum. Auf seinen Feldern im mittelanatolischen Konya sind wie aus dem Nichts drei riesige Krater entstanden. Einer ist sogar um die 50 Meter tief. Nun fürchtet Fatih, dass weitere dieser Senklöcher entstehen. Er hat viel in den Hof investiert und will ihn nicht aufgeben – doch wie lange kann er mit der Gefahr leben? Der Geologe Fetullah Arık ist seit mehr als 20 Jahren den Senklöchern auf der Spur. Der Professor leitet ein eigenes Senkloch-Forschungsinstitut an der Technischen Universität Konya.Das Phänomen gibt es schon seit Jahrhunderten in der Region. Doch noch nie entstanden so viele Krater wie heute, sagt Arık. Wurden im Jahr 2000 nur 95 in Konya gezählt, sind es heute schon über 640. Das Gebiet ist eines der trockensten der Türkei, Klimawandel und übermäßige Bewässerung in der Landwirtschaft verschärfen das Problem. Je mehr der Grundwasserspiegel sinkt, umso mehr wachsen Hohlräume im Untergrund – und die Gefahr für neue Krater steigt. Die Menschen in der Region suchen nun jeder auf seine Art fieberhaft nach Lösungen. So manche Anwohner würden am liebsten fortziehen, doch es fehlt an Entschädigungen. Währenddessen prüfen Profi-Kletterer trotz Einsturzgefahr, wie man Menschen im Notfall aus den Senklöchern bergen kann. Ein Tourismusunternehmer will dagegen mit einem neuen Hotel am Senkloch Besucher aus aller Welt anlocken. Eines ist ihnen gemeinsam: Sie alle wollen auf den extremen Wassermangel aufmerksam machen, der in der Region verheerende Spuren hinterlässt. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Fr. 13.02.2026 arte Bosniens Bürger und der illegale Müll
Folge 1636 (29 Min.)Omer Hujdur aus Vrapčići lebt nur 200 Meter von einer der umstrittensten Mülldeponien Bosnien und Herzegowinas entfernt – die Anwohner nennen die technisch veraltete Deponie von Mostar „Müllkippe des Todes“. Regelmäßig überprüfen er und seine Nachbarn die Anlage – und stoßen dabei auf erschreckende Zustände. Immer wieder brennt die Deponie direkt vor Omer Hujdurs Haustür. Besonders große Sorgen bereitet ihm, dass bei vielen seiner Nachbarn Krebs diagnostiziert wurde. Die Krebsrate der Gemeinde scheint überdurchschnittlich hoch. Gibt es einen Zusammenhang mit der Mülldeponie? Die meisten Mülldeponien in Bosnien und Herzegowina erfüllen nicht die EU-Umweltstandards. Als Ausnahme aber gilt die Deponie der Stadt Zenica: Hier wird das Sickerwasser gereinigt und das entstehende klimaschädliche Gas Methan kontrolliert verbrannt.Abfallwirtschaftsexperte Dr. Džafer Dautbegović aber weiß: Vielerorts wird Müll in Bosnien einfach unkontrolliert in der Natur entsorgt, nicht nur von Privatpersonen, sondern auch von ganzen Städten und Gemeinden. So auch im idyllischen Städtchen Stolac. Seit sich die junge Biologin Berina Amidžić mit den ökologischen Folgen der wilden Müllkippe ihrer Heimatstadt beschäftigt hat, kämpft sie für deren Schließung – zunächst mit Erfolg: Die regionale Umweltinspektion ordnete die Entfernung der Abfälle an. Doch Berina Amidžić und ihre Mitstreitenden vermuten, dass dort weiterhin Müll abgeladen wird. Gemeinsam beginnen sie, Beweise zu sammeln. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mo. 16.02.2026 arte Das ewige Pendeln des EU-Parlaments
Folge 1637 (30 Min.)Zwölfmal im Jahr pendelt das komplette EU-Parlament für knapp vier Tage von Brüssel nach Straßburg – so ist es in den Europäischen Verträgen festgelegt. Denn während Gesetze und Mehrheiten in Brüssel vorbereitet werden, finden die meisten Plenarsitzungen und Abstimmungen in Straßburg statt. Der Umzug ist längst zu einer Routine geworden, die alle mitmachen müssen, die aber kaum jemand will. Eine der wenigen Abgeordneten, die sich jeden Monat auf den Ortswechsel freuen, ist Fabienne Keller, die ehemalige Bürgermeisterin von Straßburg. Sie betont den wirtschaftlichen Nutzen für die Stadt und sieht die ständige Standortdebatte gelassen.Denn eine Änderung des Parlamentssitzes ist nur mit Zustimmung Frankreichs möglich – und die gilt als äußerst unwahrscheinlich. Auch Sabine Verheyen, Vizepräsidentin des EU-Parlaments, begrüßt die regelmäßigen Umzüge: Straßburg habe großen Symbolwert für die historische Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland – und damit für das Friedensprojekt Europa. Doch viele Abgeordnete sind vom Dauerpendeln genervt. Martin Schirdewan, Co-Vorsitzender der Linksfraktion, hält den monatlichen Umzug für „völlig aus der Zeit gefallen“. Er koste Geld und Arbeitszeit und sei zudem umweltschädlich. Auch Reinier van Lanschot von der Reformpartei Volt sieht in Straßburg kein starkes Symbol mehr. Gesetze entstünden in Brüssel – in Abstimmung mit Europäischem Rat und Europäischer Kommission. Der ständige Wechsel sei heute eher ein Sinnbild für die Ineffizienz der EU. Am Ende bleibt eine einfache, aber unbequeme Frage: Ist der monatliche Umzug Ausdruck europäischer Stärke – oder ein Relikt, das dem Vertrauen in die Politik sogar schadet? (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mi. 18.02.2026 arte Orca-Shows am Ende?
Folge 1638 (30 Min.)Drohnenaufnahmen der beiden Orcas Wikie und Keijo im geschlossenen Marineland Antibes an der Côte d’Azur haben weltweit Empörung ausgelöst. Ein neues Gesetz in Frankreich verbietet die Haltung von Walen zu Unterhaltungszwecken. Doch bis heute ist unklar, was mit den Orcas geschehen soll. Während Behörden und Betreiber über Zuständigkeiten diskutieren, verschärft sich die Lage der Orcas. Tierschutzorganisationen erhöhen den Druck. Die Aktivistin Aurore Defix dokumentiert immer wieder die Situation vor Ort: „Wir sehen Tiere, die komplett lethargisch sind und wirklich nur dann reagieren, wenn Menschen kommen, weil sie denken, es gibt ein Training.“ In ganz Europa gibt es nur noch einen Zoo, in dem Orcas auftreten.Der Loro Parque auf Teneriffa ist auch wegen seiner Orca-Show ein Publikumsmagnet. Betreiber Christoph Kiessling verteidigt die Haltung der Tiere als Beitrag zur Artenvielfalt: „Die Menschen werden von den Tieren berührt und entwickeln Empathie für sie. Unsere Orcas sind Botschafter für den Naturschutz.“ Orca-Trainerin Idaira Martín zeigt die intensive tägliche Arbeit mit den Tieren – und den hohen Aufwand, der hinter der Haltung steht. Wie viel Verantwortung trägt der Mensch für Orcas – in Gefangenschaft und in Freiheit? An der Straße von Gibraltar beobachtet Janek Andre mit seiner Walbeobachtungsflotte die letzten iberischen Orcas. Er dokumentiert Verletzungen und den zunehmenden Druck durch Schiffsverkehr und Fischerei. „Die Orcas leben hier seit Tausenden von Jahren. Doch menschliche Aktivitäten machen ihr Überleben immer schwieriger.“ (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 19.02.2026 arte Ich will 120 werden!
Folge 1639 (30 Min.)Der 61-jährige Mathias Mahnke will so gesund und so lange wie möglich leben. Dafür lässt er sich als weltweit erster Patient nach der sogenannten TRIIM-Methode behandeln. Er spritzt sich unter anderem Wachstumshormone, die die Thymus-Drüse aktivieren sollen. Die ist wichtig für die Produktion von Abwehrzellen und bildet sich normalerweise ab der Pubertät zurück. Mögliche Nebenwirkung der Hormone: Sie könnten auch Krebszellen im Körper schneller wachsen lassen. Regelmäßig fliegt daher ein Arzt aus London ein, um nach Krebsmarkern in Mathias Mahnkes Blut zu suchen.Er prüft auch, wie sich dessen Thymusdrüse entwickelt – und ob sich sein Körper zellulär verjüngt. Die Ergebnisse sind überraschend. Nach einem Burnout hat Kristine Zeller ihr Leben radikal verändert. Das Ziel der zweifachen Mutter und Unternehmerin: Sie will 120 werden. Dafür achtet sie grammgenau auf Nährstoffe, misst ihren Blutzucker, folgt ausgefeilten Sport- und Bewegungsplänen. Longevity ist ihr Lebensthema geworden. Sie ist überzeugt, dass weniger kranke und mehr fitte ältere Menschen ein Gewinn für die ganze Gesellschaft sind. Mit dem Trend wächst auch eine Industrie, die ein längeres, gesünderes Leben verspricht. Der Schweizer Pascal Rode leitet ein Unternehmen für Nahrungsergänzungsmittel. Mit seinen Antioxidantien, Blutzuckerstabilisatoren oder Kollagenprodukten machte er 2024 laut eigener Aussage einen Jahresumsatz im zweistelligen Millionenbereich. Auch Pascal Rode strebt nach Langlebigkeit. Dafür lässt er sich in einer Züricher Klinik behandeln, die ganz auf Longevity ausgerichtet ist. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Fr. 20.02.2026 arte
