Im Nachtzug von Ost nach West
Folge 1692 (30 Min.)Seit einigen Jahren erlebt der Nachtzug eine leise Renaissance. Zwischen Ost und West entsteht ein Netz, geprägt von Idealismus, wirtschaftlichem Risiko und wachsendem Druck, klimaschonender zu reisen. Michal Jaros (29), ein junger Steward aus Prag, schaute schon als Kind sehnsüchtig den Zügen hinterher. Inzwischen arbeitet er für das tschechische Bahn-Unternehmen ČD Night und fährt regelmäßig mit dem Nachtzug Canopus von Prag nach Zürich. ČD Night arbeitet in Kooperation mit der Deutschen Bahn, die 2016 alle ihre Nachtzüge als unrentabel abgestoßen hat.Michal und seine Kollegen blicken mit Idealismus in ihrem Glauben in die Zukunft der Nachtzüge. „Prag ist ein Knotenpunkt zwischen Ost und West“, sagt er begeistert. „Unsere Züge verbinden Europa – das macht diesen Job so spannend“. Gegen Abend erwacht der Bahnhof zum Leben: Nachtzüge rollen in alle Richtungen – nach Österreich, in die Ukraine, nach Polen und Richtung Norden nach Deutschland. Aber die unterschiedlichen nationalen Regelungen und die Verspätungen durch die Baustellen der Deutschen Bahn machen ihnen sehr zu schaffen. Europa brauche ein vereintes Netz an Nachtzugverbindungen und keinen Flickenteppich, meint Bernhard Knierim vom Bahnnetzwerk Back on Track. Er organisiert eine Pyjamademo in Berlin, bei der Menschen in Schlafanzügen mehr Schlafwagen und bezahlbare Nachtzugverbindungen fordern. Das Besondere an der Demo: Sie findet auf 20 Bahnhöfen in ganz Europa gleichzeitig statt. Ein Symbol! Auch in Malmö, Paris, Stockholm oder Lissabon fordern Menschen, dass Reisemöglichkeiten auf der Schiene ausbaut werden. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Sa. 13.06.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Mo. 15.06.2026 arte Nationalparks – Brandherde und Naturparadiese?
Folge 1693 (30 Min.)Jaroslaw Hocko startet eine Drohne mit Wärmebildkamera im Mai 2026 beim Brand im Böhmischen NationalparkBild: MDR/Bettina WobstForciert durch den Klimawandel geraten Nationalparks in Europa unter Druck. Längere Trockenperioden, steigende Temperaturen und immer heftigere Waldbrände verschärfen einen grundlegenden Konflikt: Schützen Nationalparks die Natur – oder gefährden sie auch die Menschen, die in und mit ihr leben? Die Reportage führt in das deutsch-tschechische Grenzgebiet. Dort spitzt sich der Konflikt in den benachbarten Nationalparks Sächsische und Böhmische Schweiz zu. Im tschechischen Grenzort Mezná trifft „Re:“ das Ehepaar Hrdlička, dessen Haus 2022 durch einen großen Waldbrand zerstört wurde.Verlust, Angst und Wut prägen ihren Blick auf den Nationalpark. Für sie ist klar: Zu wenig Brandvorsorge und große Mengen abgestorbenen Holzes haben das Feuer begünstigt. Dem gegenüber steht der Auftrag der Nationalparks, die Natur weitgehend sich selbst zu überlassen – bei gleichzeitiger Verantwortung für die Sicherheit der Menschen. Die Waldbrandexperten der Nationalparks, Louis Georgi und Jaroslav Hocko, arbeiten grenzüberschreitend zusammen. Sie entwickeln Strategien zur Früherkennung und Bekämpfung von Bränden, koordinieren Einsatzwege und setzen zunehmend auf Drohnen. Zwischen diesen Positionen stehen Ranger wie Frank Strohbach, die Tiere und Pflanzen schützen, Besucher sensibilisieren und Brandrisiken minimieren. Kritiker wie der Kartograph Rolf Böhm fordern hingegen mehr Eingriffe. Doch wie belastbar sind diese Strategien? Als im Frühjahr 2026 erneut ein Brand im Nationalpark Böhmische Schweiz ausbricht, steht Brandschützer Jaroslav Hocko mit seinem Team vor der nächsten Bewährungsprobe. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere So. 14.06.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Di. 16.06.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 16.06.2026Frankreichs Problem mit Selbstjustiz
Folge 1694 (30 Min.)Bild: ArteLaurent Raimondo, ein Restaurantbesitzer im südfranzösischen Menton, ist einer dieser Menschen, die das Recht in ihre eigenen Hände nehmen: Nach wiederholten Sachbeschädigungen und Anzeigen, die keinerlei Wirkung zeigten, gründete er die Initiative „Sauberes Menton“. Er vertrieb junge Leute, die seine Einrichtung beschädigten, mit dem Stock. Das Video der Prügel-Aktion stellte er ins Internet, dort feiern ihn viele als einen „gerechten Rächer“. Allerdings droht ihm noch immer die Strafverfolgung wegen dieses Aktes der Selbstjustiz. Ein anderer Mann, dessen Gerichtsverhandlung mit seinem Einverständnis anonymisiert gefilmt werden durfte, stach auf seinen Nachbarn ein, der ihn über Monate mit Ruhestörung belästigte.Ein anderer junger Mann bereut seine Tat: Er wollte den Tod seines kleinen Bruders rächen und schoss deshalb auf einen Familienangehörigen des Täters. Nach seiner Haft versucht er nun, die Menschen darüber aufzuklären, dass solche Akte von Selbstjustiz nur zerstörerisch wirken und auf dem Friedhof oder im Gefängnis enden. Die Justizbehörden in Frankreich sind alarmiert durch die Zunahme der Selbstjustiz, die durch die Reden von rechtspopulistischen und rechtsextremen Politikern gefördert werden. Sie gefährden die Demokratie: Was bleibt von der Rechtsstaatlichkeit noch übrig, wenn Bürger aufhören, an die Gerechtigkeit zu glauben, und deshalb nach Vergeltung trachten? (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Di. 16.06.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Mi. 17.06.2026 arte Die Schlangenfänger von Cocullo
Folge 1695 (30 Min.)Gianluca Ricci ist ein typischer Serparo, wie man in Cocullo einen Schlangenfänger nennt. Wie man die scheuen Tiere aufspürt, hat er von seinem Vater gelernt. Tagelang kraxelt der 19-Jährige durch die Abruzzen und stöbert die Tiere unter Felsen auf. Ohne Serparo wie Gianluca würde es das legendäre Schlangenfest nicht geben. Er trägt die Tiere, sämtlich ungiftige Nattern, nach Hause, wo er sie in Säcken bis zum Fest aufbewahrt. Was fasziniert den jungen Mann an den Reptilien, vor denen sich die meisten Menschen fürchten? Ohne das Schlangenfest wäre Cocullo längst in Vergessenheit geraten.Von einst mehr als 1.000 Einwohnern sind nur noch knapp 250 übrig. Auch Gianluca wird die Gegend schon bald verlassen, um in Rom bei den Carabinieri zu arbeiten. Wenigstens denkt er darüber nach, eines Tages als Forstpolizist zurückzukehren. Bürgermeister Sandro Chiocchio ist sich der Bedeutung des alten Brauchs für den Ort bewusst: Am 1. Mai explodiert die Zahl der Besucher. Zwischen 10.000 und 20.000 Touristen und Pilger aus aller Welt strömen durch die engen Gassen des Ortes. Hotels und Pensionen sind ausgebucht. Doch bedeutet der Brauch nicht auch Stress für die Schlangen? Bevor sie auf die Statue des heiligen Dominikus gelegt werden, wird jede von Tierarzt Jairo Mendoza untersucht. Kranke Tiere werden behandelt und wieder ausgesetzt, gesunde Schlangen nach der Prozession. Den Kriechtieren scheint das nicht zu schaden. Da jede Schlange mit einem Chip versehen wird, weiß man, dass einige schon mehrmals beim Schlangenfest von Cocullo dabei waren. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 18.06.2026 arte Partylärm im Ausgehviertel
Folge 1696 (30 Min.)Mit dem Sommer beginnt in vielen europäischen Städten das Leben draußen auf den Terrassen und Straßen, vor den Bars und Restaurants. Mit den Massen kommt der Lärm, und die wenigsten kümmern sich um Nachtruhe. Hier sind die Städte gefordert, die dafür sorgen müssen, dass sowohl die Gastronomie als auch die Anwohner weiter miteinander auskommen. Am Brüsseler Platz in Köln schwelt seit Jahren ein Konflikt zwischen Anwohnern und Gastwirten. Seit 2013 klagen Menschen, die am Brüsseler Platz wohnen, gegen die Lärmbelästigung vor ihrer Haustür. Mit Erfolg! Seit Anfang 2026 dürfen Besucher am Platz zwischen 21 und 6 Uhr keinen Alkohol mehr konsumieren, die Außengastronomie muss spätestens um 22 Uhr schließen. Jeden Abend sorgt ein Ordnungstrupp für Ruhe und Ordnung.Doch nun fühlen sich die Gastronomen benachteiligt. Die Gastwirte befürchten, dass das quirlige Viertel durch die strengen Regeln seinen Charme und seine Anziehungskraft verlieren könnte. In Paris haben die Stadtviertel frühzeitig das Konfliktpotenzial entdeckt. Paris ist für sein Nachtleben bekannt. Um auch den Anwohnern gerecht zu werden, hat man eine besondere Institution ins Leben gerufen: die „pierrots de la nuit“, Nachtclowns. Deren Aufgabe ist es, zwischen Anwohnern, Bar- und Restaurantbesitzern und den Feiernden zu vermitteln. Dazu besuchen die Pierrots Gastronomen und Anwohner. Und wenn es Nacht wird in Paris, treten die Pierrots als Clowns auf und versuchen, auf spielerische Art den Lärm zu reduzieren. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Fr. 19.06.2026 arte Zugunglück in Tempi – Tragödie ohne Konsequenzen?
Folge 1697 (30 Min.)Am 28. Februar 2023 stoßen im Tempi-Tal in Mittelgriechenland ein Personenzug und ein Güterzug frontal zusammen. Ein verheerendes Feuer bricht aus, dessen Ursache bis heute ungeklärt ist. 57 Menschen sterben. Es ist das schwerste Zugunglück in der Geschichte Griechenlands. Panos Routsis verliert an dem Tag seinen 22-jährigen Sohn Denis. Er vermutet, dass der Güterzug Gefahrgut transportierte. Panos fordert eine Exhumierung seines Sohnes und hofft, die Analyse der Überreste bringt Klarheit. Als die Behörden dies ablehnen, tritt er in einen öffentlichen Hungerstreik.Seither ist er zum Gesicht der sogenannten Tempi-Bewegung geworden, die lückenlose Aufklärung fordert. Auch Katarina will verstehen, wie es zu der Katastrophe kam. Sie war im Zug und hat das Unglück überlebt. Die Angehörigen und Überlebenden haben das Gefühl, dass die Ursachen vertuscht werden sollen. Ungereimtheiten werden bekannt: So soll die Unfallstelle bereits nach wenigen Tagen ohne gründliche Spurensicherung geräumt worden sein. Investigativjournalistin Eurydice Bersi recherchiert zu dem Fall und stößt auf eine Mauer des Schweigens. Der Verdacht steht im Raum, dass EU-Subventionen zur Modernisierung des Bahnsystems veruntreut wurden. Im Februar 2025 entlädt sich die Wut der Bevölkerung über die verschleppten Ermittlungen auf der Straße. Der Ministerpräsident übersteht nur knapp ein Misstrauensvotum wegen Vertuschungsverdacht. Die Reportage begleitet die Protagonisten in den Tagen rund um den Prozessauftakt, der die Schuldfrage klären soll. Doch schon der erste Gerichtstag endet im Chaos. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mo. 22.06.2026 arte Postboten und Ärzte im Einsatz für Gesundheit
Folge 1698 (30 Min.)In vielen ländlichen Regionen Frankreichs wird medizinische Versorgung zur Herausforderung: Hausärztinnen und -ärzte gehen in den Ruhestand, Praxen schließen und die nächste Anlaufstelle ist oft weit entfernt. Um diese Lücken zu schließen, entstehen ungewöhnliche Kooperationen. Der Postbote Mourad ist seit Jahrzehnten in Voiron im Département Isère unterwegs und genießt das Vertrauen seiner Kunden. Seit Neuestem verabredet er sich mit den älteren unter ihnen auch zu einem kleinen Gesundheitscheck. Dabei stellt er ihnen Fragen zum Gedächtnis und zur Stimmung, testet das Hörvermögen und die Beweglichkeit. Die Ergebnisse werden an das Universitätskrankenhaus in Grenoble weitergeleitet und dort analysiert.Falls es Auffälligkeiten gibt, werden die Personen dort weiter betreut. Drei Tage die Woche ist auch eine mobile Arztpraxis in der Region unterwegs. Das maßgeschneiderte Fahrzeug macht Halt in abgelegenen Gemeinden, die vom Ärztemangel betroffen sind. Hier bietet der pensionierte Allgemeinmediziner Yves mit seinen Kollegen täglich bis zu zehn Sprechstunden an. In kurzer Zeit muss er sich dort ein Bild von Patientinnen und Patienten machen, die oft lange ohne medizinische Betreuung waren und deren Krankheitsgeschichte er noch nicht kennt. Wie früher in seiner eigenen Praxis ist das Spektrum der Krankheiten groß, und manchmal kann seine Behandlung Leben retten. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Di. 23.06.2026 arte Folge 1699
30 Min.Deutsche TV-Premiere Mi. 24.06.2026 arte Land am Limit, wie der Staat die Kommunen verliert
Folge 1700 (29 Min.)Die Reportage erzählt von einer Region in Sachsen-Anhalt, in der sich verdichtet, was vielerorts in Europa zu beobachten ist: Ländliche Räume geraten unter Druck. Finanzierungsmodelle wirken aus der Zeit gefallen, Förderprogramme verlieren sich in Bürokratie und Überkontrolle. Zwischen Kommunen, Kreis, Land und Bund wird Verantwortung weitergereicht – während vor Ort die Herausforderungen wachsen. Die Probleme sind strukturell. Genau hier setzt der Beitrag an. Er blickt nicht abstrakt auf Politik, sondern dorthin, wo Demokratie im Alltag erfahrbar wird: in Rathäusern, Kreistagen, Notaufnahmen und Wartezimmern.Der Altmarkkreis Salzwedel wird so zum Beispiel für eine Krise von unten – und für die Frage, was passiert, wenn staatliche Handlungsfähigkeit vor Ort schwindet. Im Zentrum stehen zwei Frauen, die sich diesem Zustand nicht ergeben. Mandy Schumacher ist seit 2015 Bürgermeisterin der Hansestadt Gardelegen. Sie gilt als pragmatisch, durchsetzungsstark und nah an den Menschen. Doch auch sie stößt zunehmend an Grenzen: steigende Kosten, neue Aufgaben, leere Kassen, wachsende Erwartungen. Aber aufgeben liegt nicht in ihrer DNA. Alke Seibt kam einst aus Berlin nach Salzwedel und wollte zunächst sofort wieder abreisen. Sie blieb. Heute ist sie Betriebsratsvorsitzende des Altmarkklinikums und arbeitet an Wochenenden und Feiertagen weiterhin als Krankenschwester in der Notaufnahme. „Damit ich den Blick für die Arbeit der Kollegen nicht verliere“, sagt sie. Während die Klinik ums Überleben kämpft, erlebt sie täglich, was Versorgungslücken für Patienten und Personal bedeuten. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Di. 23.06.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Do. 25.06.2026 arte Nähen für Europa – Die unsichtbaren Frauen von Durrës
Folge 1701 (30 Min.)Flutura Onuzi arbeitet in einer Schuhfabrik bei Durrës. Wie viele Beschäftigte der albanischen Textil- und Schuhindustrie verdient sie den gesetzlichen Mindestlohn von rund 515 Euro brutto – und arbeitet dafür bis zu 50 Stunden pro Woche. Für Flutura reicht dieses Einkommen kaum zum Leben. Die Branche beschäftigt überwiegend Frauen und zählt zu den wichtigsten Exportzweigen des Landes. Hoher Zeitdruck und körperlich belastende Arbeit prägen ihren Alltag. Vielen Arbeiterinnen ohne höheren Schulabschluss bleibt jedoch keine Wahl, als jede Beschäftigung anzunehmen, um ihre Familien zu versorgen. Fluturas Tochter Ferdez Onuzi engagiert sich für Arbeitnehmerrechte. Die Aktivistin versucht, eine unabhängige Gewerkschaft in der Bekleidungsindustrie aufzubauen.Vor Fabriktoren spricht sie Arbeiterinnen an und organisiert Treffen. Viele Frauen berichten von unbezahlten Überstunden, mangelndem Arbeitsschutz oder fehlender sozialer Absicherung. Nur wenige sind bereit, öffentlich über ihre Situation zu sprechen, da die Angst vor dem Jobverlust groß ist. In einer Bekleidungsfabrik nahe Tirana arbeitet Produktionsmanager Elidon Avrami. Der Betrieb produziert für europäische Auftraggeber. Avrami verweist auf den internationalen Wettbewerbsdruck. Die Preise würden von den Auftraggebern bestimmt, während die Fabriken vor Ort um jeden einzelnen Auftrag kämpfen müssten. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Fr. 26.06.2026 arte
