2026 (Folge 1706–1729)
Aufbruch oder Scherbenhaufen? Eine Familie in Ungarn
Folge 1706 (30 Min.)
János Tóth beim Fischen auf dem Theiß-Fluss. Er gilt als einer der besten Angelgewässer Ungarns.Bild: Tutsek Film„Ich weiß nicht, ob es Hoffnung gibt“, sagt Fischer János Tóth resigniert. Obwohl Viktor Orbáns Regierung 2014 die kommerzielle Fischerei in Ungarn verboten hat und János seinen Beruf an der Theiß seitdem nur noch sehr eingeschränkt ausüben kann, verliert er kein gutes Wort über den Machtwechsel in Ungarn. Auch seine Frau Judit fragt, was hat das alte System denn falsch gemacht. Sie betreibt die Dorf-Kneipe in Tiszadorogma, nach wie vor eine Hochburg von Orbáns Fidesz-Partei. Ganz anders ihre Enkelin Martina. Sie schöpft erstmals Hoffnung. Die 21-jährige Anglistikstudentin ist unter Orbán aufgewachsen und war fest entschlossen, ihre Heimat bei der erstbesten Gelegenheit zu verlassen – gegen den Willen ihres Großvaters.Doch seit Péter Magyars Wahlsieg im April will sie sehen, ob in Ungarn ein politischer und gesellschaftlicher Neuanfang tatsächlich möglich ist. Wenn ja, will sie bleiben. 16 Jahre Fidesz-Herrschaft haben an der ungarischen Theiß sowohl Landschaft als auch Lebensentwürfe geprägt. Nun prallen Enttäuschung und Aufbruch, Misstrauen und Hoffnung unmittelbar aufeinander. Während die Älteren an den Glaubenssätzen der Vergangenheit festhalten, ringt die junge Generation um die Chance auf ein anderes Ungarn. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Mi. 01.07.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Fr. 03.07.2026 arte Mein Leben mit K-Pop
Folge 1707 (30 Min.)In München hat die Friseur-Auszubildende Nihi eine eigene K-Pop-Tanzgruppe gegründet. Um bekannter zu werden, messen sich Nihi und ihre Gruppe in den sozialen Medien und bei Wettbewerben.Bild: BR/ARTEDieser Sommer steht im Zeichen des K-Pop, denn mit BTS ist eine der bekanntesten-K-Pop-Bands zurück. Für Fans war K-Pop aber nie weg: In München hat die Friseur-Auszubildene Nhi eine eigene K-Pop-Tanzgruppe gegründet. Aufwändige Choreografien folgen strengen Regeln: Wer dazugehören will, muss sich in Castings beweisen. Um bekannter zu werden, messen sich Nhi und ihre Gruppe auf Social Media und bei Wettbewerben. Der nächste Contest steht an, doch noch wichtiger als der Sieg ist für Nhi die Leidenschaft: sie will ihren Idolen nahekommen, indem sie die Tänze perfektioniert.David hat K-Pop schon als Kind entdeckt, als er im ländlichen Bayern aufgewachsen ist. Die androgynen Idole prägen früh sein Verständnis von Männlichkeit. Koreanischer Pop inspiriert ihn und heute lebt er seinen eigenen Stil, inklusive Make-up und Crossdressing. Doch er musste sich auch vom K-Pop emanzipieren. Denn der progressive Look der Szene steht im Kontrast mit einer Industrie, die Queerness kaum zulässt. Für die Ultra-Fans Nathalie und Joana wird ein Traum wahr: Sie werden BTS live in Madrid sehen. Wochenlang planen sie Outfits und Reise – alles muss perfekt sein. Für Nathalie bedeutet K-Pop mehr als Musik: Nach dem Tod ihres Bruders gibt er ihr Halt. Ihr BTS-Idol Jung Kook ist für sie wie ein Ersatzbruder. Re: taucht in die K-Pop-Fanszene ein – und erlebt Leidenschaft, Gemeinschaft, aber auch die Schattenseiten dieser glitzernden Welt. Denn Teil der Fandom zu sein, wird schnell teuer. Nicht nur die Konzerttickets, sondern auch Merch, Kleidung und der dazugehörige Lifestyle belasten den Geldbeutel junger Fans. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Fr. 10.07.2026 arte Neue Wege in der Polizeiarbeit
Folge 1708 (30 Min.)Besonders trainierte Hunde schaffen etwas, das die Wissenschaft bis heute für unmöglich hält: Sie erschnüffeln Ertrunkene, sogar in tiefen Gewässern. So grenzen sie das Suchgebiet der Polizei ein. Das spart wertvolle Zeit. Dem ehrenamtlichen Hundeführer Kai Einfeldt vom Verein Technische Hundestaffel ist es eine Herzensangelegenheit, Angehörigen Gewissheit zu verschaffen. Manchmal erfordert es endlose Detektivarbeit, um die Identität eines aufgefundenen Toten zu klären. Der Genealoge Eryk Jan Grzeszkowiak aus Edinburgh hilft der Polizei in seiner Freizeit, Cold Cases zu knacken.Der Dozent erstellt einen Stammbaum des unbekannten Toten und kommt dessen Identität über Verwandte immer näher. Der kanadische IT-Experte Robert Sell verfolgt Spuren, die Vermisste im World Wide Web hinterlassen haben. Mit der Schwarmintelligenz gehen die Hacker legal verfügbaren Daten nach, die die gesuchte Person womöglich beim Posten und Liken in sozialen Medien hinterlassen hat. „Polizeibehörden haben oft nicht die Ressourcen, diese Art der Ermittlungen durchzuführen“, so Robert Sell. Finden Robert und seine Hacker neue Indizien, die die Polizei weiter verfolgen kann? (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Fr. 24.07.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 29.05.2026Project Kamp, die Weltverbesserer in Portugal
Folge 1709 (30 Min.)Bild: ArteDave Hakkens kaufte mit Gleichgesinnten im Norden Portugals ausgerechnet in einem Hochrisikogebiet für Waldbrände ein Stück Land. Hier gründete er „Project Kamp“ – ein Forschungslabor für eine nachhaltige Zukunft. Früher wurde auf den rund neun Hektar Landwirtschaft betrieben, nun sind die Flächen von leicht entflammbaren Mimosen und Eukalyptusbäumen überwuchert. Für Hakkens war gerade das der Reiz: kein idyllisches Naturparadies, sondern ein Stück Erde, das sichtbar unter Druck steht und gestaltet werden muss. ARTE Re: begleitet den Beginn der neuen Forschungssaison.Zum festen Kern um Hakkens stoßen zeitweise rund 30 Freiwillige aus aller Welt, die in Teams an Infrastruktur, Brandschutz, Verpflegung, der Renovierung der Ruinen und der laufenden Dokumentation arbeiten. Einer von ihnen ist der kanadische Architekturstudent Istvan Kriszan aus Halifax, der hier nachhaltige Architektur erprobt, die nicht bei einer „Dachbegrünung“ stehen bleibt. Die Teamleiter erhalten ein kleines Honorar, die meisten aber arbeiten unbezahlt – beflügelt von der Überzeugung, gemeinsam an etwas Sinnvollem mitzuwirken. Und so ist Project Kamp letztlich auch ein soziales Experiment. Finanziert wird Project Kamp vor allem über Spenden und YouTube-Einnahmen. In Porto zeigt Designer João Leão mit VivaLab, wie weit Hakkens’ Ideen bereits wirken: Recyclingmaschinen, Precious-Plastic-Werkstätte, Produkte aus Kunststoffabfall – entwickelt nach offenen Bauplänen. Gemeinsam mit dem kommunalen Abfallverband Lipor nutzt das Lab diese Technik, um die Bevölkerung ganz praktisch für Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung zu gewinnen. Dass sie kopiert werden, freut Hakkens und sein Team – denn so kommen ihre Ideen in die Welt. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mo. 24.08.2026 arte Kindesmissbrauch – bald für immer strafbar?
Folge 1710 (30 Min.)Bild: ArteLange Zeit war in vielen Gesellschaften Europas das Ausmaß an alltäglicher sexueller Gewalt gegen Kinder unbekannt. Oft sind die Taten, bis es zur Anzeige kommt, verjährt. Überlebende setzen sich dafür ein, diese Gesetze zu ändern. Mié Kohiyama in Frankreich und Miguel Hurtado in Spanien wurden als Kinder sexuell missbraucht. Sie erzählen von diesen an ihnen begangenen Verbrechen und kämpfen dafür, die Verjährungsfrist für Sexualstraftaten an Minderjährigen im europäischen Recht aufzuheben. (Text: arte)Deutsche Streaming-Premiere Mo. 24.08.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Di. 25.08.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 28.08.2026Invasion der Waschbären
Folge 1711 (30 Min.)Bild: ArteWaschbärjäger Alexander Knauf weiß nur zu gut, welche Schäden Waschbären an Häusern und vor allem auf Dachböden anrichten können. Sein Einsatzgebiet ist Kassel, die inoffizielle Waschbär-Hauptstadt Europas. Nirgendwo sonst leben so viele dieser intelligenten Raubtiere. Wenn sie sich durch Dämmwolle und Fassaden fressen, kann der ungebetene Besuch schnell Schäden von mehreren Zehntausend Euro verursachen. Für Knauf steht fest: Gegen die aus Nordamerika eingeschleppte Art hilft nur konsequente Bejagung. Denn natürliche Feinde hat sie in Europa kaum.Dass der Mensch darüber entscheidet, welches Tier ein Recht auf Leben hat und welches nicht, kann Tanja Schäfer nicht akzeptieren. In ihrer Wildtierhilfe zieht sie Waschbärjunge mit der Flasche auf. Und gemeinsam mit anderen Waschbär-Fans setzt sie sich für ein Umdenken ein. Jagen allein erscheint ihr wenig aussichtsreich. Stattdessen will sie einen unkonventionellen Weg erproben: Kann die Waschbär-Population durch Sterilisationen eingedämmt werden? Während in Deutschland über den richtigen Umgang mit den Waschbären gestritten wird, haben sie sich längst in die Nachbarländer ausgebreitet. In der belgischen Wallonie haben die Behörden ein Modellprojekt gestartet. Förster stellen Lebendfallen mit Überwachungskameras auf, um die Tiere zu fangen. Anschließend müssen sie das Gewehr in die Hand nehmen – „um einen Fehler des Menschen auszugleichen“ wie sie sagen. Begeistert sind sie davon nicht. Würde Deutschland sein Waschbär-Problem endlich in den Griff bekommen, wäre das für sie eine große Erleichterung. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mi. 26.08.2026 arte Flussbaden in der Stadt
Folge 1712 (30 Min.)Bild: ArteNach über 100 Jahren Badeverbot ist das Schwimmen in der Seine wieder möglich. Pünktlich zu den Olympischen Spielen 2024 hat die Stadt Paris mit staatlicher Unterstützung über 1,4 Milliarden Euro in den Umbau der Mischkanalisation investiert, um den Fluss wieder sauber genug zum Baden zu kriegen. Drei kostenlose Flussbäder gibt es schon, im Flussbad Grenelle jobbt die 22-jährige Sportstudentin Zoé Pubert als Rettungsschwimmerin. Sie muss dafür sorgen, dass sich die Badegäste an die strengen Regeln halten – kein Essen, kein Alkohol, kein Tauchen und wer in der Seine schwimmen will, muss sich zuvor eine Sicherheitsboje um die Hüften binden. Wenn ein Schiff vorbeifährt, müssen zudem alle raus.Auch die Wasserqualität bleibt eine Herausforderung. Weniger strenge Regeln gibt es in der Aare in Bern. Allerdings ertrinken hier auch im Schnitt fünf bis sechs Badende im Jahr. Deswegen bieten Rettungsschwimmer spezielle Kurse fürs Flussbaden an – mit Tipps für Sicherheit und den gelungenen Ausstieg. Auch in Budapest soll die Donau wieder zum Badefluss für die Bewohnerinnen und Bewohner werden, vor allem da die Temperaturen im Sommer mittlerweile bis zu 40 °C erreichen. Die Geografin Cecília Lohász setzt sich mit dem Verein Valyo seit Jahren leidenschaftlich dafür ein, den Fluss für die Bevölkerung wieder zugänglich zu machen. Sie hofft, dass Ungarns neuer politischer Kurs auch den Badespaß fördert. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 27.08.2026 arte Megafeuer in Frankreich
Folge 1713 (30 Min.)Bild: ArteAuch acht Tage nach Ausbruch des Waldbrands schwelt es noch überall im Kiefernwald. Paul Regnier im bedrohten Küstenort Lacanau will nicht einfach zusehen. Als Vertreter des Bürgermeisters organisiert er mit Freiwilligen die Unterstützung der Feuerwehr. Mit ihren Pickup-Trucks und Geländewagen versorgen sie die Rettungskräfte. Und sie löschen auch selbst. Denn alle hier haben Angst, dass Lacanau das gleiche Schicksal, wie den Nachbarort Le Porge ereilt, wo fast 200 Häuser zerstört wurden. An anderen Stellen in der Region hat sich die Lage wieder etwas beruhigt.In Sicherheit gebrachte Tiere werden ihren Besitzern zurückgebracht. Doch die Gefahr ist noch nicht gebannt. Immer wieder flammen Glutnester auf und der Forst entzündet sich erneut. In der Region Corbière, 400 Kilometer südöstlich, wüteten im August 2025 katastrophale Brände. Ein Jahr danach zieht Winzer Baptiste Cabal Bilanz. Ein Teil seines Weinguts ging in den Flammen verloren, dass einige Reben wieder ausgetrieben sind, macht ihm Hoffnung. In der Nähe betreibt Landwirt Xavier Morvillez eine Viehzucht und eine Käserei. Seit den Bränden konnte er sein Geschäft erweitern: Die Stadt und auch viele Privatleute buchen seine Ziegen und Schafe, damit sie an schwer zugänglichen Orten das trockene Gras fressen und so zum Brandschutz beitragen. Er erzählt, dass die Zahl der Anfragen stark gestiegen sei. Doch reichen Ziegen und Feuerschneisen zur Prävention? Und ist eine wirksame Brandbekämpfung ohne Freiwillige und engagierte Bürgerinnen und Bürger in den feuergefährdeten Regionen Südeuropas überhaupt noch zu leisten? (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Fr. 21.08.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Fr. 28.08.2026 arte Jung, laut, demokratisch in Sachsen-Anhalt
Folge 1714 (30 Min.)Bild: ArteEinige Monate vor der womöglich richtungsentscheidenden Landtagswahl im Herbst in Sachsen-Anhalt: Der AfD-Landesverband, den der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch einstuft, steht in Umfragen nahe an einer absoluten Mehrheit. Der 17-jährige Max mobilisiert auf seinem Kanal „Maximal demokratisch“ auf Social Media für Demokratie, gegen Faschismus und für eine offene, pluralistische Gesellschaft. Als Sohn eines irakischen Vaters und einer deutschen Mutter hat er schon früh gelernt, was Ausgrenzung und Rassismus bedeuten. Der Jura-Student Hannes dokumentiert den politischen Rechtsruck in seiner Heimat und ringt dabei mit seiner eigenen Familiengeschichte, seit es mit seinem AfD-affinen Vater zum Bruch kam.Um sich vor Anfeindungen und Übergriffen auf seinen Videodrehs zu schützen, trainiert er auch Kickboxen. Max’ gute Freundin Alexandra betreibt ein Kosmetikstudio in einer Plattenbausiedlung. Sie hat sich trotz allem bewusst dafür entschieden, in ihrer Heimat zu bleiben – auch wenn sie in ihrem Studio immer wieder mit der gesellschaftlichen Spaltung konfrontiert wird. Drei junge Menschen zwischen Engagement, Alltag und der Frage, welcher Zukunft dieses gesellschaftlich gespaltene Bundesland entgegensieht. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mo. 31.08.2026 arte Ein Dorf und 1 Million Hühner
Folge 1715 (30 Min.)Bild: ArteJedes fünfte Huhn, das in der EU gegessen wird, stammt aus Polen. Das Land ist Europas größter Geflügelproduzent. Konzerne bauen immer mehr Mastanlagen – und stoßen zunehmend auf Widerstand. In Kodeń in Ostpolen steht neben dem Grundstück von Barbara Bil eine Mastanlage für rund eine Million Hühner. Die 19-fache Großmutter wollte den Hof für ihre Großfamilie ausbauen, doch die Pläne wurden durch den Bau der Ställe durchkreuzt. Während einige Dorfbewohner die Investition als Chance für Arbeitsplätze und Entwicklung sieht, sorgen sich Barbara Bil und andere Anwohner. Katarzyna Wujek ist nach vielen Jahren in London in ihre Heimat in der Nähe von Lodz zurückgekehrt, um sich auf dem Land um ihre kranken Eltern zu kümmern.Nun soll auch hier ein großer Stall entstehen. Zusammen mit anderen Anwohnern will sie den Bau des Betriebs in ihrer Nachbarschaft verhindern. Mitstreiter Tomasz Tarnacki befürchtet, Schadstoffe könnten die Asthmaerkrankung seines Sohnes verschlimmern. Strengere Regeln könnten die heimische Produktion gefährden, heißt es aus der Branche. Die Industrie verweist auf Wettbewerbsdruck und internationale Märkte. Nur wer effizient produziere, könne bestehen. Dass es auch andere Wege gibt, zeigt der Kleinbauer Tomasz Jakiel. Seine Hühner wachsen langsamer, mit mehr Platz, frischer Luft und Sonnenlicht. Das Fleisch ist deutlich teurer als im Supermarkt. „Die Konsumenten müssen mit ihrem Portemonnaie über die Produktionsmethoden abstimmen“, sagt er. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere So. 30.08.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Di. 01.09.2026 arte Generation No Kids in Frankreich
Folge 1716 (30 Min.)Lou zapft ein Bier. In Bordeaux betreibt er ein Café. Die Vorstellung, in der heutigen Welt Kinder zu bekommen, ist für ihn auch beängstigend.Bild: Maximal ProductionsEuropas Bevölkerung schrumpft und nach vielen Jahren des dynamischen Zuwachses, sinkt nun auch in Frankreich die Geburtenrate. Eltern zu werden, das scheint kein erstrebenswertes Ziel mehr zu sein. Wir begleiten Yasmine, Lou und Chloé in ihrem Alltag, drei Erwachsene, die sich dafür entschieden haben, keine Kinder zu bekommen. Weil sie frei bleiben wollen oder aus Sorge um die Zukunft dieser Welt. Viele stimmen ihnen zu, andere kritisieren sie für ihre Entscheidung. Drei Wege, die von einer anderen Art erzählen, sein Leben zu gestalten und ohne Familie sein Gleichgewicht zu finden. (Text: arte)Deutsche Streaming-Premiere Di. 01.09.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Mi. 02.09.2026 arte Der Krieg am anderen Ufer
Folge 1717 (29 Min.)Bild: ArteDas Donaudelta, das sich über Rumänien und die Ukraine erstreckt, ist für seine wilde Schönheit bekannt. Mit dem Krieg in der Ukraine ist es zu einem geopolitischen Spannungsfeld geworden. Nur wenige Kilometer entfernt werden ukrainische Häfen bombardiert. Auch auf der rumänischen Seite hat der Konflikt die Wirtschaft, das soziale Gefüge, den Alltag der Menschen und ihre Beziehungen untereinander grundlegend verändert. Für die Bewohner ist das Delta Lebensgrundlage. Rumänische Fischer berichten davon, wie alte Traditionen seit dem Krieg mit Sicherheitsauflagen und den Anforderungen neuer Handelsrouten kollidieren. Die früher kaum befahrene Wasserader ist heute von strategischer Bedeutung: Auf ihr wird ukrainisches Exportgetreide transportiert.Der massive Frachtverkehr hat schwerwiegende Folgen für Mensch und Natur. Auch der Tourismus leidet. Das Delta, mit seiner einzigartigen Artenvielfalt eines der bemerkenswertesten Feuchtgebiete Europas, zog jedes Jahr zahlreiche Naturliebhaber an. Heute brechen die Buchungen ein. Die Nähe zum Krieg hält Besucher fern und schwächt die Wirtschaft, die weitgehend vom Fremdenverkehr abhängt. In der Dokumentation kommen auch die russischstämmigen Lipowaner zu Wort, eine Gemeinschaft orthodoxer Altgläubiger, die seit mehr als drei Jahrhunderten im Delta lebt und für die die aktuelle Lage neue Fragen in Bezug auf Sprache, Traditionen, Geschichte und Zugehörigkeit aufwirft. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Do. 27.08.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Do. 03.09.2026 arte Albanien zwischen Protest und Profit
Folge 1718 (30 Min.)Bild: ArteDer Ornithologe Joni Vorpsi kämpft seit Jahren für den Erhalt des Vjosa-Narta-Deltas. Seit Jared Kushner 2024 seine Pläne veröffentlichte, ist aus dem Naturschützer ein Aktivist geworden. Zwischen den Protesten in Tirana und der Feldarbeit im Delta bleibt ihm kaum noch Zeit für Freunde und Familie. Mit Beginn der sogenannten Flamingo-Revolution wurde er zu einer der prägenden Stimme des Protests. Während die Regierung das Projekt mit neuen Arbeitsplätzen und einer touristischen Aufwertung verteidigt, sieht Joni ein anderes Ziel: den öffentlichen Druck so weit zu erhöhen, dass sich die Investoren aus dem Milliardenprojekt zurückziehen.Fischer und Bootsführer Bashkim Durmishi, bekannt als Kapitän Baçi, sieht in den geplanten Luxusresorts dagegen eine Chance. Weil der Fischfang immer weniger einbringt, bringt er mit seinem Schnellboot Besucher auf die ehemalige Militärinsel Sazan. Von neuen Hotels und Investitionen erhofft er sich mehr Aufträge – und eine Zukunft für seine Kinder in Albanien. Der frühere Lehrer Gentian Moçka beansprucht Grundstücke, die von den Resortplänen betroffen sind. Seit rund 35 Jahren läuft ein Verfahren um die Rückgabe des Landes, das seiner Familie während der kommunistischen Diktatur vom Staat enteignet wurde. Jahrelang pachtete Moçka die Flächen, die zuvor seinem Vater gehört hatten. Weil er dort keine Genehmigung für den Ausbau seines Reitbetriebs erhielt, zog er mit den Pferden an den Rand des Deltas. Die Reportage erzählt von einem Land im touristischen Umbruch – und von der Frage, wer von diesem Wandel profitiert und wer dafür den Preis zahlt. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Fr. 04.09.2026 arte Asyl im Gotteshaus
Folge 1719 (30 Min.)Bild: ArteDer 40-jährige Sahid lebt seit einigen Wochen mit seiner Frau Farzana und den beiden Töchtern Asia und Zainab in der Pfarrwohnung der evangelischen Kirchengemeinde in Burg auf der Ostseeinsel Fehmarn. Das Kirchenasyl schützt die Familie aus Afghanistan vor einer Rückführung nach Polen. Dort hat die Familie die EU das erste Mal betreten. Laut Dublin-Verordnung könnte sie somit nur in Polen um Asyl bitten. Ihr Asylantrag in Deutschland wird erst bearbeitet, wenn die Behörden es nicht schaffen, die Familie innerhalb von sechs Monaten ins Nachbarland zurückzuführen.Die Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche befand, dass ein Leben in Polen für die Familie nicht zumutbar sei, polnische Grenzbeamte hätten Gewalt angewendet. Die Pastorinnen Bettina Axt und Susanne Platzhoff nahmen die Afghanen auf – sorgen für Obdach und Verpflegung, da Geflüchtete im Kirchenasyl keinerlei Sozialleistungen mehr erhalten. Rund zehn Ehrenamtliche organisieren den Alltag der Familie, begleiten sie zur Tafel und lernen mit ihnen Deutsch. Das Gelände der Kirchengemeinde darf die Familie nur in Ausnahmefällen verlassen. Das Kirchenasyl gibt es in Deutschland und Europa seit Jahrhunderten, rechtlich geschützt ist es aber nicht. Jederzeit könnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Pfarrwohnungen, Büros und Gemeindehäuser räumen lassen. Androhungen gibt es wöchentlich und Pfarrerinnen und Pastoren wurden bereits strafrechtlich verfolgt. Das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) ist im Juni 2026 verschärft worden – was bedeuten die neuen Gesetze für das Kirchenasyl? (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Di. 08.09.2026 arte Allein mit 18 – wenn staatliche Fürsorge endet
Folge 1720 (30 Min.)Bild: ArteMal eben die Eltern um Rat fragen, finanzielle Unterstützung bekommen oder die Sicherheit haben, im Notfall nicht allein zu sein – all das bleibt vielen Careleavern vorenthalten. Gerade in Italien leben junge Erwachsene oft noch lange bei ihren Familien, während Careleaver schon früh vollständig auf sich gestellt sind. Entsprechend schwierig ist für viele der Start ins Erwachsenenleben: Wohnraum finden, eine Ausbildung abschließen oder psychische Belastungen bewältigen. Hinzu kommt ein hartnäckiges Stigma. Viele Menschen wissen kaum etwas über das Leben in Heimen oder Pflegefamilien – und begegnen Careleavern mit Vorurteilen oder Misstrauen, etwa als Vermieterinnen und Vermieter oder Arbeitgebende.Die Folgen sind häufig prekäre Lebensverhältnisse, soziale Isolation oder sogar Obdachlosigkeit. Mit dem Verein Agevolando ist in Italien ein europaweit einzigartiges Netzwerk entstanden, in dem Careleaver einander den Rückhalt geben, den sie sonst oft vermissen. Aus der Gemeinschaft wächst auch politisches Engagement. Die 23-jährige Olga besucht ein nationales Netzwerktreffen und erlebt mit, wie aus Zusammenhalt Stärke entsteht. Gleichzeitig arbeitet Vereinsgründer Federico Zullo unermüdlich daran, Careleavern Gehör zu verschaffen – auch auf politischer Ebene. Sein Engagement hat dabei auch persönliche Gründe. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mi. 09.09.2026 arte Giftiger Staub in Serbiens Kupferstadt
Folge 1721 (29 Min.)Bild: ArteLazar Milutinović und Marko Andrejević sind Studierende aus Bor, einer Kleinstadt im Osten Serbiens, die vom Kupferbergbau lebt. Die beiden gehören zur Studierendenbewegung, die seit zwei Jahren gesellschaftlichen Wandel in Serbien vorantreibt. Bor leidet unter den Emissionen des Kupferbergbaus. Kritiker verweisen darauf, dass weiterhin hohe Schwermetallbelastungen gemessen werden: Viele Menschen erkranken an Krebs, die Lebenserwartung ist niedrig. Umweltingenieurin Snežana Šerbula untersuchte die Auswirkungen der Mine auf Bor über ihr gesamtes Berufsleben.Sie ist eine der bekanntesten kritischen Stimmen zum Bergbau in Serbien und hat viele wissenschaftliche Studien zu den Auswirkungen der Schwermetallemissionen auf die Natur und die Gesundheit der Menschen veröffentlicht. In der Reportage berichten Arbeiter, nicht ausreichend über mögliche Langzeitfolgen informiert worden zu sein. Auch aus der Bevölkerung kommt Kritik: Behörden und dem Unternehmen wird mangelnde Transparenz vorgeworfen. Lazar und Marko haben im Ort eine Oppositionsbewegung gegründet, die mehr Kontrolle und strengere Umweltauflagen fordert. Jasna Tomić aus dem Dorf Krivelj in der Nähe von Bor droht wegen der Mine ihre Heimat zu verlieren. Das Dorf, das seit Jahrhunderten von der ethnischen Minderheit der Walachen bewohnt wird, soll der Mine weichen. Viele Nachbarn haben das Dorf bereits verlassen. Auch Jasna ahnt, dass sie ihr Zuhause verlieren wird, und kämpft darum, dass wenigstens die Dorfgemeinschaft als Ganzes eine neue Heimat erhält. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 10.09.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 14.09.2026Nach dem Erdbeben – die Überlebenden von Antakya
Folge 1722 (30 Min.)Bild: ArteDas Erdbeben 2023 war eines der schwersten in der Türkei und forderte mehr als 50.000 Opfer in der Region. Rund 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Präsident Recep Tayyip Erdoğan versprach den Menschen, innerhalb eines Jahres neuen Wohnraum zu schaffen. Schnell wurden provisorisch riesige Containerdörfer errichtet und ein gewaltiges Bauprojekt gestartet. Aus einem Jahr wurden mittlerweile drei Jahre und die Lage ist angespannt: Enge, Überfüllung, fehlende Privatsphäre und eine permanente Unsicherheit führen in den Containerdörfern zu Erschöpfung, Angstzuständen und psychosozialen Problemen. Auch Sevinç, ihr Ehemann und ihre drei Kinder leben in einem der Container. Sie wünschen sich nichts sehnlicher als ein neues Zuhause.Ihnen wurde jetzt endlich eine Wohnung zugelost, doch der Einzug verzögert sich. Nun macht auch noch das Gerücht die Runde, dass die Containerdörfer geräumt werden sollen. Sevinç und ihre Familie sind verzweifelt. Die Menschen in den Containern wünschen sich schnell ein sicheres Dach über dem Kopf. Doch die rasante Transformation der Stadt Antakyas verfolgt die Stadtplanerin Tuğçe Tezer mit großer Skepsis. In der Umgebung der historisch einst bedeutenden Stadt stehen jetzt endlose Reihen von Hochhäusern ohne Infrastruktur. Sie will die Erinnerung an das antike Antakya bewahren und organisiert Touren durch das zerstörte Zentrum und lädt Besucher dazu ein, ihre traumatischen Erinnerungen und Erfahrungen durch das Erdbeben zu teilen. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Fr. 11.09.2026 arte 40 Grad im Schatten – Europas ungleiche Hitze
Folge 1723 (30 Min.)Bild: ArteMehrere Hitzewellen trieben die Temperaturen 2026 auf Rekordwerte. Im Juni war es in Westeuropa so heiß wie nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. 40 Grad im Schatten sind keine Ausnahme mehr. Doch die Hitze trifft nicht alle gleich. Wer in einer schlecht gedämmten Wohnung lebt oder draußen arbeitet, ist ihr besonders ausgeliefert. Die Reportage zeigt, wie Menschen in Paris, Berlin und Wien mit der Hitze leben und wo sie an ihre Grenzen stoßen. In Paris kämpft Klimaschutzreferentin Maïder Olivier von der Fondation pour le Logement des Défavorisés für bessere Dämmung und Außenrollos. Lia Blanchard-Litiques neun Quadratmeter großes Dienstmädchenzimmer unter einem typischen Pariser Zinkdach heizt sich extrem auf. Verdunstungskühler und Kreidepaste sollen helfen.Ihren Antrag, das Dach weiß zu streichen, lehnte die Stadt aus Denkmalschutzgründen ab. In Berlin ist Barbara Breuer mit dem „Hitzebus“ der Berliner Stadtmission unterwegs. Sie verteilt Wasser und Sonnenschutz an Menschen ohne festen Wohnsitz. Pensionistin Elisabeth Rauch besucht in Wien eine der „Coolen Zonen“ des städtischen Hitzeschutzprogramms. In klimatisierten Räumen können Menschen zusammenkommen und kostenlos Wasser trinken. Pflegekraft Anna Salnik versorgt Menschen, die wegen Krankheit nicht mehr selbst aus dem Haus können. Wie können sich Städte auf eine heißere Zukunft einstellen? Und was muss geschehen, damit 40 Grad nicht darüber entscheiden, wer den Sommer gesund übersteht und wer nicht? (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mo. 14.09.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 10.09.2026Ein Hufschmied lindert Tierleid in Rumänien
Folge 1724 (30 Min.)Bild: ArteEin Pferd, das einen Pflug über einen staubigen Acker zieht. Pferde, die auf klapprigen Karren Ernte, Einkäufe oder Menschen transportieren. Was uns wie eine Szene aus einer lang vergangenen Zeit vorkommt, ist im Nordosten Rumäniens heute immer noch Alltag. Dort sind Pferde überlebenswichtig. Viele der rund 250.000 Arbeitspferde leben unter harten Bedingungen. Vor 18 Jahren reiste der deutsche Hufschmied Markus Raabe erstmals dorthin. Was er sah, schockierte ihn: abgemagerte Tiere, offene Wunden, Pferde am Ende ihrer Kräfte.Er gründete die Hilfsorganisation Equiwent. Heute betreibt sie eine Tierklinik, eine mobile Hufklinik, eine Suppenküche, Bildungsprojekte an Schulen und unterstützt notleidende Familien, die ohne fließendes Wasser leben, Kinder, die in bitterer Armut aufwachsen, und ein Waisenheim, welches es ohne Hilfe nicht mehr geben würde. Die Reportage begleitet Raabe und sein Team bei ihrer täglichen Arbeit. Sie fahren von Dorf zu Dorf, versorgen Arbeitspferde, verteilen Medikamente und beraten die Besitzer. Für Raabe gibt es für die Hilfe nur eine Bedingung: Sie unterstützen nur diejenigen, die ihre Tiere gut behandeln. In den Schulen vermitteln die Tierärztinnen Andreea Capmaze und Veronica Moresan von Equiwent, dass Tiere keine Werkzeuge, sondern fühlende Lebewesen sind. Markus Raabe hilft längst nicht mehr nur Tieren. Für ihn gehören Tier- und Menschenschutz untrennbar zusammen. Jeden Tag kämpft er gegen Not, Hoffnungslosigkeit und die Frage, ob seine Hilfe ausreicht. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere So. 13.09.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Di. 15.09.2026 arte Nie wieder Rückenschmerzen!
Folge 1725 (30 Min.)Bild: Arte„Chronischer Rückenschmerz ist nicht nur ein lokales Problem, was man an einem Ort im Rücken hat, sondern Schmerz insgesamt muss man integrativ sehen“, sagt Prof. Heike Rittner vom Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin Würzburg. Auch soziale Faktoren und die Psyche spielen bei Rückenschmerzen eine Rolle. Darauf zielt die Interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie (IMST) ab. Ihre Patienten erhalten auch Angebote wie Aroma- und Maltherapie. Die 14-jährige Rosa Haasjes aus den Niederlanden leidet unter schwerer Skoliose, einer starken Verkrümmung der Wirbelsäule. Um deren Fortschreiten zu stoppen, haben die Ärzte in den Niederlanden empfohlen, ihre Wirbelsäule zu versteifen.Doch Familie Haasjes setzt auf eine neue, innovative Therapie und reist dafür extra nach Deutschland, zu Dr. Per Trobisch vom Wirbelsäulenzentrum in Düren. „Das Ziel ist, die Beweglichkeit erhalten zu können“, sagt er. Rosas Hoffnung: das lästige Korsett, das sie jetzt tragen muss, loswerden und endlich wieder einmal schwimmen gehen. Intensivkrankenpflegerin Katja Herzog aus Berlin hat sich für einen Qigong-Kurs angemeldet. „Wir brauchen unseren Rücken, das ist unser Arbeitsmittel“, sagt sie. Doch Katja Herzog tut nicht nur ihrem eigenen Rücken etwas Gutes. Sie wird das Gelernte an ihre Kollegen im Krankenhaus weitergeben. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mi. 16.09.2026 arte OP im Mutterleib, Hoffnung für Babys
Folge 1726 (30 Min.)Bild: ArteVanessa Langer hatte in der 15. Schwangerschaftswoche einen Blasensprung. Ein Schock. Für ihren Frauenarzt war klar: Ihr Baby wird es nicht schaffen. Ähnlich erging es Dania di Natali, sie bekam mit der Diagnose „Hydrothorax“ gleich auch die Sternenkinder-Mappe in die Hand gedrückt – eine Info-Broschüre für die Eltern verstorbener Babys. Professor Thomas Kohl vom Uniklinikum Mannheim ist rund um die Uhr erreichbar für verzweifelte Paare. Er operiert seit fast 25 Jahren Babys noch im Mutterleib. Babys mit schweren Fehlbildungen: Spina Bifida (Offener Rücken), Wasseransammlungen in Bauch- und Brusthöhle oder Zwerchfellbruch.Kohl hat bestehende OP-Verfahren weiterentwickelt, aber auch völlig neue Wege beschritten. Mit seinen Methoden wird weltweit gearbeitet – Schüler praktizieren in Nachbarländern wie Polen, aber auch im weit entfernten Japan. Für komplexe, minimalinvasive vorgeburtliche Eingriffe steht Thomas Kohl stundenlang im OP, und immer hochkonzentriert. Jede Bewegung erfordert Präzision, jeder kleinste Fehler hätte fatale Auswirkungen auf Mutter und Kind. Doch der Pränatalchirurg versteht sich nicht nur als „Techniker“ – er ist auch zugewandter Berater von Menschen in einer psychischen Ausnahmesituation. Die Community ehemaliger Patientinnen und Patienten ist groß; die Dankbarkeit der allermeisten noch größer. Doch zur Wahrheit gehört auch: nicht alle Kinder schaffen es. Marlons Eltern entschieden sich bewusst für eine palliative Geburt – und sind dankbar für die Chance, ihren Sohn kennengelernt haben zu dürfen. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 17.09.2026 arte Die Schweizer und ihre Bunker
Folge 1727 (30 Min.)Bild: ArteTausende Bunker liegen in den Bergen, unter Chalets und Städten oder wurden tief in den Felsen gehauen: Die Schweiz besitzt die weltweit höchste Dichte an Zivilschutzanlagen. Ein Abwehrsystem, mit welchem das Land der nuklearen Bedrohung begegnete und das heute noch fasziniert, aber auch Fragen aufwirft. Die Reportage durchstreift die eidgenössischen Kantone, um diese verborgenen Bauten zu ergründen, die auch für ein Stück Nationalgeschichte stehen. Hinter den schweren Panzertüren stehen: Passionierte, die alte Bunker restaurieren; Unternehmer, die ihnen als Hotels, Weinkeller, Rechenzentren oder Tresorräume ein zweites Leben schenken; Architekten, die darin Symbole einer Kultur sehen, in der Vorsorge und Schutz an vorderster Stelle stehen, die aber auch eine Nutzung der Bunker in Zeiten des Klimawandels planen.Bei dem Streifzug wird deutlich, dass die Bunker weit mehr sind als militärische Bauten. Sie offenbaren ein außergewöhnliches Sicherheitskonzept, bei dem die Vorwegnahme von Krisen Teil des Gesellschaftsvertrags ist und das jedem Schweizer Bürger einen Platz in einem Schutzraum garantiert. Was erzählen die Bunker über die Schweiz und ihr Verhältnis zur Welt? Welche Einstellung zu Risiko, Staat, Vertrauen und Solidarität verbirgt sich dahinter? Sind sie das Symbol einer wehrhaften Demokratie oder Zeugnisse einer fortwährenden Angst? Angesichts zunehmender Konflikte und geopolitischer Unsicherheiten gewinnen diese Infrastrukturen an Aktualität. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Fr. 11.09.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Fr. 18.09.2026 arte Neues Leben für Italiens Kioske
Folge 1728 (29 Min.)Bild: ArteJeden Morgen vor Sonnenaufgang öffnet Carla Palmisano ihren Zeitungskiosk in Neapel. Seit Generationen lebt ihre Familie von diesem Beruf, auch ihre Schwester betreibt nur wenige Straßen weiter einen eigenen Kiosk. Doch die kleinen Verkaufsstände verschwinden zunehmend aus dem italienischen Stadtbild. Von einst 33.000 sind landesweit nur noch knapp 10.000 übriggeblieben. Ursachen sind die fortschreitende Digitalisierung des Zeitungsmarktes, steigende Miet- und Instandhaltungskosten und fehlender Nachwuchs. Auch Alessandro Ghidini setzt sich für den Erhalt der Kioskkultur ein.Obwohl er ursprünglich als Journalist arbeitete, übernahm er einen Zeitungskiosk in Mailand, um dessen Schließung zu verhindern. Die Anwohner schätzen den Laden als wichtigen Treffpunkt im Viertel. Alessandro weiß, dass ein Kiosk heute mehr bieten muss als den Verkauf von Zeitungen. Inzwischen ist sein Geschäft ein Ort der Begegnung für Schulkinder und Nachbarn geworden. Mit der Feier zum zweijährigen Bestehen möchte er auf die Bedeutung solcher Einrichtungen aufmerksam machen. Dass gedruckte Zeitungen auch im digitalen Zeitalter wichtig bleiben, glaubt man auch in Amatrice. Hier besucht Priester Don regelmäßig gemeinsam mit Jugendlichen den Kiosk von Roberto Serafini, um sie für das Lesen zu begeistern. Bei dem schweren Erdbeben von 2016 verlor Roberto sowohl sein Haus als auch sein Geschäft. Dennoch gelang es ihm, einen neuen Laden zu eröffnen. Heute kämpft er gemeinsam mit anderen Betreibern für den Erhalt der Zeitungskioske in der abgelegenen Region. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mo. 21.09.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 04.09.2026Ein Käse als Streitfall
Folge 1729 (30 Min.)Bild: ArteDer Comté ist aus der französischen Gastronomie nicht wegzudenken. Die Produktion der Käsesorte gilt oftmals als Vorzeigemodell: Familienbetriebe, lokale Verankerung, generationenübergreifendes Know-how. Heute stellt sich jedoch mehr und mehr die Frage, wie diese Erfolgsgeschichte fortgeführt werden kann, ohne dabei die Flusslandschaft im Juragebirge langfristig zu schädigen. Die Reportage beleuchtet aus unterschiedlichen Perspektiven die Folgen der landwirtschaftlichen Praktiken für die Flüsse im Jura. Sie lässt beispielsweise Milchproduzenten zu Wort kommen, die sehr an ihrem Beruf hängen und sich gleichzeitig der ökologischen Folgen bewusst sind.Zwischen wirtschaftlichen Herausforderungen, administrativen Vorgaben und dem Wunsch, zukunftsorientiert zu handeln, versuchen sie ihre Arbeitsweisen zu modernisieren, ohne dabei ihre Identität zu verlieren. Die Realität der Fischer an den Flussufern sieht hingegen anders aus. Seit mehreren Jahren gehen die Fischbestände zurück und das ehemals beispielhafte Ökosystem ist zunehmend belastet. Verschmutzung, starkes Algenwachstum und ein biologisches Ungleichgewicht haben erheblichen Einfluss auf die Zukunft der für die Region bedeutsamen Flussläufe. Landwirte haben sich neue Arbeitsansätze überlegt: weniger Düngemittel, bessere Abwasserbewirtschaftung, Anpassung der Tierhaltungspraktiken, Wiederherstellung natürlicher Lebensräume. Sie sind überzeugt, dass die landwirtschaftliche Produktion und der Umweltschutz Hand in Hand gehen können, und veranschaulichen resilientere Betriebsmodelle. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Di. 15.09.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Di. 22.09.2026 arte
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