2026 (Folge 1685⁠–⁠1708)

  • Folge 1685 (30 Min.)
    Bild: Arte
    „Er ist wieder nicht da“, sagt Andrei Costea. Dabei hatte der Eigentümer des Bauernhofs der Vermessung telefonisch zugestimmt. Frustriert packen die Topographen aus Bukarest ihre Messgeräte wieder ein. Allein die Fahrt in die Banater Berge hat acht Stunden gedauert. Nun stehen sie bereits zum zweiten Mal vor verschlossener Tür. Seit 2014 versucht Rumänien mit EU-Geldern, alle Grundstücke des Landes zu erfassen. Doch das Kataster zählt bis heute zu den unvollständigsten der EU. Besonders in den entlegenen Bergregionen gibt es große Lücken. Hier regeln die Bauern ihren Grundbesitz seit Generationen per Handschlag und ohne Notar. Dass Eigentum heute nur noch mit zentimetergenauen Koordinaten aus Satellitentechnik anerkannt wird, löst Misstrauen aus: „Viele denken, dass wir in irgendeinem politischen Auftrag kämen und ihr Land wegnehmen wollen“, so Topograph Andrei. „Dabei wollen wir doch nur unsere Kataster-Arbeit machen!“. Einer, der beide Welten kennt, ist Luca Cionca. Der 65-Jährige lebt mit seiner Frau Maria in der Bergsiedlung Ineleţ, erreichbar nur durch einen zweistündigen Fußmarsch und über eine steile Leiter. Luca kennt jeden Baum auf seinem 13 Hektar großen Grundstück, doch auf dem Papier existierte sein Besitz lange nicht. „Man hat geerbt und wusste einfach, was einem gehört“, erklärt Luca Cionca, „aber man hatte kein Dokument, keinen Grundbucheintrag“. Ursprünglich wollte Rumänien bereits 2024 ein vollständiges Kataster haben. Auch die neue Frist bis 2027 ist ambitioniert. Den Topographen geht es nicht nur ums Vermessen, sondern auch ums Vertrauen der Bauern. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 20.05.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Fr. 22.05.2026 arte
  • Folge 1686 (30 Min.)
    Die Gastronomen Benedetta Ragusa und Toni Rinnone essen zufällig bei Verwandten zu Mittag, als ein gewaltiger Erdrutsch ihr Wohnhaus am Stadtrand von Niscemi in die Tiefe reißt. Tagelange Regenfälle hatten den Untergrund aufgeweicht und schließlich brach die Erde ohne Vorwarnung auf einer Länge von circa vier Kilometern weg. Jetzt bedroht der Abgrund weitere Teile des historischen Zentrums. Auch die beiden Gaststätten von Benedetta und Toni liegen in der von den Behörden errichteten Sperrzone. Die beiden konnten ein paar Einrichtungsgegenstände retten – aber ob die Häuser stehen bleiben, ist ungewiss. „Unser Herz ist für immer gebrochen“, sagt Toni. „Jetzt müssen wir bei null anfangen und wissen nicht, was dabei herauskommt.“ Für viele Bewohner ist die Katastrophe eine Wiederholung der Ereignisse: Bereits 1997 gab es am Stadtrand einen kleineren Erdrutsch. Maria Campione musste auch damals ihr Haus verlassen, durfte nach ein paar Tagen aber wieder zurück. Doch diese Hoffnung gibt es dieses Mal nicht. Ihr Haus steht zu nah am Abhang. „Es wird abgerissen“, sagt Tochter Ivanka. „Es wird nichts mehr da sein, nur noch Luft.“ Maria Campione bleiben nur ihre Erinnerungen und eine Wut auf die Behörden. „Nach 1997 wurde nichts getan“, sagt sie. „Dieser Erdrutsch hätte verhindert werden können“. Damals wurden Millionen Euro für Sicherungsmaßnahmen bereitgestellt, die jedoch nur teilweise umgesetzt wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen Politiker und Bauunternehmer. Der Vorwurf: Sie hätten von der Gefahr gewusst, aber nichts unternommen. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mi. 27.05.2026 arte
  • Folge 1687 (30 Min.)
    Mimmo de Leonibus und Valeria Genco sind Urban Explorer. Sie spüren überall in Italien längst vergessene Palazzi, Kirchen und Landhäuser auf. Was folgt, ist mehr als eine abenteuerlustige Erkundungstour: Die beiden packen selbst an, um die alten Gemäuer vor dem endgültigen Verfall zu bewahren. Sie sind zwei von rund 100 Mitgliedern des Vereins Ascosi Lasciti – dem verborgenen Vermächtnis Italiens auf der Spur. So auch in der Altstadt von Bari. Hinter einer unscheinbaren Tür entdecken die Ehrenamtlichen eine Sensation – eine mittelalterliche Kirche, die seit 70 Jahren vergessen im Dornröschenschlaf ruhte. Während der Restaurierung, die sie ohne Unterstützung der Behörden organisieren, wird ihnen klar, dass die Kapelle viel älter ist als gedacht und einen einzigartigen Blick in die Geschichte Baris ermöglicht. Selbst in der Touristenmetropole Rom ist das architektonische Erbe in Gefahr. Einst prachtvolle Wohnsitze wie die Villa Silvestri Rivaldi oder Teile der Aurelianischen Mauer, Schutzwall des antiken Roms, sind bislang dem Verfall preisgegeben. Das ruft Flavia Corsano von Italia Nostra auf den Plan. Seit 1955 setzen sich Denkmalschützer ehrenamtlich für den Erhalt historischer Bauwerke im Land ein. Sie dokumentieren, publizieren und informieren Behörden. Oft gegen Widerstände, immer wieder mit Erfolg. 2022 startete die Stadt Rom gemeinsam mit dem Tourismusministerium das Projekt Caput Mundi. Rund 500 Millionen Euro sollen in den Erhalt historischer und archäologischer Stätten fließen. Im Kampf gegen den Zahn der Zeit kaum mehr als ein Tropfen auf den brüchigen Stein. Kann Italiens einzigartiges Erbe gerettet werden? (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Di. 02.06.2026 arte
  • Folge 1688 (30 Min.)
    In den Niederlanden kann man schon seit 20 Jahren anonym eine seiner beiden Nieren spenden. Auch in einigen anderen europäischen Ländern, wie in Großbritannien oder Frankreich, ist das inzwischen möglich. Damit setzt man eine Kettenreaktion an Lebend-Transplantationen in Gang: So bekommt der 49-jährige schwer kranke Roy Rodgers in Rotterdam die Niere eines fremden lebenden Spenders. Seine gesunde Mutter hat sich dazu verpflichtet, ihrerseits am selben Tag anonym eine Niere zu spenden, um so einem anderen Kranken zu helfen. Dieses Überkreuz-Transplantationsprogramm ermöglicht Lebendspenden auch dann, wenn zwischen Ehepaaren und nahen Verwandten eine Spende aufgrund von Gewebeunverträglichkeit nicht in Frage kommt. So war es auch bei Roy Rodgers und seiner Mutter. Am selben Tag werden drei weitere Paare in zwei verschiedenen Kliniken im Ringtausch transplantiert. Ausgelöst werden diese Überkreuz-Spenden häufig durch freiwillige anonyme Nierenspenden. So hat der 72-jährige ehemalige Hausarzt Alex van der Male seine Niere aus reiner Nächstenliebe gespendet. Dass er auf diese Art einem anderen Menschen ein neues Leben schenken konnte, macht ihn glücklich. Deutschland hat mit die strengsten Transplantationsgesetze in ganz Europa. Hier sterben mehr Menschen auf der Warteliste als anderswo. Bisher waren Nieren-Lebendspenden nur zwischen Verwandten und Ehepaaren erlaubt. Jetzt soll das Transplantationsgesetz nach niederländischem Vorbild geändert werden und Überkreuz-Lebendspenden unter Fremden sowie anonyme Lebendspenden aus Nächstenliebe legal werden. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mi. 03.06.2026 arte
  • Folge 1689 (30 Min.)
    Für Christos Tripkos in der nordgriechischen Region Almopia geht es bereits Ende Februar richtig los, wenn die Spargel-Saison in Deutschland noch nicht begonnen hat. Die klimatischen Bedingungen machen es möglich. Der Chef der hiesigen Spargel-Kooperative ist eigentlich Elektroingenieur. Nach den schweren Jahren der Finanzkrise half er Landwirten aus der Region, neue Anbaumöglichkeiten zu finden. Angelockt vom schnellen Geld mit weißem Spargel kam auch Jungbauer Vaggelis Mizoglou nach dem Studium zurück in sein Heimatdorf und will nun eine Familie gründen. Dank der Spargeleinnahmen konnte er außerdem ein Café eröffnen. Nicht nur der frühe Saisonstart ist ein Vorteil für die Griechen: Ihre Kosten sind auch viel niedriger, deshalb ist der griechische Spargel nur halb so teuer wie der deutsche. So hat sich Griechenland in den letzten Jahren zu einem wichtigen Produzenten entwickelt, obwohl die Griechen selbst so gut wie keinen Spargel essen. Der Spargelbauer Stefan Schneider aus dem badischen Iffezheim dagegen fürchtet um seine Zukunft. Nicht nur die südeuropäische Konkurrenz, auch die steigenden Lohnkosten und der zunehmende Mangel an Erntehelfern machen ihm zu schaffen. 30 Prozent der Spargelanbaufläche sind in den vergangenen Jahren in seiner Region verloren gegangen, jeder zweite Spargelbauer hat aufgegeben. Der 63-Jährige setzt auf Direktverkauf und hofft auf eine KI-gesteuerte Erntemaschine eines jungen Start-ups. Aber ist der erste Prototyp für die Ernte von grünem Spargel schon tauglich für die Feldarbeit? (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Fr. 05.06.2026 arte
  • Folge 1690 (30 Min.)
    Im ländlichen Rumänien gelten Pferde immer noch als wichtiges Arbeitsmittel, denn moderne Maschinen sind teuer und die Dieselpreise hoch. Als günstige, vielseitige Alternative ziehen die Vierbeiner in der rumänischen Landwirtschaft noch vielerorts Pflüge, Karren oder auch Holzstämme aus dem Wald. Eigentlich eine gute Entwicklung für Zoltan Moldovan, Pferdehändler in dritter Generation. Gäbe es nicht ein Problem: In Rumänien ist der Handel mit lebenden Tieren auf Märkten stark reglementiert. Denn von diesen Aktionen breiteten sich in der Vergangenheit immer wieder Seuchen wie die Infektiöse Anämie aus. Infizierte Pferde gelangten zum Teil in das benachbarte Ausland und mussten dort eingeschläfert werden, um eine Ausbreitung zu verhindern. Die traditionellen Pferdemärkte mussten schließen. Für neue Märkte erteilen die Behörden praktisch keine Genehmigungen mehr. Ein schwerer Schlag für die Pferdehändler – Zoltan muss jetzt einen Teil seines Einkommens als Saisonarbeiter in Deutschland verdienen. Doch ganz wollen sich Zoltan und seine Kollegen das Geschäft mit den Rössern nicht nehmen lassen. Auf sogenannten „Pferdeausstellungen“, auf denen die Pferde offiziell nur gezeigt und nicht verkauft werden sollen, wird der Handel vielfach geduldet. Zoltan träumt davon, in seiner transsilvanischen Heimatstadt Praid wieder einen richtigen Pferdemarkt zu etablieren, als wirtschaftlichen Impuls und sozialen Treffpunkt. Doch die bürokratischen Hürden bleiben hoch. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Di. 09.06.2026 arte
  • Folge 1691 (30 Min.)
    Schon in wenigen Jahren könnte es zu einem Angriff Russlands auf Nato- und EU-Gebiet kommen, befürchten Politikerinnen und Politiker. Gleichzeitig wird das Verteidigungsbündnis mit den USA in Frage gestellt. Europa versucht deshalb, seine Verteidigungsfähigkeiten so schnell wie möglich zu stärken. Die Bundeswehr soll innerhalb weniger Jahre zur konventionell stärksten Armee Europas ausgebaut werden. Bis 2035 soll die Truppe von derzeit 186.000 auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten anwachsen. Dafür wirbt die Bundeswehr massiv um Nachwuchs, unter anderem mit einwöchigen Schnupperangeboten für Jugendliche und junge Erwachsene, in denen diese eine Art Grundausbildung im Zeitraffer erleben. In Frankreich ist die Armee traditionell tief in der Gesellschaft verankert. Jugendprogramme gibt es landesweit, viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wechseln später in eine militärische Ausbildung. 2026 startet zudem ein neuer Freiwilligendienst der Armee, der innerhalb von zehn Jahren auf 50.000 Männer und Frauen anwachsen soll. Lettland, das direkt an Russland grenzt, geht noch weiter: Das Land hat den Wehrdienst wiedereingeführt – und das Schulpflichtfach „Landesverteidigung“. Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klassen lernen dort den Umgang mit der Waffe, absolvieren Schießtraining und üben Navigation. Nicht alle unterstützen diesen Kurs, doch viele Jugendliche finden: Es ist gut, vorbereitet zu sein. Für die junge Generation in Europa steht wieder die Frage im Raum, wie weit sie bereit ist, ihr Land im Ernstfall mit der Waffe zu verteidigen. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mi. 10.06.2026 arte
  • Folge 1692 (30 Min.)
    Seit einigen Jahren erlebt der Nachtzug eine leise Renaissance. Zwischen Ost und West entsteht ein Netz, geprägt von Idealismus, wirtschaftlichem Risiko und wachsendem Druck, klimaschonender zu reisen. Michal Jaros (29), ein junger Steward aus Prag, schaute schon als Kind sehnsüchtig den Zügen hinterher. Inzwischen arbeitet er für das tschechische Bahn-Unternehmen ČD Night und fährt regelmäßig mit dem Nachtzug Canopus von Prag nach Zürich. ČD Night arbeitet in Kooperation mit der Deutschen Bahn, die 2016 alle ihre Nachtzüge als unrentabel abgestoßen hat. Michal und seine Kollegen blicken mit Idealismus in ihrem Glauben in die Zukunft der Nachtzüge. „Prag ist ein Knotenpunkt zwischen Ost und West“, sagt er begeistert. „Unsere Züge verbinden Europa – das macht diesen Job so spannend“. Gegen Abend erwacht der Bahnhof zum Leben: Nachtzüge rollen in alle Richtungen – nach Österreich, in die Ukraine, nach Polen und Richtung Norden nach Deutschland. Aber die unterschiedlichen nationalen Regelungen und die Verspätungen durch die Baustellen der Deutschen Bahn machen ihnen sehr zu schaffen. Europa brauche ein vereintes Netz an Nachtzugverbindungen und keinen Flickenteppich, meint Bernhard Knierim vom Bahnnetzwerk Back on Track. Er organisiert eine Pyjamademo in Berlin, bei der Menschen in Schlafanzügen mehr Schlafwagen und bezahlbare Nachtzugverbindungen fordern. Das Besondere an der Demo: Sie findet auf 20 Bahnhöfen in ganz Europa gleichzeitig statt. Ein Symbol! Auch in Malmö, Paris, Stockholm oder Lissabon fordern Menschen, dass Reisemöglichkeiten auf der Schiene ausbaut werden. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Sa. 13.06.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Mo. 15.06.2026 arte
  • Folge 1693 (30 Min.)
    Jaroslaw Hocko startet eine Drohne mit Wärmebildkamera im Mai 2026 beim Brand im Böhmischen Nationalpark
    Forciert durch den Klimawandel geraten Nationalparks in Europa unter Druck. Längere Trockenperioden, steigende Temperaturen und immer heftigere Waldbrände verschärfen einen grundlegenden Konflikt: Schützen Nationalparks die Natur – oder gefährden sie auch die Menschen, die in und mit ihr leben? Die Reportage führt in das deutsch-tschechische Grenzgebiet. Dort spitzt sich der Konflikt in den benachbarten Nationalparks Sächsische und Böhmische Schweiz zu. Im tschechischen Grenzort Mezná trifft „Re:“ das Ehepaar Hrdlička, dessen Haus 2022 durch einen großen Waldbrand zerstört wurde. Verlust, Angst und Wut prägen ihren Blick auf den Nationalpark. Für sie ist klar: Zu wenig Brandvorsorge und große Mengen abgestorbenen Holzes haben das Feuer begünstigt. Dem gegenüber steht der Auftrag der Nationalparks, die Natur weitgehend sich selbst zu überlassen – bei gleichzeitiger Verantwortung für die Sicherheit der Menschen. Die Waldbrandexperten der Nationalparks, Louis Georgi und Jaroslav Hocko, arbeiten grenzüberschreitend zusammen. Sie entwickeln Strategien zur Früherkennung und Bekämpfung von Bränden, koordinieren Einsatzwege und setzen zunehmend auf Drohnen. Zwischen diesen Positionen stehen Ranger wie Frank Strohbach, die Tiere und Pflanzen schützen, Besucher sensibilisieren und Brandrisiken minimieren. Kritiker wie der Kartograph Rolf Böhm fordern hingegen mehr Eingriffe. Doch wie belastbar sind diese Strategien? Als im Frühjahr 2026 erneut ein Brand im Nationalpark Böhmische Schweiz ausbricht, steht Brandschützer Jaroslav Hocko mit seinem Team vor der nächsten Bewährungsprobe. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere So. 14.06.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Di. 16.06.2026 arte
    Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 16.06.2026
  • Folge 1694 (30 Min.)
    Laurent Raimondo, ein Restaurantbesitzer im südfranzösischen Menton, ist einer dieser Menschen, die das Recht in ihre eigenen Hände nehmen: Nach wiederholten Sachbeschädigungen und Anzeigen, die keinerlei Wirkung zeigten, gründete er die Initiative „Sauberes Menton“. Er vertrieb junge Leute, die seine Einrichtung beschädigten, mit dem Stock. Das Video der Prügel-Aktion stellte er ins Internet, dort feiern ihn viele als einen „gerechten Rächer“. Allerdings droht ihm noch immer die Strafverfolgung wegen dieses Aktes der Selbstjustiz. Ein anderer Mann, dessen Gerichtsverhandlung mit seinem Einverständnis anonymisiert gefilmt werden durfte, stach auf seinen Nachbarn ein, der ihn über Monate mit Ruhestörung belästigte. Ein anderer junger Mann bereut seine Tat: Er wollte den Tod seines kleinen Bruders rächen und schoss deshalb auf einen Familienangehörigen des Täters. Nach seiner Haft versucht er nun, die Menschen darüber aufzuklären, dass solche Akte von Selbstjustiz nur zerstörerisch wirken und auf dem Friedhof oder im Gefängnis enden. Die Justizbehörden in Frankreich sind alarmiert durch die Zunahme der Selbstjustiz, die durch die Reden von rechtspopulistischen und rechtsextremen Politikern gefördert werden. Sie gefährden die Demokratie: Was bleibt von der Rechtsstaatlichkeit noch übrig, wenn Bürger aufhören, an die Gerechtigkeit zu glauben, und deshalb nach Vergeltung trachten? (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Di. 16.06.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Mi. 17.06.2026 arte
  • Folge 1695 (30 Min.)
    Gianluca Ricci ist ein typischer Serparo, wie man in Cocullo einen Schlangenfänger nennt. Wie man die scheuen Tiere aufspürt, hat er von seinem Vater gelernt. Tagelang kraxelt der 19-Jährige durch die Abruzzen und stöbert die Tiere unter Felsen auf. Ohne Serparo wie Gianluca würde es das legendäre Schlangenfest nicht geben. Er trägt die Tiere, sämtlich ungiftige Nattern, nach Hause, wo er sie in Säcken bis zum Fest aufbewahrt. Was fasziniert den jungen Mann an den Reptilien, vor denen sich die meisten Menschen fürchten? Ohne das Schlangenfest wäre Cocullo längst in Vergessenheit geraten. Von einst mehr als 1.000 Einwohnern sind nur noch knapp 250 übrig. Auch Gianluca wird die Gegend schon bald verlassen, um in Rom bei den Carabinieri zu arbeiten. Wenigstens denkt er darüber nach, eines Tages als Forstpolizist zurückzukehren. Bürgermeister Sandro Chiocchio ist sich der Bedeutung des alten Brauchs für den Ort bewusst: Am 1. Mai explodiert die Zahl der Besucher. Zwischen 10.000 und 20.000 Touristen und Pilger aus aller Welt strömen durch die engen Gassen des Ortes. Hotels und Pensionen sind ausgebucht. Doch bedeutet der Brauch nicht auch Stress für die Schlangen? Bevor sie auf die Statue des heiligen Dominikus gelegt werden, wird jede von Tierarzt Jairo Mendoza untersucht. Kranke Tiere werden behandelt und wieder ausgesetzt, gesunde Schlangen nach der Prozession. Den Kriechtieren scheint das nicht zu schaden. Da jede Schlange mit einem Chip versehen wird, weiß man, dass einige schon mehrmals beim Schlangenfest von Cocullo dabei waren. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Do. 18.06.2026 arte
  • Folge 1696 (30 Min.)
    Mit dem Sommer beginnt in vielen europäischen Städten das Leben draußen auf den Terrassen und Straßen, vor den Bars und Restaurants. Mit den Massen kommt der Lärm, und die wenigsten kümmern sich um Nachtruhe. Hier sind die Städte gefordert, die dafür sorgen müssen, dass sowohl die Gastronomie als auch die Anwohner weiter miteinander auskommen. Am Brüsseler Platz in Köln schwelt seit Jahren ein Konflikt zwischen Anwohnern und Gastwirten. Seit 2013 klagen Menschen, die am Brüsseler Platz wohnen, gegen die Lärmbelästigung vor ihrer Haustür. Mit Erfolg! Seit Anfang 2026 dürfen Besucher am Platz zwischen 21 und 6 Uhr keinen Alkohol mehr konsumieren, die Außengastronomie muss spätestens um 22 Uhr schließen. Jeden Abend sorgt ein Ordnungstrupp für Ruhe und Ordnung. Doch nun fühlen sich die Gastronomen benachteiligt. Die Gastwirte befürchten, dass das quirlige Viertel durch die strengen Regeln seinen Charme und seine Anziehungskraft verlieren könnte. In Paris haben die Stadtviertel frühzeitig das Konfliktpotenzial entdeckt. Paris ist für sein Nachtleben bekannt. Um auch den Anwohnern gerecht zu werden, hat man eine besondere Institution ins Leben gerufen: die „pierrots de la nuit“, Nachtclowns. Deren Aufgabe ist es, zwischen Anwohnern, Bar- und Restaurantbesitzern und den Feiernden zu vermitteln. Dazu besuchen die Pierrots Gastronomen und Anwohner. Und wenn es Nacht wird in Paris, treten die Pierrots als Clowns auf und versuchen, auf spielerische Art den Lärm zu reduzieren. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Fr. 19.06.2026 arte
  • Folge 1697 (30 Min.)
    Am 28. Februar 2023 stoßen im Tempi-Tal in Mittelgriechenland ein Personenzug und ein Güterzug frontal zusammen. Ein verheerendes Feuer bricht aus, dessen Ursache bis heute ungeklärt ist. 57 Menschen sterben. Es ist das schwerste Zugunglück in der Geschichte Griechenlands. Panos Routsis verliert an dem Tag seinen 22-jährigen Sohn Denis. Er vermutet, dass der Güterzug Gefahrgut transportierte. Panos fordert eine Exhumierung seines Sohnes und hofft, die Analyse der Überreste bringt Klarheit. Als die Behörden dies ablehnen, tritt er in einen öffentlichen Hungerstreik. Seither ist er zum Gesicht der sogenannten Tempi-Bewegung geworden, die lückenlose Aufklärung fordert. Auch Katarina will verstehen, wie es zu der Katastrophe kam. Sie war im Zug und hat das Unglück überlebt. Die Angehörigen und Überlebenden haben das Gefühl, dass die Ursachen vertuscht werden sollen. Ungereimtheiten werden bekannt: So soll die Unfallstelle bereits nach wenigen Tagen ohne gründliche Spurensicherung geräumt worden sein. Investigativjournalistin Eurydice Bersi recherchiert zu dem Fall und stößt auf eine Mauer des Schweigens. Der Verdacht steht im Raum, dass EU-Subventionen zur Modernisierung des Bahnsystems veruntreut wurden. Im Februar 2025 entlädt sich die Wut der Bevölkerung über die verschleppten Ermittlungen auf der Straße. Der Ministerpräsident übersteht nur knapp ein Misstrauensvotum wegen Vertuschungsverdacht. Die Reportage begleitet die Protagonisten in den Tagen rund um den Prozessauftakt, der die Schuldfrage klären soll. Doch schon der erste Gerichtstag endet im Chaos. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mo. 22.06.2026 arte
  • Folge 1698 (30 Min.)
    In vielen ländlichen Regionen Frankreichs wird medizinische Versorgung zur Herausforderung: Hausärztinnen und -ärzte gehen in den Ruhestand, Praxen schließen und die nächste Anlaufstelle ist oft weit entfernt. Um diese Lücken zu schließen, entstehen ungewöhnliche Kooperationen. Der Postbote Mourad ist seit Jahrzehnten in Voiron im Département Isère unterwegs und genießt das Vertrauen seiner Kunden. Seit Neuestem verabredet er sich mit den älteren unter ihnen auch zu einem kleinen Gesundheitscheck. Dabei stellt er ihnen Fragen zum Gedächtnis und zur Stimmung, testet das Hörvermögen und die Beweglichkeit. Die Ergebnisse werden an das Universitätskrankenhaus in Grenoble weitergeleitet und dort analysiert. Falls es Auffälligkeiten gibt, werden die Personen dort weiter betreut. Drei Tage die Woche ist auch eine mobile Arztpraxis in der Region unterwegs. Das maßgeschneiderte Fahrzeug macht Halt in abgelegenen Gemeinden, die vom Ärztemangel betroffen sind. Hier bietet der pensionierte Allgemeinmediziner Yves mit seinen Kollegen täglich bis zu zehn Sprechstunden an. In kurzer Zeit muss er sich dort ein Bild von Patientinnen und Patienten machen, die oft lange ohne medizinische Betreuung waren und deren Krankheitsgeschichte er noch nicht kennt. Wie früher in seiner eigenen Praxis ist das Spektrum der Krankheiten groß, und manchmal kann seine Behandlung Leben retten. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Di. 23.06.2026 arte
  • Folge 1699 (30 Min.)
    Tilman Rumland entwickelte die Sicherheits-App „Safe Now“ – ausgelöst durch ein persönliches Erlebnis: Seine damalige Freundin wurde in einem Club Opfer eines Übergriffs und konnte keine Hilfe holen. „Ich war fassungslos. Und dachte: Dafür muss es im 21. Jahrhundert doch eine Lösung geben.“ Seine Antwort: ein Alarm-System, das per Smartphone ausgelöst wird. Über eine App wird das Sicherheitspersonal alarmiert- inklusive präziser Ortung, auch ohne Mobilfunknetz. Doch Technik allein reicht nicht. Das Berliner Unternehmen „think SI3“ will Konflikte lösen, bevor sie eskalieren – durch Präsenz, Kommunikation und Vertrauen – kurz Awareness. Im Berliner Mauerpark und am Bahnhof Zoo ist Varvara Borodkina mit ihrem Team im Einsatz, um zu vermitteln und Übergriffe zu verhindern. Um das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum nachhaltig zu verbessern, setzt Wien auf geschlechts-sensible Stadtplanung. Angsträume umgestalten – oder gleich anders zu planen – das ist das Ziel der Architektursoziologin Julia Girardi Hoog. Mit ihrem „Gender Planning Netzwerk“ baut sie bedrohlich wirkende Plätze um zu freundlichen, gut beleuchteten, einladenden Orten. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mi. 24.06.2026 arte
  • Folge 1700 (29 Min.)
    Die Reportage erzählt von einer Region in Sachsen-Anhalt, in der sich verdichtet, was vielerorts in Europa zu beobachten ist: Ländliche Räume geraten unter Druck. Finanzierungsmodelle wirken aus der Zeit gefallen, Förderprogramme verlieren sich in Bürokratie und Überkontrolle. Zwischen Kommunen, Kreis, Land und Bund wird Verantwortung weitergereicht – während vor Ort die Herausforderungen wachsen. Die Probleme sind strukturell. Genau hier setzt der Beitrag an. Er blickt nicht abstrakt auf Politik, sondern dorthin, wo Demokratie im Alltag erfahrbar wird: in Rathäusern, Kreistagen, Notaufnahmen und Wartezimmern. Der Altmarkkreis Salzwedel wird so zum Beispiel für eine Krise von unten – und für die Frage, was passiert, wenn staatliche Handlungsfähigkeit vor Ort schwindet. Im Zentrum stehen zwei Frauen, die sich diesem Zustand nicht ergeben. Mandy Schumacher ist seit 2015 Bürgermeisterin der Hansestadt Gardelegen. Sie gilt als pragmatisch, durchsetzungsstark und nah an den Menschen. Doch auch sie stößt zunehmend an Grenzen: steigende Kosten, neue Aufgaben, leere Kassen, wachsende Erwartungen. Aber aufgeben liegt nicht in ihrer DNA. Alke Seibt kam einst aus Berlin nach Salzwedel und wollte zunächst sofort wieder abreisen. Sie blieb. Heute ist sie Betriebsratsvorsitzende des Altmarkklinikums und arbeitet an Wochenenden und Feiertagen weiterhin als Krankenschwester in der Notaufnahme. „Damit ich den Blick für die Arbeit der Kollegen nicht verliere“, sagt sie. Während die Klinik ums Überleben kämpft, erlebt sie täglich, was Versorgungslücken für Patienten und Personal bedeuten. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Di. 23.06.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Do. 25.06.2026 arte
  • Folge 1701 (30 Min.)
    Flutura Onuzi arbeitet in einer Schuhfabrik bei Durrës. Wie viele Beschäftigte der albanischen Textil- und Schuhindustrie verdient sie den gesetzlichen Mindestlohn von rund 515 Euro brutto – und arbeitet dafür bis zu 50 Stunden pro Woche. Für Flutura reicht dieses Einkommen kaum zum Leben. Die Branche beschäftigt überwiegend Frauen und zählt zu den wichtigsten Exportzweigen des Landes. Hoher Zeitdruck und körperlich belastende Arbeit prägen ihren Alltag. Vielen Arbeiterinnen ohne höheren Schulabschluss bleibt jedoch keine Wahl, als jede Beschäftigung anzunehmen, um ihre Familien zu versorgen. Fluturas Tochter Ferdez Onuzi engagiert sich für Arbeitnehmerrechte. Die Aktivistin versucht, eine unabhängige Gewerkschaft in der Bekleidungsindustrie aufzubauen. Vor Fabriktoren spricht sie Arbeiterinnen an und organisiert Treffen. Viele Frauen berichten von unbezahlten Überstunden, mangelndem Arbeitsschutz oder fehlender sozialer Absicherung. Nur wenige sind bereit, öffentlich über ihre Situation zu sprechen, da die Angst vor dem Jobverlust groß ist. In einer Bekleidungsfabrik nahe Tirana arbeitet Produktionsmanager Elidon Avrami. Der Betrieb produziert für europäische Auftraggeber. Avrami verweist auf den internationalen Wettbewerbsdruck. Die Preise würden von den Auftraggebern bestimmt, während die Fabriken vor Ort um jeden einzelnen Auftrag kämpfen müssten. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Fr. 26.06.2026 arte
  • Folge 1702 (30 Min.)
    Campingplatzbetreiber Holger Frenzel (li.) sucht das persönliche Gespräch mit seinen Gästen.
    Familie Maaß hat ihr altes Leben hinter sich gelassen und alles auf eine Karte gesetzt: den eigenen Campingplatz. Dafür haben Anne, Michael und ihre Söhne Thore und Noah das Eigenheim in Hannover verkauft und einen Kredit aufgenommen, obwohl sie über keinerlei Erfahrung in der Campingbranche verfügen. Die „Campingoase Eider“ in Schleswig-Holstein ist einer von mehr als 3000 Campingplätzen in Deutschland. Die Maaßens haben den Platz vergangene Saison übernommen und müssen ihn komplett modernisieren, größtenteils während des laufenden Betriebs. Investitionskosten: rund eine Million Euro. Doch die erste Saison verlief enttäuschend. Nach Unwettern versanken Teile des Platzes im Schlamm, die Gäste blieben weg. „Trotzdem haben wir so viel gearbeitet, dass wir abends nur noch müde ins Bett gefallen sind“, berichtet Anne Maaß. Angst vor schlechtem Wetter und ausbleibenden Gästen kennt Holger Frenzel nicht. Der 65-jährige Oldenburger betreibt mit seinen Söhnen Kai und Tim erfolgreich das „Autocamp Nordsee“ an der kroatischen Adria – und zwar schon seit 1998. Holger sah in Kroatien Ende der 1990er Jahre eine Chance, kündigte seinen Job als Ergotherapeut und startete ebenfalls als Quereinsteiger. Sein Erfolgsgeheimnis: voller Einsatz, rund um die Uhr, und auf die richtige Zielgruppe setzen. Heute kommen rund 90 Prozent seiner Gäste aus Deutschland. 2025 wurden EU-weit 413 Millionen Camping-Übernachtungen gezählt. Doch das Geschäft ist kein Selbstläufer: finanzieller Druck, Instandhaltungsarbeiten, der Kontakt zu den Gästen. Neustart auf dem Campingplatz – Traum oder Albtraum? (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mo. 29.06.2026 arte
  • Folge 1703 (30 Min.)
    Reshit und Zyra Gjata sind seit 15 Jahren gezwungen, in Isolation zu leben. Sie büßen für den Mord ihres Sohnes. So will es das uralte Gesetz des Kanun.
    In Nordalbanien wirkt ein jahrhundertealtes Gewohnheitsrecht bis heute nach: der Kanun. Nach seinen Regeln endet die Schuld für einen Mord nicht mit einer Gefängnisstrafe. Oft geraten ganze Familien in einen Kreislauf aus Angst, Vergeltung und sozialer Isolation. Die Reportage begleitet den Vermittler Dede Shullani, der seit Jahren versucht, verfeindete Familien zu versöhnen. Sein aktueller Fall reicht 15 Jahre zurück: Nach einem tödlichen Streit stehen sich zwei Familien unversöhnlich gegenüber. Während die Eltern des Täters abgeschottet leben und um das Leben ihrer Söhne fürchten, lehnt die Witwe des Opfers eine Versöhnung bislang ab. Auch Schwester Christina begegnet den Folgen der Blutrache täglich. In ihrer Mission in Shkodra unterstützt sie Frauen, Kinder und Familien, die unter den Auswirkungen der Blutfehden leiden. Gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen hilft sie Menschen, die oft kaum noch Hoffnung auf ein normales Leben haben. Der Beitrag zeigt, wie tief die Tradition der Blutrache in manchen Regionen Albaniens bis heute verwurzelt ist. Er erzählt von Menschen, die zwischen alten Regeln und modernem Rechtsstaat gefangen sind, von Angst und Einsamkeit – aber auch von jenen, die sich für Versöhnung und ein Ende der Gewalt einsetzen. Dabei wird deutlich, wie schwer es ist, jahrhundertealte Vorstellungen von Ehre und Vergeltung zu überwinden – und wie wichtig diejenigen sind, die dem Hass mit Menschlichkeit begegnen. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Di. 30.06.2026 arte
  • Folge 1704 (30 Min.)
    Dimitris Esel ist das Maskottchen des Dorfes – das Tier entkam den Flammen nur knapp.
    „Innerhalb einer Stunde ist mein Haus komplett abgebrannt. Nichts ist übriggeblieben, noch nicht einmal ein Foto. Nichts.“, erzählt Kaiti Kiladity weinend. Der Großbrand im Norden von Chios hat nicht nur 70 Quadratkilometer Land zerstört, sondern für Kaiti auch 30 Jahre Erinnerungen. Sie war aus Liebe zum Ort Volissós und den umliegenden Dörfern in die abgelegene Region gezogen und will trotz der Katastrophe bleiben. Auch der Landwirt Dimitris Mallas versucht wieder Fuß zu fassen, obwohl das Feuer seine gesamte Existenz vernichtet hat und Entschädigungen auf sich warten lassen. „Ich habe viele Jahre gebraucht, um all diese Maschinen anzuschaffen. Ich glaube nicht, dass sie den Schaden bezahlen. Eigentlich sollte ich meinen Beruf wechseln und von hier wegziehen. Aber ich gebe nicht auf.“ Die Menschen in dieser ländlichen, strukturschwachen Region sind es gewohnt, dass der Staat sie kaum unterstützt. Sie haben schon immer versucht, sich selbst zu helfen, so auch dieses Mal. Gemeinsam mit Freiwilligengruppen pflanzen sie neue Bäume und versuchen, die Gegend vor Abwanderung zu bewahren. Werden sie es schaffen, nach den Feuern wieder auf die Füße zu kommen, und wie lang ist dieser Weg? (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Mi. 01.07.2026 arte
  • Folge 1705 (30 Min.)
    Eine aktive Rolle in der Entwicklung Montenegros spielen sowohl deutsche Montenegro-Auswanderer als auch Rückkehrer. Kein Wunder: Montenegro lockt nicht nur mit Naturschönheiten, es ist auch ein Steuerparadies mit Einkommenssteuersätzen zwischen neun und 15 Prozent! Der deutsche Michael Bader kam erstmals 2005 nach Montenegro – für einen Kurzurlaub. Es gefiel ihm so gut, dass er sich eine Ferienwohnung kaufte. Seit 2007 lebt er ganz in Montenegro und hat sich dort ein Business aufgebaut – mit Ferienwohnungen und der Begleitung von Auswanderern zu Behörden und Notaren. Einige Deutsche haben Grundstücke illegal erworben, ohne es zu wissen. Nun hoffen sie auf nachträgliche Legalisierung und suchen seinen Rat. Größere Probleme bereiten in Montenegro diverse Großinvestoren – vor allem aus den Emiraten und der Türkei. Sie sicherten sich nach der Unabhängigkeit im Jahr 2006 sogleich die schönsten Hot-Spots, meist große Hotelanlagen. Bei den Einheimischen stieß dies nicht nur auf Gegenliebe. Ganz anders: das „wooden village“. Marko Mugošas kleines Familienunternehmen verfügt nur über sieben Blockhütten. Es liegt in nächster Nähe zum Skutarisee, einem landschaftlichen Highlight im Hinterland. Seine Frau und sein Bruder unterstützen ihn bei der Arbeit auf dem Areal, seine Mutter kocht für die Gäste im Restaurant. Da die Saison aber nur circa vier Monate dauert, muss sich Marko den Rest des Jahres mit anderen Jobs über Wasser halten. Der Tourismus ist Fluch und Segen zugleich. Die Architektin Zenepa Lipka ist 2008 nach über fünfundzwanzig Jahren in Deutschland auf den Balkan zurückgekehrt, weil sie hoffte, hier ihre Kompetenz für nachhaltiges Bauen besser einbringen zu können. So setzt sie sich unter anderem für den Erhalt des Vogelschutzgebietes auf der Saline von Ulcinj ein. „Die atemberaubende Natur ist ein Grund, warum ich zurückgekehrt bin – und ich habe gehofft, von innen heraus etwas ändern zu können“. Doch mittlerweile ist sie ernüchtert: „Montenegro ist ein ökologischer Staat, so steht es zwar in der Verfassung, aber das gilt“ – so ihre Einschätzung – „nur auf dem Papier!“. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Do. 02.07.2026 arte
  • Folge 1706 (30 Min.)
    János Tóth beim Fischen auf dem Theiß-Fluss. Er gilt als einer der besten Angelgewässer Ungarns.
    „Ich weiß nicht, ob es Hoffnung gibt“, sagt Fischer János Tóth resigniert. Obwohl Viktor Orbáns Regierung 2014 die kommerzielle Fischerei in Ungarn verboten hat und János seinen Beruf an der Theiß seitdem nur noch sehr eingeschränkt ausüben kann, verliert er kein gutes Wort über den Machtwechsel in Ungarn. Auch seine Frau Judit fragt, was hat das alte System denn falsch gemacht. Sie betreibt die Dorf-Kneipe in Tiszadorogma, nach wie vor eine Hochburg von Orbáns Fidesz-Partei. Ganz anders ihre Enkelin Martina. Sie schöpft erstmals Hoffnung. Die 21-jährige Anglistikstudentin ist unter Orbán aufgewachsen und war fest entschlossen, ihre Heimat bei der erstbesten Gelegenheit zu verlassen – gegen den Willen ihres Großvaters. Doch seit Péter Magyars Wahlsieg im April will sie sehen, ob in Ungarn ein politischer und gesellschaftlicher Neuanfang tatsächlich möglich ist. Wenn ja, will sie bleiben. 16 Jahre Fidesz-Herrschaft haben an der ungarischen Theiß sowohl Landschaft als auch Lebensentwürfe geprägt. Nun prallen Enttäuschung und Aufbruch, Misstrauen und Hoffnung unmittelbar aufeinander. Während die Älteren an den Glaubenssätzen der Vergangenheit festhalten, ringt die junge Generation um die Chance auf ein anderes Ungarn. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 01.07.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Fr. 03.07.2026 arte
  • Folge 1707 (30 Min.)
    In München hat die Friseur-Auszubildende Nihi eine eigene K-Pop-Tanzgruppe gegründet. Um bekannter zu werden, messen sich Nihi und ihre Gruppe in den sozialen Medien und bei Wettbewerben.
    Dieser Sommer steht im Zeichen des K-Pop, denn mit BTS ist eine der bekanntesten-K-Pop-Bands zurück. Für Fans war K-Pop aber nie weg: In München hat die Friseur-Auszubildene Nhi eine eigene K-Pop-Tanzgruppe gegründet. Aufwändige Choreografien folgen strengen Regeln: Wer dazugehören will, muss sich in Castings beweisen. Um bekannter zu werden, messen sich Nhi und ihre Gruppe auf Social Media und bei Wettbewerben. Der nächste Contest steht an, doch noch wichtiger als der Sieg ist für Nhi die Leidenschaft: sie will ihren Idolen nahekommen, indem sie die Tänze perfektioniert. David hat K-Pop schon als Kind entdeckt, als er im ländlichen Bayern aufgewachsen ist. Die androgynen Idole prägen früh sein Verständnis von Männlichkeit. Koreanischer Pop inspiriert ihn und heute lebt er seinen eigenen Stil, inklusive Make-up und Crossdressing. Doch er musste sich auch vom K-Pop emanzipieren. Denn der progressive Look der Szene steht im Kontrast mit einer Industrie, die Queerness kaum zulässt. Für die Ultra-Fans Nathalie und Joana wird ein Traum wahr: Sie werden BTS live in Madrid sehen. Wochenlang planen sie Outfits und Reise – alles muss perfekt sein. Für Nathalie bedeutet K-Pop mehr als Musik: Nach dem Tod ihres Bruders gibt er ihr Halt. Ihr BTS-Idol Jung Kook ist für sie wie ein Ersatzbruder. Re: taucht in die K-Pop-Fanszene ein – und erlebt Leidenschaft, Gemeinschaft, aber auch die Schattenseiten dieser glitzernden Welt. Denn Teil der Fandom zu sein, wird schnell teuer. Nicht nur die Konzerttickets, sondern auch Merch, Kleidung und der dazugehörige Lifestyle belasten den Geldbeutel junger Fans. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Fr. 10.07.2026 arte
  • Folge 1708 (30 Min.)
    Besonders trainierte Hunde schaffen etwas, das die Wissenschaft bis heute für unmöglich hält: Sie erschnüffeln Ertrunkene, sogar in tiefen Gewässern. So grenzen sie das Suchgebiet der Polizei ein. Das spart wertvolle Zeit. Dem ehrenamtlichen Hundeführer Kai Einfeldt vom Verein Technische Hundestaffel ist es eine Herzensangelegenheit, Angehörigen Gewissheit zu verschaffen. Manchmal erfordert es endlose Detektivarbeit, um die Identität eines aufgefundenen Toten zu klären. Der Genealoge Eryk Jan Grzeszkowiak aus Edinburgh hilft der Polizei in seiner Freizeit, Cold Cases zu knacken. Der Dozent erstellt einen Stammbaum des unbekannten Toten und kommt dessen Identität über Verwandte immer näher. Der kanadische IT-Experte Robert Sell verfolgt Spuren, die Vermisste im World Wide Web hinterlassen haben. Mit der Schwarmintelligenz gehen die Hacker legal verfügbaren Daten nach, die die gesuchte Person womöglich beim Posten und Liken in sozialen Medien hinterlassen hat. „Polizeibehörden haben oft nicht die Ressourcen, diese Art der Ermittlungen durchzuführen“, so Robert Sell. Finden Robert und seine Hacker neue Indizien, die die Polizei weiter verfolgen kann? (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Fr. 24.07.2026 arte
    Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 29.05.2026

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