2026 (Folge 1676–1695)
Der Bergsturz von Blatten – Neuanfang aus dem Nichts
Folge 1676 (30 Min.)
Das Dorf Blatten im Wallis wurde bei einem Bergsturz von Millionen Tonnen Gestein begraben.Bild: SWRWas bedeutet es innerhalb weniger Minuten alles zu verlieren? Wie gehen Menschen damit um? Wie kann man den Verlust überwinden? Wie umgehen mit einer Familiengeschichte, die ohne materielle Erinnerungsstücke auskommen muss? Das Hotel von Esther Bellwald ist zerstört. Biolandwirt Dani Ritler ist ebenfalls schwer vom Bergsturz von Blatten betroffen. Doch Aufgeben ist keine Option. Dani Ritler und seine Frau Karin wollen im Nachbarort Ferden einen Neuanfang wagen. Ihr Ziel ist es, ein neues Hotel zu eröffnen – einen Ort, der Hoffnung und Zusammenhalt symbolisiert. Doch zwischen Bauplänen, Bürokratie und der Frage nach der Finanzierung wird der Traum zur Zerreißprobe.Auch Esther Bellwald und ihr Mann Laurent Hubert wollen im Lötschental bleiben. In Blatten führten sie mit dem „Nest und Bietschhorn“ das älteste Hotel im Tal in vierter Generation. Nun soll auf der Lauchernalp ein temporäres Hotel entstehen – eine provisorische Heimat für Gäste und ein Neuanfang für das Team. Der Weg dorthin ist geprägt von Unsicherheit, aber auch von erstaunlicher Willenskraft und Gemeinschaftssinn. Die Reportage begleitet die beiden Geschichten über Monate hinweg und zeigt, was es heißt, in den Bergen nicht nur Häuser wieder aufzubauen, sondern auch Hoffnung. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 30.04.2026 arte Schattenarbeit in Holland
Folge 1677 (30 Min.)Janet (Name geändert) lebt seit mehr als 17 Jahren ohne Aufenthaltstitel in den Niederlanden. Gemeinsam mit ihrem Mann zieht sie drei Kinder groß, die zwar im Land geboren wurden, aber ebenfalls ohne gesicherten Status leben.Bild: eco documentariesAnna kam als Au-pair von den Philippinen in die Niederlande und hat das Land seitdem nicht mehr verlassen. Sie ist undokumentiert, arbeitet aber trotzdem. Sie putzt, sechs Tage die Woche, drei Haushalte an einem Tag. Aus Angst vor einer Abschiebung will Anna unerkannt bleiben. Ihr Sohn ist in den Niederlanden geboren, einen Status hat er dadurch trotzdem nicht, ihm droht das Schicksal seiner Eltern – ein Leben im Verborgenen. Auch Marion kommt von den Philippinen. Mehr als zehn Jahre hat sie ohne Dokumente in Hotels, Küchen und Haushalten Amsterdams gearbeitet – und auch Ausbeutung erlebt.Für ihr Leben in den Niederlanden hat Marion ihre drei Kinder bei den Großeltern gelassen. Marion hat ihre Kinder finanziell unterstützt, ihnen eine gute Ausbildung ermöglicht – ihre Kindheit konnte sie nur aus der Ferne erleben. Inzwischen besitzt Marion eine Aufenthaltserlaubnis und ist Mitglied der Gewerkschaft FNV, die die Rechte der undokumentierten Arbeitskräfte stärken will. Zu oft hat sie erlebt, dass Familien von heute auf morgen alles verlieren und nach Jahren in den Niederlanden zurückkehren müssen. Viele philippinische Migrantinnen und Migranten arbeiten in Privathaushalten, in der Kinderbetreuung oder in der Gastronomie. Sie werden bar bezahlt, haben keinen Arbeitsvertrag und keine soziale Absicherung. Im Alltag versuchen sie, nicht aufzufallen, auch deswegen bleiben sie unter sich. Der Arzt Tom Matthews versucht, ihnen zu helfen: Er bietet kostenlose Sprechstunden für die Undokumentierten und Unversicherten an – aus Angst suchen sie meist erst spät medizinische Hilfe. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Di. 05.05.2026 arte Kinderarmut in Spanien
Folge 1678 (30 Min.)Bild: ArteTrotz seiner aktuell guten wirtschaftlichen Lage hält Spanien einen unrühmlichen Rekord: Es ist das europäische Land mit der höchsten Zahl an armen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In den letzten 20 Jahren hat sich ihre Zahl fast verdoppelt. Ein Drittel der spanischen Jugendlichen lebt in Armut. In Barcelona, Sevilla oder Cádiz wollen Schülerinnen, Schüler, Studierende und junge Berufstätige im Alter von neun bis 21 Jahren endlich raus aus der Armut. Die Gründe für ihre Armut ähneln sich: Einige kommen aus bildungsfernen armen Familien, andere sind Kinder von Alleinerziehenden, manche haben Schwierigkeiten, sich in die sich rapide wandelnden wirtschaftlichen Verhältnisse zu integrieren. Da die Politik wenig Ambitionen zu zeigen scheint diesem Trend etwas entgegenzusetzen, bleibt vielen jungen Menschen nur ein Weg: Sie müssen versuchen sich selbst aus der Armut zu befreien. (Text: arte)Deutsche Streaming-Premiere Di. 05.05.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Mi. 06.05.2026 arte Frankreichs Hirten: Gemeinsam für mehr Rechte
Folge 1679 (29 Min.)Bild: ArteGwladys und Margot hüten in diesem Jahr 800 Schafe von fünf verschiedenen Züchtern in den französischen Alpen. Zwischen Juni und Oktober ist ihre Arbeit intensiv und gefährlich, denn die Herde ist durch Wölfe bedroht. Die beiden sind rund um die Uhr für das Wohl der Tiere verantwortlich. Arbeitsschutz oder geregelte und fair bezahlte Arbeitszeiten stehen dabei hinten an. Gerade als Frauen geraten sie manchmal in heikle Situationen. Immer wieder kommt es bei Hirtinnen zu sexueller und sexualisierter Gewalt im Job – teils auch durch Arbeitgeber.Lange Zeit standen sie damit allein da. Benoît will die Arbeitsbedingungen für Hirtinnen und Hirten verbessern. Er hütet in den Pyrenäen Kühe und knüpft nebenbei ein Netzwerk unter den Hirtinnen und Hirten. Benoît kritisiert, dass viele Züchter ihre Verantwortung nicht wahrnehmen, die Unterkünfte verkommen lassen und die Schuld auf die Gemeinden schieben. Deshalb nimmt er an Gesprächen in Paris teil und drängt bei der Bauerngewerkschaft Fnsea auf den Abschluss eines Tarifvertrags – mit verbindlichen Zusagen für mehr finanzielle Sicherheit, strengere Vorgaben an die Bauern zur Qualität der Unterbringung und für faire Bezahlung. Aber können sich die Hirten damit durchsetzen? Ihre Situation wird im Sommer 2025 nicht leichter. Ein ausgebrannter Schäfer nimmt sich wegen prekärer Arbeitsbedingungen das Leben – ein anderer wird während der Arbeit vom Blitz getroffen und stirbt. Gwladys und Margot haben zwar Glück, sie kommen diesmal ohne große Zwischenfälle durch die Saison. Doch ihre Zukunft bleibt ungewiss. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 07.05.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 25.02.2026Mein Leben im Retro-Stil
Folge 1680 (30 Min.)Bild: ArteRetro ist längst mehr als eine Mode – es ist für einige Menschen ein Lebenskonzept. So wie für Hebe (27) und Henk (34), die in Antwerpen leben. In ihrem Alltag dreht sich alles um 20er und 30er Jahre. Kleidung, Möbel, Musik und viele Gebrauchsgegenstände stammen aus vergangenen Zeiten. Sie sehen es als Möglichkeit, Geschichte hautnah zu erleben und ihr Leben zu entschleunigen. Dabei bleiben Hebe und Henk aber sehr pragmatisch: Sie schätzen moderne Technik ebenso wie die Freiheiten der heutigen Gesellschaft. Auch Sébastian (55) aus Lyon hat seine Leidenschaft für frühere Jahrzehnte zum Lebenskonzept gemacht.Mit seiner Frau Lesley organisiert er in Chamrousse in den französischen Alpen das Vintage-Event „Alpine Classique“, bei dem Retro-Fans aus ganz Europa zusammenkommen. In einer Zeit, die ihnen nicht sehr vielversprechend erscheint, ist die Flucht in die Vergangenheit eine Art Ventil für sie. Höhepunkt ist jedes Jahr das Fest in den Alpen. Zwischen Holzskiern, Oldtimern und Vintage-Kleidung entsteht dort eine eigene nostalgische Welt. Die niederländische Musikerin Floor (30) lebt den Retro-Gedanken über die Musik der 60er und 70er Jahre. Ihre Eltern sind beide Musiker und sie ist mit dem Sound der 60er und 70er Jahre aufgewachsen. Schon als Teenager hat sie angefangen, Schallplatten und Kleidung aus dieser Zeit zu sammeln. Floor ist ein Fan von Musikern wie Bob Dylan und David Bowie, von denen sie sich inspirieren lässt. Nun geht sie auf Tour. Was alle verbindet, ist der Wunsch, für einen Moment auszusteigen aus einer komplexen, oft überfordernden Gegenwart. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Mi. 06.05.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Fr. 08.05.2026 arte Frauenrechte in Lettland bedroht
Folge 1681 (30 Min.)Eine Debatte über die Rechte der Frauen polarisiert die lettische Gesellschaft. Nachdem das Parlament für den Ausstieg aus der Istanbuler Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt gestimmt hatte, gingen Zehntausende auf die Straße. Die Demonstrierenden forderten die Regierung auf, nicht aus dem Vertrag auszusteigen und verlangten einen besseren Schutz vor häuslicher Gewalt. Im Mittelpunkt der Reportage steht Nikola, die Opfer von häuslicher Gewalt wurde. Während sie auf der Straße für ihre Rechte demonstrierte, stimmte ihr eigener Bruder, der Abgeordneter war, für Einschränkungen. Ganz anders sieht das eine konservative Familie, die der Istanbul-Konvention ablehnend gegenübersteht. Die Eltern von fünf Kindern, die auf dem Land in Lettland leben, befürchten, dass einige Bestimmungen des Textes die traditionelle Familie und die Nation selbst bedrohen könnten. (Text: arte)Deutsche TV-Premiere Mo. 11.05.2026 arte Frauen der Gitans ringen um Freiheit
Folge 1682 (30 Min.)Bild: ArteIn Frankreich zählen sich fast 350.000 Menschen zu den Gitans, vor allem im Süden des Landes, in Richtung Spanien. Sie bewahren bis heute ihre Traditionen mit strengen Regeln: In vielen Familien werden junge Mädchen noch immer früh verheiratet. Sie werden Mütter, noch bevor sie ihr Leben in ihre eigenen Hände nehmen können. Sie wachsen auf unter dem ständigen Blick der Gruppe. Die Ehre des Vaters und der Ruf der Familie ist heilig. Doch auch bei ihnen formiert sich eine neue Generation von Frauen: Sie wollen mehr Schulbildung, sie haben neue Vorbilder, sie stellen die alten Normen in Frage und definieren ihren Platz im Leben neu. Viele wollen nicht mit ihrer Kultur brechen, gleichzeitig aber eine andere Zukunft für Mädchen und Frauen erfinden. (Text: arte)Deutsche Streaming-Premiere Do. 14.05.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Fr. 15.05.2026 arte Spaniens Boom dank Einwanderung
Folge 1683 (30 Min.)Bild: ArteDeutsche TV-Premiere Mo. 18.05.2026 arte Heimat Venezuela, Exil Madrid
Folge 1684 (30 Min.)Bild: ArteLuis Mata ist erst vor wenigen Wochen in Madrid angekommen. In seiner Heimat Venezuela wurde der 24-Jährige politisch verfolgt, verhaftet und misshandelt. Insgesamt saß er ein Jahr in einigen der berüchtigten Haftanstalten Venezuelas. Schließlich floh er – über Brasilien nach Spanien. Jetzt beginnt für ihn ein neues Leben im Exil. Luis hat PR und Jura studiert, doch in Madrid muss er bei null anfangen. Er lebt zunächst in einem vom Roten Kreuz bezahlten Hotel am Stadtrand, bekommt 56 Euro im Monat staatliche Unterstützung.Allein das Ticket für die U-Bahn kostet schon 36 Euro. Luis sucht dringend Arbeit und eine eigene Wohnung. Unterstützung erhofft er sich von seiner Mutter, die schon vor Jahren nach Spanien geflohen ist. Doch auch sie lebt von wenig. Gleichzeitig hat Luis eine Mission: Er will weiter für die Demokratie in Venezuela kämpfen. Er schließt sich einer Exil-NGO an, trifft andere Venezolaner in Bars und auf Märkten. Über Videoanrufe bleibt er mit Freunden in der Heimat verbunden. Auch Yasmina Hera lebt erst seit einem Jahr in Madrid. Die 52-jährige ehemalige Journalistin kam mit ihrem Mann und zwei erwachsenen Söhnen. Heute arbeitet sie in einem Lager, befristet und schlecht bezahlt. Immerhin: Gerade hat sie für ihre Familie eine neue, bezahlbare Wohnung gefunden. In Spanien leben rund 400.000 Venezolaner im Exil, allein 200.000 von ihnen in Madrid. Sie alle stehen vor derselben Herausforderung: ein neues Leben beginnen – und gleichzeitig die Hoffnung auf eine Rückkehr nicht ganz aufgeben. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 21.05.2026 arte Rumänien, das unvermessene Land
Folge 1685 (30 Min.)Bild: Arte„Er ist wieder nicht da“, sagt Andrei Costea. Dabei hatte der Eigentümer des Bauernhofs der Vermessung telefonisch zugestimmt. Frustriert packen die Topographen aus Bukarest ihre Messgeräte wieder ein. Allein die Fahrt in die Banater Berge hat acht Stunden gedauert. Nun stehen sie bereits zum zweiten Mal vor verschlossener Tür. Seit 2014 versucht Rumänien mit EU-Geldern, alle Grundstücke des Landes zu erfassen. Doch das Kataster zählt bis heute zu den unvollständigsten der EU. Besonders in den entlegenen Bergregionen gibt es große Lücken.Hier regeln die Bauern ihren Grundbesitz seit Generationen per Handschlag und ohne Notar. Dass Eigentum heute nur noch mit zentimetergenauen Koordinaten aus Satellitentechnik anerkannt wird, löst Misstrauen aus: „Viele denken, dass wir in irgendeinem politischen Auftrag kämen und ihr Land wegnehmen wollen“, so Topograph Andrei. „Dabei wollen wir doch nur unsere Kataster-Arbeit machen!“. Einer, der beide Welten kennt, ist Luca Cionca. Der 65-Jährige lebt mit seiner Frau Maria in der Bergsiedlung Ineleţ, erreichbar nur durch einen zweistündigen Fußmarsch und über eine steile Leiter. Luca kennt jeden Baum auf seinem 13 Hektar großen Grundstück, doch auf dem Papier existierte sein Besitz lange nicht. „Man hat geerbt und wusste einfach, was einem gehört“, erklärt Luca Cionca, „aber man hatte kein Dokument, keinen Grundbucheintrag“. Ursprünglich wollte Rumänien bereits 2024 ein vollständiges Kataster haben. Auch die neue Frist bis 2027 ist ambitioniert. Den Topographen geht es nicht nur ums Vermessen, sondern auch ums Vertrauen der Bauern. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Mi. 20.05.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Fr. 22.05.2026 arte Sizilien: Eine Stadt am Abgrund
Folge 1686 (30 Min.)Die Gastronomen Benedetta Ragusa und Toni Rinnone essen zufällig bei Verwandten zu Mittag, als ein gewaltiger Erdrutsch ihr Wohnhaus am Stadtrand von Niscemi in die Tiefe reißt. Tagelange Regenfälle hatten den Untergrund aufgeweicht und schließlich brach die Erde ohne Vorwarnung auf einer Länge von circa vier Kilometern weg. Jetzt bedroht der Abgrund weitere Teile des historischen Zentrums. Auch die beiden Gaststätten von Benedetta und Toni liegen in der von den Behörden errichteten Sperrzone. Die beiden konnten ein paar Einrichtungsgegenstände retten – aber ob die Häuser stehen bleiben, ist ungewiss.„Unser Herz ist für immer gebrochen“, sagt Toni. „Jetzt müssen wir bei null anfangen und wissen nicht, was dabei herauskommt.“ Für viele Bewohner ist die Katastrophe eine Wiederholung der Ereignisse: Bereits 1997 gab es am Stadtrand einen kleineren Erdrutsch. Maria Campione musste auch damals ihr Haus verlassen, durfte nach ein paar Tagen aber wieder zurück. Doch diese Hoffnung gibt es dieses Mal nicht. Ihr Haus steht zu nah am Abhang. „Es wird abgerissen“, sagt Tochter Ivanka. „Es wird nichts mehr da sein, nur noch Luft.“ Maria Campione bleiben nur ihre Erinnerungen und eine Wut auf die Behörden. „Nach 1997 wurde nichts getan“, sagt sie. „Dieser Erdrutsch hätte verhindert werden können“. Damals wurden Millionen Euro für Sicherungsmaßnahmen bereitgestellt, die jedoch nur teilweise umgesetzt wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen Politiker und Bauunternehmer. Der Vorwurf: Sie hätten von der Gefahr gewusst, aber nichts unternommen. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mi. 27.05.2026 arte Italiens bröckelndes Erbe
Folge 1687 (30 Min.)Mimmo de Leonibus und Valeria Genco sind Urban Explorer. Sie spüren überall in Italien längst vergessene Palazzi, Kirchen und Landhäuser auf. Was folgt, ist mehr als eine abenteuerlustige Erkundungstour: Die beiden packen selbst an, um die alten Gemäuer vor dem endgültigen Verfall zu bewahren. Sie sind zwei von rund 100 Mitgliedern des Vereins Ascosi Lasciti – dem verborgenen Vermächtnis Italiens auf der Spur. So auch in der Altstadt von Bari. Hinter einer unscheinbaren Tür entdecken die Ehrenamtlichen eine Sensation – eine mittelalterliche Kirche, die seit 70 Jahren vergessen im Dornröschenschlaf ruhte.Während der Restaurierung, die sie ohne Unterstützung der Behörden organisieren, wird ihnen klar, dass die Kapelle viel älter ist als gedacht und einen einzigartigen Blick in die Geschichte Baris ermöglicht. Selbst in der Touristenmetropole Rom ist das architektonische Erbe in Gefahr. Einst prachtvolle Wohnsitze wie die Villa Silvestri Rivaldi oder Teile der Aurelianischen Mauer, Schutzwall des antiken Roms, sind bislang dem Verfall preisgegeben. Das ruft Flavia Corsano von Italia Nostra auf den Plan. Seit 1955 setzen sich Denkmalschützer ehrenamtlich für den Erhalt historischer Bauwerke im Land ein. Sie dokumentieren, publizieren und informieren Behörden. Oft gegen Widerstände, immer wieder mit Erfolg. 2022 startete die Stadt Rom gemeinsam mit dem Tourismusministerium das Projekt Caput Mundi. Rund 500 Millionen Euro sollen in den Erhalt historischer und archäologischer Stätten fließen. Im Kampf gegen den Zahn der Zeit kaum mehr als ein Tropfen auf den brüchigen Stein. Kann Italiens einzigartiges Erbe gerettet werden? (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Di. 02.06.2026 arte Meine Niere für einen Fremden
Folge 1688 (30 Min.)In den Niederlanden kann man schon seit 20 Jahren anonym eine seiner beiden Nieren spenden. Auch in einigen anderen europäischen Ländern, wie in Großbritannien oder Frankreich, ist das inzwischen möglich. Damit setzt man eine Kettenreaktion an Lebend-Transplantationen in Gang: So bekommt der 49-jährige schwer kranke Roy Rodgers in Rotterdam die Niere eines fremden lebenden Spenders. Seine gesunde Mutter hat sich dazu verpflichtet, ihrerseits am selben Tag anonym eine Niere zu spenden, um so einem anderen Kranken zu helfen.Dieses Überkreuz-Transplantationsprogramm ermöglicht Lebendspenden auch dann, wenn zwischen Ehepaaren und nahen Verwandten eine Spende aufgrund von Gewebeunverträglichkeit nicht in Frage kommt. So war es auch bei Roy Rodgers und seiner Mutter. Am selben Tag werden drei weitere Paare in zwei verschiedenen Kliniken im Ringtausch transplantiert. Ausgelöst werden diese Überkreuz-Spenden häufig durch freiwillige anonyme Nierenspenden. So hat der 72-jährige ehemalige Hausarzt Alex van der Male seine Niere aus reiner Nächstenliebe gespendet. Dass er auf diese Art einem anderen Menschen ein neues Leben schenken konnte, macht ihn glücklich. Deutschland hat mit die strengsten Transplantationsgesetze in ganz Europa. Hier sterben mehr Menschen auf der Warteliste als anderswo. Bisher waren Nieren-Lebendspenden nur zwischen Verwandten und Ehepaaren erlaubt. Jetzt soll das Transplantationsgesetz nach niederländischem Vorbild geändert werden und Überkreuz-Lebendspenden unter Fremden sowie anonyme Lebendspenden aus Nächstenliebe legal werden. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mi. 03.06.2026 arte Billiger Spargel aus Griechenland
Folge 1689 (30 Min.)Für Christos Tripkos in der nordgriechischen Region Almopia geht es bereits Ende Februar richtig los, wenn die Spargel-Saison in Deutschland noch nicht begonnen hat. Die klimatischen Bedingungen machen es möglich. Der Chef der hiesigen Spargel-Kooperative ist eigentlich Elektroingenieur. Nach den schweren Jahren der Finanzkrise half er Landwirten aus der Region, neue Anbaumöglichkeiten zu finden. Angelockt vom schnellen Geld mit weißem Spargel kam auch Jungbauer Vaggelis Mizoglou nach dem Studium zurück in sein Heimatdorf und will nun eine Familie gründen.Dank der Spargeleinnahmen konnte er außerdem ein Café eröffnen. Nicht nur der frühe Saisonstart ist ein Vorteil für die Griechen: Ihre Kosten sind auch viel niedriger, deshalb ist der griechische Spargel nur halb so teuer wie der deutsche. So hat sich Griechenland in den letzten Jahren zu einem wichtigen Produzenten entwickelt, obwohl die Griechen selbst so gut wie keinen Spargel essen. Der Spargelbauer Stefan Schneider aus dem badischen Iffezheim dagegen fürchtet um seine Zukunft. Nicht nur die südeuropäische Konkurrenz, auch die steigenden Lohnkosten und der zunehmende Mangel an Erntehelfern machen ihm zu schaffen. 30 Prozent der Spargelanbaufläche sind in den vergangenen Jahren in seiner Region verloren gegangen, jeder zweite Spargelbauer hat aufgegeben. Der 63-Jährige setzt auf Direktverkauf und hofft auf eine KI-gesteuerte Erntemaschine eines jungen Start-ups. Aber ist der erste Prototyp für die Ernte von grünem Spargel schon tauglich für die Feldarbeit? (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Fr. 05.06.2026 arte Rumäniens umstrittene Pferdemärkte
Folge 1690 (30 Min.)Im ländlichen Rumänien gelten Pferde immer noch als wichtiges Arbeitsmittel, denn moderne Maschinen sind teuer und die Dieselpreise hoch. Als günstige, vielseitige Alternative ziehen die Vierbeiner in der rumänischen Landwirtschaft noch vielerorts Pflüge, Karren oder auch Holzstämme aus dem Wald. Eigentlich eine gute Entwicklung für Zoltan Moldovan, Pferdehändler in dritter Generation. Gäbe es nicht ein Problem: In Rumänien ist der Handel mit lebenden Tieren auf Märkten stark reglementiert. Denn von diesen Aktionen breiteten sich in der Vergangenheit immer wieder Seuchen wie die Infektiöse Anämie aus. Infizierte Pferde gelangten zum Teil in das benachbarte Ausland und mussten dort eingeschläfert werden, um eine Ausbreitung zu verhindern.Die traditionellen Pferdemärkte mussten schließen. Für neue Märkte erteilen die Behörden praktisch keine Genehmigungen mehr. Ein schwerer Schlag für die Pferdehändler – Zoltan muss jetzt einen Teil seines Einkommens als Saisonarbeiter in Deutschland verdienen. Doch ganz wollen sich Zoltan und seine Kollegen das Geschäft mit den Rössern nicht nehmen lassen. Auf sogenannten „Pferdeausstellungen“, auf denen die Pferde offiziell nur gezeigt und nicht verkauft werden sollen, wird der Handel vielfach geduldet. Zoltan träumt davon, in seiner transsilvanischen Heimatstadt Praid wieder einen richtigen Pferdemarkt zu etablieren, als wirtschaftlichen Impuls und sozialen Treffpunkt. Doch die bürokratischen Hürden bleiben hoch. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Di. 09.06.2026 arte Wie Europas Armeen um Nachwuchs kämpfen
Folge 1691 (30 Min.)Schon in wenigen Jahren könnte es zu einem Angriff Russlands auf Nato- und EU-Gebiet kommen, befürchten Politikerinnen und Politiker. Gleichzeitig wird das Verteidigungsbündnis mit den USA in Frage gestellt. Europa versucht deshalb, seine Verteidigungsfähigkeiten so schnell wie möglich zu stärken. Die Bundeswehr soll innerhalb weniger Jahre zur konventionell stärksten Armee Europas ausgebaut werden. Bis 2035 soll die Truppe von derzeit 186.000 auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten anwachsen. Dafür wirbt die Bundeswehr massiv um Nachwuchs, unter anderem mit einwöchigen Schnupperangeboten für Jugendliche und junge Erwachsene, in denen diese eine Art Grundausbildung im Zeitraffer erleben.In Frankreich ist die Armee traditionell tief in der Gesellschaft verankert. Jugendprogramme gibt es landesweit, viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wechseln später in eine militärische Ausbildung. 2026 startet zudem ein neuer Freiwilligendienst der Armee, der innerhalb von zehn Jahren auf 50.000 Männer und Frauen anwachsen soll. Lettland, das direkt an Russland grenzt, geht noch weiter: Das Land hat den Wehrdienst wiedereingeführt – und das Schulpflichtfach „Landesverteidigung“. Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klassen lernen dort den Umgang mit der Waffe, absolvieren Schießtraining und üben Navigation. Nicht alle unterstützen diesen Kurs, doch viele Jugendliche finden: Es ist gut, vorbereitet zu sein. Für die junge Generation in Europa steht wieder die Frage im Raum, wie weit sie bereit ist, ihr Land im Ernstfall mit der Waffe zu verteidigen. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Mi. 10.06.2026 arte Im Nachtzug von Ost nach West
Folge 1692 (30 Min.)Seit einigen Jahren erlebt der Nachtzug eine leise Renaissance. Zwischen Ost und West entsteht ein Netz, geprägt von Idealismus, wirtschaftlichem Risiko und wachsendem Druck, klimaschonender zu reisen. Michal Jaros (29), ein junger Steward aus Prag, schaute schon als Kind sehnsüchtig den Zügen hinterher. Inzwischen arbeitet er für das tschechische Bahn-Unternehmen ČD Night und fährt regelmäßig mit dem Nachtzug Canopus von Prag nach Zürich. ČD Night arbeitet in Kooperation mit der Deutschen Bahn, die 2016 alle ihre Nachtzüge als unrentabel abgestoßen hat.Michal und seine Kollegen blicken mit Idealismus in ihrem Glauben in die Zukunft der Nachtzüge. „Prag ist ein Knotenpunkt zwischen Ost und West“, sagt er begeistert. „Unsere Züge verbinden Europa – das macht diesen Job so spannend“. Gegen Abend erwacht der Bahnhof zum Leben: Nachtzüge rollen in alle Richtungen – nach Österreich, in die Ukraine, nach Polen und Richtung Norden nach Deutschland. Aber die unterschiedlichen nationalen Regelungen und die Verspätungen durch die Baustellen der Deutschen Bahn machen ihnen sehr zu schaffen. Europa brauche ein vereintes Netz an Nachtzugverbindungen und keinen Flickenteppich, meint Bernhard Knierim vom Bahnnetzwerk Back on Track. Er organisiert eine Pyjamademo in Berlin, bei der Menschen in Schlafanzügen mehr Schlafwagen und bezahlbare Nachtzugverbindungen fordern. Das Besondere an der Demo: Sie findet auf 20 Bahnhöfen in ganz Europa gleichzeitig statt. Ein Symbol! Auch in Malmö, Paris, Stockholm oder Lissabon fordern Menschen, dass Reisemöglichkeiten auf der Schiene ausbaut werden. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Sa. 13.06.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Mo. 15.06.2026 arte Nationalparks – Brandherde und Naturparadiese?
Folge 1693 (30 Min.)Jaroslaw Hocko startet eine Drohne mit Wärmebildkamera im Mai 2026 beim Brand im Böhmischen NationalparkBild: MDR/Bettina WobstForciert durch den Klimawandel geraten Nationalparks in Europa unter Druck. Längere Trockenperioden, steigende Temperaturen und immer heftigere Waldbrände verschärfen einen grundlegenden Konflikt: Schützen Nationalparks die Natur – oder gefährden sie auch die Menschen, die in und mit ihr leben? Die Reportage führt in das deutsch-tschechische Grenzgebiet. Dort spitzt sich der Konflikt in den benachbarten Nationalparks Sächsische und Böhmische Schweiz zu. Im tschechischen Grenzort Mezná trifft „Re:“ das Ehepaar Hrdlička, dessen Haus 2022 durch einen großen Waldbrand zerstört wurde.Verlust, Angst und Wut prägen ihren Blick auf den Nationalpark. Für sie ist klar: Zu wenig Brandvorsorge und große Mengen abgestorbenen Holzes haben das Feuer begünstigt. Dem gegenüber steht der Auftrag der Nationalparks, die Natur weitgehend sich selbst zu überlassen – bei gleichzeitiger Verantwortung für die Sicherheit der Menschen. Die Waldbrandexperten der Nationalparks, Louis Georgi und Jaroslav Hocko, arbeiten grenzüberschreitend zusammen. Sie entwickeln Strategien zur Früherkennung und Bekämpfung von Bränden, koordinieren Einsatzwege und setzen zunehmend auf Drohnen. Zwischen diesen Positionen stehen Ranger wie Frank Strohbach, die Tiere und Pflanzen schützen, Besucher sensibilisieren und Brandrisiken minimieren. Kritiker wie der Kartograph Rolf Böhm fordern hingegen mehr Eingriffe. Doch wie belastbar sind diese Strategien? Als im Frühjahr 2026 erneut ein Brand im Nationalpark Böhmische Schweiz ausbricht, steht Brandschützer Jaroslav Hocko mit seinem Team vor der nächsten Bewährungsprobe. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere So. 14.06.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Di. 16.06.2026 arte Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 16.06.2026Frankreichs Problem mit Selbstjustiz
Folge 1694 (30 Min.)Bild: ArteLaurent Raimondo, ein Restaurantbesitzer im südfranzösischen Menton, ist einer dieser Menschen, die das Recht in ihre eigenen Hände nehmen: Nach wiederholten Sachbeschädigungen und Anzeigen, die keinerlei Wirkung zeigten, gründete er die Initiative „Sauberes Menton“. Er vertrieb junge Leute, die seine Einrichtung beschädigten, mit dem Stock. Das Video der Prügel-Aktion stellte er ins Internet, dort feiern ihn viele als einen „gerechten Rächer“. Allerdings droht ihm noch immer die Strafverfolgung wegen dieses Aktes der Selbstjustiz. Ein anderer Mann, dessen Gerichtsverhandlung mit seinem Einverständnis anonymisiert gefilmt werden durfte, stach auf seinen Nachbarn ein, der ihn über Monate mit Ruhestörung belästigte.Ein anderer junger Mann bereut seine Tat: Er wollte den Tod seines kleinen Bruders rächen und schoss deshalb auf einen Familienangehörigen des Täters. Nach seiner Haft versucht er nun, die Menschen darüber aufzuklären, dass solche Akte von Selbstjustiz nur zerstörerisch wirken und auf dem Friedhof oder im Gefängnis enden. Die Justizbehörden in Frankreich sind alarmiert durch die Zunahme der Selbstjustiz, die durch die Reden von rechtspopulistischen und rechtsextremen Politikern gefördert werden. Sie gefährden die Demokratie: Was bleibt von der Rechtsstaatlichkeit noch übrig, wenn Bürger aufhören, an die Gerechtigkeit zu glauben, und deshalb nach Vergeltung trachten? (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Di. 16.06.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Mi. 17.06.2026 arte Die Schlangenfänger von Cocullo
Folge 1695 (30 Min.)Gianluca Ricci ist ein typischer Serparo, wie man in Cocullo einen Schlangenfänger nennt. Wie man die scheuen Tiere aufspürt, hat er von seinem Vater gelernt. Tagelang kraxelt der 19-Jährige durch die Abruzzen und stöbert die Tiere unter Felsen auf. Ohne Serparo wie Gianluca würde es das legendäre Schlangenfest nicht geben. Er trägt die Tiere, sämtlich ungiftige Nattern, nach Hause, wo er sie in Säcken bis zum Fest aufbewahrt. Was fasziniert den jungen Mann an den Reptilien, vor denen sich die meisten Menschen fürchten? Ohne das Schlangenfest wäre Cocullo längst in Vergessenheit geraten.Von einst mehr als 1.000 Einwohnern sind nur noch knapp 250 übrig. Auch Gianluca wird die Gegend schon bald verlassen, um in Rom bei den Carabinieri zu arbeiten. Wenigstens denkt er darüber nach, eines Tages als Forstpolizist zurückzukehren. Bürgermeister Sandro Chiocchio ist sich der Bedeutung des alten Brauchs für den Ort bewusst: Am 1. Mai explodiert die Zahl der Besucher. Zwischen 10.000 und 20.000 Touristen und Pilger aus aller Welt strömen durch die engen Gassen des Ortes. Hotels und Pensionen sind ausgebucht. Doch bedeutet der Brauch nicht auch Stress für die Schlangen? Bevor sie auf die Statue des heiligen Dominikus gelegt werden, wird jede von Tierarzt Jairo Mendoza untersucht. Kranke Tiere werden behandelt und wieder ausgesetzt, gesunde Schlangen nach der Prozession. Den Kriechtieren scheint das nicht zu schaden. Da jede Schlange mit einem Chip versehen wird, weiß man, dass einige schon mehrmals beim Schlangenfest von Cocullo dabei waren. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Do. 18.06.2026 arte
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