2026, Folge 15–27
Von Köhlern, Glas und Köstlichkeiten – Im hohen Norden Frankens
Folge 15 (45 Min.)
Trotz rußverschmiertem Gesicht sind die Köhler bestens gelaunt.Bild: Martin Rösner / BRDie Region um Bayerns nördlichste Stadt Ludwigsstadt: ein Film über Visionäre, versteckte Orte, Pralinenglück und einen besonderen Dialekt. Die filmische Entdeckungsreise führt die Regisseurin Annette Hopfenmüller und ihr Team in den nördlichsten Winkel von Oberfranken. Auf dem Weg dorthin machen sie im Frankenwald Halt bei ehrenamtlichen Köhlern, die das historische Gewerbe am Leben halten – trotz mühevoller Schwerstarbeit beim „Ernten“ der Holzkohle. Im 800-Einwohner-Dorf Kleintettau, direkt an der bayerisch-thüringischen Grenze, werden Parfümflakons für den Weltmarkt produziert.Dass daraus noch allerlei Nebenprojekte entstanden sind wie ein Tropenhaus, ein Museum und die Zucht schottischer Hochlandrinder, die auf einstigen Minenfeldern grasen, ist den Ideen des Glasunternehmers Carl-August Heinz und seinem Stammtisch zu verdanken. In Ludwigsstadt selbst hat das Stadtleben seit der Wende einiges an Lebendigkeit eingebüßt. Und doch blitzen bei genauerem Hinsehen faszinierende Facetten auf. Da gibt es landschaftlich den sich gerade verändernden Frankenwald, phänomenale Terrassenausblicke und beeindruckende Steinbruchkrater. Die Begegnungen mit den Menschen hier sind geprägt von einer unaufgeregten Herzlichkeit. Der Heimatforscher Siegfried Scheidig rekonstruiert Stanniolmotive auf Schieferfassaden und kann auf nahezu jede Frage zu seiner Heimat Antwort geben. Die Metzgerei Stüber am Marktplatz von Ludwigsstadt ist ein gesellschaftlicher Dreh- und Angelpunkt, in der die junge Wirtin Sandra Treuner ihr deftiges Wurstrepertoire für die eigene Gaststätte einkauft. Überhaupt ist in Zeiten des „Gaststättensterbens“, das aufgrund von Nachwuchsmangel überall herrscht, das Wirtshaus Bei Schesserles ein Lichtblick für die Stammgäste. Sandra Treuner betreibt es gemeinsam mit ihrem Schwiegervater Werner Treuner. Und der ist ein selbstbewusster Repräsentant des hiesigen Dialekts. Eine der attraktivsten Sehenswürdigkeiten der Region ist ein Zentrum des feinen Geschmacks: Im Ortsteil Lauenstein zeigt Thomas Luger, der Mitinhaber einer großen Pralinenmanufaktur, mit welchen süßen Versuchungen man heute in der Genussbranche erfolgreich ist. Und der etwas kleinere Mitbewerber Andreas Bauer aus der Nachbarschaft beweist, dass man mit einer „windbeuteligen““ Idee auch seine Kundschaft haben kann. Versteckt im tiefen Wald, direkt am ehemaligen „Todesstreifen“, hat der wagemutige Münchner Veranstalter Otger Holleschek die denkmalgeschützte, einst verfallene Steinbachsmühle saniert. Trotz aller Mühsal und Unwägbarkeiten spricht er von „Liebe, gegen die man keine Chance hat“. (Text: BR) Deutsche Streaming-Premiere Di. 26.05.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere So. 31.05.2026 BR Die Instrumentenbauer von Bubenreuth
Folge 16 (45 Min.)Günter H. Lobe und Tochter Hannah sind beide Geigenbauer.Bild: BR/Pascal HoffmannIn Bubenreuth ist Musikgeschichte geschrieben worden. In dem kleinen Dorf bei Erlangen in Mittelfranken haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg aus Böhmen vertriebene Geigenbauer und Instrumentenmacher angesiedelt und von hier aus die Musikwelt geprägt. Auf dem Dachboden beginnt das Leben seiner Instrumente – im Holzlager von Günter H. Lobe, einem Geigenbauer aus Bubenreuth bei Erlangen. Wo jahrzehntealtes Fichtenholz in der Stille auf seine Bestimmung wartet, schlägt das Herz einer Handwerkstradition, die bis heute Musikerinnen und Musiker auf der ganzen Welt verbindet.Günter H. Lobe arbeitet gemeinsam mit seiner Tochter Hannah, ebenfalls Geigenbauerin, in der Werkstatt der Familie. Seit 1949 ist Bubenreuth ein Zentrum des deutschen Streich- und Zupfinstrumentenbaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden rund 2.000 vertriebene Geigenbauer und Instrumentenmacher aus dem böhmischen Schönbach im fränkischen Dorf eine neue Heimat. Mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihrer Leidenschaft machten sie Bubenreuth in kürzester Zeit zu einem Ort, an dem Weltruhm entstand – und Klanggeschichte geschrieben wurde. Die Geschichte Bubenreuths ist untrennbar mit der Firma Höfner verbunden. Weltbekannt wurde der Name, als Paul McCartney in den 1960er-Jahren seinen legendären Höfner-Bass spielte. Jahrzehnte später wurde das lange verschollene Instrument wiedergefunden – eine Sensation, die bis heute fasziniert und die enge Verbindung zwischen Handwerk und Popkultur sichtbar macht. Gerhilde Höfner, verheiratete Benker, und ihr Ehemann Christian Benker erzählen von der Firmengeschichte. Walter Glassl, 88 Jahre alt, fertigt noch immer Plektren in Handarbeit. Aus dünnen Zelluloid- und Nylonplatten entstehen in seinem Keller seine „Spielblättla“, die in der Welt des Rock’n’Roll unverzichtbar sind. Seine Produkte spielen Gitarristen und Bassisten auf allen Kontinenten. Auch die Firma Pyramid steht für diese Verbindung aus Tradition und Innovation. In sechster Generation produziert die Familie Junger hier Saiten für nahezu jedes Instrument der Welt. Die Familie Dörfler führt ebenfalls die Schönbacher Tradition weiter. In ihrer Werkstatt entstehen handgefertigte Bögen – jedes Stück ein Unikat, das rund 40 Stunden Arbeit erfordert. Trotz moderner Maschinen bleibt die entscheidende Kunst reine Handarbeit. In der Geigenbauersiedlung klingen die Werkstätten noch immer, im neuen Kulturhof H7 probt das Bubenreuther Symphonieorchester, und im Kindergarten wachsen die Nachkommen jener Familien auf, die ihren Klang von Böhmen nach Franken brachten. (Text: BR) Deutsche Streaming-Premiere Di. 02.06.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere So. 07.06.2026 BR Sportvereine und ihr Denkmal – Von Tribünen, Toren und Turnieren
Folge 17 (45 Min.)Kunsthistorikerin Ulrike Mertz kann die Renovierung des Clubhauses kaum erwarten.Bild: Daniel Samer / BREin Turnierplatz und ein Reitstall in Bad Kissingen, eine Fußballtribüne in Hof und ein Bootshaus am Starnberger See – Denkmäler, die bis heute von Sportvereinen genutzt werden. Für die Sportler ist es mehr als Training in einem besonderen Ambiente. Als das Turniergebäude in Bad Kissingen 1924 gebaut wurde, war der Flugsport gerade hochmodern. Bis heute sind Sport und Bauwerk untrennbar miteinander verbunden. Gleich zwei Sportvereine nutzen das historische Turniergebäude: Der Reiterverein, dessen Stall ebenfalls unter Denkmalschutz steht, und die Segelfluggemeinschaft Bad Kissingen.Matthias Albert hat seinen Flugschein mit 13 Jahren gemacht und ist heute Vorstand der Segelfluggemeinschaft. Lange Jahre musste er zusehen, wie das Denkmal nach und nach verfiel, doch vor kurzem wurde es aufwendig restauriert. Gerade bereitet der Reiterverein das jährliche Springturnier vor, das nun endlich wieder vor der frisch renovierten Tribüne stattfinden kann. Die Holztribüne von 1949 im Stadion „Grüne Au“ in Hof ist weniger wegen ihrer außergewöhnlichen Architektur schützenswert. Sie ist ein Wahrzeichen für den Wiederaufbau der Stadt und den Aufstieg des FC Bayern Hof nach dem Zweiten Weltkrieg. Hans Winterling und Erwin Saalfrank haben hier ihre festen Plätze und erinnern sich noch gut an ihre aktive Zeit als Vertragsspieler in den 1960er-Jahren. Damals träumte der Verein sogar vom Aufstieg in die Bundesliga. Jonathan Müller ist seit seiner Kindheit Fan des Vereins, der heute in der fünften Liga spielt. Für die ältere Generation steht die Holztribüne für die glorreiche Zeit des Fußballvereins. Für die Jungen ist es ein Ort, mit dem sie aufgewachsen sind, etwa für Helena Fischer, deren Großvater lange Kassenwart im Verein war. Am Starnberger See steht das Bootshaus des Münchner Ruderklubs von 1880 – eine Landmarke an der Nordspitze des Sees. Das imposante Gebäude, anhand dessen die Kunsthistorikerin Ulrike Mertz die Geschichte des Rudersports erzählen kann, steht noch nicht lange unter Denkmalschutz; die Mitglieder waren sich zunächst nicht einig, ob sich die Rettung lohnt. Historischer Wert stand gegen den Wunsch nach modernen Trainingsbedingungen. Aber wenn am Samstagmorgen die Sonne scheint und der See spiegelglatt ist, sind all die Diskussionen vergessen. Die Leidenschaft fürs Rudern verbindet die Sportler bis ins hohe Alter. (Text: BR) Deutsche Streaming-Premiere Di. 16.06.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere So. 21.06.2026 BR Mein Verein, dein Verein
Folge 18 (45 Min.)Untermühlhausen bei Landsberg am Lech hat gut ein Dutzend Vereine – und mittendrin den Pfarrstadl. Hier findet man sich ein, arbeitet und feiert gemeinsam. Ludwig Nägele und Maurermeister Walter Rietzel renovieren mit anderen Helfern die Kapelle des Heiligen Rasso in Untermühlhausen bei Landsberg am Lech. Am Sonntag werden die Dorfbewohner in einer Prozession mit anschließender Feldmesse dem Heiligen ihre Ehre erweisen. Veranstalter ist der Männergesangsverein „Frischauf“, dessen Vorstand Gerd Stadlmayer ist. Er stammt aus einem Dorf bei Rosenheim, hat dort schon im Kirchenchor gesungen, weshalb es ihm leichtfiel, sich in Untermühlhausen zu integrieren.Frauen singen zwar nicht mit, sind aber passive Mitglieder, so wie Anneliese Kramer, die seit 66 Jahren Mitglied im Verein ist und wie viele andere Frauen Kuchen fürs Rasso-Fest backt. Untermühlhausen hat 400 Einwohner – und gut ein Dutzend Vereine. Finni Drexl meint, dass jeder, der im Dorf Anschluss sucht, ihn auch findet. Man müsse „halt mithelfen“. Nach der Feldmesse trifft man sich im Pfarrstadl – im Herzen des Dorfs. Dieser wird, ausgestattet mit Bierbänken und Blumenschmuck, zur Festhalle. Und der Verkauf von Essen, Getränken und Kuchen füllt die Vereinskasse. Im Juli veranstaltet der Obst- und Gartenbauverein unter der Vorsitzenden Hildegard Heinzelmann ein „Ramadama“, bei dem Jung und Alt gemeinsam den Dorfanger mähen und den Teich säubern. Ganz bewusst will der Verein die Generationen zusammenführen, damit die Jungen nicht das Interesse am Verein verlieren. Zur Belohnung gibt es vor dem Pfarrstadl Stockbrot von der Feuerschale und ein Entenrennen, bei dem nicht nur die Kleinsten um den Siegerpokal kämpfen. Auch Paul Schmidhofer, der die Jugendgruppe der „Bachstelzen“ gegründet und auch sonst viel für die Kinder geleistet hat, hat als Ehrenmitglied eine Ente am Start. Dass in Untermühlhausen auch der Ernstfall geprobt wird, zeigt die Freiwillige Feuerwehr bei einer Übung. Dabei tragen auch die Jungen wie Meggie Reichenberger und Christof Huster schon Verantwortung – und sie tun es gerne. Beim jährlichen Fest der Feuerwehr wird dann wieder zusammen geholfen, unabhängig davon, wer in welchem Verein ist. Die Untermühlhausener wissen, dass sie nur gemeinsam ihr Dorf auch ohne Gastwirtschaft und ohne Laden lebendig erhalten können und ihre Vereine dazu beitragen, ein Netzwerk zu bilden, in dem sich jeder wiederfinden kann: „Mein Verein, dein Verein“. (Text: BR) Deutsche Streaming-Premiere Di. 23.06.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere So. 28.06.2026 BR Kirschenzeit
Folge 19 (45 Min.)Horst März hat für jede Altersklasse den richtigen Korb.Bild: Sandra Schlittenhardt / BRSind die Kirschen erstmal reif, muss es schnell gehen. Zur Ernte rückt im fränkischen Junkersdorf die Großfamilie an – die empfindlichen Früchte werden von Hand gepflückt. Verkauft wird am Hof oder seit Neuestem direkt vom Straßenstand: „Kirschen to go.“ Der Kirschenanbau ist nichts für schwache Nerven, Horst März weiß: Ein Frost im Frühjahr und schnell ist die Ernte dahin. 500 Bäume stehen bei ihm in Junkersdorf, im nördlichen Teil der Haßberge. Einen Teil davon hat schon sein Vater gepflanzt.Zur Erntezeit nimmt sich Horst März Urlaub, trotzdem braucht es fast die halbe Verwandtschaft, um alle Kirschen rechtzeitig zu pflücken. Geerntet wird meist in der Früh oder am Abend, die Früchte vertragen die Hitze nicht. Für all seine Pflücker hält Horst handgeflochtene Weidenkörbe bereit. Seiner Ansicht nach noch immer die beste Erntehilfe. Früher hat der Kirschenbauer die Früchte direkt am Hof verkauft, sein Sohn Steffen macht es anders. Direkt an der viel befahrenen B279, die mitten durch den Ort führt, hat Steffen März sein Verkaufshäuschen aufgestellt. Anfangs war er skeptisch, doch der Verkauf mit Selbstbedienung läuft gut. Trotz schlauer Verkaufsideen, viel Geld verdienen die Familien mit ihren Kirschen nicht. Früchte, die sie nicht selbst verkaufen, müssen im Handel in Aussehen und Größe strengen Vorschriften genügen. Auf dem Obstgroßmarkt in Pretzfeld wird die Qualität mithilfe von Schablonen geprüft. Früchte unter 22 mm Durchmesser kommen gar nicht erst in den Supermarkt. Johannes Haas, Obstbauer und Brenner in der Fränkischen Schweiz, geht einen anderen Weg. Seine Kirschen baut er ausschließlich fürs Brennen an. Hierfür wählt er besonders aromatische, alte Sorten, wie etwa die tiefschwarze Dolleseppler-Süßkirsche. Zur Ernte werden die Bäume wie bei der Olivenernte kräftig geschüttelt und die heruntergefallenen Früchte aufgelesen. An einem Vormittag kommen so schnell drei Tonnen Kirschen für die Edelbrennerei zusammen. In Kleinmünster in den Haßbergen hatte sich über dreißig Jahre lang niemand mehr um die alten Obstbäume gekümmert. Christina Fallenbacher und ihr Mann Christoph haben nach und nach die verwaisten Obstwiesen gekauft. Sie pflegen die Kirschbäume und verzichten auf Spritzmittel. Christina, die viele Jahre ein eigenes Restaurant geführt hat, kocht aus den Früchten Saft, Marmelade oder Chutney und sie legt die Kirschen sogar mit Salz ein. Das Lieblingsgericht der Familie ist der frisch gebackene Kirschenplotz direkt aus dem eigenen Backhäuschen. (Text: BR) Deutsche Streaming-Premiere Di. 30.06.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere So. 05.07.2026 BR Der Hagmoar vom Hundstein – Ranggeln im Pinzgau
Folge 20 (45 Min.)Ranggel-Wettkampf in 2.000 Metern Höhe auf dem Hohen Hundstein.Bild: Martin Weinhart / BRJedes Jahr zu Jakobi findet im Pinzgau auf 2.000 Metern das Hundstoa-Ranggeln statt, das „ehrlichste Kräftemessen der Männer im Alpenraum“. Das bedeutet emotionale Momente von Jubel und Trauer, die dicht beieinander liegen. Der Film beschreibt die letzte Woche vor dem Höhepunkt des Jahres. Der Hundstein ist mit knapp über 2.000 Metern einer der höchsten Grasberge Europas. Seit 2010 ist das Hundstoa-Ranggeln in der Naturarena Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Erste Erwähnung findet diese Art des Ringens in einem Edikt von 1518, doch spricht vieles dafür, dass es bis auf die Kelten in vorchristlicher Zeit zurückgeht.Bei den Kelten ein heiliger Berg, hat sich der Hundstein bis heute als Austragungsort bewährt. Er ist in der Mitte des Pinzgau gelegen und von allen Seiten, von Maria Alm, Zell am See, Bruck an der Großglocknerstraße und Hinterthal zu Fuß erreichbar. Beim Hundstoa-Ranggeln geht es um den Titel des Hagmoar, was so viel heißt wie „Meister im umzäunten Gehege“. Früher wurde der Hagmoar unter den Hirten, Sennern und Knechten ausgeranggelt. Günther Heim war damals in den 50er-Jahren der jüngste Hagmoar. Er hat ein Buch über das Hundstein-Ranggeln geschrieben, in dem er die Wurzeln dieses archaisch anmutenden Kampfsports zurückverfolgt. Hans Jörg Voithofer kommt aus einer Ranggler-Familie, hat früh angefangen und den Keller voll mit Medaillen und Ehrungen. Daneben ist er Trainer vom Ranggel-Verein Bramberg am Wildkogel. Der Forstarbeiter schreibt auch Mundartgedichte und hat ein Ranggler-Lied verfasst. Hermann Höllwart aus Taxenbach war schon sechs Mal Hagmoar. Der Nebenerwerbslandwirt nutzt jede Gelegenheit, um zu trainieren, da wird der Kuhstall zum Fitnessstudio. Hermann Höllwart will auch diesmal gewinnen, ebenso wie sein engster Mitarbeiter Almin Klicic. Gemeinsam trainieren sie für den großen Tag, denn Hagmoar kann man nur einmal im Jahr werden. (Text: BR) Deutsche Streaming-Premiere Di. 09.06.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere So. 12.07.2026 BR Die Wörnitz – Flussbad, Wasserfest und Inselleben
Folge 21 (45 Min.)Einmal im Jahr verwandelt sich die Wörnitz in eine Festbühne.Bild: Jens-Tibor Homm / BRDie Wörnitz ist der fischreichste und kurvenreichste Fluss Bayerns. Sie schlängelt sich von Schillingsfürst in Mittelfranken nach Donauwörth in Schwaben. Ob Flussbad, Inselleben oder Wasserfest – das Filmteam trifft Menschen, die mit dem „Schlangenfluss“ leben. Nicht ohne Grund nennen die Menschen die Wörnitz „Schlangenfluss“: Aus Mittelfranken kommend schlängelt sie sich insgesamt 132 km Richtung Südosten bis ins schwäbische Donauwörth und gilt als der langsamste Zufluss der Donau. Durch historische Städtchen wie Dinkelsbühl und entlang Wiesen und Felder zieht die Wörnitz gemächlich ihre Bahnen. Sie ist einer der fischreichsten und kurvenreichsten Flüsse in Bayern – ein Fluss voller Leben und Geschichten.An der Quelle in Schillingsfürst hüten Marina und Hartmut Gröner den Ursprung der Wörnitz. Ein altes Sprichwort sagt, wer einmal davon trinkt, kehrt immer wieder in das Städtchen zurück. Weiter flussabwärts bewirtschaften Josef und Saskia Leberle ihren Kartoffelacker – nah am Fluss, der ihr Leben mitprägt. Ungefähr auf halber Strecke, am Fuße des Hesselbergs, liegt die Schmalzmühle. Sie ist umschlossen von zwei Seitenarmen der Wörnitz und liegt somit auf einer Insel. Friedrich König nennt sich und seine Familie daher „die einzigen Inselbewohner“. Seine Frau Barbara macht Käse und es gibt auch einen kleinen Hofladen. Der Fischer und Fischereiaufseher André Holzinger kennt die Wörnitz wie kaum ein anderer. Er liebt diesen Fluss, sieht aber auch seine Verletzlichkeit. Gerade jetzt im trockenen Sommer tritt das besonders deutlich hervor. In Oettingen stellt Dana Abel Schmuck in Form der sich schlängelnden Wörnitz her. Und in dieser Stadt wird die Wörnitz immer wieder zum Treffpunkt der Gemeinschaft – ob im idyllischen Flussbad oder als Bühne für das jährliche Wasserfest mit fantasievollen Booten und großem Zusammenhalt. Wer an der Wörnitz lebt oder Zeit mit ihr verbringt, spürt: Dieser Fluss verbindet Menschen – und Menschen mit der Natur. (Text: BR) Deutsche Streaming-Premiere Di. 21.07.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere So. 26.07.2026 BR Weinbau im Wandel – Fränkische Winzer im Aufbruch
Folge 22 (45 Min.)Hornmist, Schafe oder Wildwuchs im Weinberg – die fränkischen Winzerinnen und Winzer sind erfinderisch, wenn es um den Schutz ihrer Böden im Weinberg geht. Denn die sind ihr Kapital, aber durch die klimatischen Veränderungen gefährdet. Trockenstress, Hitzewellen, Starkregen: Der Klimawandel stellt den Weinbau in Franken vor grundlegende Fragen – vor allem beim Umgang mit Boden und Wasser. Die 45-minütige Dokumentation aus der BR-Reihe „Unter unserem Himmel“ begleitet ein Jahr lang Winzerinnen und Winzer in unterschiedlichen fränkischen Regionen, die mit viel Erfahrung, Mut und neuen Ideen auf die veränderten Bedingungen reagieren.Im Aischgrund bei Ipsheim setzen Julia und Victor Haller auf konsequent biodynamischen Weinbau: Hornmistpräparate, sorgfältig aufgebauter Humus und Stroh als Schutzschicht sollen den Boden fruchtbarer und widerstandsfähiger machen. Am Theilheimer Altenberg südlich von Würzburg überlassen Christian und Christina Deppisch die Pflege eines Teils ihrer Weinberge Zwergschafen. Im fränkischen Taubertal zeigt der Landwirt und Winzer Stephan Krämer, wie eine bewusst hoch wachsende Begrünung und ein lebendiger Boden Starkregen besser aufnehmen können und Trockenphasen abmildern. Wie sich der Weinbau in Franken insgesamt „klimafit“ machen lässt, erforscht die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim. Wissenschaftler wie Daniel Heßdörfer testen unter anderem den Einsatz von Stroh, neue Pflanzsysteme am Hang, unterschiedliche Bewässerungsformen und Rebsorten aus trockeneren Regionen. Die Dokumentation „Weinbau im Wandel – Fränkische Winzer im Aufbruch“ erzählt entlang eines Jahresverlaufs vom Arbeiten im Weinberg und zeigt, wie eng Klimawandel, Landwirtschaft und regionaltypische Weinkultur miteinander verbunden sind. (Text: BR) Deutsche TV-Premiere So. 13.09.2026 BR Südtiroler Kellergeheimnisse
Folge 23 (45 Min.)Der Jäger Peter Stampfl probiert in seinem Keller in Unterfennberg seine selbstgemachten Wildwürste.Bild: Klaus Röder / BR / BR/Klaus RöderKeller in Südtirol sind besondere Orte: Reiferäume für Wein, Wurst, Lebensmittel und sie sind Treffpunkte, an denen man zusammensitzt und die Zeit vergisst. Was in den Südtiroler Kellern verabredet wird, so heißt es, hat Bestand und bleibt am Ort. Im Südtiroler Unterland, in der Gegend rund um Kurtatsch, geht es um die Geschichten rund um die Südtiroler Keller. Versteckt, inmitten der Weinberge, liegt der Auhof. Hier reift nicht Wein, sondern Essig. Hans Peter Widmann hat viel Erfahrung darin, wie bester Essig gemacht wird.Nicht weit davon, im Weingut von Baron Widmann im Zentrum von Kurtatsch, wird der neue Wein in Flaschen gefüllt. Am Ortsrand von Kurtatsch wohnt Alfred Mayr. Schon die Zufahrt unter den Weinreben hindurch verrät, was er im Keller lagert. Zusammen mit seinem Jahrgangsfreund Andreas Anegg probiert er den neuen Wein und zeigt die Besonderheiten seines Kellers. In Margreid, am Fuße des Fennbergs, findet man im historischen Ortskern die wohl tiefsten Keller in der Gegend. Patrick Anrather hat sein Elternhaus in den letzten Jahren liebevoll restauriert und führt in die Tiefen der alten Gemäuer. Aber auch moderne Keller gibt es. In Kurtatsch hat ein Einheimischer in seinem neuen Haus den Südtiroler Keller modern interpretiert. In St. Joseph, kurz vor Kaltern, liegt das besondere Weingut Dominikus. Georg Morandell und seine Familie führen die Vision seines Vaters fort, der in den 1970er-Jahren ganz allein, nur mit Pickel und Schaufel, einen 130 Meter langen Keller unter den Weinberg grub, um den Wein besser lagern zu können – eine unglaubliche Leistung. In Kurtatsch betreiben Horst und Susanne den Fischerhof. Ein Gasthaus mit hervorragender Küche und ausgefallenen Gerichten. Ihr fantasievoll gestalteter Keller ist ein beliebter Feierraum. Auf dem Fennberg hat sich Peter Stampfl ein Jägerstüberl im eigenen Keller eingerichtet. Gleich nebenan bäckt Alex Stimpfl am Hof von Walter Gschnell im Keller ein Brot. Keller in Südtirol sind weit mehr als bloße Lagerräume – sie spiegeln Landschaft, Handwerk und Lebensart einer ganzen Region. (Text: BR) Deutsche TV-Premiere So. 27.09.2026 BR Wirtshaussonntag und Mühlenfreunde – Zwei Vereine im Bayerischen Wald
Folge 24 (45 Min.)Die ehemalige Schlossbrauerei Gossersdorf ist seit 2019 das Wirtshaus „Bräuhaus Gossersdorf“.Bild: Rafael Loerwald / BRZwei Vereine im vorderen Bayerischen Wald haben eine Mühle aus dem 18. Jahrhundert und die einst zweitgrößte Weißbierbrauerei Bayerns vor dem Verfall bewahrt. Sie packen an, kochen, werkeln – und schaffen so Orte zum Zusammenkommen. Seit drei Jahren sanieren die „Mühlenfreunde“ das Mühlenanwesen mitten in Elisabethszell. In der ehemaligen Stube der Müllersleute ist heute die Wirtsstube von ihrem Wirtshaus zur Mühle. Am Mühlensonntag wird gekocht – vom Verein für das Dorf. Es gibt Schweinebraten aus dem historischen Holzbackofen.Vorstand der Mühlenfreunde ist der Elisabethszeller Ludwig Macht – der Name ist Programm – er macht. Als Holzingenieur ist ihm der Bestandserhalt im Dorf wichtig, auch als Wertschätzung für das alte Handwerk. Für 30 Jahre darf der Verein im Gegenzug zur Sanierung das Anwesen, das bis heute in Privatbesitz ist, mitnutzen. Früher wurden die Gemäuer von der Müllersfamilie bewohnt, jetzt hat sich die Oberpfälzerin Tanja Kronfeldner oberhalb der Stube eine Wohnung mit Atelier eingerichtet. Zehn Kilometer weiter gibt es ein ähnliches Projekt. Im 200 Einwohner großen Gossersdorf, einem Ortsteil von Konzell, liegt zu Füßen des Schlosses die ehemalige Schlossbrauerei Gossersdorf. Das Bräuhaus Gossersdorf ist seit 2019 ein Wirtshaus. Jeden Sonntag ist Wirtshaussonntag. Fritz Fuchs ist neben der Käserin aus dem Dorf, Nicola Nagels, einer der Hauptinitiatoren des Projekts. Er ist zugleich Wirt und Koch vom Bräuhaus. Fritz serviert traditionelle Kost, aber auch fast vergessene Gerichte – so wie den „Zwirl“, ein einfaches, altes Kartoffelgericht aus der Gegend. Hinter dem Bräuhaus Gossersdorf steht seit 2020 der Förderverein Bräuhaus e.V. 20 Jahre darf der Verein das Gebäude pachtfrei nutzen. Schos Obermeier hatte als Vereinsvorstand die Idee einer „mobilen Kegelbahn“. Diese verleiht der Verein tageweise an Privatpersonen, Firmen und Vereine, um die Kasse für die Erhaltung des Bräuhauses etwas aufzubessern. Über 4.000 Stunden haben die Mühlenfreunde in Elisabethszell schon in die Sanierung gesteckt. Und immer noch gibt es regelmäßige gemeinsame Arbeitseinsätze. Das Vordergebäude ist schon fast fertig, das Rückgebäude noch in Arbeit. Auch das Herzstück der Mühle, das Mühlenrad soll sich in absehbarer Zeit wieder drehen – nicht zum Mahlen, aber zu Schauzwecken. In Gossersdorf findet Anfang Oktober das Oktoberfest des Vereins im Bräuhaus statt. Dafür packen alle mit an: Es gibt geräucherte Forelle vom Schos, den eigenen Käse von Nicola und ein Rehragout von Fritz. Zwei Orte, zwei Projekte, die ähnlich und doch unterschiedlich sind. Aber eines haben sie gemeinsam: Es stehen Menschen dahinter, die Ideen haben, die verstehen anzupacken – und zwar nicht nur für sich selbst, sondern für die Gemeinschaft. (Text: BR) Deutsche TV-Premiere So. 04.10.2026 BR Pfauenhöfe im Südtiroler Sarntal
Folge 25 (45 Min.)In der Federkielstickerei Thaler muss Anita mit Ulrichs „Fatsch“ vorankommen.Bild: Philipp J. Pamer / BR;megaherz gmbh / BR/megaherz gmbh/Philipp J. PamerSeit Jahrhunderten halten Bauern in Tirol Pfauen als Hoftiere – wegen ihrer Schönheit und der Kiele ihrer Schweiffedern. Im Südtiroler Sarntal wird daraus ein Faden gewonnen, mit dem in geheimer Technik auf Leder gestickt wird: die Federkielstickerei. Im Jahreslauf spielt die Federpracht des königlichen Vogels eine wichtige Rolle. Auf dem Stueferhof in Glern beobachtet Franz Thaler das Balzverhalten seines weißen Pfaus, der für fünf Pfauendamen das Rad schlägt. Ob es Nachwuchs gibt, entscheidet sich bald – zur Freude von Bauer, Hund und Hühnerschar.Auch am Schorrhof über Sarnthein gehört der Pfau zum Hofleben. Fridolin hat seine Federn bereits im Sommer aufgefächert. Andrea Aster und ihr Sohn Rafael verkaufen sie an die Federkielsticker im Dorf. Einer von ihnen ist Ulrich Thaler, der an seinem Hochzeitsgürtel arbeitet. Das Leder wird bestickt mit feinen Kielmustern. Franz Moser aus Öttenbach erzählt, dass nachts der Marder durch Stall und Stadel schleicht – jedes Ei ist in Gefahr. Pfau Johnny vom Köbelehof streift dennoch mit seinen beiden Hennen frei über die Wiesen. Seine Schweiffedern sind bereits versprochen: Sticker Leonhard Premstaller wird sie im Herbst bei Bäuerin Maria Pflug abholen. In Astfeld sitzt Katharina Stuefer an ihrem Werktisch. Sie war die erste Frau Südtirols mit Meisterbrief in der Federkielstickerei. Mit weißer Tusche zeichnet sie ihre Motive auf schwarzes Leder, bevor mit Ahle und Kielfaden gestochen und gestickt wird. Ein Meter Gürtel kostet Geduld – und hält, dank Pfauenkiel, ein Leben lang. (Text: BR) Deutsche Streaming-Premiere Di. 06.10.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere So. 11.10.2026 BR Die Bauern vom Inntal
Folge 26 (45 Min.)Seit Jahren warten die Bauern im oberen Inntal auf die Entscheidung, wie die geplante Bahntrasse mit dem Brenner-Basistunnel verlaufen wird. Viele Familien in Ober- und Niederaudorf, die dort seit Jahrhunderten verwurzelt sind, geben die Hoffnung nicht auf, mit ihren Höfen eine Zukunft zu haben. Für Martin Pichler geht es dabei um den Hof, den seine Familie seit 400 Jahren bewirtschaftet und um die Frage, ob er ihn an seine Kinder weitergeben kann. (Text: BR)Deutsche TV-Premiere So. 18.10.2026 BR Stein und Ewigkeit
Folge 27 (45 Min.)Max Kyrein ist einer der Graveure, die für Claus Rehm die Grabsteine beschriften.Bild: Pius Neumaier / BR / BR/Pius NeumaierClaus Rehm hat einen anspruchsvollen Auftrag zu erledigen: eine Bildhauerarbeit für ein großes Grabmal. Eine schöne Abwechslung für den Steinmetz, denn gestalterisch arbeiten kann er nur selten. Auf dem Münchner Nordfriedhof gegenüber wartet viel Arbeit auf ihn. Steinmetz Claus Rehm lebt und arbeitet an der Ungererstraße in München, direkt gegenüber vom Nordfriedhof. Vor kurzem hat er einen größeren Auftrag bekommen, eine Bildhauerarbeit für ein Grabmal. Das Modell dafür stammt von einer Grabplatte, die der Münchner Bildhauer Theodor Georgii vor rund hundert Jahren aus Marmor angefertigt hatte.Claus wird es aus einem Jura-Kalkstein nachbilden. Und um ein Drittel verkleinern, so der Wunsch des Kunden. Für solche bildhauerischen Arbeiten hat er eigentlich nur abends Zeit. Das Gros seiner Aufträge ist, neue Grabsteine zu hauen und alte zu bearbeiten. Zudem übernimmt er am Nordfriedhof rund zwei Grabauflösungen pro Woche. Da bleibt nur wenig Zeit für das Gestalterische. Doch bald kommt der Kunde und möchte etwas sehen. Claus führt den Betrieb alleine. Lange Zeit hat er Altäre gebaut oder Kirchenrestaurierungen durchgeführt. Aufträge für Villen, Neubauten oder U-Bahnhöfe bekam er so zahlreich, dass er überlegte, die Friedhofsarbeit aufzugeben. Jetzt ist er froh, nur noch für den Friedhof zu arbeiten, das ist überschaubarer. Die Auszubildende Sheila Loun hat vor kurzem ihre Lehre zur Steinmetzin an der städtischen Berufsschule für Bau- und Kunsthandwerk begonnen und in Claus Rehms Betrieb. Momentan interessiert sie sich vor allem für das Gestalterische. (Text: BR) Deutsche Streaming-Premiere Di. 20.10.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere So. 25.10.2026 BR
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