Unter unserem Himmel Folge 24: Wirtshaussonntag und Mühlenfreunde – Zwei Vereine im Bayerischen Wald
Folge 24
Wirtshaussonntag und Mühlenfreunde – Zwei Vereine im Bayerischen Wald
Folge 24 (45 Min.)
Zwei Vereine im vorderen Bayerischen Wald haben eine Mühle aus dem 18. Jahrhundert und die einst zweitgrößte Weißbierbrauerei Bayerns vor dem Verfall bewahrt. Sie packen an, kochen, werkeln – und schaffen so Orte zum Zusammenkommen. Seit drei Jahren sanieren die „Mühlenfreunde“ das Mühlenanwesen mitten in Elisabethszell. In der ehemaligen Stube der Müllersleute ist heute die Wirtsstube von ihrem Wirtshaus zur Mühle. Am Mühlensonntag wird gekocht – vom Verein für das Dorf. Es gibt Schweinebraten aus dem historischen Holzbackofen.
Vorstand der Mühlenfreunde ist der Elisabethszeller Ludwig Macht – der Name ist Programm – er macht. Als Holzingenieur ist ihm der Bestandserhalt im Dorf wichtig, auch als Wertschätzung für das alte Handwerk. Für 30 Jahre darf der Verein im Gegenzug zur Sanierung das Anwesen, das bis heute in Privatbesitz ist, mitnutzen. Früher wurden die Gemäuer von der Müllersfamilie bewohnt, jetzt hat sich die Oberpfälzerin Tanja Kronfeldner oberhalb der Stube eine Wohnung mit Atelier eingerichtet. Zehn Kilometer weiter gibt es ein ähnliches Projekt.
Im 200 Einwohner großen Gossersdorf, einem Ortsteil von Konzell, liegt zu Füßen des Schlosses die ehemalige Schlossbrauerei Gossersdorf. Das Bräuhaus Gossersdorf ist seit 2019 ein Wirtshaus. Jeden Sonntag ist Wirtshaussonntag. Fritz Fuchs ist neben der Käserin aus dem Dorf, Nicola
Nagels, einer der Hauptinitiatoren des Projekts. Er ist zugleich Wirt und Koch vom Bräuhaus. Fritz serviert traditionelle Kost, aber auch fast vergessene Gerichte – so wie den „Zwirl“, ein einfaches, altes Kartoffelgericht aus der Gegend. Hinter dem Bräuhaus Gossersdorf steht seit 2020 der Förderverein Bräuhaus e.V. 20 Jahre darf der Verein das Gebäude pachtfrei nutzen.
Schos Obermeier hatte als Vereinsvorstand die Idee einer „mobilen Kegelbahn“. Diese verleiht der Verein tageweise an Privatpersonen, Firmen und Vereine, um die Kasse für die Erhaltung des Bräuhauses etwas aufzubessern. Über 4.000 Stunden haben die Mühlenfreunde in Elisabethszell schon in die Sanierung gesteckt. Und immer noch gibt es regelmäßige gemeinsame Arbeitseinsätze. Das Vordergebäude ist schon fast fertig, das Rückgebäude noch in Arbeit.
Auch das Herzstück der Mühle, das Mühlenrad soll sich in absehbarer Zeit wieder drehen – nicht zum Mahlen, aber zu Schauzwecken. In Gossersdorf findet Anfang Oktober das Oktoberfest des Vereins im Bräuhaus statt. Dafür packen alle mit an: Es gibt geräucherte Forelle vom Schos, den eigenen Käse von Nicola und ein Rehragout von Fritz. Zwei Orte, zwei Projekte, die ähnlich und doch unterschiedlich sind. Aber eines haben sie gemeinsam: Es stehen Menschen dahinter, die Ideen haben, die verstehen anzupacken – und zwar nicht nur für sich selbst, sondern für die Gemeinschaft. (Text: BR)