• Folge 17 (45 Min.)
    Kunsthistorikerin Ulrike Mertz kann die Renovierung des Clubhauses kaum erwarten. – Bild: Daniel Samer /​ BR
    Kunsthistorikerin Ulrike Mertz kann die Renovierung des Clubhauses kaum erwarten.
    Ein Turnierplatz und ein Reitstall in Bad Kissingen, eine Fußballtribüne in Hof und ein Bootshaus am Starnberger See – Denkmäler, die bis heute von Sportvereinen genutzt werden. Für die Sportler ist es mehr als Training in einem besonderen Ambiente. Als das Turniergebäude in Bad Kissingen 1924 gebaut wurde, war der Flugsport gerade hochmodern. Bis heute sind Sport und Bauwerk untrennbar miteinander verbunden. Gleich zwei Sportvereine nutzen das historische Turniergebäude: Der Reiterverein, dessen Stall ebenfalls unter Denkmalschutz steht, und die Segelfluggemeinschaft Bad Kissingen. Matthias Albert hat seinen Flugschein mit 13 Jahren gemacht und ist heute Vorstand der Segelfluggemeinschaft. Lange Jahre musste er zusehen, wie das Denkmal nach und nach verfiel, doch vor kurzem wurde es aufwendig restauriert. Gerade bereitet der Reiterverein das jährliche Springturnier vor, das nun endlich wieder vor der frisch renovierten Tribüne stattfinden kann. Die Holztribüne von 1949 im Stadion „Grüne Au“ in Hof ist weniger wegen ihrer außergewöhnlichen Architektur schützenswert. Sie ist ein Wahrzeichen für den Wiederaufbau der Stadt und den Aufstieg des FC Bayern Hof nach dem Zweiten Weltkrieg. Hans Winterling und Erwin Saalfrank haben hier ihre festen Plätze und erinnern sich noch gut an ihre aktive Zeit als Vertragsspieler in den 1960er-Jahren. Damals träumte der Verein sogar vom Aufstieg in die Bundesliga. Jonathan Müller ist seit seiner Kindheit Fan des Vereins, der heute in der fünften Liga spielt. Für die ältere Generation steht die Holztribüne für die glorreiche Zeit des Fußballvereins. Für die Jungen ist es ein Ort, mit dem sie aufgewachsen sind, etwa für Helena Fischer, deren Großvater lange Kassenwart im Verein war. Am Starnberger See steht das Bootshaus des Münchner Ruderklubs von 1880 – eine Landmarke an der Nordspitze des Sees. Das imposante Gebäude, anhand dessen die Kunsthistorikerin Ulrike Mertz die Geschichte des Rudersports erzählen kann, steht noch nicht lange unter Denkmalschutz; die Mitglieder waren sich zunächst nicht einig, ob sich die Rettung lohnt. Historischer Wert stand gegen den Wunsch nach modernen Trainingsbedingungen. Aber wenn am Samstagmorgen die Sonne scheint und der See spiegelglatt ist, sind all die Diskussionen vergessen. Die Leidenschaft fürs Rudern verbindet die Sportler bis ins hohe Alter. (Text: BR)
    Deutsche Streaming-Premiere Di. 16.06.2026 ARD MediathekDeutsche TV-Premiere So. 21.06.2026 BR
  • Folge 18 (45 Min.)
    Untermühlhausen bei Landsberg am Lech hat gut ein Dutzend Vereine – und mittendrin den Pfarrstadl. Hier findet man sich ein, arbeitet und feiert gemeinsam. Ludwig Nägele und Maurermeister Walter Rietzel renovieren mit anderen Helfern die Kapelle des Heiligen Rasso in Untermühlhausen bei Landsberg am Lech. Am Sonntag werden die Dorfbewohner in einer Prozession mit anschließender Feldmesse dem Heiligen ihre Ehre erweisen. Veranstalter ist der Männergesangsverein „Frischauf“, dessen Vorstand Gerd Stadlmayer ist. Er stammt aus einem Dorf bei Rosenheim, hat dort schon im Kirchenchor gesungen, weshalb es ihm leichtfiel, sich in Untermühlhausen zu integrieren. Frauen singen zwar nicht mit, sind aber passive Mitglieder, so wie Anneliese Kramer, die seit 66 Jahren Mitglied im Verein ist und wie viele andere Frauen Kuchen fürs Rasso-Fest backt. Untermühlhausen hat 400 Einwohner – und gut ein Dutzend Vereine. Finni Drexl meint, dass jeder, der im Dorf Anschluss sucht, ihn auch findet. Man müsse „halt mithelfen“. Nach der Feldmesse trifft man sich im Pfarrstadl – im Herzen des Dorfs. Dieser wird, ausgestattet mit Bierbänken und Blumenschmuck, zur Festhalle. Und der Verkauf von Essen, Getränken und Kuchen füllt die Vereinskasse. Im Juli veranstaltet der Obst- und Gartenbauverein unter der Vorsitzenden Hildegard Heinzelmann ein „Ramadama“, bei dem Jung und Alt gemeinsam den Dorfanger mähen und den Teich säubern. Ganz bewusst will der Verein die Generationen zusammenführen, damit die Jungen nicht das Interesse am Verein verlieren. Zur Belohnung gibt es vor dem Pfarrstadl Stockbrot von der Feuerschale und ein Entenrennen, bei dem nicht nur die Kleinsten um den Siegerpokal kämpfen. Auch Paul Schmidhofer, der die Jugendgruppe der „Bachstelzen“ gegründet und auch sonst viel für die Kinder geleistet hat, hat als Ehrenmitglied eine Ente am Start. Dass in Untermühlhausen auch der Ernstfall geprobt wird, zeigt die Freiwillige Feuerwehr bei einer Übung. Dabei tragen auch die Jungen wie Meggie Reichenberger und Christof Huster schon Verantwortung – und sie tun es gerne. Beim jährlichen Fest der Feuerwehr wird dann wieder zusammen geholfen, unabhängig davon, wer in welchem Verein ist. Die Untermühlhausener wissen, dass sie nur gemeinsam ihr Dorf auch ohne Gastwirtschaft und ohne Laden lebendig erhalten können und ihre Vereine dazu beitragen, ein Netzwerk zu bilden, in dem sich jeder wiederfinden kann: „Mein Verein, dein Verein“. (Text: BR)
    Deutsche TV-Premiere So. 28.06.2026 BR
  • Folge 19 (45 Min.)
    Horst März hat für jede Altersklasse den richtigen Korb.
    Sind die Kirschen erstmal reif, muss es schnell gehen. Zur Ernte rückt im fränkischen Junkersdorf die Großfamilie an – die empfindlichen Früchte werden von Hand gepflückt. Verkauft wird am Hof oder seit Neuestem direkt vom Straßenstand: „Kirschen to go.“ Der Kirschenanbau ist nichts für schwache Nerven, Horst März weiß: Ein Frost im Frühjahr und schnell ist die Ernte dahin. 500 Bäume stehen bei ihm in Junkersdorf, im nördlichen Teil der Haßberge. Einen Teil davon hat schon sein Vater gepflanzt. Zur Erntezeit nimmt sich Horst März Urlaub, trotzdem braucht es fast die halbe Verwandtschaft, um alle Kirschen rechtzeitig zu pflücken. Geerntet wird meist in der Früh oder am Abend, die Früchte vertragen die Hitze nicht. Für all seine Pflücker hält Horst handgeflochtene Weidenkörbe bereit. Seiner Ansicht nach noch immer die beste Erntehilfe. Früher hat der Kirschenbauer die Früchte direkt am Hof verkauft, sein Sohn Steffen macht es anders. Direkt an der viel befahrenen B279, die mitten durch den Ort führt, hat Steffen März sein Verkaufshäuschen aufgestellt. Anfangs war er skeptisch, doch der Verkauf mit Selbstbedienung läuft gut. Trotz schlauer Verkaufsideen, viel Geld verdienen die Familien mit ihren Kirschen nicht. Früchte, die sie nicht selbst verkaufen, müssen im Handel in Aussehen und Größe strengen Vorschriften genügen. Auf dem Obstgroßmarkt in Pretzfeld wird die Qualität mithilfe von Schablonen geprüft. Früchte unter 22 mm Durchmesser kommen gar nicht erst in den Supermarkt. Johannes Haas, Obstbauer und Brenner in der Fränkischen Schweiz, geht einen anderen Weg. Seine Kirschen baut er ausschließlich fürs Brennen an. Hierfür wählt er besonders aromatische, alte Sorten, wie etwa die tiefschwarze Dolleseppler-Süßkirsche. Zur Ernte werden die Bäume wie bei der Olivenernte kräftig geschüttelt und die heruntergefallenen Früchte aufgelesen. An einem Vormittag kommen so schnell drei Tonnen Kirschen für die Edelbrennerei zusammen. In Kleinmünster in den Haßbergen hatte sich über dreißig Jahre lang niemand mehr um die alten Obstbäume gekümmert. Christina Fallenbacher und ihr Mann Christoph haben nach und nach die verwaisten Obstwiesen gekauft. Sie pflegen die Kirschbäume und verzichten auf Spritzmittel. Christina, die viele Jahre ein eigenes Restaurant geführt hat, kocht aus den Früchten Saft, Marmelade oder Chutney und sie legt die Kirschen sogar mit Salz ein. Das Lieblingsgericht der Familie ist der frisch gebackene Kirschenplotz direkt aus dem eigenen Backhäuschen. (Text: BR)
    Deutsche TV-Premiere So. 05.07.2026 BR
  • Folge 20 (45 Min.)
    Jedes Jahr zu Jakobi findet im Pinzgau auf 2.000 Metern das Hundstoa-Ranggeln statt, das „ehrlichste Kräftemessen der Männer im Alpenraum“. Das bedeutet emotionale Momente von Jubel und Trauer, die dicht beieinander liegen. Der Film beschreibt die letzte Woche vor dem Höhepunkt des Jahres. Der Hundstein ist mit knapp über 2.000 Metern einer der höchsten Grasberge Europas. Seit 2010 ist das Hundstoa-Ranggeln in der Naturarena Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Erste Erwähnung findet diese Art des Ringens in einem Edikt von 1518, doch spricht vieles dafür, dass es bis auf die Kelten in vorchristlicher Zeit zurückgeht. Bei den Kelten ein heiliger Berg, hat sich der Hundstein bis heute als Austragungsort bewährt. Er ist in der Mitte des Pinzgau gelegen und von allen Seiten, von Maria Alm, Zell am See, Bruck an der Großglocknerstraße und Hinterthal zu Fuß erreichbar. Beim Hundstoa-Ranggeln geht es um den Titel des Hagmoar, was so viel heißt wie „Meister im umzäunten Gehege“. Früher wurde der Hagmoar unter den Hirten, Sennern und Knechten ausgeranggelt. Günther Heim war damals in den 50er-Jahren der jüngste Hagmoar. Er hat ein Buch über das Hundstein-Ranggeln geschrieben, in dem er die Wurzeln dieses archaisch anmutenden Kampfsports zurückverfolgt. Hans Jörg Voithofer kommt aus einer Ranggler-Familie, hat früh angefangen und den Keller voll mit Medaillen und Ehrungen. Daneben ist er Trainer vom Ranggel-Verein Bramberg am Wildkogel. Der Forstarbeiter schreibt auch Mundartgedichte und hat ein Ranggler-Lied verfasst. Hermann Höllwart aus Taxenbach war schon sechs Mal Hagmoar. Der Nebenerwerbslandwirt nutzt jede Gelegenheit, um zu trainieren, da wird der Kuhstall zum Fitnessstudio. Hermann Höllwart will auch diesmal gewinnen, ebenso wie sein engster Mitarbeiter Almin Klicic. Gemeinsam trainieren sie für den großen Tag, denn Hagmoar kann man nur einmal im Jahr werden. (Text: BR)
    Deutsche TV-Premiere So. 12.07.2026 BR
  • Folge 21 (45 Min.)
    Einmal im Jahr verwandelt sich die Wörnitz in eine Festbühne.
    Die Wörnitz ist der fischreichste und kurvenreichste Fluss Bayerns. Sie schlängelt sich von Schillingsfürst in Mittelfranken nach Donauwörth in Schwaben. Ob Flussbad, Inselleben oder Wasserfest – das Filmteam trifft Menschen, die mit dem „Schlangenfluss“ leben. Nicht ohne Grund nennen die Menschen die Wörnitz „Schlangenfluss“: Aus Mittelfranken kommend schlängelt sie sich insgesamt 132 km Richtung Südosten bis ins schwäbische Donauwörth und gilt als der langsamste Zufluss der Donau. Durch historische Städtchen wie Dinkelsbühl und entlang Wiesen und Felder zieht die Wörnitz gemächlich ihre Bahnen. Sie ist einer der fischreichsten und kurvenreichsten Flüsse in Bayern – ein Fluss voller Leben und Geschichten. An der Quelle in Schillingsfürst hüten Marina und Hartmut Gröner den Ursprung der Wörnitz. Ein altes Sprichwort sagt, wer einmal davon trinkt, kehrt immer wieder in das Städtchen zurück. Weiter flussabwärts bewirtschaften Josef und Saskia Leberle ihren Kartoffelacker – nah am Fluss, der ihr Leben mitprägt. Ungefähr auf halber Strecke, am Fuße des Hesselbergs, liegt die Schmalzmühle. Sie ist umschlossen von zwei Seitenarmen der Wörnitz und liegt somit auf einer Insel. Friedrich König nennt sich und seine Familie daher „die einzigen Inselbewohner“. Seine Frau Barbara macht Käse und es gibt auch einen kleinen Hofladen. Der Fischer und Fischereiaufseher André Holzinger kennt die Wörnitz wie kaum ein anderer. Er liebt diesen Fluss, sieht aber auch seine Verletzlichkeit. Gerade jetzt im trockenen Sommer tritt das besonders deutlich hervor. In Oettingen stellt Dana Abel Schmuck in Form der sich schlängelnden Wörnitz her. Und in dieser Stadt wird die Wörnitz immer wieder zum Treffpunkt der Gemeinschaft – ob im idyllischen Flussbad oder als Bühne für das jährliche Wasserfest mit fantasievollen Booten und großem Zusammenhalt. Wer an der Wörnitz lebt oder Zeit mit ihr verbringt, spürt: Dieser Fluss verbindet Menschen – und Menschen mit der Natur. (Text: BR)
    Deutsche TV-Premiere So. 26.07.2026 BR

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